Suchergebnisse für 'Oblinger'

Die kath.net-Highlights 2012 – Die Plätze 10-6

Platz 10: Eitelkeit und Selbstmitleid

Was war passiert?
Am Schweizer Abt Martin Werlen statuierte kath.net im November 2012 ein Exempel: Weil der als eher liberal bekannte Werlen weder ein Interview geben noch einen Gastkommentar schreiben wollte, reagierte die kath.net-Redaktion wie ein kleines Kind, dem man einen Lutscher wegnimmt ein kleiner katholischer Fundamentalist, dem man die signierte Erstausgabe von Gabriele Kubys Buch „Die globale sexuelle Revolution“ stibitzt. kath.net-Chef Roland Noé machte die zuvor ausgetauschten Emails daraufhin öffentlich und prangerte Werlen in gewohnt sachlicher Art und Weise als „Brandstifter“ und „Dialogverweigerer“ an.

Exemplarische Lesermeinung:

Warum ist Abt Martin noch im Amt?
Ja, warum?

(„Vonderwiege“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Eitelkeit und Selbstmitleid
- Eitelkeit und Selbstmitleid ii
-> Das verweigerte Interview (Lectio Brevior)

Platz 9: Die Oblinger-Affäre

Was war passiert?
Der katholische Priester Georg Oblinger hatte sich die ‚Junge Freiheit‘, wo er eine eigene Kolumne unterhielt, als ersten Zwischenposten auf dem Weg zur ganz großen publizistischen Karriere ausgesucht. Weil die ‚Junge Freiheit‘ aber auch ehemaligen Mitgliedern faschistischer Terrororganisationen, kath.net-Gastkommentatoren, NPD-Chefs und Autoren, die Zweifel an der offiziellen Holocaust-Opferzahl anmelden, eine Plattform bietet, war das Augsburger Bistum im Januar nicht besonders erfreut über Oblingers journalistische Betätigung und verbot dem Pfarrer weitere Veröffentlichungen in der JF. kath.net fand das, was angesichts der JF-Bannerwerbung und den vielen personellen wie inhaltlichen Übereinstimmungen kaum überrascht, nicht so toll. Wütend wurde über „Zensur“ respektive „Schreibverbot“ geschimpft, die Kontaktadresse des Bistums verlinkt und, um den Streit noch imposanter zu gestalten, erlogen, die JF sei die „zweitgrößte Wochenzeitung Deutschlands“. Das wäre bei einer Auflage von circa 21.000 Exemplaren gegenüber 930.000 beim Spiegel und etwa 500.000 bei der Zeit eine kleine Überraschung.
Der Fall war der erste große Aufreger des Jahres und führte sogar dazu, dass kath.net die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN, die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und das deutsche Grundgesetz bemühte: Schließlich verletze das „Schreibverbot“ Oblingers Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung.

Exemplarische Lesermeinung:

Ich sehe bei der JF auch keinen „Rechtsextemen Hintergrund“.
„Deutschnational“ entspricht nicht meiner Denkrichtung aber ich halte es für völligen Unfug, ja verleumderisch, diese Einstellung mit einem „Braunen Sumpf“ zu verbinden. Wenn man die heutige „Mainstream-Presselandschaft“ mit ihrer atheistischen oder gnostischen Linkslastigkeit betrachtet, könnte man fast der Meinung sein, die DDR hätte sich modernisiert und Westdeutschland übernommen!! Dem müssen wir als Katholiken verantwortungsbewusst entgegentreten!

(„Dismas“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Wer nicht passt, wird passend geschwiegen
- Wieso man die Junge Freiheit guten Gewissens doof finden darf
- Narrenfreiheit für einen Pfarrer?
- Beste Gesellschaft

Platz 8: Wirbel um ein Pfarrgemeinderatsmitglied

Was war passiert?
Irgendwo in der niederösterreichischen Provinz liegt Stützenhofen, das zur eher übersichtlichen Gemeinde Drasenhofen gehört. Dort gibt es nicht viel, außer einem Museum für alte Traktoren. Dennoch fand der Ort Erwähnung auf kath.net: Ein Stützenhofener Pfarrgemeinderatsmitglied lebt offen homosexuell, wofür ihn kath.net öffentlich bloßstellte und tadelte. Ihm sei es aufgrund seiner sexuellen Orientierung unmöglich, die Glaubenslehre der Kirche anzuerkennen. Die Proteste schienen erfolgreich, denn der mit kath.net eng vernetzte Wiener Kardinal Schönborn nahm sich der Sache persönlich an, die Messe schien gelesen. Dann die Überraschung: „Erlaubt Kardinal Schönborn homosexuellen Pfarrgemeinderat?“, titelte kath.net ungläubig und musste die Frage wenig später bejahen. Der kath.net-Kolumnist und im Netz als „Pfaffenheini“ bekannte Pfarrer Christian „I am not gay, although this may be politically incorrect / it’s a pleasure to live like this in fact“ Sieberer forderte das Pfarrgemeinderatsmitglied wenig subtil auf, der Homosexualität abzuschwören, andernfalls werde es Ärger aus Rom geben. Es half alles nichts, zähneknirschend gab kath.net klein bei und meidet Stützenhofen seitdem weiträumig.

Exemplarische Lesermeinung:

Verstehe ich das richtig: arbeitet tatsächlich ein Homosexueller, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, bei der Caritas mit behinderten Kindern?
Mir scheint die hauptberufliche kirchliche Arbeit mit behinderten Kindern NOCH FRAGWÜRDIGER zu sein als der ehrenamtliche Einsatz.

(„Bene16″ hier)

Nach- und weiterlesen:
- The KKK took his schlimme Abirrung away
- The KKK took his schlimme Abirrung away ii

Platz 7: Dauerwerbesendung für die rechte Sache

Was war passiert?
Der Sommer war Ende September 2012, wie oft zuvor, dem Herbst gewichen, der wiederum eine Ahnung des bevorstehenden Winters ins Land warf. Vielleicht hatte kath.net die Bannerwerbung des Miriam-Verlags also nur wegen des unschlagbaren Sonderangebots für Weihnachten („Nussschalen-Krippe“, 1,80€) akzeptiert und dabei das Buchsortiment aus den Augen verloren. Der Miriam-Verlag führt in seinem Angebot nämlich unter anderem auch Werke von Manfred Adler. Adler war Autor antisemitischer und verschwörungstheoretischer Abhandlungen über „Die Söhne der Finsternis“, zu denen der frühere Lehrer vor allem Freimaurer und Juden zählte. Der Miriam-Verlag bietet, mutmaßlich aus rechtlichen Gründen, mittlerweile nur noch drei Bücher Adlers an. Dabei fehlen seine bekanntesten, in den Siebzigern ebenfalls bei Miriam erschienenen Bücher über die „internationale Hochfinanz“, die „sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit und politische Skrupellosigkeit“ der Juden und Fragen wie: Wer trägt die größere Schuld am Holocaust: „Nazis oder Zionisten?“
Weiterhin bietet der Miriam-Verlag indes ein Adlersches Werk an, das sich mit der „Verschwörung der Insider-Imperialisten“ ebenso eingehend beschäftigt wie mit der „Bilderberg-Gruppe“ und dem „Vatikan und die Weltherrscher der Finsternis“. Die Werbebanner sind bis heute nicht von kath.net verschwunden.

Exemplarische Lesermeinung:
-

Nach- und weiterlesen:
- Dauerwerbesendung ii
- Noch weniger wissen mit Kathpedia

Platz 6: Eine nicht ganz ideale Überschrift

Was war passiert?
„In Deutschland schrumpft die evangelische Kirche schneller als die katholische“, leitete kath.net im Juli einen von der evangelikalen Nachrichtenagentur idea verfassten Artikel ein. Wie so oft bestand die Eigenleistung der Redaktion im Bebildern und Überschreiben eines Pressetextes. Das misslang allerdings gründlich: Die Überschrift „ProtestUNTEN – Evangelische Kirche schrumpft schneller als katholische“ hielt sich, mutmaßlich aufgrund massiver Proteste, nicht lange. Das ist wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass „Protestunten“ eine der liebsten Hassvokabeln im Diffarmierungsarsenal von kreuz.net war.

Exemplarische Lesermeinung:
-

Nach- und weiterlesen:
- Keine gute Überschrift
-> Screenshot

Dauerwerbesendung ii

Allgemein bekannt sein dürfte, dass kath.net seit Jahren für die Zeitschrift Junge Freiheit wirbt, sowohl in Artikeln (etwa während der Oblinger-Affäre) als auch per Banner. Neben weiteren Werbeflächen für outgesourcte Gebete, gemäß Hildegard von Bingen hergestellte Naturprodukte und kreationistische Internetportale lässt sich auf kath.net auch Werbung für den Miriam-Verlag finden.

Im Kathpedia-Artikel über den Miriam-Verlag wird erläutert, dass er 1972 gegründet worden sei und großen Wert darauf lege, „dass alle von ihm vertriebenen Schriften marianisch, katholisch und papsttreu sind“. Der Miriam-Verlag rühmt sich auf dem Werbebanner, „katholische Presse, Bücher, Filme, Accessoires, Schmuck u.v.m.“ anzubieten, tatsächlich ist der auf der Verlagsseite befindliche Shop vergleichsweise umfangreich: Neben den erwähnten Erzeugnissen werden (christliche) Gesellschaftsspiele, (christliche) Puzzles, (christliche) Statuen und sogar (christliche) Kassetten angeboten.

Wer mit einer Nussschalen-Krippe für 1,80€ aber nichts anfangen kann, wird unter Umständen im Buchsortiment fündig. Dort gibt es nicht nur allerlei verlagsfremde Titel, sondern auch im Miriam-Verlag publizierte Bücher. Besonders bemerkenswert ist die Sparte „Freimaurerei“, wo auch drei Titel von Manfred Adler angezeigt werden.

Der Name Manfred Adler könnte aufmerksamen Leser_innen dieses Blogs bereits bekannt sein: Er ist einer der Kronzeugen im Kathpedia-Artikel über die Weltverschwörung der Freimaurer. Adler war Priester und Lehrer, musste letztere Tätigkeit allerdings 1978 beenden, nachdem seine publizistische Vergangenheit bekannt geworden war. In seinem Kathpedia-Artikel wird verschwörerisch von „einer Pressekampagne eines Boulevardmagazins“ gesprochen, auch kreuz.net schrieb 2006 anlässlich seines Todes von einer „Pressekampagne“.

Interessant ist Manfred Adler in diesem Kontext vor allem, weil sein Werk beispielhaft ist für das rechtskatholische Verhältnis zur Freimaurerei – und zum Judentum.

Adlers erstes nennenswertes Buch, „Die geplante Weltregierung“, erschien 1975 und war Teil einer Trilogie namens „Die Söhne der Finsternis“, die im Miriam-Verlag erschien. Aus gutem Grund bietet der Miriam-Verlag online heute nur noch den ersten Teil an: Mag schon der nur 70-seitige Auftakt mit allerlei Enthüllungen über den „Traum von der One-World“, „die Verschwörung der Insider-Imperialisten“ oder „die Bilderberg-Gruppe“ kruder Unfug sein, wird es spätestens mit dem Nachfolger auch strafrechtlich relevant: Teil 2 der Trilogie hört auf den Namen „Weltmacht Zionismus“ und bietet genau das, was der Titel verspricht.

1978 berichtete der Spiegel über „Weltmacht Zionismus“ und zitierte einige Passagen. So schrieb Adler über die „sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit und politische Skrupellosigkeit“ der Juden, die von der „freimaurerischen Propaganda“ unterstützt würden und dichtete ihnen und „Vertretern der internationalen Hochfinanz“ das Ziel an, eine „Weltregierung“ zu planen, die nicht nur „die totale Diktatur“ oder „moralische[n] Bankrott“ zum Ziel habe, sondern den „Untergang dieser Gesellschaft“.
Außerdem überlegte Adler, wer die größere Schuld am Holocaust gehabt habe: „Nazis oder Zionisten“?

Auf einer Holocaust-Gedenkseite wird Adlers Trilogie ebenfalls besprochen. So schrieb Adler etwa: „Die Medien der Kommunikation [werden] in unserer Welt vorwiegend von Freimaurern und Zionisten beherrscht“, er griff auf die antisemitische Hetzschrift ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ zurück und zitierte Neonazi-Publikationen. Adlers Ausführungen legten nahe, dass die Nazis weniger als 6 Millionen Juden getötet haben sollen, und er war sich auch nicht zu schade, das deutsche Handeln mit dem Erfinden einer „jüdischen Kriegserklärung“ zu relativieren.

Im erwähnten kreuz.net-Artikel wird über Adlers „große menschliche Milde“ gestaunt, seine „Baskenmütze“ wird bewundert und von seinem „augenzwinkernden Lächeln“ geschwärmt; bei Kathpedia wird berichtet, er habe „täglich das Heilige Messopfer im Seniorenheim St. Bonifatius in Limburgerhof“ gefeiert. Über seine antisemitischen Ausfälle wird auf beiden Seiten geschwiegen.

Im Miriam-Shop werden neben dem Auftakt von „Die Söhne der Finsternis“ nur zwei weitere Bücher Adlers angeboten: „Kirche und Loge“ sowie „Die antichristliche Revolution der Freimaurerei“. Dass sich der Verlag offenbar bis heute noch nicht von einem Autor antisemitischer Schriften distanziert hat, der seine Werke bei Miriam veröffentlichen konnte, und dass dort im Gegenteil weiterhin seine verschwörungstheoretischen Bücher verkauft werden, spricht für sich.
Dass es kath.net augenscheinlich egal ist, ebenfalls.

Beste Gesellschaft

Nachdem sich kath.net in den letzten Tagen bereits darum bemühte, der Jungen Freiheit weitgehend argumentfrei die Neigung zu rechten Themen und Autoren abzusprechen, legt heute Michael K. Hageböck nach. Auch der kann nicht verstehen, wieso dem Ichenhausener Pfarrer Georg Alois Oblinger vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa untersagt wurde, für die Zeitschrift zu schreiben – und fährt dementsprechend harte Geschütze auf:

Mit der Zensur von Pfarrer Oblinger beschneidet der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa in eklatanter Weise ein grundlegendes Menschenrecht und bringt eine gewichtige, katholische Stimme in der deutschen Presselandschaft zum Schweigen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist verbürgt in: Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen; Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union; Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen – Hageböck ist in der Posse um eine Rechtsaußenpostille also um keinen Superlativ verlegen. Dass Zdarsa als Oblingers Vorgesetzter sehr wohl die Möglichkeit hat, dessen publizistische Bestrebungen etwas einzugrenzen, will ihm nicht auffallen. Zudem verstößt das „Schreibverbot“ auch gegen kein Menschenrecht – Oblinger steht es schließlich frei, weiterhin für die JF zu schreiben. Er müsste dann nur mit den Konsequenzen leben können.
Hageböck fährt mit der bekannten Verteidigungsstrategie fort:

Man braucht nicht sämtliche Positionen der „Jungen Freiheit“ zu teilen, doch man muss ihr bescheinigen eine der ganz wenigen Zeitungen im deutschen Sprachraum zu sein, wo frei gedacht und geschrieben werden kann. Vielleicht die einzige maßgebliche Stimme, was konservative Positionen anbelangt.

Chefredakteur der Jungen Freiheit ist Dieter Stein (1967), ein gläubiger Protestant, der überzeugte Christen beider Konfessionen unter seinen Mitarbeitern hat. Kaum eine Bistumszeitung in Deutschland berichtete so oft und so positiv über Papst Benedikt XVI. wie die „Junge Freiheit“ – ganz zu schweigen, was sonst mit Hilfe von Kirchensteuergeldern publiziert wird.

Statt zu hinterfragen, wieso eine Zeitschrift mit rechtem Einschlag so viele Katholiken anzuziehen scheint, hat Hageböck eine andere tolle Idee:

Eine unvollständige Auswahl von Interview-Partnern der „Jungen Freiheit“ belegt, dass dieses Organ in den letzten 25 Jahren die unterschiedlichsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für einen Beitrag gewinnen konnte. Hier aufgeführt sind Prominente unterschiedlichen Glaubens (Juden, Moslems, Christen) sowie linke Politiker (womit dem Vorwurf entgegnet sein soll, die Zeitung sei rechtsaußen). Bei soviel Prominenz wirkt die Zensur von Pfarrer Oblinger völlig absurd und lächerlich.

Es folgt eine Liste mit diversen „Juden, Moslems, Christen, Sozialdemokraten und weiteren linken Politikern“. Abgesehen davon, dass diese Aufteilung ziemlich dämlich ist – sie verschweigt auch ein paar Dinge. Die Liste mit den Namen bekannter Interviewpartnern ist jedenfalls bestenfalls ein Viertel der Wahrheit. Nicht nur, dass sämtliche für die Verteidigung der JF unbequemen Personen unerwähnt bleiben – Hageböcks Auflistung will zudem den Eindruck erwecken, als hätten alle Aufgeführten der Zeitschrift im vollen Bewusstsein ihres Standpunkts Rede und Antwort gestanden. Das Gegenteil ist der Fall:

Charlotte Knobloch etwa, von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, gab der Jungen Freiheit im Jahr 2000 ein Interview. Das stieß im ZdJ auf keine große Begeisterung – man distanzierte sich prompt von der Zeitschrift und gab die Losung aus, in Zukunft nicht mehr mit „rechtsgerichteten Medien“ zu kooperieren. Auch wurde die von Hageböck genannte Elvira Noah kritisiert, die zuvor mit der JF sprach. Michel Friedman, der ebenfalls in der Liste geführt wird, wird von der Berliner Zeitung 2000 zitiert, es sei problematisch, sich der JF „als Gesprächspartner anzudienen“.

Auch Heinz Buschkowsky, SPD-Politiker und Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg mit dem Hang zu Sarrazinscher Polemik, entschuldigte sich 2005 öffentlich für sein Interview mit der JF. Buschkowsky behauptete, nichts von dem Charakter des Blattes gewusst zu haben; Chefredakteur Dieter Stein habe die Zeitschrift als „konservativ“ vorgestellt. Allerdings kam Buschkowsky später selbst zur Einschätzung, die JF sei „rechtsradikal bis neonazistisch“.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang eine SPD-Broschüre von 2005, die in der Partei bezeichnenderweise nicht unumstritten ist. Dort heben die Autoren Sebastian Edathy und Niels Annen die Rolle der vermeintlich seriösen Interviewpartner für die Außenwirkung der Jungen Freiheit hervor:

Es darf auch keinerlei Beiträge oder Interviews für extrem rechte Zeitschriften geben. Dies gilt insbesondere für Blätter wie die „Junge Freiheit“ und „Criticon“, die sich damit als demokratisch legitimieren wollen.

Medien wie die Junge Freiheit, oder auch die nach eigener Aussage konservative Jugendzeitschrift Blaue Narzisse wissen natürlich: Wollen nicht-rechtsaffine Politiker oder Kulturschaffende einigermaßen seriös bleiben, werden sie ihnen im Zweifelsfall keine Interviews geben. Deshalb wird die Ausrichtung in der Regel verschwiegen, mit „konservativ“ angegeben – oder man versucht, wie es Hageböck nun auf kath.net probiert, mit dem Aufzählen anderer namhafter Personen alle Zweifel zu zerstören.
Schwer zu sagen, wie viele der in der Liste enthaltenen Politiker nicht wussten, mit was für einer Zeitschrift sie es zu tun hatten.

kath.net bemüht sich seit Tagen darum, die Junge Freiheit als ein konservatives, kirchenfreundliches Medium zu zeichnen, das von Bischof Zdarsa und den bösen linken Medien völlig willkürlich als rechtsradikal gebrandmarkt wird. Und so fehlen in Hageböcks Index vertrauenswürdiger JF-Interviewpartner naturgemäß all jene, die der Argumentation nicht dienlich sind. Das in der Jungen Freiheit abgedruckte Gespräch mit NPD-Chef Udo Voigt, die Tiraden des französischen Neonazis Alain de Benoist, die Opferschätzungen des Holocaust durch Alfred Schickel, die mit Nazis verbundenen Claus Wolfschlag oder Günter Zehm: Diese Autoren und ihre Texte werden einfach ausgeblendet, als ob sie für den Charakter der JF nicht wichtig wären.

Die als Stichwortgeber dienenden Artikel werden von den kath.net-Lesern entsprechend begeistert angenommen. Drei der mittlerweile sechs Texte haben mehr als 70 Kommentare aufzuweisen, und auch unter Hageböcks Erguss finden sich bereits 20 Meinungen. „Gewitterwolke“ nennt Konrad Zdarsa da etwa einen ‚Schwächling-Bischof‘, „JohannBaptist“ spricht vom ‚Augsburger Intrigantensumpf‘, den es trocken zu legen gelte.
Und ein besonders unterhaltsamer Beitrag gelingt „Dismas“ unter dem gestrigen Artikel von Gernot Facius:

Auch Gernot Facius verteidigt nun die „Neue Freiheit“
Ich sehe bei der JF auch keinen „Rechtsextemen Hintergrund“.
„Deutschnational“ entspricht nicht meiner Denkrichtung aber ich halte es für völligen Unfug, ja verleumderisch, diese Einstellung mit einem „Braunen Sumpf“ zu verbinden. Wenn man die heutige „Mainstream-Presselandschaft“ mit ihrer atheistischen oder gnostischen Linkslastigkeit betrachtet, könnte man fast der Meinung sein, die DDR hätte sich modernisiert und Westdeutschland übernommen!! Dem müssen wir als Katholiken verantwortungsbewusst entgegentreten!

Narrenfreiheit für einen Pfarrer?

Das „Schreibverbot“ des Ichenhausener Pfarrers Georg Alois Oblinger wächst sich in der rechtskatholischen Szene wie erwartet zu einer hemmungslosen Kampagne aus. Auf kath.net erschienen seit Mittwoch fünf Artikel zum Thema, und auch kreuz.net schießt sich immer mehr auf den Augsburger Bischof Zdarsa ein, der es Oblinger untersagte, für das rechte Blatt Junge Freiheit zu schreiben. Wieso Letzteres eine gute Idee war, habe ich hier dargelegt.

In den neuen Beiträgen empören sich nacheinander Harry Potter-Hasserin Gabriele Kuby, Papst-Biograph Peter Seewald und der ehemalige WELT-Journalist Gernot Facius darüber, dass ihr Lieblingsblatt vom Augsburger Bischof Zdarsa als das erkannt wurde, was es ist: eine Rechtsaußen-Postille.

Gabriele Kuby weist auf ihre eigene publizistische Vergangenheit bei der Jungen Freiheit hin, zitiert andere Katholik_innen, die für die JF wirkten und ist sich auch für einen dieser verräterischen Seitenhiebe auf die „linkslastige Medienlandschaft“ nicht zu schade. In ebendieser sei „ein konservatives Medium hoher Qualität“, wie es die JF darstelle, eine Stütze für die „Meinungspluralität in der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung“. Dass sich in der JF auch diverse offen rechtsradikale Autoren tummeln, verschweigt sie lieber.
Kuby beschließt ihren Text mit der Feststellung, dass die Kirche von innen zerstört würde – als Beleg führt sie neben dem „Schreibverbot“ den Weltbild-“Skandal“ an.

Seewalds Verteidigungsschrift ist kürzer. Er zeigt sich kath.net zufolge „erschüttert“ und will sich mit Oblinger solidarisieren. Nunja.

Gernot Facius gelingt der gewiefteste Versuch: Er distanziert sich ein wenig vom rechtskatholischen Mob, indem er daran erinnert, von „Traditionalisten“ als „altliberaler Journalist“ bezeichnet worden zu sein. Mit der längst ausgeleierten Phrase der „zeitgeistigen Strömungen“, die der Kirche in der Vergangenheit geschadet hätten, gibt er sich den Lesern aber als einer der ihren zu erkennen. Die Überschrift „Das Schreibverbot ist ein Rückfall in dunkle Zeiten“ weckt allerlei Assoziationen, keine davon ist in diesem Fall zutreffend oder auch nur angemessen. Facius lobt die JF, die „ein intellektuelles Publikum“ anspreche, dafür, dass sie „kirchliche bzw. theologische Sachverhalte differenziert“ darstelle. Dezent weist er auf Konrad Zdarsas Jugend in der DDR hin, und folgert, dass ihm „Zensurmentalität“ doch eigentlich zuwider sein müsse. Außerdem vergleicht er Oblinger mit „anderen auf den Besitz der Wahrheit pochenden Schreibern aus dem ’schwarzen Block‘“. Den höheren Sinn dieser Zeilen sucht man wohl vergeblich.

Die Reaktionen auf kath.net zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ungünstige Fakten ausgeblendet und nicht einmal am Rande erwähnt werden. Wenn also etwa Gabriele Kuby das Zugeständnis macht, dass die JF von anderen Medien als rechtsradikal bezeichnet wird, dann folgt als Gegenrede nur der Verweis auf katholische Autoren. Die ganz offen anzutreffenden rassistischen und nationalistischen Tendenzen der Zeitschrift werden nicht einmal ansatzweise angesprochen oder gar widerlegt. Stattdessen übt man sich darin, „Zensur!!!“ zu schreien und die Meinungsfreiheit einzufordern. An keiner Stelle wird reflektiert oder gar bemerkt, dass die konservativen Katholiken der Jungen Freiheit ihr „bürgerliches“ Profil erst ermöglichen könnten.

Wie sehr sich kath.net für die immer wieder geforderte Meinungsfreiheit engagiert, lässt sich übrigens an einem weiteren aktuellen Artikel ablesen. Dort wird der Würzburger Augustinerprior Peter Reinl zum Abschuss freigegeben. Nicht etwa, weil er Hass auf andere Menschen verbreitete oder Medien unterstützte, die ebendas tun. Seine Verfehlungen sind ein wenig profaner:

Der Würzburger Augustinerprior Peter Reinl hält es für „nicht entscheidend“, „welche sexuelle Orientierung, welches Geschlecht und welchen gesellschaftlichen Stand derjenige hat, der dem Gottesdienst vorsteht“.

Überschrieben ist der mit derlei schweren Vorwürfen vollgestopfte Bericht übrigens mit „Narrenfreiheit für einen Prior?“. In der Kommentarspalte wird Rein daraufhin von „nemrod“ als ‚ein jämmerlicher Mensch!!‘ tituliert, während „Waldi“ eine gute Idee hat:

Welch ein Unsinn!
So gesehen könnte man doch ohne weiteres auch einen üblen Zuhälter die Messe zelebrieren lassen.

Übrigens: Wer hat im Sommer 2010 auf kath.net eine Bannerwerbung geschaltet? Na? Na? Genau.

Holocaust-Gedenken mit kath.net-Lesern

Die Wannseekonferenz fand heute vor 70 Jahren statt. Dort beschlossen die Nazis, wie der Massenmord an den Juden zu organisieren war. Insgesamt 6 Millionen Juden wurden Opfer der tödlichen deutschen Akribie.

Dass auch kath.net nun über den Jahrestag berichtet, ist grundsätzlich zu begrüßen. Es kann nicht oft genug an die vielen Opfer erinnert werden; nicht oft genug kann ins Gedächtnis gerufen werden, wohin Rassismus und Antisemitismus letztlich führen. Am von idea abgeschriebenen Text gibt es wenig zu bekritteln, falsch ist lediglich der folgende Satz:

Das Ergebnis dieser Zusammenkunft am 20. Januar 1942 im Südwesten Berlins war die systematische Ermordung von rund elf Millionen Juden in Europa.

Diese Zahl der elf Millionen europäischen Juden ist zwar mit der Wannseekonferenz durchaus in Verbindung zu bringen, die zitierte Aussage aber dennoch nicht richtig: Elf Millionen europäische Juden, so hieß es 1942 von den Nazis, kämen für „die Endlösung der Judenfrage“ in Betracht. Soweit kam es bekanntlich glücklicherweise (wenn man diese Vokabel in diesem Zusammenhang überhaupt verwenden kann) nicht.

In der kath.net-Kommentarspalte tummeln sich derweil die Geschichtsvergessenen. Obwohl es bis dato nur drei Lesermeinungen durch die Zensur schafften, ist die Dichte des Wahnsinns atemberaubend. „Dismas“ eröffnet:

Solche Gedenkveranstaltungen soll man abhalten,
aber das ist Geschichte, schlimme Vergangenheit…
Aber heute, was passiert aktuell: täglich werden Ungeborene ermordet und das wird von weiten Kreise „bagatellisiert“. Was werden UNS dazu künftige Generatiionen einst für Fragen stellen?? WAS werden wir antworten??

Das Aufwiegen von Massenmord und Abtreibung, von Holocaust und „Babycaust“, ist widerlich und unfassbar dumm. Das findet auch Leser „Friedemann Bach“, der „Dismas“ zur Vernunft zu rufen sucht:

Verehrter Dismas
Als Katholik und Mensch leide ich wie Sie über die Tatsachen, dass so viele Kinder abgebtrieben werden.
Die Verquickung von Abtreibung und Holocaust (Shoa) geht aber nicht. Beides ist nicht miteinander vergleichbar und relativiert m.E. die Shoa.
Die Shoa – das zeigt ja gerade die Wannseekonferenz – war ein planmäßiger Genozid, der mit Hilfe damals modernster industrieller Technik (Zyklon B, Verbrennungsöfen), durchgeführt werden sollte. Eine solch generalstabsmäßig geplante und industriell durchgeführte Vernichtung einer ganzen Volksgruppe bildet bis heute ein einmaliges Verbrechen.
Auch wenn die Abtreibungszahlen erschreckend hoch sind, handelt es sich weder um eine geplante Massenvernichtung noch wird den Ungeboren wie den damaligen Juden grundsätzlich das Lebensrecht abgesprochen.
Um dem Übel der Abtreibung Herr zu werden, bedarf es einer Schärfung des Gewissens u. ein wirkliches Verstehen der Notlage der Frauen, um konkret helfen zu können.

Daraufhin brennt „willibald reichert“ ein Feuerwerk an Geschichtsrevisionismus und Ignoranz ab:

Friedemann Bach
Es gab auch den Genozid an den Armeniern! Die ersten
Konzentrationslager errichteten die Engländer in Südafrika und die ersten Vergasungen fanden durch
die Türken an den Armeniern statt. Nicht umsonst
konnte Hitler davon sprechen:Wer redet heute noch über die Armenier? Das staatlich verordnete
Töten einer religiös mißliebigen Minderheit kam
nicht aus heiterem Himmel, sondern wurde eben-
falls geplant. Ansonsten hätte die EU nie und nimmer erklärt, daß es sich um einen Genozid
handelte, der die Hälfte der Armenier das Leben
kostete. Zur Gegenüberstellung von Abtreibungs-
tötung und Judenvernichtung gebe ich Dismas
uneingeschränkt Recht und erinnere an ein Zitat
des ehemaligen Oberlandesgerichtspräsidenten
Wassermann:Wenn ein Mensch einem anderen
physische Gewalt antun darf,ist der Rechtsstaat
außer Kraft gesetzt.Die Folgen für unser Rechts-
gefühl sind damit schlimmer als die des Holocaust.

Obwohl diese Worte wahrlich für sich sprechen und keine Gegenrede verdienen, seien mir noch zwei Hinweise gestattet: Die Behauptung, Konzentrationslager seien gar keine deutsche Erfindung, ist besonders unter Holocaustleugnern eine beliebte Argumentation: Sie lenkt davon ab, dass der von den Deutschen geplante und durchgeführte Judenmord singulär ist. So wird mit Halbfakten jongliert, die nichts, aber auch gar nichts mit den NS-Lagern zu tun haben.
Und auch der Hinweis auf den an den Armeniern verübten Genozid ist in diesem Kontext nicht hilfreich. Auch das ist nur der erbärmliche Versuch, die deutschen Verbrechen zu marginalisieren.

Das muss wohl der „dezidiert konservative, aber klar auf demokratischem Boden stehende“ Katholizismus sein, von dem der Junge Freiheit-Kolumnist Georg Alois Oblinger sprach.