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Seltsame Weltbild-Eiferer

Von Peter Hummel:

Dass bei Weltbild in den letzten 20 Jahren nicht alles so lief, wie die Bischöfe sich das vorgestellt oder gewünscht haben, ist unbestritten. Und dass ein katholisches Unternehmen mal besser keine erotische Literatur produziert und aufkauft, ebenso. Es gibt einfach im Leben, auch im Geschäftsleben, ein paar Regeln, die man besser einhält. Deshalb sind Metzger auch keine Vegetarier. Allerdings sind die Umstände, wie es nun zum plötzlichen großen Knall beim zweitgrößten Buchversender Europas kam, schon ein bisschen seltsam. Federführend in der Anti-Weltbild-Kampagne war ein privates, erzkonservatives Internetportal aus Österreich mit dem Namen www.kath.net. Von dort wurde in den letzten Wochen immer wieder – auch berechtigt – der Finger in die Wunde gelegt. Nun, nach der Ankündigung der Bischöfe, Weltbild zu verkaufen, scheint die Redaktion alles erreicht zu haben, was zu erreichen war. Damit aber nicht genug. Inzwischen geht es den Eiferern offensichtlich darum, dass alle 6500 Mitarbeiter von Weltbild exkommuniziert werden sollen, weil sie am Verkauf bestimmter Waren beteiligt waren. Das fordert ein gewisser „Sixtus“ in einem anonymen Beitrag. In einem Beitrag, der vorher von der Redaktion gegengelesen wurde, weil kath.net alle Kommentare grundsätzlich erst nach einer vorherigen Prüfung frei schaltet! Und bei einem Kommentar mit einer solchen Brisanz wird sicher zweimal gecheckt.

Hinzu kommt, dass die Internetseite zuletzt mehrere Artikel eines rechtsradikalen Historikers veröffentlich hatte und diese erst wieder löschte, als der ORF darüber berichtete. Bis heute behauptet kath.net, dass die Inhalte der entsprechenden Artikel völlig in Ordnung gewesen seien. Die Leser dürfen sich positiv zu Pius-Bischof Williamson äußern, der den Holocaust geleugnet hat – und im gleichen Atemzug behaupten, dass so mancher römisch-katholische Bischof vom Glauben abgefallen sei, weil er über die Probleme von Wiederverheiratet-Geschiedenen nachdenkt. Da stellt sich die Frage, ob die katholischen Hirten wirklich gut beraten sind, wenn sie sich neuerdings ausgerechnet von solchen Redaktionen antreiben und beeinflussen lassen.

kreuz.net, in vielen Punkten kath.net sehr ähnlich, berichtete vergangene Woche, dass der Chefredakteur von kath.net mit anderen deutschsprachigen katholischen Journalisten jüngst vom Privatsekretär des Papstes empfangen wurde. Dem Vernehmen nach haben sich einige der Herren durchaus gut mit dem kath.net-Chef verstanden. Beruhigend finde ich das nicht.

Zuerst erschienen auf ausgburger-allgemeine.de und mit freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht.
Peter Hummel ist Journalist.

Letztgültiges zu Weltbild

Was war das für eine umfangreiche Kampagne, die kath.net in den letzten Wochen gegen Weltbild fuhr! Weil ich dazu schon alles schrieb, was es zu schreiben gibt, sei an dieser Stelle abschließend aus der aktuellen Titanic zitiert:

Jesus Maria, Weltbild-Verlagsgruppe!

Nur weil Du als einer der größten deutschen Buchhändler zufällig der katholischen Kirche gehörst, musstest Du Dir wegen Deines Angebots jetzt viel Hässliches vorwerfen lassen: „Weltbild-Verlag: Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen“ (Welt Online), „Pornos aus dem Kirchenverlag“ (Kölner Express), „Verbreitung von Sexbüchern, Gewaltverherrlichung, Esoterik, Magie und Satanismus“ (Berliner Morgenpost Online). Aber weshalb, Weltbild Verlagsgruppe, verteidigst Du Dich mit dem müden Hinweis, solche Titel entstammten lediglich dem Großhandelsangebot des deutschen Buchhandels und würden deshalb auf Kundenwunsch geliefert?
Warum nicht offensiv: Mit Sex- und Gewaltexzessen, Esoterik, Magie und Satanismus kennt sich seit jeher niemand besser aus als die katholische Kirche, weshalb diese Themen selbstredend ins Portfolio ihres Buchhandels gehören!

Aus: Titanic 12/2011. Briefe an die Leser, S. 6/7.

Leseempfehlung ii

Während kath.net sich weiterhin für investigativ hält und Auszüge von Briefen zum sog. „Sexskandal“ veröffentlicht, findet sich auf Volkers Blog ein schöner Artikel zur Doppelmoral und Unsinnigkeit der Kampagne gegen Weltbild:

So eschofiert sich Alexander Kissler auf kath.net über ein System „in dem die Heuchelei Struktur geworden ist“, in dem „die Entwelt(bild)lichung“ (welch subtiler Wortwitz) dringend anstünde, da sich ansonsten die „neuerliche Glaubwürdigkeitskrise“ der Kirche „zum existenziellen Flächenbrand“ ausweiten werde. Ich frage mich allen Ernstes, ob es nicht viel verlogener ist, nach einem dramatischen Missbrauchsskandal zur sexverklemmten Tagesordnung vergangener Jahrhunderte zurückzukehren, wenn lange noch nicht geklärt ist, inwiefern gerade diese Sexualmoral und bestimmte kirchliche Strukturen der eigentliche Nährboden für diese Verbrechen waren?!

Der komplette Kommentar findet sich hier.

Ein ziemlicher guter Vergleich

Fällt es mir derzeit nur besonders auf, oder reden sich kath.net-Leser und -Chefs aktuell tatsächlich immer wieder und immer mehr mit absurden und gefährlichen Judenvergleichen um Kopf und Kragen? Eine Facebook-Unterhaltung jedenfalls ist das nächste Zeugnis der seltsamen Mode:

Papst Benedikt hatte in einem Brief mehr oder weniger offen zum sog. „Sexskandal“ um Weltbild Position bezogen, was kath.net zu einem freudigen Bericht hinriss. Auf der offiziellen kath.net-Facebookseite verlinkte man den Artikel und ließ sich durch einen offenbar mittlerweile gelöschten Kommentar zu einem dämlichen Vergleich verleiten:

Wenn eine christliche Buchhandlung keine menschen und frauenveracht. Literatur bringt, ist dies keine Zensur sondern ein Dienst am Menschen. Mit der selben „Logik“ könnte man auch jüdischen Buchhandlungen „Zensur“ vorwerfen, wenn sie keine holocaustverherrlichenden Bücher verkaufen.

Ja, das könnte man wohl mit der selben „Logik“. Jedenfalls wenn man, wie die neuerdings also als Frauenrechtler engagierten österreichischen Katholiken, annimmt, dass Erotikbücher genauso schlimm sind wie Printerzeugnisse, die den Holocaust relativieren.
Zugegeben: Vermutlich ist der Facebook-Account unter der Redaktion aufgeteilt, so dass dieser Kommentar nicht der kath.net-Linie entsprechen muss. Dennoch ist das schon ein bemerkenswert schlechter und unangebrachter Vergleich, der einmal mehr mangelnde Sensibilität entlarvt.

Warum liegt hier eigentlich immer noch Stroh?

+++UPDATE: JETZT NOCH VERSAUTER!!+++

Es muss sich wundervoll anfühlen, wenn man als katholischer Fundamentalist guten Gewissens im Internet nach Begriffen wie „Porno“ oder „Sex“ suchen kann – schließlich ist Roland Noé und sein kath.net-Team gerade auf der Suche nach weiteren Enthüllungen im sog. „Sexskandal“.

Der Weltbild-Konzern, der mehrheitlich der katholischen Kirche gehört und der wiederum ein Drittel von buecher.de besitzt, war in den letzten Wochen durch die harte Recherche von kath.net in Bedrängnis geraten: Sie boten schließlich Bücher und DVDs an, die erst ab 16 Jahren freigegeben waren!
Obwohl betont wurde, die „Enthüllungen“ würden hinsichtlich der Gefahr kirchenferner Kritik vorgenommen, so darf man doch eher annehmen, dass kath.net die rigide Sexualmoral wieder etwas gesellschaftsfähiger machen und Zensur ausüben möchte.

Das neueste Ziel der Kritik ist ein Film namens „Porn Horror Movie“ (der im englischen Original übrigens auf den etwas subtileren Titel „One-eyed monster“ hört).
kath.net merkt entrüstet an:

Allerdings sind sogar am Freitag Mittag nach wie vor geschmacklose Angebote sogar bei Weltbild.de zu finden. So gibt es z. B. ein Video „Porn Horror Movie“. Ein Auszug aus der Produktbeschreibung: „Als sich Porno-Superstar Ron (Ron Jeremy) mit einer Schar heißer Nachwuchs-Talente zu einem Low-Budget-Dreh in eine einsame Berghütte zurückzieht, erwartet er einen leichten Job. Doch kaum ist die erste Klappe gefallen, wird der Hauptdarsteller von einem unheimlichen Blitz aus dem All getroffen – mit mörderischen Folgen: denn jetzt macht sich Rons sagenumwobenes Super-Genital selbständig und bohrt sich gnadenlos von einem blutigen Höhepunkt zum nächsten….“

Hätte sich kath.net weiterhin über diesen Film informiert, wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass es sich um eine trashige Komödie handelt, die, natürlich, ab 16 Jahren freigegeben ist. Mich erinnert die Story übrigens frappierend an den (dem Trailer zufolge) großartigen Film „Rubber“, in dem ein Reifen als Mörder auftritt.

Lustig übrigens, dass kath.net bekanntlich nicht nur rassistische Bücher auf weltbild.de egal sind – auch der ebenfalls ab 16 Jahren freigegebene Film „Die Passion Christi“ wird dort verkauft. Und obwohl dieser vielfach verstörendere Bilder (und antisemitische Hintergrundgedanken) enthält als der „Porn Horror Movie“ und alle Erotikbücher, wurde er beim Erscheinen auf kath.net gefeiert.

Anlässlich dieser an Bigotterie und Wahnsinn kaum zu überbietenden Kampagne sei hier noch an einen wundervollen kath.net-Beitrag zum Thema Denglisch erinnert: So empfanden „besorgte“ kath.net-Leser den Slogan „kiss and ride“ als „Hinweis zur Prostitution“. Ohne zu googlen oder nachzudenken leitete kath.net die Bedenken an die Stadt Wien weiter. Die Geschichte ist so wundervoll, dass sie sogar in dem Wikipedia-Artikel zum Thema Erwähnung findet.
„Kiss & Ride“-Schilder sind übrigens Kurzzeitparkplätze, auf denen Autos zwecks Abholung Reisender halten können.

+++UPDATE+++

Im Thread zum „Sexskandal“ um Weltbild hat Roland Noé alias „Gandalf“ nun drei wahrlich schockierende Bilder verlinkt:
1, 2, 3. Sie zeigen drei DVD- bzw. Buch-Cover, die klarmachen: Hier muss etwas geschehen. So kann es nicht weitergehen! Angezogene Frauen, Männer mit Sonnenbrillen – kommt schon, Weltbild! Das ist schwach und eines zünftigen „Sexskandals“ nicht würdig!

Im gleichen Thread weist „Gandalf“ auch die Vielschreiberin „Cindarella01″ in die Schranken:

@Cinderella: Eigentlich muss man ja hier Deinen Schwachsinn,den Du hier ablässt, kommentieren. Denn offensichtlich hast DU keine Ahnung, um was es hier geht. Ich kann Dir entsprechende widerliche Screenshots der PORNO-Angebote – nichts anderes ist das, auch wenn weltbild.de dies nicht so sieht – zukommen lassen, mit der Detailbeschreibung und entsprechenend Fotos, die man auf kath.net nicht einmal veröffentlichen könnte, schicken. Du solltest Dir daher die Frage stellen, wie katholisch Du denn bist, wenn Du hier diese widerlichen Dinge relativierst.