Archiv der Kategorie 'Titanic'

Post an Wagner

Ob eine Diskussion bereits an ihrem Tiefpunkt angelangt sind, lässt sich daran ablesen, ob sich Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner schon zu Wort gemeldet hat. Dessen offene Briefe, die ebenso belanglos wie stilsicher sind (an Jogi Löw und seine Mannschaft: „Sie spielt schön wie Ihr weißes Hemd, wie Ihr Schal.“; an die Bundestagsabgeordneten Uhl und Montag: „Es war einmal ein Deutschland, von dem ich träumte. Die Neonazis machen es jetzt kaputt.“; an Lukas Podolski: „Was für ein Mensch bin ich? Hören wir auf, darüber nachzudenken. Es führt zu nichts.“), haben ihm den Beinamen „Gossen-Goethe“ eingebracht.

Dass sich Franz Josef Wagner nun auch zum Titanic-Titelbild äußern würde, war abzusehen. Dass kath.net ihn als seriösen Verteidiger des Papstes ansieht, ist nicht nur wegen der Tittenbilder und opulenten Telefonsexwerbung in der Bildzeitung lustig, sondern auch und vor allem wegen Wagners Erguss selber.

Wie viele andere Kritiker des Titanic-Covers lässt sich auch Wagner zum denkbar dämlichsten Argument hinreißen: Nie würde sich das Satiremagazin trauen, den Propheten Mohammed auf den Titel zu hieven – denn davor sei „Euer Arsch“ aus Angst vor „Scharia, Todesdrohungen auf Grundeis“ gegangen. Mit dem Papst könnte man es ja machen, wie kath.net Wagner zu rezitieren versucht: „Er schicke keine Todesschwadronen. Er setze auch kein Kopfgeld auf den Chefredakteur aus. Der Papst klage gegen seine beschmutzten Bilder.“

Das Perfide an dieser Argumentation ist zunächst, dass sie vollkommen ohne Recherche zustande gekommen ist. 2006 setzte die Titanic Religionen im Vergleich auf den Titel, man veröffentlichte eigene Mohammed-Karikaturen, teilte auch im Heft immer wieder gegen Islamisten aus und zeigte 2011 zwei küssende Männer auf dem Cover, der Slogan: „Der Westen in Angst: Die Muslimbrüder kommen!“. Zur Frankfurter Buchmesse 2008 organisierte die Titanic sogar einen Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb, der allerdings aus Sicherheitsgründen abgesagt werden musste.

Zweitens ist problematisch, dass diese Verteidigungsstrategie tief blicken lässt: Obwohl z. B. einige kath.net-Leser beteuern, sie würden sich für jede Person einsetzen, die wie der Papst dargestellt würden, zeigt das beständige Pochen auf Islam-Satire eine tiefe Sehnsucht: Solange sich andere Menschen in ihrem Glauben verletzt fühlen – und darauf liefe es bei Mohammed-Bildern mit Urinfleck wohl hinaus – scheint es ok zu sein. Hauptsache, es trifft nicht die eigenen Überzeugungen.

Überdies wird dabei auch übersehen, wieso es ausgerechnet der Papst immer wieder auf den Titanic-Titel schafft und nicht Mohammed: Es könnte mit dem gesellschaftlichen Einfluss zusammenhängen. Und auch der Hinweis, zur Beleidigung des Papstes brauche es keinen Mut, weil sie kein Tabu mehr darstelle, ist, wie sich an der großen Empörung ablesen lässt, nachweislich falsch. Womit wir beim dritten Problem wären:

Während Muslime, die sich über die dänischen Mohammed-Karikaturen beschweren, von christlicher Seite immer wieder darüber belehrt werden, das sei eben üblich im Westen und sie müssten die „Beleidigung“ ihres Propheten aushalten, wird die sonst stets angemahnte Kunst- und Meinungsfreiheit in diesem Fall missachtet. Natürlich kann und darf man die Urin- und Kotflecke auf der Kleidung des Papstes geschmacklos finden, zumal wenn man in Benedikt (anders als die Titanic-Redaktion) nicht nur eine Person des öffentlichen Lebens sieht, sondern eine (religiöse) Autorität.

Und in der Tat gab es in den letzten Jahren lustigere Titelbilder als das aktuelle – z. B. das, das, das, das oder das (die Frequenz von Hitler-Titeln ist tatsächlich fast so hoch wie die des Spiegels). Aber die Verbindung von „Vatileaks“ zu „undichtem Vater“ ist, wie der im Internet bekannte Anwalt Udo Vetter festhält, eben ein naheliegender, pubertärer Wortwitz und kein tiefgreifender Angriff auf Benedikt. Außerdem ist die Kunstfreiheit in Deutschland, man kann es heutzutage nicht oft genug sagen, grenzenlos.

Und wo, das wird man doch noch fragen dürfen!!1, waren Franz Josef Wagner und die vielen anderen Grenzschützer der Kunstfreiheit übrigens in den vergangenen Monaten und Jahren, als die Titanic auf dem Titel u. a. Bundespräsident Gauck als Drogenabhängigen, Kanzlerin Merkel mit Kopfschuss, Guttenberg als „Sex-Ekel“ oder den Dalai Lama mit Rauch aus Nase und Ohren darstellte?
Die Titanic wird sich jedenfalls über die gelungene Provokation freuen – und über die damit verbundene mediale Öffentlichkeit.

Expertenmeinung zum Titanic-Titelbild

Es gab in den vergangenen Tagen sehr viele dumme Kommentare von kath.net-Lesern, die sich vom Titanic-Titelbild „Die undichte Stelle ist gefunden“ provoziert fühlten und nun ihrerseits die Titanic-Redakteure beschimpften – hier nachzulesen. Was aber „goegy“ unter dem bis dato letzten Artikel zum Thema gelingt, ist sogar für kath.net-Verhältnisse wahnsinnig: Der Aufruf „Deutsche Kathos, wehrt Euch! als Gegenentwurf zur angeblich der deutschen Judenhetze nachempfundenen Papstverfolgung, das ist schon stark:

Es ist so, wie damals, als die Judenhetze anfing. Die meisten schauten einfach weg. Auch damals begann es mit Lächerlichmachen durch blöde Witze und Karikaturen, was man in der Öffentlichkeit nicht besonders ernst nahm.
Dann wurde es immer respektloser, boshafter und gemeiner. Der reichs-deutsche Plebs fand dies lustig.
Humor – der keiner war – auf Kosten einer Minderheit, die den richtigen Moment verpasst hatte, sich wirkungsvoll zu wehren.
Dann kam der „Stürmer“, der die Niederträchtigkeiten institutionalisierte und schliesslich folgten Auschwitz, Bergen-Belsen, Birkenau etc.
Ich will die in Deutschland aktuell grassierende Respektlosigkeit, gegenüber allem was mit Katholizismus zu tun hat, nicht mit dem Rassismus der Nationalsozialisten gleichsetzen.. Gewisse Parallelen aber lassen doch aufhorchen. Deutsche Kathos, wehrt Euch!

kath.net-Leser beschimpfen Titanic-Redakteure

Nachdem die Titanic im Jahr 2000 ihre patriotische Pflicht erfüllt und die Fußball-WM 2006 nach Deutschland geholt hatte, waren nicht alle damit einverstanden: Der DFB drohte mit einer Schadensersatzklage, die die Frankfurter Zeitschrift (fast) vor die nicht ganz einfache Aufgabe stellte, knapp 600 Millionen D-Mark aufzutreiben. Auch die Bildzeitung gab sich schockiert und titelte „Böses Spiel mit Kaiser Franz“: Die Springerzeitung rief die Leser dazu auf, der Titanic-Redaktion telefonisch ihre Meinung mitzuteilen – es entstand die formschöne CD und beliebte Abo-Prämie „Bild-Leser beschimpfen Titanic-Redakteure“, deren Inhalt sich auch auf Youtube finden lässt.

An poetische Meisterwerke wie „Sie sind ein Schwein, die Titanic“ oder Loblieder auf die Demokratie („In einem Rechtstaat gehören Leute wie Sie ins KZ!“) kommen die kath.net-Leser unter dem Artikel zum mittlerweile verbotenen Titelbild „Die undichte Stelle ist gefunden“ (vgl. hier) zwar nicht heran, lesenswert sind die Beschimpfungen dennoch.

Einige Auszüge (diese Liste wird laufend aktualisiert):

„Noemi“:
der typische Fäkalhumor
geistig zurückgebliebener Geisteszwerge, und die Ausrede des für diese Entgleisung verantwortlichen Chefredakteurs ist in ihrer Debilität kaum zu überbieten.

„kaiserin“:
LUMPENPACK!

„kaiserin“:
diese dreckigen Lumpen

„Cosinus“:
Die arbeitsscheuen Versager trauen sich nur auf das
Christentum.

„Kurti“:
Das Zeitungspack weiß nämlich sehr wohl, wo die Grenzen sind, aber sie probieren es der Auflage immer wieder, diese zu überschrieiten.

„backinchurch“:
Die Schmierfinken […] Die Lügenbande […] (Kopfschüttel).

„placeat tibi“:
unfähige Schmuddelgazette

„noir58″:
Ich kann nur sagen, dass mich das Ganze sehr an die Machenschaften unseres ehemaligen Reichspropagandaministers erinnert.

„la goia“:
Ich frage mich nur, wie krank solche Gehirne sein müssen, die sich derartige Widerlichkeiten ausdenken.
Und dann noch diese blöde und feige Ausrede mit dem Fanta! Folgt man der Logik Fischers, handelt es sich auf der Rückseite um Cola, oder?
Das ganze ist nur noch erbärmlich und höchstgradig dekadent!

„Cosinus“:
Die Satire-Linksfaschisten kennen keine Gnade!

„Noemi“:
in ihrer analen Phase steckengebliebene Berufsspaßvögel […] Chef“redakteur“ Fischer sollte sich einen Job in einem Pissoir suchen, da kann er nach Herzenslust in Ausscheidungsprodukten sch

„Konrad Georg“:
Es gibt zu viele Leute, die mehr von dem im Hirn haben, als andere im Enddarm deponieren.

„Christa“:
Hoffentlich halten sich diese Schmierfinken in Zukunft zurück. Im Islam hätte man die Verantwortlichen gesteinigt.

„Adelgundis“:
ein Zeichen der zunehmenden Demoralisierung

Und auch der zweite Artikel konnte einige Emotionen provozieren:

„Dottrina“:
Das widerliche Käseblatt „Titanic“ hat sich auf unterstes „Stürmer“-Niveau begeben […] diese ekligen Schmierfinken […] Die deutsche Schmierenjournaille ekelt mich nur noch an.

„Dismas“:
Es ist ein Gipfel der Umverschämtheit und
der Geschmacklosigkeit ereicht. Andrerseits sitzen diese Leute im dumpfen Sumpf der „karkatur-Kulter“ des braunen Schnmierblattes „Stürmer“. Wenn wir nun den Qualitätslevel der „Titanic“ als Benchmark anlegen, dann bot der „Stürmer“ feinste Satire?? DAS ist ja wohl nicht so!! Jeder Mensch, der irgendetwas von Menschenwürde hält, ob Christ oder nicht, muss sich doch gegen diese unwürdige,bahnhofstoilettenniveaulose Verunglimpfung eines Menschen wie hier dieses älteren Herrn wenden. Gleich ob Papst oder einfacher Mensch. Hier sehe ich grundsätzlich einen schweren Verstoß gegen die Menschenwürde, auch dem Papst müssen diese „Satiriker“ Menchenwürde zubilligen. Da sie das nicht tun, zeigt, welch totaliären, menschenverachtenden Geistes, wie z.B.die Nazis, sie sind!!

„Vanilia“:
Die kriminelle, perverse Enerige, die hinter so einer Aktion steht, zeigt sich schon darin, daß der Papst, der ja Opfer der Vatileaks ist, als weiteres Opfer eines Angriffes auf seine Persönlichkeit gemacht wird.

„backinchurch“:
Niveau der Nazipressehetze […] Nazi-Niveau

„nemrod“:
Bei der Titanic-Journaille handelt es sich – ich leihe mal bei Napoleon – um Sch..( Merde ). im Seidenstrumpf. […] dieses Pack

„Jochebed“:
Bei einer derartigen geistigen Inkontinenz, die der Chefredakteur an den Tag legt, ist ihm wohl noch gar nicht aufgefallen, dass seine „Erklärung“ gar nicht zu seiner Schlagzeile mit der angeblich gefundenen „undichten Stelle“ passt.

Weiter geht es mit dem dritten Artikel:

„julifix“:
Feiglinge!!!

„jean-louis“:
Wer die Würde eines Menschen derart mit Füßen tritt wie die Macher von Titanic, gehört in die gesellschaftliche Isolation.

„Silvio“:
Außerdem ist schon allein der Name dieses Schmutzblattes „Titanic“ eine Verhöhnung der Opfer dieser größten Schiffskatastrophe in der zivilen Schifffahrt zu Friedenszeiten.

„kmh“:
Wenn sie wenigstens zu ihrem Sch…,den sie verbockt haben, stehen wuerden! Feige sind sie auch noch und druekcn sich mit Luegen. Pfui

Zu Artikel 4:

Es ist so, wie damals, als die Judenhetze anfing. Die meisten schauten einfach weg. Auch damals begann es mit Lächerlichmachen durch blöde Witze und Karikaturen, was man in der Öffentlichkeit nicht besonders ernst nahm.
Dann wurde es immer respektloser, boshafter und gemeiner. Der reichs-deutsche Plebs fand dies lustig.
Humor – der keiner war – auf Kosten einer Minderheit, die den richtigen Moment verpasst hatte, sich wirkungsvoll zu wehren.
Dann kam der „Stürmer“, der die Niederträchtigkeiten institutionalisierte und schliesslich folgten Auschwitz, Bergen-Belsen, Birkenau etc.
Ich will die in Deutschland aktuell grassierende Respektlosigkeit, gegenüber allem was mit Katholizismus zu tun hat, nicht mit dem Rassismus der Nationalsozialisten gleichsetzen.. Gewisse Parallelen aber lassen doch aufhorchen. Deutsche Kathos, wehrt Euch!

Übrigens sind die auch heute immer wieder geäußerten Behauptungen, die Titanic mache sich nur über Christen und niemals über Muslime lustig, nachweislich sowas von falsch. Es sei nur an „Religionen im Vergleich“ erinnert – und natürlich an die Mohammed-Karikaturen („Mohammed und seine Freundin Uschi“)

Die undichte Stelle

Update: Das Landgericht Hamburg hat eine einstweilige Verfügung ausgesprochen und verbietet es der Titanic, die aktuelle Ausgabe weiterhin zu verkaufen. Die an den Handel ausgelieferten Exemplare sind allerdings noch verfügbar. Der Titanic-Shop hat aus lauter Schusseligkeit auch die noch nicht bezahlten Vorkasse-Bestellungen ausgeliefert. Das kann in der Eile ja mal passieren.
kath.net hat zur Feier des Tages einen Banner gebastelt, der ein untergehendes Schiff, einen Daumen und einen Richterhammer vereinigt.
Über verschlungene Wege ist nun übrigens auch ein Bild vom feiernden Benedikt aufgetaucht.

___
Die Liste der Menschen, die die Titanic verklagt haben oder es zumindest in Erwägung zogen, ist lang: Björn Engholm, Johannes Rau, Friedrich Merz, Benjamin von Stuckrad-Barre, Kurt Beck, usw. usf. Selbst der DFB zeigte sich nur mittel erfreut, als das Frankfurter Satiremagazin die Fußball-WM 2006 durch Bestechungsgeschenkkörbe voll Wurst und Kuckucksuhren nach Deutschland holte: Für kurze Zeit stand die Schadensersatzforderung von immerhin 600 Millionen D-Mark im Raum. Der damalige Chefredakteur Martin Sonneborn konnte die Zahlung abwenden, indem er sich verpflichtete, nie wieder Einfluss auf die Vergabe einer Fußball-Weltmeisterschaft auszuüben.

Nun versucht mit dem Papst ein ausgewiesener Satire-Fan, die Zeitschrift in ihre Schranken zu weisen: Benedikt XVI. persönlich hat offenbar eine Bonner Kanzlei damit beauftragt, eine Unterlassungserklärung gegen die Titanic zu erwirken. Augenscheinlich fühlte er sich vom aktuellen Titelbild (es lässt sich noch u. a. auf kress.de begutachten) nicht besonders gut unterhalten: Dort ist ein erfreuter Papst zu sehen, dessen Kleidung von einem gelben Fleck geziert wird. In Anspielung auf den Vatileaks-Vorfall steht darüber „Halleluja im Vatikan. Die undichte Stelle ist gefunden!“
Die Titanic schreibt heute: „Es ist das erste Mal, daß ein Papst zivilrechtlich gegen TITANIC vorgeht.“ Chefredakteur Leo Fischer stellte klar, es handle sich vermutlich um Fanta, die der Papst aus Freude über die Festnahme des Maulwurfs vergossen habe.

Wie vor ziemlich genau zwei Jahren ist kath.net auch heute not amused: Damals versuchte man sich an einer wochenlangen Kampagne gegen das April-Titelbild der Titanic – und scheiterte. Auch die Aufregung um das aktuelle Cover dürfte keine rechtlichen Folgen haben, denn einer guten Tradition folgend werden alle Heftinhalte vor Veröffentlichung rechtlich geprüft. Und zur Not kann man sich glücklicherweise immer noch auf die Kunstfreiheit berufen.

Was Kunst ist, sehen die kath.net-Leser naturgemäß anders und ermöglichen damit unbewusst den sog. Streisand-Effekt: Das Titelbild, das einer breiteren Öffentlichkeit unter Umständen unbekannt geblieben wäre, wird nun bekannt gemacht. Unter dem (ersten von hoffentlich vielen lustigen folgenden) Artikel sammeln sich all jene, die genau wissen, was Satire darf: Gar nichts. So findet etwa „Dottrina“:

Widerlich,
wie in diesem Titelbild der Papst beleidigt wurde. Eine Arbeitskollegin hatte mir das Bild ausgedruckt; sie fand es auch noch lustig. Ich war stinksauer. Hoffentlich hat der Heilige Stuhl rechtlich Erfolg! Solche Gemeinheiten muß niemand hinnehmen!

Während „kreuz“ „ein „Schuß vor den Bug“ (der sogenannten Pressefreiheit, mit der sie sich wieder verteidigen werden)“ für nötig hält, senkt auch „placeat tibi“ den Daumen:

Proletenniveau
Erbärmlich, diiese zu echter Satire unfähige Schmuddelgazette.
Wenn manipulierte Photos andere Personen derart entwürdigend darstellen, ist die Grenze „künstlerischer“ Freiheit überschritten. Hoffe die „Titanic“ kriegt ein großes Leck durch den Prozeß – so wie sie jetzt ist, möge sie bitte bald absaufen!

„Evalyne“ stellt klar, dass es sich hier um eine Beleidigung handle und keinesfalls um Humor. Und „verus“ kann offenbar nicht glauben, dass es sich um einen Fantafleck handelt:

Titantic lügt
Letzte Woche rief ich diesen Chefredakteur Herr Fischer an. Er gab zu, dass es sich um eine Fotomontage handelt, die den Papst als inkontinent darstellt.

Bemerkenswert übrigens, dass sich kath.net nicht über die Rückseite der aktuellen Titanic echauffiert: Dort ist zu sehen, dass sich der Papst vor lauter Freude offenbar aus Versehen zu allem Überfluss auch noch auf einen Schokoladenkuchen gesetzt hat.

Highlights von früher II

Weil immer noch Sonntag ist, ein weiteres Highlight. Diesmal: ein Drama in 6 Akten.

Prolog:
Die April-Ausgabe des Satiremagazins TITANIC. Genauer: Das Titelblatt. Zu sehen ist ein offenbar katholischer Würdenträger, der vor Jesus am Kreuz kniet, dazu die Bildunterschrift „Kirche heute“.

Akt 1, 31. März 2010:
Kath.net bekommt Wind von der Sache und berichtet gewohnt neutral mit der Überschrift „Perverses ‚Titanic‘-Titelbild sorgt für Beschwerden beim Presserat“.

Das Titelbild des Satiremagazins «Titanic» sorgt für Beschwerden beim Deutschen Presserat. Die Zeichnung greift den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche auf und zeigt von hinten einen Priester, dessen Gesicht sich dem Genitalbereich des gekreuzigten Jesus zuwendet. Wie der Presserat am Mittwoch in Berlin auf Anfrage mitteilte, gingen zwei Beschwerden ein. Die Beschwerdeführer sähen sich durch die Darstellung in ihren religiösen Gefühlen gekränkt. Das Bild beleidige und diskriminiere die katholische Kirche. «

So weit, so vorhersehbar und vermutlich von der TITANIC kalkuliert, erhofft. Freundlicherweise liefert kath.net auch noch die zuständigen Stellen, an die man sich als in seinem Glauen tief verletzter Katholik wenden kann:

http://www.presserat.info/

oder E-mail an beschwerde@presserat.de

[Hinweis: Beschwerde beim Presserat gemäß Ziffer 10 – Religion, Weltanschauung, Sitte
Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.]

Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main

Natürlich lassen die kath.net-Leser das nicht auf sich sitzen:

Danke an kath.net für die Angabe der Kontaktadressen. Das erspart sehr viel Such-Zeit, die man dann für das Schreiben der Protestbriefe verwenden kann.

Das ist eine Zeitschrift die keiner kaufen sollte
Habe gerade im Internet die Webseite von Titanic angeschaut. Wenn man die Artikel liest, weiß man was das für eine Zeitschrift ist. Und das Bild kann man auch anschauen. Pfui Teufel!

Ich möchte mir nicht ausmalen, was passieren würde, wenn z. B. Mohammed so dargestellt werden würde.

Letzteres ist natürlich Unfug, schon Jahre zuvor druckte die TITANIC Bilder, die „Mohammed“ zeigten, etwa mit seiner Freundin Uschi.

Akt 2, 6. April 2010:

Nachdem eine Woche verstrichen war und die Schreie zu verstummen drohten, legte kath.net nach und berichtete über Anzeigen gegen die TITANIC. Dabei wird natürlich wenig neues erzählt, das Bild wird erneut verurteilt („geschmacklos“) und statt darüber nachzudenken, ob die Karikatur nicht eigentlich vollkommen berechtigt ist und man sich nicht lieber mit den missbrauchten Kindern befassen sollte, wurde in der Kommentarspalte munter weiter gepöbelt:

Lasst sie sich an ihrem Schmutz aufgeilen, liebe Mitchristen…sie haben doch sonst keine Werte, für die es lohnt einzustehen.

Wir brauchen in ganz Europa schärfere Gesetze gegen Herabwürdigung. Wir den Heiligen Vater medial angreift, greift die geistigen Grundlagen ganz Europas an und stellt sich damit gegen unsere kulturellen Grundlagen.

Man soll insgesamt versuchen, auch in der Satiere, die Grenzen des guten Geschmacks nicht zu überschreiten. […] Echter Mut wäre es eben, diese Art von Satiere (wenn schon) dann auch um den Preis zu riskieren, dass einem danach das Redaktionshaus weggesprengt wird.

Akt 3, 9. April 2010:

Um die Hexenjagd bloß nicht versanden zu lassen, wird schnell nachgelegt und der CSU-Funktionär des Vertrauens befragt, der das alles natürlich skandalös findet und als „Schmähkritik“ sieht. Das Bild wohlgemerkt, nicht die kath.net-Berichterstattung. Dazu wird auf eine Facebookgruppe aufmerksam gemacht, die sich gegen das Titelbild wendet und zu dem Zeitpunkt 1000 Leute zählt. Innerhalb eines Tages bildet sich eine Gegengruppe, die rasch ein Vielfaches an Mitgliedern aufweisen kann. Die Kommentare werden nachdenklicher und verlieren merklich an Schärfe:

Ich bin schockiert, das ist absolut eine Frechheit. Wie kann man nur sowas Geschmackloses veröffentlichen?

Wie heißt nochmals der Chefredakteur? Hr. Fischer. Hier müsste man einfach mal folgendes Experiment machen: Sucht doch das Foto seiner Frau, seiner Mutter usw. raus und macht doch mal eine schöne Satire… Im Titanic-Stil wäre hier sicherlich passend z. B. die eigene Mutter als „leichte Dame“ darzustellen. Denn Satire darf doch sicherlich alles, wie es ja die Titanic-Jünger gerne behaupten. Im übrigen heißt schon ein altes Sprichwort: Wer zuletzt lacht, lacht am besten und auch, wenn es manche nicht glauben, am Ende müssen sich auch die Titanic-Jünger für das Treiben verantworten, spätestens am Totenbett und das kann oft schneller kommen als man vermutet. Aus der Geschichte sollte man übrigens auch gelernt haben, dass die Titanic untergegangen ist.

Mit Mohammed in gleicher Pose auf dem Titelblatt (das ist etwas anderes als ein paar islamkritische Dinge irgendwo im Heft) wäre diesen Drecksäcken die Gelassenheit vermutlich schon vergangen, weil sie vor den rauchenden Trümmern ihrer Redaktion stehen würden – in diesem Fall nicht ganz zu unverdient.

Akt 4, 10. April 2010:

Nur einen Tag später wird darauf hingewiesen, dass das Bild eine „unüberbietbare Besudelung“ sei und das alles mit der Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun habe.

Das Titelbild der Aprilausgabe des Satiremagazins „Titanic“ nimmt die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche zum Anlass, einen katholischen Bischof zu zeigen, der seinen Kopf dem Geschlechtsbereich des gekreuzigten Heilands zuneigt. Das Gesicht des Gekreuzigten wird mit dem Ausdruck eines blöden Menschen dargestellt. Darunter ist in großen Buchstaben geschrieben „Kirche Heute“. Zumindest mit diesem Hinweis auf den Missbrauchsskandal ist die Abbildung der Haltung des Bischofs eindeutig. Nur ein sehr einfältiges Gemüt kann dies anders deuten.

Ein „blöder Mensch“ wird also dargestellt und natürlich verhöhnt die Karikatur alle Katholiken. Auf den Gedanken einer Kritik an der Kirche und ihren Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen kommt man nicht; dass man alles gar so deuten kann, dass mit dieser Politik Jesus himself geschändet wird: darauf will man nicht kommen.
Schön ist, dass auch die Kommentatoren nicht nachlassen und endlich erste Nazivergleiche aufkommen:

Unter dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus sind unzählige Christen, (und Juden), verfolgt, gedemütigt und in den KZts umgebracht worden. Das waren aber gottlose Diktaturen. Doch nicht einmal die haben es gewagt den christlichen Glauben auf so perverse Art zu besudeln, wie die Macher von „Titanic“.

Die Titanic geht unter, und die Herren Redaktuere merken es nicht. Von 80 000 000 Ménschen in Deutschland fressen ca 99 000 Erbrochenes, oder lesen ersatzweise Titanic.

Solche Menschen sind die gleichen Menschen, die in den gottlosen Diktaturen der Nazis und Kommunisten bedingunslos mitgemacht hätten, da sie keine Moral kennen wenn es um den persönlichen Erfolg geht.
Die Redakteure der TITANIC zum Beispiel begehen die Sünde der Blasphemie, nur damit sich ihr tolles Schundblatt noch mehr verkauft.

Akt 5, 15. April 2010:

kath.net lässt ihre Leser wissen, dass der Proteststurm stärker werde, dass schon 150 Menschen Beschwerde eingelegt hätten, gleichzeitig werden wieder irgendwelche Unionspolitiker zitiert, die das alles ganz schlimm finden.

Akt 6, 23. April 2010:

Nach einer Woche Pause wird wieder berichtet, und: Es gibt keine guten Neuigkeiten, denn die Staatsanwaltschaft lehnt ein Strafverfahren ab.
Das schmeckt kath.net natürlich nicht, aber noch weniger gefällt die pfiffige Erklärung einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft:

Der öffentliche Frieden wird durch die Zeichnung nicht gestört, da dieser durch den Missbrauchsskandal bereits gestört worden ist.

Ihre Meinung zu dieser Entscheidung?

Ihre Meinung zu dieser Entscheidung?
www.sta-frankfurt.justiz.hessen.de

Erste Rachepläne werden geschmiedet und ein Leser nimmt gar das böse junge freiheit-Wort in den Mund, mit dem alle Linke entlarvt werden sollen:

Wer nicht an Gott glaubt wird das nicht verstehen.
Wo bleiben die ganzen Gutmenschen, die sich sonst immer schnell aufregen.

Her mit der Mail
Dann zerbomben wir deren Mailaccount *g*

SKANDAL !!!
Jetzt stimmt es also doch, wir verkommen immer mehr zum totalitär-atheistischen Staat !

Epilog, 28. Mai 2010:

Der Presserat sieht von einer Rüge gegen die TITANIC ab, was kath.net noch einmal in Höchstform versetzt:

Der Deutsche Presserat hat Beschwerden über eine religionsverhöhnende Zeichnung in der Satire-Zeitschrift „Titanic» als „unbegründet“ zurückgewiesen.
[…]
Ursula Ernst, die Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, meint sogar: „Hier wird nicht Jesus oder der christliche Glaube verhöhnt, sondern das Verhalten christlicher Würdenträger kritisiert, die sich ihren Schutzbefohlenen gegenüber falsch verhalten haben. Eine Kirche, die dies deckt oder nicht genügend zur Aufklärung beiträgt, muss auch mit dieser Art von Kritik leben. In einer Demokratie ist die Pressefreiheit ein maßgebliches Gut, die auch Kritik an ihren Grundpfeilern, wie sie das Christentum in Deutschland darstellt, mit ein-schließt.“

Nur zu verständlich, dass dies auch die Leser ein letztes Mal in Rage versetzt, und so wird gewütet und so wird dann auch geweint, gehetzt und gebetet:

Wer so argumentiert …
… kann nicht mehr alle Tassen im Schrank haben (Entschuldigung, aber so viel komprimierten Schw….sinn liest man wirklich selten).

Rechte für alle, nur nicht für Christen
Keine Weltanschauung darf öffentlich so geschmäht und verhöhnt werden wie die katholische. Wenn Juden so behandelt würden wäre der Verantwortliche im Gefängnis!!

Es ist eher eine Krise der Presse. Im Dritten Reich hätte dies nicht schlimmer gesafgt werden können, Herr Goebbels kann sich über gelehrige Schüler freuen!!

Was habt ihr vom deutschen Pressesowjet
…anderes erwartet ?
Das ist eine neokommunistische Veranstaltung Linksradikaler.

Auch die RKK und ihre Priester standen in der Schußlinie des Herrn Goebbels- der einen jahrelangen Propagandakrieg gegen sie führte- der für viele Priester und Gläubige ebenfalls in den KZs endete- soviel Wahrheit muß schon sein. Es nützt auch den Jüdischen Opfern nicht, wenn man die katholischen leugnet, verschweigt oder sonstwie herunterspielt.

Die heutige Propaganda baut doch genau auf die von 1932 auf.

Hätte die Titanic eine entsprechend SÄUISCHE Karikatur über Mohamed abgedruckt, DANN WÜRDE ES TOTE GEBEN, WELTWEIT, BLUT WÜRDE FLIESSEN, UND DIE DEUTSCHE REGIERUNG MÜSSTE REAGIEREN UND UM ENTSCHULDIGUNG BITTEN. STAATSANWÄLTE WÜRDEN BEMÜHT WERDEN.
Aber mit uns Christen kann man ja alles machen …. (aber Gnade euch Gott, ihr Titanic-Leute)

Man darf hoffen, dass die TITANIC sich für die August-Ausgabe mal wieder etwas Derartiges überlegt hat.