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Die kath.net-Highlights 2012 – Platz 5

Platz 5: kath.net und die undichte Stelle

Was war passiert?
Zwei Fragen bewegten die Menschheit im Sommer 2012: Wie wird sich Peter Altmaier als neuer Bundesumweltminister machen? Und: Darf eine Satirezeitung den Papst mit gelben Fleck im Schritt zeigen? kath.net konzentrierte sich naturgemäß eher auf die letztere Problematik, verneinte entschieden und unterstützte Benedikt in seinem juristischen Kampf gegen das Frankfurter Magazin TITANIC. Die TITANIC hatte die Vatileaks-Affäre zu einem Titelbild genutzt, auf dem der Papst mit dem besagten gelben Fleck abgebildet war, dazu wählte man die Überschrift „Halleluja im Vatikan: Die undichte Stelle ist gefunden!“
Nun kann man freilich lang und breit darüber diskutieren, wie lustig es ist, einen alten Mann als inkontinent darzustellen. Die kath.net-Artikel zum Thema ließen allerdings jede Verhältnismäßigkeit vermissen und betonten vordergründig den offenkundig gewordenen mangelnden Respekt gegenüber Religion, bloß um im nächsten Satz mehr Satire über den muslimischen Glauben zu fordern. Ein besonderer Höhepunkt war, wie so oft, der Kommentarbereich, wo die kath.net-Redaktion all das veröffentlichte, was man aus Gründen der Seriosität nicht selbst schreiben durfte: Von unzähligen ‚Stürmer‘-Vergleichen über wüste Beschimpfungen der TITANIC-Autoren als „Satire-Linksfaschisten“ war dort alles vertreten.

Exemplarische Lesermeinung:

Es ist so, wie damals, als die Judenhetze anfing. Die meisten schauten einfach weg. Auch damals begann es mit Lächerlichmachen durch blöde Witze und Karikaturen, was man in der Öffentlichkeit nicht besonders ernst nahm.
Dann wurde es immer respektloser, boshafter und gemeiner. Der reichs-deutsche Plebs fand dies lustig.
Humor – der keiner war – auf Kosten einer Minderheit, die den richtigen Moment verpasst hatte, sich wirkungsvoll zu wehren.
Dann kam der „Stürmer“, der die Niederträchtigkeiten institutionalisierte und schliesslich folgten Auschwitz, Bergen-Belsen, Birkenau etc.
Ich will die in Deutschland aktuell grassierende Respektlosigkeit, gegenüber allem was mit Katholizismus zu tun hat, nicht mit dem Rassismus der Nationalsozialisten gleichsetzen.. Gewisse Parallelen aber lassen doch aufhorchen. Deutsche Kathos, wehrt Euch!

(„goegy“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Die undichte Stelle
- kath.net-Leser beschimpfen Titanic-Redakteure
- Expertenmeinung zum Titanic-Titelbild
- Post an Wagner
- Epic Fail
- Expertenmeinung zur Titanic
- Noch eine Expertenmeinung zur Titanic
- „Endlich mal jemand, der es ausspricht!“

„Endlich mal jemand, der es ausspricht!“

„Endlich mal jemand, der es ausspricht“ – dieser Satz ist, zumal in einem kath.net-Leserkommentar (in diesem Fall von „Michał1993″) geäußert, in der Regel ein untrüglicher Hinweis dafür, dass in der bejubelten Behauptung nur wenig Sinnvolles steckt. Und so auch diesmal:

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich nun mit einigen Wochen Verspätung in die durch die Titanic aufgewirbelte Blasphemie-Debatte eingemischt und das Übliche gesagt, wie kath.net begeistert notiert: Es sei „bezeichnend“, dass vorwiegend Christen „das Ziel“ von „Satire und Blasphemie“ seien. Mit Muslimen ginge man aus Angst vor Ärger „viel vorsichtiger“ um, und es sei insgesamt ziemlich „unfair, sich immer nur dort zu profilieren, wo es nichts kostet“. Das Titanic-Titelbild des Monats Juli hatte Meisner zwar nach eigenen Angaben nie gesehen, um sich „damit nicht die Augen [zu] beschmieren“. Dennoch komme ihm das so vor, „als wollte einer seine schmutzigen Stiefel an der weißen Soutane des Papstes abwischen“. Einige Dinge dürfe man eben „gar nicht so nah an sich heranlassen“.

Nun herrscht hierzulande zum Glück bekanntlich, auch wenn man bei der Lektüre von kath.net regelmäßig einen anderen Eindruck bekommen könnte, Meinungsfreiheit, und natürlich bleibt es dem Kardinal unbenommen, das Titanic-Titelbild zu rügen, ohne es jemals selbst angesehen zu haben. Ebenso steht es ihm frei, ein fatales Toleranzverständnis zu zelebrieren: Während Satire gegen das Christentum und insbesondere gegen den Papst verhindert werden soll, sehnt Meisner Satire auf den Islam geradezu herbei. Das ist nicht nur äußerst bigott und unappetitlich, sondern zeigt auch ein völliges Unverständnis des Konzepts der Religionsfreiheit. Hetze (und als solche dürfte Meisner Satire, die auf das Christentum abzielt, ansehen) ist ok – aber nur gegen die Anderen.

Meisner ignoriert – wie sollte er es ohne Anschauungsobjekt auch besser wissen –, dass sich gerade die Titanic mit diversen Satiren auf den Islam hervorgetan hat, etwa durch eigene Mohammedkarikaturen oder einen Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb. Und nicht zuletzt verkennt Meisner dabei auch den kleinen Unterschied zwischen christlichem und muslimischem Einfluss auf die hiesige Gesellschaft. Der Titanic-Redakteur Tim Wolff entkräftet den von Meisner geäußerten Kritikpunkt im aktuellen Heft treffend:

Die TITANIC-Redaktion ist überwältigt von der Kritik und beschließt: Sobald Mohammed auf die Erde zurückkehrt, einen Kirchenstaat gründet und dort die Kontrolle über die Geheimhaltung von Dokumenten verliert, wird auch er mit einem Fleck auf dem Kaftan abgebildet, versprochen!

kath.net-Leser „C+M+B“ hat derweil noch tolle Ideen zu bieten, bei denen nicht ganz klar wird, ob es sich um Aufforderungen zu Straftaten oder um katholische Satire handelt:

… nur ein bisschen Gewalt
Christen ist Satire und Polemik nicht verwehrt (der Konvertit Theodor Haecker ist das grandioseste Beispiel). Christus lehrte zwar, auch die andere, ungeschlagene Backe hinzuhalten, als er jedoch selber geschlagen wurde, hat er scharf reagiert. (Vielleicht wäre doch beides möglich).
Außerdem hindert uns ja kaum einer, auf Straßen zu demonstrieren, einige Stapel der Zeitschrift öffentlich zu verbrennen, mit einem dezenten Engagement der katholischen Mafia zu drohen oder – last but not least – die Redaktionsräume der „Titanic“ unter Wasser zu setzen. (Für den Schaden könnte dann eventuell „Weltbild“ aufkommen). … Wäre das so unchristlich?

Noch eine Expertenmeinung zur Titanic

Nachdem die investigativen kath.net-Leser etwas geforscht hatten und herausfanden, dass in der Titanic keine Anzeigen großer Konzerne zu finden sind, analysiert „Martyria“ gewohnt sachlich die Lage:

aber wenn das alles ist, was dieses Schmierblatt an (mir bis dato gänzl. unbekannten) Inserenten zu bieten hat, dann erschließt sich mir nur Folgendes:
a) Entweder ist die Finanzsituation des Blattes ohnehin im Keller; dann säuft die Titanic ab.
b) Die selbstreferntiellen Inserate (v.a. die linken Postillen) weisen auf eine Verflechtung der Szene hin, die im eigenen Saft schmort.
c) Oder: Hinter den Blättchen stecken mächtige Geldgeber, welche die linke Propaganda künstlich am Leben erhalten. Der größte Verleger in D ist übrigens zumind. mittelbar die SPD. Dann wird sich nichts ändern.

Einmal Weltverschwörung und zurück – ein ganz normaler Abend für kath.net-Leser wie „Martyria“.
„Idemar“ hat ebenfalls eine tolle Idee: Nazigold DDR-Vermögen hält die Titanic am Leben:

An der Wand hinter dem Schreibtisch des „Chefredakteurs“ hängt ein altes Fotportrait von Walter Ulbricht. Nebenfrage: Sind schon alle Gelder geortet, die die SED 1989 schnell hat verschwinden lassen? Könnte ja sein, dass die linken Werbungen nur Deckmäntelchen darstellen. Das müsste doch interessieren, woher die Gelder des Magzins kommen, die es möglich machen würden, dass es gegen den Vatikan durch alle Instanzen ziehen könnte.

Expertenmeinung zur Titanic

Erwartungsgemäß stößt sich kath.net auch am neuen Titanic-Cover: Nachdem das Heft im letzten Monat mit „Die undichte Stelle ist gefunden“ für Aufsehen sorgte, ist der Papst auf der heute erschienenen Zeitschrift mit Kussmündern und bunten Kinderhandabdrücken übersät. In der Kommentarspalte wird überlegt, wie man dem Frankfurter Satiremagazin wohl am Besten schade könnte. Dabei wird endgültig deutlich, dass der erzkatholische Mob keine Ahnung von der Titanic hat – Pöbel-Institution „M.Schn-Fl“ hat da nämlich eine Idee:

Eine gute Form sich zu wehren,
wäre, die Firmen, die in diesem Machwerk inserieren, wissen zu lassen, daß man ihre Produkte nicht mehr kaufen will.
Denn von den Inserenten lebt jedes Magazin und jede Zeitung.
Wenn das genügend Menschen tun, dann zeigt das erfahrungsgemäß Wirkung.

Die Titanic ist bekannt dafür, der Unabhängigkeit halber auf Werbung von großen Konzernen zu verzichten; stattdessen werden deren Kampagnen oft parodiert. Anzeigen werden in der Regel nur von kleinen bis mittelgroßen Verlagen und linken Zeitschriften geschaltet. Es ist wohl auszuschließen, dass sich unter den kath.net-Lesern viele begeisterte taz-, Jungle World- oder konkret-Abonnenten befinden.

Epic Fail

Ich hatte eigentlich versprochen, vorerst nichts mehr zur kath.net-Kampagne gegen die Titanic zu schreiben, doch an dieser Anmerkung komme ich nicht vorbei: Nachdem man gestern Bildzeitungs-Kolumnist Franz Josef Wagner zitierte, um die Satirezeitschrift für ihren Titel „Die undichte Stelle ist gefunden“ zu rüffeln, wurde in der Kommentarspalte eifrig diskutiert, ob man das Springer-Erzeugnis als seriöse Quelle behandeln dürfte.

Als Debattenbeitrag veröffentlicht kath.net heute einen idea-Artikel namens „Sollten Christen auch die ‚Bild‘-Zeitung lesen?“, in dem Pastor Heino Masemann sein Pro und Journalist Gerhard Henschel sein Contra geben dürfen. Und da wird es lustig: Henschel ist tatsächlich ein profilierter Bild-Kritiker – dummerweise aber (laut Impressum) ebenfalls ein „Ständiger Mitarbeiter“ der Titanic. Außerdem ist er Autor eines ebenso ausführlichen wie lesenswerten Verrisses des bei kath.net hochgeschätzten Matthias Matussek – zu finden in der 2011er Januar-Ausgabe der Titanic.

Diese nicht ganz unwesentliche Tätigkeit wird im kurzen kath.net-Lebenslauf natürlich nicht erwähnt.