Archiv der Kategorie 'Schlichtes'

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Gudrun Kugler ist außerordentlich begabt beim Aufdecken perfider Verschwörungen der linksgrünatheistischen Antichrist-Fraktion. Als Initiatorin des Dokumentationsarchivs der Diskriminierung von Christen in Europa will sie Aufklärungsarbeit leisten und „vor einer zunehmenden rechtlichen Diskriminierung von Christen und der vermehrten Intoleranz gegenüber christlichen Positionen in Europa“ warnen. Dabei vermengt sie Gewaltdelikte gegen Christen mit Abtreibungsgesetzgebungen, „Vandalismus gegen christliche Stätten, Friedhöfe und Kirchen“ mit „staatlich festgelegter Sexualmoral“ und „die Berichterstattung über den norwegischen Mörder Andres (sic!) Breivik“ mit „sehr breit ausgelegte[n] Hassredebestimmungen“.

Vor einigen Tagen erteilte kath.net Kugler wieder das Wort: Diesmal durfte sie sich über das österreichische Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur empören, das ein Heft für den Sexualkundeunterricht vorgelegt hatte: „Finanziert durch unsere Steuern: Ideologie auf dem Rücken unserer Kinder.“ In typischer Manier poltert Kugler gegen die in der Broschüre angeblich propagierte „Zerstörung des traditionellen Familienbildes“ und verzweifelt an der „Aufhebung […] von Mann und Frau“: „Das Kalkül […]: Wenn wir das natürliche Geschlechts von Mann und Frau in Frage stellen, dann erscheint Homosexualität und jede andere Form der sexuellen Vorliebe gleichsam als der Normalfall!“

Besonders ärgert sie sich allerdings über das „Schaffen einer neuen Realität für in Österreich verbotene Praktiken“: In der Broschüre würden Leihmutterschaft und „Samendatenbanken“ als normal dargestellt, was nicht nur gefährlich, sondern auch mit dem österreichischem Recht unvereinbar sei. Dazu bemüht Kugler das Österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz, das festlegt, dass bei einer „medizinisch unterstützte[n] Fortpflanzung […] nur die Eizellen und der Samen der Ehegatten oder Lebensgefährten verwendet werden“ dürfen.
Das zitiert sie zwar korrekt, lässt aber die nicht ganz unwesentliche Regelung für den Ausnahmefall außen vor, derzufolge auch „der Samen eines Dritten verwendet werden [darf], wenn der des Ehegatten oder Lebensgefährten nicht fortpflanzungsfähig ist.“

Dass die von Kugler angeführten „Samendatenbanken“ in Österreich eher selten anzutreffen sind, liegt übrigens nicht an ihrer vermeintlichen Illegalität: Als „Samendatenbanken“ bezeichnet man landläufig Saatgutbanken – Projekte, bei denen Pflanzensamen an einem geeigneten Ort (z. B. Norwegen) gelagert werden, um sie gewissermaßen als Sicherheitskopien für alle Zeiten erhalten zu können.

Danke an Franz für die Hinweise.

+++EIL+++ ii

Weil kath.net betont sachlich und aufgeregt mit Kontakten nach ganz oben umgeht und zum Glück nicht aus jedem Satz einen peinlichen Banner bastelt, erschien folgender Beitrag in dieser Form bisher auch nur auf der Facebookseite von kath.net:

BREAKING NEWS! Papst Benedikt XVI. heute zu kath.net-Mitarbeiterin Petra Lorleberg: „Ich verfolge die Arbeit von kath.net und weiß, dass Sie für mich kämpfen.“

kath.net und die Christenverfolgung in Duisburg

Mit dem Begriff „Christenverfolgung“ geht kath.net traditionell sehr großzügig um. Neben berechtigten Artikeln über die Lage von Christen in totalitären Staaten wird auch immer wieder eine „globale Christenverfolgung“ bemüht oder angemahnt, dass „bei uns die Aggressivität gegen alles“ wachse, „was von der Kirche kommt, was den neuen säkularen „Lehrämtern“ nicht passt, weil es gegen die Dogmen ihrer „politischen Korrektheit“ verstößt.“

Dass damit die tatsächliche Notlage der wegen ihres Glaubens diskriminierten und verfolgten Christen relativiert wird, scheint kath.net nicht aufzufallen. Im Gegenteil; heute berichtet Petra Lorleberg über ein „Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen“, das „Beschwerde bei der UN über Intoleranz gegen Christen in Deutschland“ eingereicht habe. Es wird angeführt, dass ein Homeschooling-Verbot Christen ebenso diskriminiere wie „die Verpflichtung zum schulischen Sexualunterricht“ oder ein von „Religionsgegner[n]“ erzeugtes Klima der Angst, das „dem freien Diskurs feindlich gegenüber“ stehe.

Das Highlight ist aber ein angehängtes Video, das auf kath.net schon mehrfach gepostet wurde. Es wird von kath.net als Beitrag des WDR-Magazins ‚Aktuelle Stunde‘ „zum Thema Christenverfolgung in Duisburg!“ (der Begriff „Christenverfolgung“ fällt im Video selbst freilich nicht) angekündigt – und handelt von eingeworfenen Kirchenscheiben in NRW.

Mihmihmi

kath.net, das international be- und anerkannte katholische Portal für Meinungsfreiheit und Toleranz, kann es überhaupt nicht ausstehen, wenn ein Mensch an der Ausübung seiner im Grundgesetz verbrieften Rechte gehindert wird. Zumindest dann, wenn es sich um eine Person handelt, die die Meinung der Redaktion vertritt.

Bernhard Mihm ist so eine Person, wie Peter Winnemöller am 18. September auf kath.net klarstellte. Mihm hatte als Vertreter des ‚Forums Deutscher Katholiken‘ am ‚Dialogforum der Deutschen Bischofskonferenz‘ teilgenommen und gefordert, „bei Themen wie Ehe und Sexualität“ und „bei Fragen der Gerechtigkeit und des Friedens“ müsse sich die Kirche „gegen den gesellschaftlichen “Mainstream” stellen“. Verdutzt stellt Winnemöller fest, dass es dafür keine Zustimmung, sondern Buhrufe gegeben habe, was ihn zum Resümee verleitet, dass „das Prinzip der freien Meinungsäußerung“ nur vorgetäuscht würde: Sobald ein „Schmuddelkind“ auftrete, erfolge „eben gerade keine inhaltliche Auseinandersetzung“ und „im günstigsten Falle“ ende die Debatte mit Buhrufen.

Dass Peter Winnemöller offenbar keinen Unterschied zwischen Zensur und negativen Reaktionen auf Redebeiträge erkennen kann, ist zwar tragisch, hätte von kath.net aber in den folgenden Tagen korrigiert werden können. Stattdessen konzentrierte sich die Linzer Seite für Grundrechte und Weltoffenheit darauf, zwei weitere mitleidheischende Artikel zu produzieren, die Bernhard Mihm offenbar dabei helfen sollten, das Erlebte zu verarbeiten.

11 Tage nach dem Auftakt folgte ein anonymer Redaktionsbeitrag, der „die Selbstsäkularisierung der deutschen Kirche“ als „bittere Realität“ darstellte und seufzte, beim Dialogforum „wurde ausgebuht“, „wer die Lehre der Kirche vertrat“. Zwei Tage später erkundigte sich Petra Lorleberg bei Bernhard Mihm, ob die geschilderten Ereignisse tatsächlich so einprägend und furchtbar gewesen seien, was Mihm uneingeschränkt bestätigte: „Ja, ich habe mich als Außenseiter gefühlt, und zwar bereits innerhalb meiner „Tischgruppe“ aus acht ausgelosten Teilnehmern und einem Bischof.“

Nun ist es freilich kath.net überlassen, wen die Redaktion vor wem in Schutz nehmen möchte; aber ein wenig Augenmaß wäre schick. Denn eine Seite wie kath.net, wo einseitigste Kampagnen gestartet werden, wo rassistische und homophobe Leserkommentare mit sattem Grün bewertet werden und kritische Beiträge nicht einmal den Weg durch die Zensur schaffen, oder mit dunklem Rot bestraft werden (dem Äquivalent zu den Buhrufen), kann nicht eben glaubwürdig für mehr Redefreiheit kämpfen.

Und auch die Klagebemühungen gegen Kritiker der Seite, die Tatsachen aussprachen, sind beim Kampf für die Meinungsfreiheit eher kontraproduktiv.

Der Ton macht die Musik iii

Christian Spaemann ist der Sohn des Philosophen Robert Spaemann und trat bereits mehrfach auf kath.net in Erscheinung. Dort nahm er 2010 Papst-Interviewer Peter Seewald in Schutz, notierte 2009 einige „Anmerkungen zu den aktuellen Turbulenzen in der Diözese Linz“ und erklärte 2008, Homosexualität sei „nicht genetisch bedingt“ und außerdem, das sei „inzwischen wissenschaftlich mehrfach belegt worden“, heilbar.

Auch zum Thema Weltbild hatte er sich früh (im November bzw. Dezember 2011) positioniert und wissen lassen, dass er kein Fan von „pornografischer Literatur“ oder „Mondkalendern und Lichtreisen“ ist.

In seinem heutigen Beitrag widmet er sich erneut dem Weltbild-Verlag, macht den Fall zu „eine[r] Richtungsentscheidung der katholischen Kirche in Deutschland“ und stellt zusammenfassend fest: „Die Causa „Weltbild“ war nur das Aufplatzen der Eiterbeule.“

Damit steht Spaemann in der guten Tradition Gabriele Kubys, die den Begriff bereits im vergangenen Jahr auf Weltbild bezog. Dass die Metapher der Eiterbeule durch die einschlägige Verwendung in der Zeit des NS-Regimes nicht ganz unproblematisch ist, dürfte den beiden entgangen sein, ist aber hier noch einmal nachzulesen.