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Otterbeck übt noch

Andreas Englisch muss dem kath.net-Team bei einem Vatikanbesuch die letzte Oblate weggeschnappt haben, anders ist der jüngste Ausfall von Franz Norbert Otterbeck kaum zu erklären:

Englisch übt noch
Englisch ist der meistüberschätzte Nichtkenner des Vatikans […] der dürftige Katholik aus Werl […] der kirchlich nur halb-gebildete Schnüffler mit der guten Nase […] der flotte Schreiber […] der sicherlich keinen Zugang zum inneren Zirkel hat, sondern sich die „Fakten“ in Bars und an Hoteltresen zusammenlauschen muss […] der Hektiker […] der Edeldilettant […] die eigentlich religiöse Dimension kann der Wahlrömer vor lauter „Lutherzorn“ kaum empfinden […] der rasende Reporter […] Andreas Englisch – vielleicht doch ein Logenbruder auf Urlaub im Heiligen Bezirk? Ich sage nur: Bertelsmann!

Bemerkenswert ist, dass sich die angedeutete Verschwörungstheorie um Bertelsmann und Freimaurerei fast ausschließlich auf so schrecklichen Seiten wie „DerHonigmannsagt“, „Luebeck-kunterbunt“ oder „die-rote-pille“ findet. Andererseits: Wahrscheinlich war Otterbeck, wie Englisch, gerade in Eile und musste sein Pamphlet fristgerecht abschicken.

All the news, all the time ii

9. April, 7:50 Uhr in der kath.net-Redaktion, es wird händeringend nach einem Artikel für einen guten Start in den Tag gesucht: Gähnen allseits, es ist früh, man will zurück ins Bett (allein). Aber, wirft da ein Redakteur schließlich ein, war nicht neulich irgendein Typ von den Evangelen beim Papst? Nach kurzer Recherche fällt den müden Recken ein KNA-Beitrag auf, der am Tag zuvor auf katholisch.de erschien und den Vatikanbesuch des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider behandelt – besser als nichts. Schnell die beiden goldenen Regeln des Onlinejournalismus (Strg+C, Strg+V) beherzigt, dann gibts endlich Kaffee. Mhm, Kaffee.

Weil die weiteren Nachrichten des Vormittags aber nur wenig Substanz bieten, surft ein gelangweilter Redakteur nach dem ausgiebigen Frühstück noch einmal auf den KNA-Artikel – und erschrickt. „Unter Brüdern“ heißt der und berichtet davon, wie begeistert Schneider vom Treffen gewesen sei. Man habe gemeinsam das Vaterunser gebetet und auch wenn nicht alle Fragen geklärt wurden, verspreche sich Schneider nun einen „ökumenischen Frühling“, da Franziskus in diesem Punkt nicht in der Tradition Benedikts stehe und außerdem Hölderlin liebe, einen „einstigen Studenten der evangelischen Theologie“ – – -
[Die alte Version des kath.net-Artikels lässt sich über die Google Cache-Funktion finden]

Aufgelöst macht der Redakteur den Inhalt des Artikels bekannt, durch die ausgeklügelte Rohrpostanlage sind binnen 20 Minuten alle Redaktionsmitglieder informiert. In einer Krisensitzung entscheidet man sich zur einzig richtigen Notlösung: Der KNA-Artikel wird ersatzlos gestrichen, an seine Stelle kommt ein Gemeinschaftswerk aus kath.net, KNA, KAP und Idea, die alte URL wird übernommen. Statt „Unter Brüdern“ heißt es nun ein wenig nüchterner „Deutscher evangelischer Ratsvorsitzender trifft Papst“, Schneiders Schwärmerei wird ebenso gestrichen wie eine Schilderung seiner Berührungspunkte mit Franziskus.

Stattdessen werden die Ereignisse in Rom in aller Kürze und betont humorlos geschildert, ehe es dann endlich lustig wird: In drei Absätzen kommt der Publizist Hubert Windisch zu Wort, der alle Hoffnungen auf Ökumene ausschlägt: „Die Zahl der Fehlentwicklungen in der evangelischen Kirche sei zu groß“, klatscht kath.net Beifall und zitiert genüsslich Windischs Diagnose: „gravierende theologische und ethische Defekte“ seien in der evangelischen Kirche festzustellen. Außerdem informiert er die geneigten Leser, dass Luther Antisemit war – und weil in der Katholischen Kirche judenfeindliche Bestrebungen zweifellos zu keiner Zeit festzustellen waren, führt er den Punkt dann auch nicht weiter aus.

Um alle Zweifel auszuräumen, dass es sich beim vorliegenden Text tatsächlich um einen echten kath.net-Artikel handelt, werden noch einige Reizworte eingebaut: In der evangelischen Kirche werde „die sogenannte „Homoehe“" anerkannt; und als sei das noch nicht genug, wird an das „Pfarrdienstgesetz, das schwulen und lesbischen Pfarrern und Pfarrerinnen das Zusammenleben und Wirken in einem evangelischen Pfarrhaus ermöglicht“, erinnert. Schrecklich, das. Die Redakteure schütteln sich und nicken anschließend anerkennd: Jetzt können sie guten Gewissens zu Mittag essen. Mhm, Mittagessen.

Danke für die Hinweise an Heinrich und seine Unheiligkeit.

Eine Linzer Exzellenzinitiative

Wissenschaft ist blöd. Ständig konfrontiert sie die Wirklichkeitsfans von kath.net mit unschönen Fakten: Evolution gab und gibt es, Homosexuelle können nicht umgepolt werden und Kondome schützen vor AIDS. Ruft man sich ins Gedächtnis, dass kath.net auch Kiss & Ride-Schilder als Aufforderung zur Prostitution versteht oder Missernten als göttliche Strafen interpretiert, überrascht es nicht wirklich, dass sich das Linzer Portal im Zweifel für den Zweifel für die Realitätsverleugnung und gegen die Erkenntnis entscheidet.

Roland Noé echauffiert sich heute über eine Studie des Bistums Rottenburg-Stuttgart, die sich mit Erwartungshaltungen der Gläubigen beschäftigt. In dieser Studie kam heraus, dass die Mehrheit der Befragten eine „offene, tolerante, kommunikationsfähige Kirche“ wünsche, während „radikal-konservative Aktivisten“ nur eine innerkirchliche Minderheit stellten. Das gefällt Noé nicht.

Die Studie sei nur „angeblich“ empirisch repräsentativ, versucht der kath.net-Chefredakteur Zweifel an der Seriosität zu säen – schließlich sind es im knallbunten Paralleluniversum von kath.net die „radikal-konservativen Aktivisten“, oder wie Noé sie nennt: „romtreue Katholiken“ – die die Meinung vorgeben.

Weil sich die Resultate der Studie letztlich dann aber doch nicht vollständig ausblenden oder schönreden lassen, wechselt Noé in der zweiten Hälfte des Artikels die Strategie. Er wirft dem Bistum vor, das ‚Jahr der Kirche‘ in der Umfrage nicht berücksichtigt zu haben (auch die Haltung zum FC Bayern München, Barack Obama und Bischof Williamson wurden nicht abgefragt, vermutlich weil sie nichts mit dem Thema zu tun haben). Besonders gelegen ist Noé aber an der prophylaktischen Verhütung (sic!) weiterer Studien, die sich nicht mit dem kath.net-Allgemeinwissen decken. Die „Grundsatzfrage, ob man solche Studien überhaupt braucht“, müsse endlich gestellt werden, um alles, was der kath.net-Weltanschauung widerspricht, künftig zu verhindern.

Und überhaupt: Jesus habe in der Bibel nie über Studien gesprochen, sei intolerant (was Noé offenbar als Tugend propagiert sehen möchte) und, natürlich, ein „radikal-konservativer Aktivist“ gewesen. Statt die biblischen Geschichten historisch einzuordnen, wird Jesus also – „radikal-konservativ“ ist schließlich ein dehnbarer Begriff – irgendwo zwischen kath.net, gloria.tv und kreuz.net verortet. Sauer stößt Noé auch auf, dass die Studie des Bistums Rottenburg-Stuttgart „teuer“ gewesen sei, wenngleich er keine konkreten Zahlen angeben will oder kann. Das Geld solle, zumal „in Zeiten einer fortschreitenden Wirtschaftskrise“, lieber an die „Armen“ verteilt werden.

Da könnte kath.net doch eigentlich einmal selbstbewusst vorangehen und auf Spendenaufrufe verzichten. Bei „den Armen“ ist das Geld, „gerade auch in Zeiten einer fortschreitenden Wirtschaftskrise“, sicher besser aufgehoben.

Halb so wild ii

kath.net freut sich aktuell, dass bei einer Pariser Demonstration gegen die Homo-Ehe 650.000 Menschen mitgelaufen sein sollen, „in Pressemeldungen“ sei sogar von „800.000 Teilnehmern die Rede“.
Es ist wohl nur Zufall, dass kath.net die einzige unabhängige und daher etwas seriösere Schätzung verschweigt: Die Polizei nannte die Zahl von 340.000 Teilnehmern, was für die Veranstalter, die mindestens 500.000 Menschen erwarteten, freilich eine deutliche Niederlage wäre.

Quark, Quark, Quark

Johannes Graf, Redakteur im kath.net-Humorressort, hat kürzlich mal wieder das Radio angemacht und seinen Ohren kaum trauen können:

Die österreichische Fluglinie „Austrian Airlines“ macht seit einigen Jahren zur Weihnachtszeit Werbung mit dem Slogan „Retten Sie eine Weihnachtsgans. Fliegen Sie weg.“ In dem dazu gehörenden Radiospot „singt“ zu Beginn eine Gans quakend die Melodie von „Stille Nacht“.

Und das könne doch wohl nicht sein:

Christen sind sicherlich im Allgemeinen keine humorlosen Menschen, aber Witz und Ironie müßten dort ihre Grenze finden, wo es um etwas geht, das Menschen heilig ist. Der Respekt vor der Religion anderer sollte auch jene zur Zurückhaltung veranlassen, die diesen Glauben nicht teilen. Ein Lied, das die „heilige Nacht“ besingt, in der Gottes Sohn geboren wird, um die Menschheit zu erlösen eignet sich nicht für eine Parodie.

Überhaupt:

Hinsichtlich des Judentums und des Islam wird diese Zurückhaltung Gott sei Dank fast immer geübt.

„Fast immer“ stimmt. Als die Titanic Titelbilder mit Kirchenbezug veröffentlichte, konnte kath.net von Witzen über Islam und Muslime gar nicht genug kriegen:

8. April 2010:
Darf Satire sogar eine solche Grenze an Schamlosigkeit gegenüber dem Sohn Gottes, nach dem sich immerhin fast zwei Drittel der Deutschen nennen, überschreiten? Dabei war das Blatt mit nach eigenen Angaben hunderttausend Auflage feige: Warum dann nicht auch Mohammed im Sex mit einem Imam vereint – um sozusagen religiös ausgewogen zu diffamieren?

12 Juli 2012:
Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner fragt in seiner täglichen Kolumne, ob die „Humorhelden“ jemals einen sich besudelnden Propheten Mohammed auf den Titel gebracht hätten. „Ihr habt es nicht gemacht, weil Euer Arsch auf Grundeis ging. Scharia, Todesdrohungen. Euer Redaktionsgebäude würde belagert von Demonstranten. Fahnen würden brennen“, so Wagner. Mit dem Papst könne man alles machen.

10. August 2012:
Mit den Muslimen geht man viel vorsichtiger um. Kardinal Meisner: „Bezeichnend, dass meistens Christen das Ziel von Satire und Blasphemie seien. Mit den Muslimen geht man viel vorsichtiger um, weil man befürchtet, dass es Ärger gibt“

16. September 2012:
Seid mutiger und wehrt euch! […] Jede Kritik an Allah und dem Koran werde verfolgt, aber die Beleidigung christlicher Symbole «als Meinungsfreiheit gefeiert».

Ganz abgesehen von den einschlägigen Leserkommentaren (Auswahl):

„Eva 1941″:
Titanic
Mein Vorschlag: Das Satiremagazin bringt eine Karikatur von Mohammed auf seiner Titelseite, die ihn beleidigt und lächerlich macht!
Aber: Dazu reicht der „Mut“ dieser Schreiberlinge nicht, da haben sie die Hosen voll!!

„Gandalf“:
Tja, es gibt immer die Relativierer und Verharmloser, die jede Perversion und jeder Menschen- und Religionsverachtung noch etwas Gutes abgewinnen können. Wenn es hier um die Juden oder um den Islam geht, dann würdest Du sicher anders argumentiert, denn dann wäre es „politisch korrekt“ aber das traut sich das Pseudomagazin nicht.

Aber dass Verharmloser und Relativierer eine gewisse Tradition haben, zeigt ja die deutsche und österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

„Trinitatus“:
TITANIC kann froh sein, daß Christen so friedfertig sind ! An eine gewisse andere Religion traut man sich aus Feigheit nicht ran. Pressefreiheit ?

„sonni“:
Man sollte eine Titanic mit Mohammed vorne drauf rausbringen: einen Bombengürtel um den Bauch und jede Hand voll mit von Blut triefenden Menschen. Was die Staatsanwaltschaft dann wohl den muslimischen Mitbürgern sagt?

„Apfelkuchen“:
Abstossend ist es und feige dazu.Hier riskiert man wirklich nichts und macht sich lustig auf andere Leute Kosten.Denn es ist natürlich klar,daß man so etwas nur mit Christen machen kann.Versuchen sie das mal bei Mohammed und sie haben morgen möglicherweise schon ein Messer im Rücken.Die Feiglinge wissen,daß sie das bei Christen nicht befürchten müssen.

„Bastet“:
Es ist nur noch eine SCHANDE wie hierzulande mit dem heil. Vater umgegangen wird.
Sollen doch diese „Superschreiberlinge“ diese geschmacklosen Scherze mit Mohamed machen, so wäre ihr Verfalladatum sehr schnell abgelaufen.

„Christa“:
Hoffentlich halten sich diese Schmierfinken in Zukunft zurück. Im Islam hätte man die Verantwortlichen gesteinigt.

„Afa81″:
Schade…
Natürlich wird die Titanic nie Karikaturen über Mohammed zeichnen – eben weil dann Morddrohungen kommen werden.