Archiv der Kategorie 'Piusbrüder'

Zeichensetzungsfehler

Völlig sinnfrei genutzte Anführungszeichen haben auf kath.net eine stolze Tradition: So wird beispielsweise immer wieder von einer „Homo-Ehe“ bzw. Homo-“Ehe“ gesprochen, um den Homosexuellen einerseits tiefe Verachtung zu signalisieren und andererseits auzudrücken, dass ihre Ehen in den Augen traditionalistischer Katholiken null und nichtig sind.
Nicht genehme Kunst wurde auf kath.net ebenfalls per Gänsefüßchen gekennzeichnet; so war vor einigen Monaten wiederholt von „Kunst“ respektive „Kunstwerk“ die Rede. kath.net fühlte sich u. a. von einer neuen Interpretation des letzten Abendmahls nicht gut unterhalten, schließlich wurde dort eine Frau mit nacktem Oberkörper dargestellt.

Heute wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: Wolfgang Ockenfels, bei kath.net bereits auf einem Werbebanner der Jungen Freiheit in Erscheinung getreten, verteidigt in einem aktuellen Artikel die Bemühungen des Papstes, die Piusbruderschaft wieder in die Katholische Kirche zu integrieren. Er berichtet von der Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Bischöfe, was damals

einen Sturm der Entrüstung entfachte, weil einer von ihnen sich als „Holocaustleugner“ offenbarte.

Dabei bezieht er sich allem Anschein nach auf Richard Williamson, der bereits 1989 die Vergasung von Juden in Auschwitz leugnete und den Holocaust im Gegenzug als jüdische Erfindung deklarierte. 2000 pries er die antisemitische Fälschung der Protokolle der Weisen von Zion als authentisch.
Im Frühjahr 2009 kam er erneut in die Schlagzeilen, als er in einem TV-Interview die Existenz von Gaskammern in deutschen Konzentrationslagern leugnete und von 200.000-300.000 jüdischen Todesopfern sprach.

Das wirft nun die Frage auf, was Williamson noch hätte tun müssen, um in den Augen von Ockenfels nicht nur als „Holocaustleugner“, sondern als Holocaustleugner zu gelten.
Dabei kann es sich eigentlich nur um einen Flüchtigkeitsfehler handeln, schließlich distanzierte sich kath.net noch im Februar 2012 von einem den Piusbrüdern nahestehenden Autor, der Williamsons Aussagen nicht nachdrücklich genug kritisiert hatte.

Eine unerwartete Wendung ii

Mit einiger Verwunderung bestaunte ich unlängst einen kath.net-Artikel, der sich bemerkenswert offensiv an der Piusbruderschaft abarbeitete: Nach zwei aktuellen Interviews hatte sich ein Student bei kath.net gemeldet, der einen Gastkommentar anbot. kath.net lehnte dieses Angebot, wie man schrieb, „dankend“ ab – der Autor sei zuvor mit revisionistischen Thesen im Internet aufgefallen.

Dieser Fall verblüffte mehrfach: Nicht nur, dass kath.net auf einmal Gastkommentatoren vor der Veröffentlichung einmal googeln kann – hier wurden die zuvor vor allem in der Kommentarspalte hochgejazzten Piusbrüder aufs Schönste vor den Dickkopf gestoßen. Statt dem Studenten per Mail abzusagen, wurde der Fall öffentlich gemacht und (das ist vielleicht das Bemerkenswerteste) deutlich bekannt gegeben, dass antisemitische und revisionistische Thesen á la Richard Williamson auf kath.net nichts verloren hätten.

Das allerdings ist mindestens zweifelhaft: Viele Leserkommentare unter Artikeln über Judentum und Holocaust bedienen sich antisemitischer Argumentationen, der Judenvernichtung wird immer wieder die Abtreibung gegenüber gestellt, die NS-Verbrechen mit Stalins Herrschaft aufgewogen und generell als nicht so schlimm eingestuft. Diese Kommentare müssen manuell von der Redaktion freigeschaltet werden.
Im Forum versuchte eine Moderatorin über mehrere Seiten hinweg, den Piusbruder-Bischof Williamson in Schutz zu nehmen für seine Aussage, es habe keine Gaskammern und keine sechs Millionen jüdische Todesopfer gegeben.

Ein plötzlicher Meinungsumschwung bezugs der Piusbrüder mag ein Grund sein für den eingangs genannten Artikel, der zugleich aber vor allem eine neue Offenheit symbolisieren sollte – schließlich geriet kath.net in den letzten Monaten des Öfteren in die Kritik: Im vergangenen Sommer gab man einem deutschen Neonazi Platz für fünf Gastkommentare, was nach einiger Zeit auch der ORF mitbekam und öffentlich machte. Auf dem gleichen Sender lief unlängst die Sendung „Report“, die kath.net gleichberechtigt neben den radikalen Portalen kreuz.net und gloria.tv nannte und eigentlich ein Interview mit dem Linzer Portal plante. Das bereits zugesagte Gespräch kam allerdings nie zustande. Einige Bischöfe dürften zudem nicht einverstanden gewesen sein mit der ebenso aggressiven wie unsinnigen Kampagne gegen den Weltbild-Versand, die kath.net über Monate fuhr.
Der Imageverlust wird auch durch die gegenwärtige Version des Wikipedia-Artikels illustriert: Im Abschnitt „Rezeption“ wurde dieser Blog verlinkt, prominent hervorgehoben wird das auf kath.net gefundene rechte und antisemitische Gedankengut. Dass der sehr kritische Artikel mittlerweile schon seit einem Monat online ist und es anscheinend keine Bearbeitungsversuche gab, ist bemerkenswert: Der „Diskussion“ zufolge störten sich kath.net-Fans vor einigen Jahren tatsächlich schon an der Einstufung als „konservativ“.

Offenbar um diesem negativen Eindruck gegenzusteuern, sind in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Artikel auf kath.net veröffentlicht worden, die antisemitische Ressentiments und Vorfälle dokumentieren sollen. So wurde etwa über einen palästinensischen Pastor, oder über rechtsradikale Fußballfans berichtet. Diese eigentlich sehr lobenswerte Entwicklung ist leider durch die vielen intoleranten und reaktionären anderen aktuellen Artikel und Kommentare nicht wirklich ernst zu nehmen.

Auch im kath.net-Forum wurde die gegenwärtige Diskussion aufgegriffen. Im acht Jahre alten Thread „wo steht kath.net?“ entwickelte sich in den letzten Wochen ein lebhafter Streit um die Frage, wie das Portal einzuordnen sei. Dabei kamen nicht nur begeisterte Anhänger der Seite zu Wort, sondern auch zwei kritische Leser, deren Bedenken von den Administratoren erkennbar ignoriert wurden. Als sie die Deutungshoheit zu übernehmen drohten, wurde der Thread aus dem Unterforum „Gott und die Welt“ verschoben – in den nicht-öffentlichen Bereich, der nur für angemeldete Nutzer lesbar ist.

Eine unerwartete Wendung

kath.net versteht keinen Spaß bei Holocaustvergleichen und Geschichtsrevisionismus!

Das war Ihnen neu? Tjaha:

[…]
Die Antworten von P. Lugmayr dürften offensichtlich innerhalb der Piusbruderschaft binnen weniger Stunden für gewaltige Aufregung gesorgt haben. Kurz nach deren Veröffentlichung nämlich erreichte KATH.NET ein Kommentarangebot aus dem Umfeld der Bruderschaft St. Pius X. von einem gewissen Anton Löhmer. Dieser stellte sich als Jurastudent und Vorsitzender des „Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Freiburg e.V.“ vor. Außerdem ist er laut eigenen Angaben Mitglied der Katholischen Jugendbewegung (KJB), der Jugendvereinigung der FSSPX.

Die KATH.NET-Redaktion hat das Angebot dankend abgelehnt, dies aus dem einfachen Grund, weil der Beitrag nicht als besonders theologisch versiert erschien und außerdem sehr schnell merkwürdige Aussagen des Autors im Internet zu finden sind.

So schreibt dieser in einem Internetbeitrag in dem Blog „Der Gerade Weg“ (https://dergeradeweg.wordpress.com/2010/07/12/das-apostolat-des-scheiterns/) folgendes:„Gestrenge Tugendwächter wachen an den Gräbern der NS-Opfer und verteidigen mit heiligem Zorn die Singularität des Holocaust gegen jeden revisionistischen Zweifler wie das Allerheiligste eines postmodernen Tempels, doch zugleich gehen die Abtreibungszahlen in die Millionen und kehrt das „lebensunwerte Leben“ unter dem Mantel des selbstbestimmten und humanen Todes klammheimlich zurück“.

Hat kath.net also doch etwas aus der Geschichte um den rechtsradikalen Gastkommentator Marcus B. gelernt und googelt mittlerweile neue Autoren? Das ist einerseits zwar löblich, andererseits aber auch ziemlich fragwürdig: In unzähligen Leserkommentaren, die zuvor von der kath.net-Redaktion geprüft wurden, wurde der Holocaust relativiert und gegen Migranten gehetzt.
Da durfte auch die kath.net-Moderatorin „Philothea“ im Forum schon mal den hier von Noé gescholtenen Bischof Williamson in Schutz nehmen – als Brite könne er schließlich gar nichts über Auschwitz wissen.

Hätte kath.net indes tatsächlich den Anspruch, fragwürdigen Personen mit noch fragwürdigeren Ansichten keinen Platz zur Verfügung zu stellen, hätte man gleich das Interview mit Franz Schmidtberger abblasen müssen. Der vertritt als Mitglied der Piusbruderschaft nicht nur die bekannten reaktionären katholischen Werte, sondern hat auch so seine eigenen, der Demokratie und einer freiheitlichen Gesellschaft weniger zuträglichen Gedanken:

Besonders problematisch ist die abstruse These von Schmidberger, dass es „legitime Regierungen“ gibt, „die nicht aus Wahlen hervorgegangen sind“. Demnach könnte eine Alleinherrschaft eine legitime Regierung sein, da es nicht auf die Zustimmung der Bevölkerung, sondern auf eine Anerkennung durch Gott selber ankomme. In der Erbmonarchie sieht er eine solche Voraussetzung als erfüllt.
[…]
Zugleich fordert Schmidberger ein Wahlrecht, das von dem Grundsatz, dass jeder Wahlberechtigte ein und dieselbe Stimme („one man, one vote“) hat, abweicht. Er fragt: „Würde nicht ein wesentlich auf die Familienoberhäupter abgestütztes Wahlrecht der Familie als Zelle der Gesellschaft eine ganz andere Stellung verleihen?“ Frauen kommen bei seinen Überlegungen beim Wahlrecht überhaupt nicht vor.

Auch bezweifelt Schmidberger, „ob die Parteien wirklich zum Wohle eines Volkes seien oder nicht vielmehr zu dessen Spaltung beitragen“. Sicher kann es legitim sein, sich über den Zustand der politischen Parteien zu beklagen. Schmidberger stellt aber die Existenzberechtigung der Parteien als solche infrage. Nach seiner elitären Position sollten nämlich an deren Stelle „jene christlichen Männer“ treten, „die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichneten“.
[…]
Darüber hinaus fordert Schmidberger die Todesstrafe. Es müsse klar werden, dass die Strafe zunächst „einen vindikativen (rächenden) Charakter“ habe, um die „zerstörte Ordnung“ wiederherzustellen. „Die Todesstrafe für Schwerverbrecher (Mord, Drogenhandel) trägt diesen rächenden Charakter in sich und führt viele Schuldige nach dem Zeugnis von Gefängnisseelsorgern zur Bekehrung.“

Gesellschaftspolitisch führen Schmidbergers Grundsätze zurück ins Mittelalter: Er sagt „dem Konkubinat wie auch den vorehelichen und außerehelichen Beziehungen den Kampf an“. Er will, dass in einer christlichen Gesellschaftsordnung der Vertrieb von empfängnisverhütenden Mitteln verboten wird. Ferner heißt es: „Ebenso verbannt sie Gotteslästerung, Homosexualität und Pornografie aus dem öffentlichen Leben; sie bestraft die Abtreibung und verwirft die Euthanasie wie die Drogen. Auch schließt sie Freimaurerlogen und verbietet Geheimgesellschaften.“

Die Ablehnung des Gastkommentars kann man als Geplänkel abtun: Große ideologische Unterschiede zwischen kath.net und Anton Löhmer existieren nicht – bis auf einen, den Roland Noé alias „Gandalf“ in der Kommentarspalte erwähnt. Auf entgeisterte Kommentare von „bgo“ rechtfertigt er sich:

„bgo“:
Habe ich etwas falsch verstanden ? Ausnahmesweise ..
… bin ich mal anderer Meinung als kath.net

Die Abtreibungen sind durchaus vergleichbar mit dem Holocaust.

1)
Allein in Deutschland werden in 10 Jahren 2.5 Millionen Menschen getötet.
2)
Im Dritten Reich wussten so viele Deutsche angeblich nichts von der Ermordung der Juden, heute wissen so viele Deutsche angeblich nicht, dass es Menschen sind, die im Schoß der Mutter getötet werden.

Was ist falsch an dem Internetbeitrag ?

„Gandalf“:
@bgo: es geht hier eher nicht um den Vergleich sondern um diese Passage: „und verteidigen mit heiligem Zorn die Singularität des Holocaust gegen jeden revisionistischen Zweifler“

Dies bezieht sich 100 % auf Williamson und seine Holocaustaussagen!

Es ist, wie bereits gesagt, löblich, dass kath.net auf den offensichtlich revisionistischen Gastkommentar verzichtete. Dass man die Geschichte allerdings derart hochstilisiert und sich, nach all den Vorkommnissen, als engagierter Gegenspieler reaktionärer Judenhasser aufspielt, ist lächerlich. Und es lässt Zweifel aufkommen, ob die demonstrierte Empörung echt ist – oder nur den etwas angekratzten Ruf wiederherstellen soll.

Von nichts gewusst

2009 verlief, im Rückblick betrachtet, vergleichsweise unspektakulär. Barack Obama erhielt aus zweifelhaften Gründen den Friedensnobelpreis, der Eisvogel wurde in Deutschland völlig zu Recht zum Vogel des Jahres gewählt und das Betriebssystem Windows 7 bereicherte die Computerwelt.

Angela Merkel, die im selben Jahr noch zum zweiten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt werden sollte, verscherzte es sich 2009 mit den katholischen Fundamentalisten: Sie wagte es tatsächlich, Papst Benedikt anlässlich seiner Bemühungen um die reaktionäre Piusbruderschaft zu kritisieren. Deren Bischof Richard Williamson hatte zuvor im schwedischen Fernsehen mal wieder den Holocaust geleugnet.

Das gefiel kath.net nicht besonders: Wie konnte sich Angela Merkel (Frau! Protestantin! Angela Merkel!) einbilden, den Papst mit guten Ratschlägen versorgen zu müssen? Vorsichtshalber erstellte Roland Noé am 3.2. unter seinem Community-Nick „Gandalf“ im zugehörigen Forum den Thread „Angie gegen Benedikt“, der es auf die respektable Zahl von 974 Posts bringen sollte. Neben allerlei üblichem Geplauder darüber, dass die CDU ja spätestens jetzt für echte Katholiken unwählbar geworden sei, finden sich dort auch einige tatsächlich bemerkenswerte Beiträge.

Dass Linz, Standort von kath.net, just im Jahr 2009 zur Europäischen Kulturhauptstadt erklärt wurde, ist im Thread nicht zu bemerken. Stattdessen fallen Posts auf, die mit ’saublöd‘ noch nett beschrieben sind. Voran schreitet dabei die Moderatorin (!) „Philothea“, die mit mehr als 6000 Postings hinter „Gandalf“ auch zu den Vielschreiberinnen des Forums gehört. Weil „Philothea“ vor kurzer Zeit verstorben ist, verzichte ich an dieser Stelle auf Screenshots und unnötige Polemik gegen sie und zitiere nur ihre Beiträge.

Richard Williamson jedenfalls hatte 2008 im schwedischen Fernsehen folgende Sätze zu Protokoll gegeben:

Ich glaube, dass es gar keine Gaskammern gab […] Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern umgekommen sind […] aber keiner von ihnen durch Gaskammern

Dafür hat „Philothea“ eine eigenartige Erklärung:

Bitte bedenkt das Williamson Engländer ist.
Für Engländer hat der Holocaust eine andere Bedeutung als für uns Deutsche.
Aber vor allem in England spielen andere Sachen eine wichtigere Rolle im Geschichtsuntterricht.
bitte nicht meinen, das was wir Deutschen in Geschichte lernen wäre in anderen Ländern auch so

Auf Proteste anderer User antwortet sie:

Ich denke, wir Deutschen – oder deutschsprachigen- meinen immer alle müssten über den Holocaust so informiert sein wie wir. Aus anderen Ländern die sind aber darüber meist nur schlecht informiert.
Das kann man sich auch leicht überlegen: Wieviel wissen wir über den Armeniermord in der Türkei oder über die ETA oder oder oder
…oder schauen wir in unsere eigene geschichte – wieviel wissen wir über die Rassenunterddrückung und den Ermordungen des Kaiserreiches in den Kolonien?

Abgesehen von den Unterschieden der Verbrechen und vom Umstand, dass Richard Williamson den Holocaust nicht aus Unkenntnis, sondern aus eindeutig antisemitischen Gründen leugnete, ist das noch gar nicht so schlimm. Jedenfalls verglichen mit dem, was „Philothea“ einige Tage später schreibt:

ich hab mich mit meinem Vater untehalten und da kam raus
Es gab in den 80er einen amerikanischen Wissenschaftler der Auschwitz untersucht hat und festgestellt hat das in den Gaskammern niemand umgebracht wurde, da die Wände Gasfrei waren.
Es war ein angesehener Wissenschaftler der auch Untersuchungen in den Todeskammern der USA machte.
Er stellte fest dass die Wände der Räume in denen die Wäsche von Ungeziefer befreit wurde, 10 cm tief verseucht waren, in den Gaskammern für die Menschen aber gar keine Verseuchung war.
Das publizierte er zum Schrecken für die Polen und auch Deutschen.
Es kam zum Prozeß wegen Holocaustleugnung in Deutschland. Erst hier wurde dann klar dass Auschwitz von den russischen Panzern komplett zerstört wurde und von Deutschen rekonstruiert wurde. Mein Vater hat damals für diesen Prozeß übersetzt und weiß von daher was da los war.

Wenn Williamson dieses Buch gelesen hat, dann sind seine Aussagen zu verstehen.
Und Williamson beruft sich, wenn ich das richtig mitbekommen habe auf ein amerikanisches Buch aus dieser Zeit.

Und dann eben nochmal
Engländer und Amerikaner sind lange nicht so firm in Deutscher Geschichte wie wir Deutschen ;)

Sie bezieht sich dabei auf den sog. Leuchter-Report, ein Prozessgutachten von Fred Leuchter. Es ist, wie Wikipedia schreibt, „in der Bundesrepublik Deutschland als Volksverhetzung strafbar.“
Dass „Philothea“ diesen längst widerlegten Mist nicht nur als mildernde Umstände für Williamson wertet, sondern gar als Tatsache darstellt, ist ziemlich ungeheuerlich. Immerhin widerlegt „Franziska“ diesen Unfug daraufhin. Als sich die kritischen Stimmen mehren, stellt „Philothea“ fest:

ich habe nicht geschrieben dass es richtig ist sondern dass es zu verstehen ist, dass er nicht so bescheid weiß.
Mensch Leute nur weil wir in den deutschsprachigen Ländern ab der 6. Klasse immer wieder über den Holocaust informiert werden, heißt das doch nicht dass alle Menschen auf der Welt darüber genauso gut Beschied wissen. Wir wissen über die Geschjichte anderer Länder auch nicht wirklich Bescheid.

Natürlkich ist es furchtbar, dass die Menschen über so schreckliches nicht Bescheid wissen aber es ist so.
Nur das wollte ich klar machen, ich wollte damit niemand in Schutz nehmen der den Holocaust leugnet – ok?

Und bezugnehmend auf „Franziska“:

Ach weil ich zu verstehen versuche, warum ein Mensch den Holocaust leugnet bin ich selber nicht firm in der deutschen GEschichte?
Du scheinst mich besser zu kennen als ich mich kenne ;) ;)
Es ging einfach darum mal zu versuchen aufzuzeigen dass nicht alle Menschen soviel von deutscher Geschichte wissen (und wissen müssen) wie wir deutschen.
OK?
Natürlich kann jeder mehr wissen aber nicht jeder irgendwo auf der Welt muss die deutsche Geschichte kennen – wir kennen uns ja auch nicht in den Gräueltaten aller anderen Nationen aus.

Nein es ist nicht der Prozeß gewesen den du dort aufführst – ich weiß auch gar nicht warum du nun auch noch meinst zu wissen wo und wann mein Vater bei einem Holocaustleugnerprozeß übersetzt hat ;) :P

Auf den Einwurf von „Benedictus“, von einem Bischof könnte man ein bisschen Allgemeinwissen schon verlangen, antwortet „Philothea“:

Für uns deutschen ist das Thema Holocaust ein Thema was viel beschrieben wird und viel in den Köpfen ist in allen anderen Nationen um uns herum ist das aber nicht so.

Ob ein Bischof wirklich alles wissen muss? ich finde nicht.

Und auf die Feststellung, dass der Leuchter-Report einen „zweifelhaften Ruf“ besitze, entgegnet sie:

Was heißt zweifelhafter Ruf

bis Ende der 80er war er eben nicht unbedingt in zweifelhaftem Ruf

„Anglican“, der/die im gleichen Atemzug Eva Hermann in Schutz nimmt, glänzt danach mit einem eher kruden Vergleich:

Zu Williamson: Seine Ansichten sind absurd. Ebenso ist aber diese internationale Hexenjagd absurd, die jetzt auf diesen Mann veranstaltet wird. Da wirft man der Kirche vor, in den vergangenen Jahrhunderten Andersgläubige und Ungläubige verfolgt zu haben. Und was erlebt man gerade mit Williamson? Bloß daß hier nicht die Kirche die verfolgende Institution ist, sondern die Medien in Verbindung mit den offenen, westlichen Demokratien.

Wie gesagt, ich möchte in diesem Zusammenhang auf unnötige Spitzen gegen „Philothea“ verzichten, und deshalb halte ich mich abschließend etwas allgemeiner: Es ist bezeichnend, dass eine Moderatorin, die Vorbildfunktion besitzen sollte, derartigen Unfug in ein Forum schreiben kann, während andere User für liberale Ansichten gesperrt werden. Aktuell lässt sich diese absurde Bigotterie übrigens im Thread „Christen und Erziehung“ verfolgen, in dem Posts von „tweety“ gelöscht werden, weil sich diese gegen körperliche Gewalt gegenüber Kindern ausspricht.

Mit Dank an Wilhelm für den Hinweis.

Sympathy for the Devil

Ok, es handelt sich weniger um den Teufel, mit dem die kath.net-Leser sympathisieren, als um die Piusbrüder. Die wurden von Papst Benedikt seit dessen Amtsantritt ja ziemlich offensiv umgarnt, was nicht überall besonders positiv aufgenommen wurde.

Wir erinnern uns: Die Piusbrüder lehnen die Menschenrechtserklärung ab, Staaten, die diese anerkennen, leben seither „in einem Zustand dauernder Todsünde“. Ein säkularer Staat ist ihnen zuwider, die Piusbrüder wollen einen christlichen Gottesstaat mit Todesstrafe, Verbot von Scheidungen, Homosexualität und Blasphemie. Ferner lehnt man das zweite vatikanische Konzil ab – und dann war da ja noch diese Sache mit dem Antisemitismus. Richard Williamson, der aktuell wohl bekannteste Vertreter der Piusbruderschaft, fiel u.a. 2009 in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen mit einer gepflegten Holocaustleugnung auf. Ihm zufolge starben maximal 300.000 Juden in deutschen Konzentrationslagern – niemand von ihnen in Gaskammern. Das antisemitische, gefälschte Pamphlet „Die Weisen von Zion“ betrachtet er als authentisch; die Aufgabe der „Judenmission“ wird von der Piusbruderschaft abgelehnt.
Dementsprechend hat man auch gute Kontakte in die Naziszene, der Gründer der Piusbrüder, Marcel Lefebvre, war etwa Fan von Pinochet und Franco; die rassistische französische Partei Front National gilt ihnen als „am wenigsten vom Naturrecht“ entfernt, und natürlich gaben Piusbrüder auch der (von kath.net empfohlenen) rechte Postille junge freiheit Interviews.

Man kann die Piusbrüder folgerichtig als durchgeknallte, rechtsaußenstehende Fundamentalisten betrachten, die nirgendwo dazugehören sollten. Das aber sah Papst Benedikt anders und suchte den Dialog mit ihnen, um sie zum Wiedereintritt in die Katholische Kirche zu bewegen.
kath.net berichtete dazu gestern:

In seinen umfangreichen Erläuterungen bekräftigte Fellay, dass für die Priesterbruderschaft St. Pius X. eine Einigung mit Rom auf der Grundlage einer Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils unmöglich sei. Es bestehe nicht die Absicht, diesen Weg einzuschlagen. Das Ergebnis der theologischen Gespräche könne nicht in Zugeständnissen an den Vatikan bestehen, die die Prinzipien der Bruderschaft gefährdeten, so Fellay im August hinsichtlich des bevorstehenden Treffens mit Kardinal Levada. Gleichzeitig erklärte der Bischof, dass er nicht wisse, worin ein eventueller Vorschlag des Vatikans bestehe. Das Hauptprinzip der Bruderschaft bestehe im Glauben. Daher könne ein eventueller Vorteil einer Einigung nicht damit bezahlt werden, dass der Glaube aufs Spiel gesetzt werde: „Zuerst der Glaube, um jeden Preis, der Glaube hat den Vorrang vor einer Anerkennung seitens der Kirche“.

Mit anderen Worten: Die Befürchtungen der Kritiker des Versuchs Benedikts, die Piusbrüder wieder in die Kirche zu integrieren, bewahrheiten sich – sie stellen Forderungen auf, die im Normalfall jedoch immerhin nicht erfüllt werden dürften.
Viele kath.net-Leser sehen das im Übrigen ähnlich und kritisieren Fellay – natürlich nicht für die fundamentalistischen und rassistischen Standpunkte seiner Bruderschaft, sondern für den fehlenden Gehorsam gegenüber dem Papst.

Es gibt aber auch zahlreiche Stimmen, die Sympathie mit der Piusbruderschaft kaum verhehlen können.
„Legolas“ etwa schreibt:

Zustimmung
Ich stimme Bischof Fellay zu!
In Glaubensfragen darf es keine Kompromisse geben!

Lieber mit der Anerkennung noch 10 oder 20 Jahre warten, als sich in Gefahr zu begeben den Modernismus, der alles zerstört, langsam in sich aufzusaugen. Die Piusbruderschaft braucht nichts zu überstürzen: Sie wächst beständig während die Verteidiger des Konzils, sowie der Neuen Messe immer weniger werden!

Auch „Marcus“ gibt zu bedenken:

@Mitposter: Es ist jetzt ohnehin höchst an der Zeit, die Konzilstexte neu zu bewerten.
Was heißt z. B. in Gaudium et Spes die Formel „über die Kirche in der Welt von heute“? Gilt das noch – über 45 Jahre nach der Veröffentlichung?

Und was heißt „nostra aetate“ heute? Ist diese „aetas“ noch im Jahr 2011?

Und: Seien wir uns ganz ehrlich, kann man der Piusbruderschaft verdenken, daß sie ein Konzil ablehnt, das zehntausende Priester und Ordensleute zum Verlassen ihrer Berufung geführt hat?

Nein, liebe Mitposter, „Konzil gut, Piusbruderschaft schlecht“, so leicht können wir es uns nicht machen.

Ebenso „Hl.Hilarius“:

Wieso gegen die FSSPX?
Fast alle Berichte auf kath.-net handeln von Fehltritten von protestantischer oder gar von katholischer Seite. Jeder meckert über die Moderne, über den Verfall der katholischen Kirche; diejenigen aber, die all das tun, was man von unserer Kirche verlangt, sind die Piusbrüder, dessen einziges Manko ist, das Vaticanum II abzulehnen.

Stimmt etwa jeder Katholik mit folgenden Worten des Vaticanum II überein:
„Der Mensch ist Urheber, Mittelpunkt und Ziel des wirtschaftlichen Lebens und der Kultur, denn die Würde der menschlichen Person gründet in der Gottesebenbildlichkeit.“?
Für mich persönlich ist Gott allein das Ziel unseres wirtschaftlichen Lebens.

„Parisot“:

Na hier wird aber schnell geurteilt. Wenn man die Geschichte der Piusbruderschaft verfolgt und auch die jüngsten Entwicklungen in der Kirche (Pfarrer-Initiative) ist die Position der Pius-Bruderschaft verständlich. Warum sollen sie ein Konzil anerkennen, dessen Früchte bitter sind? Man hat dem Lehramt aller Päpste treu zu sein, nicht nur einer Person. Welches Dogma leugnen sie? Fakt ist, dass viele heutige Priester unter dem Hl. Papst Pius X suspendiert worden wären.

„Waldi“ weist darauf hin, dass die Piusbrüder ja nicht der schlimmste Teil der Katholischen Kirche wären:

Nach allem…
was sich heute in unzähligen Pfarreien zum Leidwesen vieler Katholiken an theatralischen Verrücktheiten abspielt, kann ich die Piusbrüder verstehen, auch wenn ich kein Anhänger der Piusbruderschaft bin. Die Piusbrüder sind in der Tat weit davon entfernt, der katholischen Kirche das anzutun, was verschiedene innerkirchliche Laiengruppen wie „Wir sind Kirche“, die „Memorandisti“, das „Kirchenvolksbegehren“, die „Pfarrerinitiative“, das „ZdK“ und nicht zuletzt viele Bischöfe, Kardinäle und Priester mit Vorliebe provozieren. Warum sieht man nur den Splitter in den Augen der Piusbrüder, aber die riesigen Balken in den Augen vieler, in der katholischen Kirche verbliebenen, revoltierenden Gruppierungen nicht? Dass die Kirchen immer leerer werden, ist weiß Gott, nicht die Schuld der Piusbruderschaft!!!

„templer“ hält fest:

Sorry aber im Vaticanum II wurde einiges aufgehoben was vorher gut und richtig war. So hat sich die Kirche davon entfernt sich selbst als alleinige Wahrheitsvertretung zu sehen – nicht mehr Gott und das Evangelium sind im Zentrum, sondern „das Gute“ oder „der Glaube das die anderen dasselbe meinen“. Die EINE katholische Kirche ist nicht mehr Ausschlaggebend – sondern eine Beliebigkeit trat ein.

Es gibt einiges was im Argen liegt, und bevor man die Piusbruderschaft angreift, die immerhin noch uralte lateinische Liturgie leben und damit Gott dienen, sollte man erstmal fragen was die Bischöfe aus Deutschland gebissen hat als sie sich offen gegen den Papst stellten und ständig was von „Frauenordination“ und anderen Unsinn reden. Das sind Angestellte der Kirche die offen gegen ihre eigenen Strukturen aufbegehren und Protestanten sein wollen – während die Kirchen immer leerer werden weil die alten Leute wegsterben.

Die Piusbruderschaft hat schlicht Recht!

Auch „Stormarn“ kann die radikalen Piusbrüder verstehen:

Verständnis
Solange die deutschen Bischöfe, aber auch der Papst den Protestantismus nicht als schlimmste Häresie sui generis betrachten und entsprechend mit den Häresien umgehen, kann ich den Widerstand von FSSPX irgendwie nachvollziehen. Warum muß der Heilige Vater protestantische Abgesandte während seines Besuchs treffen? Was geht es uns an, wie Protestanten das Jahr 2017 begehen? Ich denke, es war der hl Cyprian von Karthago, der über Häretiker gesagt hat: „Sie sind von und gegangen, also haben sie nie zu uns gehört.“ Dem mag ich nichts hinzufügen!

„AGNUSS“ weiß:

Priesterbruderschaft St. Pius X.
ist mittlerweile zum Herzstück der Heiligen Katholischen Kirche trotz des Konzils Vatikann II. geworden.
Zu dieser Erkenntnis sind schon nicht wenige gekommen.

„Sureno“ findet:

Wie wichtig wären die Gläubigen der Piusbruderschaft für die Gemeinden!

„Waldi“ wendet sich an eine andere Kommentatorin:

Sie werden doch nicht leugnen wollen, dass die widerspenstigen, romfeindlichen Gruppierungen innerhalb der katholischen Kirche einen viel größeren Schaden anrichten als die Piusbrüder.

Und:

„Was wird vom II. Vatikanum übrigbleiben?“ Kurz gesagt: Nichts! Denn der negative Trend, der seit dem II. Vatikanum bis heute die katholische Kirche so abscheulich beutelt, wird sich unvermindert fortsetzen! Das mystische Potential ist aufgebraucht und die Kirche scheint nicht mehr die Kraft zu haben, die hohen Werte einzusammeln, die sie so leichtfertig dem fressgierigen Zeitgeist geopfert hat. Für die katholische Kirche wäre schon viel gewonnen, wenn sie sich darauf besinnen würde, durch Missionierung wenigstens die Treuesten noch bei der Stange zu halten.

Dismas erklärt sich:

Ich selbst habe keinerlei Kontakte zur PBruderschaft St.PiusX, aber trotz allem stehen sie mir näher als jeder Protestant und viele Modernisten „in der Kirche“. WER befolgt denn das Konzil, die nun so gegen FSSPX schreien, zumeist selbst noch viel weniger!!

//

Sorry aus den eben angedeuteten Gründen
halte ich die Aufregung vieler hier gegen die FSSPX ungerechtfertigt….
Schaut mal auf „Memorandumstheologen“, „HS-Priestergruppen , „Pfarrerinitativen“ und Bischöfe. die den Ehebruch verniedlichen

Und das ist ja nur konsequent: Menschen, die für Gleichberechtigung kämpfen, sind halt eher abzulehnen als Rassisten und Antisemiten.
„goegy“ lobt unterdessen:

An den Pius Brüdern kann man manches bemängeln. Aber wo kann man dies nicht? Manchmal schiessen sie über das Ziel hinaus. Vielleicht sind sie zuweilen zu doktrinär, zu nostalgisch rückwärts gewandt etc. etc.
Auf jeden Fall sind diese Priester im Glauben tief verwurzelt; sie sind für ihre Gläubigen voll da, rund um die Uhr. Das Priesteramt ist für sie nicht ein „job“, wie jeder andere, wo man Dienst nach Vorschrift betreibt und nachher einfach den Telefonbeantworter einschaltet.
In Auftritt und Bekleidung stehen sie zur Kirche und deren Mission, für jedermann ersichtlich und ansprechbar. Die Predigten haben Tiefgang und ihre Kirchen sind mit Liebe gepflegt. Hier überwiegt eindeutig das positive gegenüber den Mängeln.

„st.michael“ schließt sich an:

Das Problem der P.Bruderschaft ist das sie heute dort stehen wo die römisch Katholische Kirche eigentlich stehen müßte.
Denn die Priester sind gehorsam und überaus fromm. Die hl.Messen sind wirkliche Oasen in den Glaubenswüsten und schweißen das Volk Gottes zusammen.
[…]
Ich rechne nicht mit einer schnellen Wiedereingliederung, denn dazu sind die Modernisten in der Kirche zu stark.
Aber der hl. Geist wird wirken und die Spreu vom Weizen trennen.

Es ist ja nicht so sehr mein Problem, dass die Romtreue der kath.net-Leser offenbar nicht besonders weit reicht. Besorgniserregend ist umso mehr, dass einer offenkundig fundamentalistische, rassistische, antisemitische Gruppierung derartige Sympathien zufliegen.