Archiv der Kategorie 'Loveparade'

Eva continues

Kath.net ist heute die Position der dt. Baptisten, angeführt von Pastor Friedrich Schneider, zu dem Unglück auf der Loveparade eine Meldung wert. Wieso auch immer, denn es sind ja Baptisten und keine Katholiken. Und man kann von den Baptisten nun – teilweise sehr zu recht – nicht allzu viel halten (etwa wegen der wörtlichen Auslegung der Bibel und der ab und an doch ausgesprochen intoleranten Haltung allem Anderen gegenüber), doch Schneiders Ausführungen machen durchaus Sinn:

Die Katastrophe bei der Duisburger Love-Parade mit 21 Toten und rund 500 Verletzten ist nach Ansicht der größten deutschen Freikirche keine Strafe Gottes. Wer Parallelen zum alttestamentlichen Bericht über den Untergang von Sodom und Gomorrha ziehe, habe „nichts begriffen von der Liebe Gottes in Jesus Christus“
[…]
Dolche Bemerkungen seien „menschenverachtend“ und den Angehörigen der Opfer gegenüber „äußerst zynisch“. Aufgabe von Christen sei es, für die betroffenen Familien und Freunde zu beten und ihnen beizustehen. Dankbar äußerte sich Schneider für den Einsatz der Notfallseelsorger, unter denen auch der Baptistenpastor André Carouge (Kamp-Lintfort) war.
Ohne sie namentlich zu nennen, kritisiert Schneider die Publizistin und Fernsehmoderatorin Eva Herman (Hamburg). Sie hatte in einem Internetkommentar das Treiben bei der Love-Parade mit Sodom und Gomorrha verglichen. Der Bibel zufolge hatte Gott die beiden Städte wegen des sündigen Lebens ihrer Bewohner untergehen lassen. Herman hatte zunächst die Vermutung geäußert, dass hinter der Katastrophe bei der Love-Parade „andere Mächte“ stehen könnten.

Nun sind gleich mehrere Ungereimtheiten anzumerken:
Einerseits bleibt eben offen, wieso man überhaupt die Baptisten zitiert, sind sie doch durch und durch nicht katholisch und zudem mit ca. 800.000 Mitgliedern in Europa keine ernstzunehmende Gefahr, die es zu bekämpfen gilt.
Andererseits trifft es „Bekämpfen“ durchaus, soll der Artikel doch vermutlich besonders hervorheben, dass sich die Bibeltreuen Christen tatsächlich erdreisten, nicht der kath.net-Vorbeterin Eva Herman zu folgen.
Zum Dritten liegt der/die Schreiber_in des Artikels schlicht falsch, wenn behauptet wird:

Diese Aussage [Herman hatte zunächst die Vermutung geäußert, dass hinter der Katastrophe bei der Love-Parade „andere Mächte“ stehen könnten] nahm sie später zurück

Sie konkretisiert lediglich noch einmal ihre Kritik und heuchelt ein bisschen Verständnis für „emotionale“ Reaktionen auf ihre Zeilen.
Zuletzt: Dadurch, dass diese Stellungnahme erst am heutigen 31.07. veröffentlicht wurde, sie aber eigentlich vom 28.07. stammt, entsteht der Eindruck, die Baptisten wollten sich lediglich nach einer Woche Überlegung auf Kosten der Opfer in der Öffentlichkeit profilieren, wie auch in der Kommentarspalte offenbar wird. „Freiburgbärin“ merkt dazu an:

Es ist erschreckend,
wie immer wieder versucht wird, Kapital für die eigenen Belange herauszuschlagen. Frau Herrman hat sich längst für ihre dumme Aussage entschuldigt, trotzdem möchte sich jeder und jede selbst ins rechte Licht setzen und noch einmal darauf hinweisen: Frau Herrman hat unrecht, Gott macht so etwas nicht.

Überhaupt: Die Kommentare. Nachdem die letzten Tage offenbar keine rechten Emotionen wecken konnten, wird unter diesem Artikel wieder munter über die Opfer des Unglücks und natürlich auch über alles Andere hergezogen.
„centurio“ etwa lässt sich von Vernunft offenbar nicht beeindrucken und so geht die Fahrt munter mittenmang durch homophobe Gewässer:

Tunten und Titten
Wenn das nicht die Anbetung der Sexualität als Götzen ist, was dann??
Warum wundern wir uns, wenn der Schwarze seinen Tribut einfordert?

„Karolina“ findet hingegen, dass alle schuldig waren und behauptet

Nicht zu leugnen ist, daß durch Alkohol, Drogen und Lärm benebelte Menschen in ihrem Drang nach Amüsement dorthin drängelten, die Anweisungen der Ordner und Polizei überhörten…
So hat Versagen von allen Seiten dazu beigetragen, auch die Spaßgier der Opfer.

Dass Massenpaniken nicht unbedingt etwas mit Alkohol und Drogen zu tun haben müssen, sieht man zwar alljährlich in Mekka, dafür sind das eben Muslime und werden, „Karolina[s]“ Meinung zufolge, vermutlich eben wegen ihrer Religionszugehörigkeit platt gedrückt.
„elisabetta“ schlägt sich auf Seiten Eva Hermans:

Warum wohl wurde uns der Untergang von Sodom und Gomorra überliefert? Nur so zum Spaß?

Und „Chrysanthus“ ist sich sicher:

Gott
belohnt das Gute und bestraft das Böse.

Der Rest trieft ebenso vor wüsten Strafungsphantasien, die Loveparade verkommt zum personifizierten Bösen. Zuletzt kommt hier „Ester“ zu Wort, die irritiert wirkt:

Komischerweise sehen
das die Baptisten, die ich so kenne aber ganz anders.
Es scheint so zu sein, dass auch hier die offiziellen Statements und die Meinung der Basis auseinanderdriften.

Ja, seltsam. Die Basis der Baptisten findet Raver doof, die Basis der CDU mag Schwule und Juden nicht besonders und die Basis der katholischen Kirche dürfte sich bei der Lektüre von kath.net angewiedert abwenden.

Na also.

Nach fast zwei Tagen Bedenkzeit veröffentlichte kath.net gestern gleich zwei / zwei eindeutig meinungsbildende Artikel zum Thema Loveparade.
Zunächst wird Eva Herman zugehört und sich im Konjunktiv geübt:

Eva Herman (51), langjährige Tagesschausprecherin und Buchautorin, hat sich für ihre Ausführungen zum Unglück bei der Loveparade in Duisburg entschuldigt. Sie habe die Opfer der Katastrophe nicht beleidigen wollen, betonte Herman am Montag auf der Internetseite des Rottenburger Kopp-Verlags. «Sollten sich dennoch vor allem Familienangehörige, Freunde und Solidargemeinschaften in ihrem Pietätsgefühl verletzt sehen, so tut mir dies aufrichtig leid.»

Klar, alles war ganz anders gemeint. Den Opfern pauschal zu unterstellen, „symbolisch doch nur für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft“ zu stehen, und endlich erleichtert aufautmen zu können, weil dem „schamlosen Treiben endlich ein Ende“ gesetzt wurde, ist natürlich keinesfalls als Beleidigung zu werten.

Auch in diesem Jahr hätten viele Raver bereits vor dem Unglück „wie ferngesteuert“ gewirkt: „Betrunken oder vollgekifft, mit glasigen Blicken, wiegen sich die dünn bekleideten Körper in rhythmischem Zucken wie im Trance“. Die 1,4 Millionen Partygäste hätten gewusst, was sie erwartet, und seien gerade deshalb gekommen. Herman: „Begriffe wie Sittlichkeit und Anstand haben sich in den abgrundtiefen Bassschlägen in Nichts aufgelöst.“

Und so geht es dann auch weiter, man bietet Eva Herman ohne jegliche kritische Nachfragen eine Plattform für weitere Hetze gegen alle Andersdenkenden.
Im anderen Artikel wird Wolfgang Polzer das Wort erteilt, der sich auch auf Eva Herman bezieht, dann aber anmerkt:

Es steht uns aber nicht zu, vorschnell Spekulationen anzustellen, dass bei der Love-Parade „andere Mächte“ eingegriffen hätten, „um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen“, wie es Eva Herman tut.

Und weil Polzer nicht spekulieren möchte, unterstellt er einfach pauschal jedem Schuld:

Denn die Katastrophe ist zu allererst das Ergebnis mannigfacher menschlicher Unvernunft. Oder, wie Alfons Kaiser in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt: „Hier ist niemand schuldlos schuldig geworden.“ Keiner sei blind in dieses Unglück gerannt. Kaiser: „Die Katastrophe ist auch deshalb ein solcher Skandal, weil alle vorgewarnt waren – Stadt, Polizei, Veranstalter, wissenschaftliche Berater.“ Und – so möchte man hinzufügen – auch die Raver selbst, die ihre Ekstase ungezügelt und schrankenlos ausleben wollten.

Nur zur Erinnerung: Am Sonntag beschränkte kath.net sich noch darauf, den Betaufruf des Papstes zu verbreiten und auch in der Folge war von höheren katholischen Würdeträgern keine Verurteilung der Loveparade zu hören.
In der Kommentarspalte schlägt sich der Zwiespalt, den kath.net zu bewältigen hatte, nieder: Einerseits sind viele rechte Katholiken froh, dass endlich Eva Herman zitiert wurde und man nun gnaden- und bedenkenlos auf die Raver einschlagen darf, andererseits gibt es aber auch immer noch beschwichtigende Stimmen, die eine Verurteilung der Loveparade und der Opfer ablehnen. Exemplarisch dafür jeweils drei „Loveparade=satanisch&Eva=gut“– und drei nachdenklichere Kommentare:

Viele Jugendliche sagen,die Kirche ist doch eine Spassbremse
Jetzt hat sich doch glatt die Spassgesellschaft selber erledigt.
Die Verantwortlichen werden jetzt Rechenschaft ablegen müssen.
Jetzt kommt die Verantwortungsgesellschaft.

100% hat Eva Herrmann Recht
Wir amüsieren uns hier noch zu Tode, diese Ereignisse sind nur Vorboten für noch viel Schlimmeres was noch folgt.
Aber seht selbst.

Eva Herman
hat recht geschrieben, sie hätte sich nicht entschuldigen brauchen.. Ich habe Ihren Blogg gelesen und kann das selbst „unterschreiben“!!
Außerdem „verurteilt“ sie nicht und sie spricht „eventuell“ haben abdere Mächte eingegriffen… WER kann das den leugnen? Nun heißt das ja nicht, dass speziell diese zu Tode gekommenen gesündigt haben, nein es geht gegen die heutige „gotvergessene“ Gesellschaft, sie richtet sich selbst. Die Katastrophen die passieren, geschehen, weil die göttliche Ordnung durch die Sünden zerstört wurde….

vs.

So sehr ich Frau Hermann schätze, hier ist sie wirklich über’s ZIel hinaus geschossen.

Wenn Gott so denken würde wie diese Frau meint, wären schon ganze Länder von der Erdkarte verschwunden und viele müssten aufgrund ihrer Greueltaten auf der Stelle tot umfallen. Es gibt viel schlimmeres als die Loveparade, wo Jugendliche und Heranwachsende Spass haben und in erster Linie tanzen wollen.

Selten einen dümmlicheren, unqualifizierteren Kommentar eines C-Promis gelesen. Es fehlt jeglicher Respekt vor den Toten. Eigentlich ist Frau Hermann keine einzige Zeile wert. In ihrem Text steckt übrigens sehr viel Projektion.

Man darf also behaupten, dass kath.net mit dieser etwas verspäteten Berichterstattung über Eva Hermans Ansichten eine Gradwanderung gelingt: Obwohl man die menschenverachtenden Ansichten Eva Hermans erkennbar in Schutz nimmt und damit die Rechtskatholiken nicht enttäuscht, wahrt man dennoch vor den papsttreuen, nicht aggressiven Christen das Gesicht, weil Hermans Meinung lediglich wiedergegeben und nicht noch selbst nachgetreten wird.

Eva Herman vs. Papst, Runde II

Nachdem kath.net gestern erstmals zögernd über die Tragödie auf der Loveparade berichtete und den Papst zu Wort kommen ließ, werden heute weitere katholische und evangelische Würdeträger zitiert:

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief alle Gemeinden im Bistum Essen, zu dem Duisburg gehört, auf, für die bei der Loveparade verstorbenen jungen Menschen zu beten. Das teilt das Bistum mit. „Dass so viele junge Menschen, die fröhlich und unbeschwert feiern wollten, ihr Leben verloren haben, erfüllt mich mit großem Schmerz“, sagte Overbeck. „In Gedanken und im Gebet bin ich bei den Opfern, ihren Angehörigen, Familien und Freunden.“
Auch der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ist bestürzt über die Katastrophe bei der „Loveparade“ in Duisburg. Was als unbeschwertes Vergnügen junger Menschen gedacht war, habe mit einem schrecklichen Unglück geendet, sagte der Erzbischof nach Rückkehr aus seinem Urlaub. Er fühle mit den trauernden Familien und Freunden und erbitte Gottes Kraft für sie. Die Verstorbenen, die vielen Verletzten und alle ihre Angehörigen schließe er in seine Gebete ein, sagte Meisner.

Erschreckend normale Erklärungen also von Meisner und Overbeck, was in einer solchen Situation eben so gesagt wird, um nicht negativ aufzufallen. Auch kath.net scheint sich in der Bewertung der Ereignisse noch unschlüssig zu sein, man ringt sich lediglich zu Anführungszeichen durch:

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief alle Gemeinden im Bistum Essen, zu dem Duisburg gehört, auf, für die bei der „Love“parade verstorbenen jungen Menschen zu beten.

Das Problem einer eindeutigen Position ergibt sich aus dem Umstand, dass Eva Herman rechtskatholischen Menschen (und damit kath.net) zwar aus dem Herzen spricht, der Papst aber recht schnell bloß zu Trauer und Gebeten für die Betroffenen aufrief.
Diese Zerrissenheit spiegelt sich auch in der Kommentarspalte wider, die einen schlagen sich auf die Seite Hermans:

Aber ist denn hier keiner, der den Mut hat zu sagen, dass der Kaiser keine neuen Kleider anhat, sondern nackt ist?
Was ich damit meine: gebt einmal das Wort Loveparade in die Google-Suchmaschine, Option Bilder, ein und schaut euch die Bilder an. „Fröhlich und unbeschwert feier“ ist ja wohl gelinde gesagt ei Euphemismus, der am Wesentlichen vorbeigeht.
Gibt es da heute keinen Bischof und keinen Priester mehr, der den Christen sagt, dass Christen an solchen unsittlichen (!)Veranstaltungen nicht teilnehmen dürfen?

19 Tote sind schrecklich, aber zynischerweise bedeuten sie auch ein Ende dieses gotttlosen Treibens.
Insofern war ihr Tod sinnlos aber nicht nutzlos, beten wir für alle Seelen (Verkehrsopfer, Kriegsopfer, abgetriebene Kinder etc.)

Also mal ehrlich
eine fröhliche und unbeschwerte Feier war am Samstag der Beginn der Libori-Woche in Paderborn, aber bestimmt nicht die Loveparade in Duisburg. Jeder weiß, dass dort Homosexuelle ihrer Sünde fröhnen, dass dort offen Drogen konsumiert werden. […]
Eva Herman hat es richtig gesagt, die Loveparade ist ein Sündenpfuhl, wie Sodom und Gomohrra.

Satanische Parade
auf Pur Zufall (bei zapping) landete ich für wenige Minuten in der Sendung. In wenige Minuten habe ich gesehen: Frau mit mini Tanga und Topless bei sexueller Handlung mit zwei anderen Frauen, hunderte machten mit den Fingern die zeichen Satans, andere Frau in Topless voll durchgedreht, saufenden Männer, hysterische Schreien, usw, usw, usw.
Ich habe für all die dort gestorbene gebeten… Aber ich glaube, dass der Satan, unser Feind, einer satte Ernte gemacht hat…

Und so weiter. Einige wenige aber sind nachdenklicher in ihrer Bewertung:

Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein
Bei manchen Kommentaren kommt mir die Galle hoch. Keinem Menschen steht es zu über Verstorbene zu urteilen. Schon gar keinem, der behauptet er wäre Katholik. Welchen Schmerz müssen die Angehörigen und Freunde ertragen? Welche Menschen hier teilweise schreiben ist wirklich unerträglich.

uns steht kein Gericht zu!
Gott hat bereits gerichtet ….wir als Menschen können nur für die Toten und die Lebenden beten.
Diese jungen Menschen wollten zusammensein und feiern und daraus wurde eine Katastrophe.
Helft ihnen lieber anstatt etwas von Satan oder Schande zu schreiben!
Aus eurem Mund spricht das Verurteilen wo es niemandem zusteht.
Stellt euch nicht über Gott und urteilt!
Das ist weder in Gottes Sinn noch fair den Toten gegenüber!

Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der jungen Opfer dieses schlimmen Unglücks. Ich bin aber auch traurig über einige Kommentare. Unter den Besuchern und auch bestimmt bei den Opfern waren sicherlich auch viele junge Christen dabei .
Übrigens solche Unglücke könnten auch bei anderen Massenveranstaltungen wie z.b Publik Views oder auch Religiöse Veranstaltungen passieren. Ich finde es erschreckend was einige so von sich geben.
Ich frage mich sind das wirklich Christen?.

Und wie gestern bleibt mir bloß zu schreiben: Es wird abzuwarten bleiben, wie bzw. ob sich kath.net in den nächsten Tagen positionieren wird. Eine eindeutige Absage an derart „sexualisierte“ Veranstaltungen wird aber zumindest irgendwann folgen müssen, da man andernfalls die Leser verprellen dürfte.

Eva Herman vs. Papst

Kath.net steht am Scheideweg:
Nachdem gestern bei der Loveparade 19 Menschen getötet und unzählige verletzt wurden, legte Eva Herman auf der Internetpräsenz des rechten Esoterikverlags Kopp eine Glanzleistung in Dummheit hin:

Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg
[…]
Doch was ist das in Wahrheit für eine »Kulturveranstaltung«? Wer sich die Bilder der Loveparades aus den zurückliegenden Jahren ansieht, glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Viele der Partygäste wirken auch in diesem Jahr bereits lange vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft, mit glasigen Blicken, wiegen sich die dünn bekleideten Körper in rhythmischem Zucken wie in Trance.
Das ohrenbetäubende, stereotype Rave-Gehämmere, das nicht mehr im Geringsten etwas mit dem einstmaligen Begriff von Musik zu tun hat, zerschmettert ihnen über zahllose Stunden Trommelfelle und Nervenkostüme. Doch das scheint den 1,4 Millionen Partygästen nichts auszumachen. Sie wussten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen. Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung im ohrenbetäubenden Lärm, Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand haben sich in den abgrundtiefen Bassschlägen ins Nichts aufgelöst.
[…]
Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!

Nach diesem zurecht als letztes Indiz für ihren vollkommenen Wahnsinn gedeutetes Pamphlet, das besonders bei Facebook und Twitter für Erstaunen sorgte, konnte auch kath.net die Ereignisse bei der Loveparade nicht unkommentiert lassen.
Doch anders, als man erwartet hätte, wird Herman, der oft, oft, oft, oft, oft bei kath.net Gehör verschafft wurde, nicht zugestimmt. Es geht nicht. Denn: man ist papsttreu. Und was sagt der Papst?

Benedikt XVI. ist mit seinen Gedanken bei den Opfern der Tragödie in Duisburg. Beim Mittagsgebet an diesem Sonntag in Castel Gandolfo versicherte er den Angehörigen der Toten und Verletzen der Loveparade in Duisburg seine Anteilnahme wie „Radio Vatikan“ berichtet. „Unserem barmherzigen himmlischen Vater vertraue ich heute besonders die jungen Menschen an, die gestern in Duisburg auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Ihren trauernden Angehörigen und Freunden sowie den vielen Verletzten erbitte ich den Trost und Beistand des Heiligen Geistes. Der Herr segne euch alle.“

Es wird spannend sein, wie kath.net mit dieser offensichtlichen Diskrepanz zwischen Hass auf „schamlose“ Feier und Treue zum Papst in den nächsten Tagen umgehen wird. Zur Sicherheit stellte man heute noch einen Bericht mit dem Namen „Wo die Todsünden regieren“ online, der Düsseldorf „Wollust“ unterstellt.