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Die kath.net-Highlights 2012 – Platz 1

Platz 1: Der Fall kreuz.net

Was war passiert?
Zumindest die rechtskatholische Szene im Internet erlebte 2012 einen kleinen, aber feinen und wahrlich wohlverdienten Weltuntergang: Das rechtsradikale Portal kreuz.net, das mit der immerhin recht originellen Mischung aus fundamentalistisch-katholischen, antisemitischen, revisionistischen, rassistischen und homophoben Meldungen deutlich mehr Klicks als kath.net oder katholisch.de sammeln konnte, verschwand. Von heute auf morgen, vom 1. auf den 2. Dezember. Dem war eine wochenlange Aktion von ‚Stoppt kreuz.net!‘ vorausgegangen, organisiert vom auf homosexuelle Druckerzeugnisse spezialisierten Bruno Gmünder Verlag und dem Theologen David Berger. Sie riefen ‚Stoppt kreuz.net!‘ im Oktober ins Leben, nachdem kreuz.net durch eine wahnsinnige Berichterstattung über den verstorbenen Dirk Bach („Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“) in die Medien kam. Bald geisterten auch schon Namen möglicher kreuz.net-Autoren durch den Blätterwald; der Pfarrer Hendrick Jolie etwa, Sprecher des konservativen Priesternetzwerks (NKP) verstrickte sich in immer absurdere Widersprüche und musste letztlich zugeben, sowohl (vergleichsweise harmlose) kreuz.net-Artikel als auch Leserkommentare verfasst zu haben.

kath.net hätte sich eigentlich freuen können: Die lästige Konkurrenz war verschwunden, der Erschließung neuer LeserInnenschichten stand nichts im Wege. Ehemalige kreuz.net-Fans hätten auf kath.net ebenso Unterschlupf finden können wie völlig Unbeteiligte, die, aufgeschreckt von der Hetze gegen Dirk Bach, nach einem vernünftigen Portal für katholische Nachrichten suchten. Während aber in den kommenden Wochen selbst schlimmste Fanatiker wie „al-Muschrik“, der Homosexuelle auf kreuz.net als „schwulen Dreck“ bezeichnete und „Gutmenschen“ in Lagern quälen und hinrichten lassen wollte, auf kath.net kommentieren durften, tat das Linzer Portal alles, um seinen Ruf als eher semi-seriös zu bestätigen und Liberale abzuschrecken.

Doch zunächst herrschte Schweigen. Erst am siebten November, knapp fünf Wochen nach Beginn der medialen Entrüstung über kreuz.net, zwang sich kath.net zu einem ersten Artikel – einer Meldung, in der die Nachrichtenagentur KNA davon berichtete, dass der Berliner Staatsanwaltschaft vom Bruno Gmünder Verlag eine Liste mit den Namen fünf möglicher kreuz.net-Hintermänner übergeben worden sei. Zwei Tage später folgte eine Meldung der KAP, die Kardinal Schönborn zitierte, der kreuz.net für nicht katholisch befand. Erst eine Woche später, am 16. November, erschien der nächste Artikel, in dem man sich dann auf eine Pressemeldung des Mainzer Bistums berief: Dort habe man ein Gespräch mit Hendrick Jolie vereinbart und wünsche „keine Vorverurteilungen“. Tatsächlich handelte es sich bei diesem Beitrag um eine der wenigen redaktionellen Wortmeldungen. Doch anders als bei liberalen Theologen oder homosexuellen Pfarrgemeinderäten verzichtete die kath.net-Redaktion auf deutliche Worte. Eine Distanzierung von Inhalt und Wortwahl auf kreuz.net fand allenfalls indirekt und auf Umwegen statt, etwa durch oben genannte Zitate von Bischöfen.

Noch Mitte November, als die braunen Blumen auf dem von kreuz.net gehegten Acker in voller Blüte standen, begann kath.net indes, in anderer Hinsicht klare Kante zu zeigen. Statt kreuz.net zu verurteilen, erinnerte man sich an das alte Feindbild David Berger, der in nicht-fundamentalistischen Medien für die gute Sache werben durfte. Berger war selbst lange Teil der reaktionären Szene, bis er sich vor wenigen Jahren als homosexuell outete und sich um Aufklärung bemühte. Es folgten Hetzkampagnen von kreuz.net und auch kath.net, wo Herausgeber Roland Noé noch 2010 mit Blick auf Bergers Arbeit erklärte, er würde seinen Kindern keinen „HOMO-Religionslehrer“ zumuten wollen.

Am 21. November also zitierte kath.net begeistert einen Artikel der ‚Tagespost‘, der vor einer „Politik der Verdächtigungen“ warnte und David Berger eine „Schlammschlacht gegen die Kirche“ zum Vorwurf machte. Diese Schuldumkehr wurde von Alexander Kissler fortgeführt, der Berger „Renegatenstreiche“ und „einen Ein-Mann-Feldzug“ unterstellte. So war auf einmal nicht mehr kreuz.net das Problem, sondern David Berger, der als Unruhestifter betrachtet wurde. Dieses Zerrbild fand am 5. Dezember seinen vorläufigen Höhepunkt, als kath.net einen Artikel mit einem Strichmännchen bebilderte, während im Text „David Berger (Foto)“ stand. Die sprachliche Nähe zu kreuz.net-Wortschöpfungen wie „Homo-Stricher“ fiel der Redaktion offenbar erst viele Tage später auf, mittlerweile ist der Verweis gelöscht.

So verschob sich der Fokus der Berichterstattung ins Absurde. Am 3. Dezember schrieb Peter Winnemöller in einem Gastkommentar, dass die Ursachen für kreuz.net möglicherweise in der mangelnden bischöflichen Gesprächsbereitschaft und „schwammigen Sprache“ zu finden seien. Auf diese Weise wurde selbst kreuz.net, das Paradebeispiel fundamentalistischen Irrsinns, dazu benutzt, progressive Ideen und Gruppierungen zu verdammen. Kurze Zeit später wurde Guido Rodheudt zitiert, der über „mediale Selbstjustiz“ plauderte und anmahnte, ‚Stoppt kreuz.net!‘ und Co. seien „offenbar erst der Beginn einer großangelegten Meinungsmache gegen die katholische Kirche“. Die Medien hätten die „Trias ‚katholisch-konservativ-kreuz.net‘“ in die „Köpfe der Leserschaft gespielt“, was nicht fair sei, denn kreuz.net habe „unter dem Deckmantel des Katholischen zu unrecht“ agiert. Das ist ziemlich lustig, schließlich gehört Rodheudt als Sprecher des NKP zu den langjährigen Weggefährten von Hendrick Jolie, auf den die besagte Trias offenbar zutrifft und der als angesehener Geistlicher wohl kaum bloß „unter dem Deckmantel des Katholischen“ veröffentlichte.

kath.net-Autor Michael Hesemann nutzte unterdessen die sozialen Netzwerke, um seinem Ärger Luft zu machen. Auf Twitter polterte er über den „unsäglichen Berger“, der ein „Verleumder“ sowie von „Hass auf den Papst zerfressen“ sei. Die Abschaltung von kreuz.net begrüße er zwar, da er den Antisemitismus nicht ausgehalten habe, dennoch bleibe ein „übles Geschmäckle“, dass ausgerechnet die Empörung über Homophobie zur Abschaltung geführt habe. Per Facebook soll Hesemann auch noch mitgeteilt haben, „Die wahren +-net-Macher sind entweder vom rechten Flügel der Piusbrüder oder es sind David Bergers Genossen“. Der entsprechende Tweet, den er als Richtigstellung verschickte, ist mittlerweile allerdings wieder gelöscht. Hesemanns Vermutungen wurden nur noch durch Postings im kath.net-Kommentarbereich übertroffen, wo eine Leserin darauf hinweis, dass die DDR bei kreuz.net ihre Finger im Spiel gehabt haben könnte.

Vor wenigen Tagen verblüffte kath.net dann mit der Freischaltung von Kommentaren des oben erwähnten „al-Muschrik“. Dessen Wortwahl fiel zwar nicht so deftig aus wie zu kreuz.net-Zeiten, dafür war der Inhalt seiner Zeilen bemerkenswert: Er gab genüsslich Daten wieder, die kreuz.net durch einen Hack der Watchseite kreuts.net erhalten haben will. „al-Muschrik“ verbreitete angebliche Zitate Bergers, die dieser auf kreuts.net getroffen haben soll, nannte Bergers vermeintliche Usernamen und, auch damit hatte kath.net kein Problem, veröffentlichte David Bergers IP-Adressen. Mit einiger Verspätung erkannte kath.net den Fehler und löschte eilig; möglicherweise ist die neue Kommentarregelung ein Resultat des Pleiten-, Pech- und Pannenjahres 2012 und nicht zuletzt auf diesen groben Fauxpas zurückzuführen.

Exemplarische Lesermeinung:

es wäre aus Gründen der Gleichbehandlung auch angebracht, wenn die Bischöfe sich einmal mit dem Spektrum von Wir sind „Kirche“, und ähnlicher angeblicher Basisorganisationen befassen würden und die Verhältnisse in bezug auf auf den originären katholischen
Glauben zurechtrücken würden. Aber dazu fehlt der überwiegenden Mehrheit
leider das nötige Rückgrat.

(„willibald reichert“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Die Idee ist gut, doch kath.net noch nicht bereit
- Die Idee ist gut, doch kath.net noch nicht bereit ii
- Goldene Worte
- So unfreundlich sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt
- Gegen die Politik der Verharmlosungen
- Nicht falsch Zeugnis reden
- Expertenmeinung zu ‚Stoppt kreuz.net!‘
- Expertenmeinung zu kreuz.net
- Noch mehr Expertenmeinungen zu kreuz.net
- Und noch mehr Expertenmeinungen zu kreuz.net
- Selbst schuld
- Expertenverschwörungstheorie zu kreuz.net
- Für nichts zu schade
- Das Problem mit der Fallhöhe
- Wenn kreuz.net das noch erleben könnte
- Für nichts zu schade ii
- kreuz.net-Leser anderswo ii
- kreuz.net-Leser anderswo iii

-> Von faulen Früchten in kirchlichen Gärten (Balken und Splitter)
-> Krieg um Mittelerde (Balken und Splitter)
-> Apropos Widerspruch (Balken und Splitter)
-> Wenn die Wahrheit sich Bahn bricht (Balken und Splitter)
-> kreuz.net-Hetze gegen Dirk Bach ist keine Ausnahme (Publikative)
-> Folgen der kreuz.net-Abschaltung: Die Fundamentalisten-Meute zieht weiter (Süddeutsche)

Die kath.net-Highlights 2012 – Die Plätze 10-6

Platz 10: Eitelkeit und Selbstmitleid

Was war passiert?
Am Schweizer Abt Martin Werlen statuierte kath.net im November 2012 ein Exempel: Weil der als eher liberal bekannte Werlen weder ein Interview geben noch einen Gastkommentar schreiben wollte, reagierte die kath.net-Redaktion wie ein kleines Kind, dem man einen Lutscher wegnimmt ein kleiner katholischer Fundamentalist, dem man die signierte Erstausgabe von Gabriele Kubys Buch „Die globale sexuelle Revolution“ stibitzt. kath.net-Chef Roland Noé machte die zuvor ausgetauschten Emails daraufhin öffentlich und prangerte Werlen in gewohnt sachlicher Art und Weise als „Brandstifter“ und „Dialogverweigerer“ an.

Exemplarische Lesermeinung:

Warum ist Abt Martin noch im Amt?
Ja, warum?

(„Vonderwiege“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Eitelkeit und Selbstmitleid
- Eitelkeit und Selbstmitleid ii
-> Das verweigerte Interview (Lectio Brevior)

Platz 9: Die Oblinger-Affäre

Was war passiert?
Der katholische Priester Georg Oblinger hatte sich die ‚Junge Freiheit‘, wo er eine eigene Kolumne unterhielt, als ersten Zwischenposten auf dem Weg zur ganz großen publizistischen Karriere ausgesucht. Weil die ‚Junge Freiheit‘ aber auch ehemaligen Mitgliedern faschistischer Terrororganisationen, kath.net-Gastkommentatoren, NPD-Chefs und Autoren, die Zweifel an der offiziellen Holocaust-Opferzahl anmelden, eine Plattform bietet, war das Augsburger Bistum im Januar nicht besonders erfreut über Oblingers journalistische Betätigung und verbot dem Pfarrer weitere Veröffentlichungen in der JF. kath.net fand das, was angesichts der JF-Bannerwerbung und den vielen personellen wie inhaltlichen Übereinstimmungen kaum überrascht, nicht so toll. Wütend wurde über „Zensur“ respektive „Schreibverbot“ geschimpft, die Kontaktadresse des Bistums verlinkt und, um den Streit noch imposanter zu gestalten, erlogen, die JF sei die „zweitgrößte Wochenzeitung Deutschlands“. Das wäre bei einer Auflage von circa 21.000 Exemplaren gegenüber 930.000 beim Spiegel und etwa 500.000 bei der Zeit eine kleine Überraschung.
Der Fall war der erste große Aufreger des Jahres und führte sogar dazu, dass kath.net die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN, die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und das deutsche Grundgesetz bemühte: Schließlich verletze das „Schreibverbot“ Oblingers Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung.

Exemplarische Lesermeinung:

Ich sehe bei der JF auch keinen „Rechtsextemen Hintergrund“.
„Deutschnational“ entspricht nicht meiner Denkrichtung aber ich halte es für völligen Unfug, ja verleumderisch, diese Einstellung mit einem „Braunen Sumpf“ zu verbinden. Wenn man die heutige „Mainstream-Presselandschaft“ mit ihrer atheistischen oder gnostischen Linkslastigkeit betrachtet, könnte man fast der Meinung sein, die DDR hätte sich modernisiert und Westdeutschland übernommen!! Dem müssen wir als Katholiken verantwortungsbewusst entgegentreten!

(„Dismas“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Wer nicht passt, wird passend geschwiegen
- Wieso man die Junge Freiheit guten Gewissens doof finden darf
- Narrenfreiheit für einen Pfarrer?
- Beste Gesellschaft

Platz 8: Wirbel um ein Pfarrgemeinderatsmitglied

Was war passiert?
Irgendwo in der niederösterreichischen Provinz liegt Stützenhofen, das zur eher übersichtlichen Gemeinde Drasenhofen gehört. Dort gibt es nicht viel, außer einem Museum für alte Traktoren. Dennoch fand der Ort Erwähnung auf kath.net: Ein Stützenhofener Pfarrgemeinderatsmitglied lebt offen homosexuell, wofür ihn kath.net öffentlich bloßstellte und tadelte. Ihm sei es aufgrund seiner sexuellen Orientierung unmöglich, die Glaubenslehre der Kirche anzuerkennen. Die Proteste schienen erfolgreich, denn der mit kath.net eng vernetzte Wiener Kardinal Schönborn nahm sich der Sache persönlich an, die Messe schien gelesen. Dann die Überraschung: „Erlaubt Kardinal Schönborn homosexuellen Pfarrgemeinderat?“, titelte kath.net ungläubig und musste die Frage wenig später bejahen. Der kath.net-Kolumnist und im Netz als „Pfaffenheini“ bekannte Pfarrer Christian „I am not gay, although this may be politically incorrect / it’s a pleasure to live like this in fact“ Sieberer forderte das Pfarrgemeinderatsmitglied wenig subtil auf, der Homosexualität abzuschwören, andernfalls werde es Ärger aus Rom geben. Es half alles nichts, zähneknirschend gab kath.net klein bei und meidet Stützenhofen seitdem weiträumig.

Exemplarische Lesermeinung:

Verstehe ich das richtig: arbeitet tatsächlich ein Homosexueller, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, bei der Caritas mit behinderten Kindern?
Mir scheint die hauptberufliche kirchliche Arbeit mit behinderten Kindern NOCH FRAGWÜRDIGER zu sein als der ehrenamtliche Einsatz.

(„Bene16″ hier)

Nach- und weiterlesen:
- The KKK took his schlimme Abirrung away
- The KKK took his schlimme Abirrung away ii

Platz 7: Dauerwerbesendung für die rechte Sache

Was war passiert?
Der Sommer war Ende September 2012, wie oft zuvor, dem Herbst gewichen, der wiederum eine Ahnung des bevorstehenden Winters ins Land warf. Vielleicht hatte kath.net die Bannerwerbung des Miriam-Verlags also nur wegen des unschlagbaren Sonderangebots für Weihnachten („Nussschalen-Krippe“, 1,80€) akzeptiert und dabei das Buchsortiment aus den Augen verloren. Der Miriam-Verlag führt in seinem Angebot nämlich unter anderem auch Werke von Manfred Adler. Adler war Autor antisemitischer und verschwörungstheoretischer Abhandlungen über „Die Söhne der Finsternis“, zu denen der frühere Lehrer vor allem Freimaurer und Juden zählte. Der Miriam-Verlag bietet, mutmaßlich aus rechtlichen Gründen, mittlerweile nur noch drei Bücher Adlers an. Dabei fehlen seine bekanntesten, in den Siebzigern ebenfalls bei Miriam erschienenen Bücher über die „internationale Hochfinanz“, die „sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit und politische Skrupellosigkeit“ der Juden und Fragen wie: Wer trägt die größere Schuld am Holocaust: „Nazis oder Zionisten?“
Weiterhin bietet der Miriam-Verlag indes ein Adlersches Werk an, das sich mit der „Verschwörung der Insider-Imperialisten“ ebenso eingehend beschäftigt wie mit der „Bilderberg-Gruppe“ und dem „Vatikan und die Weltherrscher der Finsternis“. Die Werbebanner sind bis heute nicht von kath.net verschwunden.

Exemplarische Lesermeinung:
-

Nach- und weiterlesen:
- Dauerwerbesendung ii
- Noch weniger wissen mit Kathpedia

Platz 6: Eine nicht ganz ideale Überschrift

Was war passiert?
„In Deutschland schrumpft die evangelische Kirche schneller als die katholische“, leitete kath.net im Juli einen von der evangelikalen Nachrichtenagentur idea verfassten Artikel ein. Wie so oft bestand die Eigenleistung der Redaktion im Bebildern und Überschreiben eines Pressetextes. Das misslang allerdings gründlich: Die Überschrift „ProtestUNTEN – Evangelische Kirche schrumpft schneller als katholische“ hielt sich, mutmaßlich aufgrund massiver Proteste, nicht lange. Das ist wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass „Protestunten“ eine der liebsten Hassvokabeln im Diffarmierungsarsenal von kreuz.net war.

Exemplarische Lesermeinung:
-

Nach- und weiterlesen:
- Keine gute Überschrift
-> Screenshot

Expertenmeinung zur Homo-Dekadenz

Hektisch löschte kath.net gestern die Beiträge des kreuz.net-Lesers „al-Muschrik“, dem die Redaktion zuvor gestattete, David Bergers IP-Adressen zu veröffentlichen, die er von kreuz.net bezogen haben will.

Kaum ist „al-Muschrik“ weg, schon taucht der Nächste auf: kath.net-Leser „ProConsul“ freut sich über die homophobe Gesetzgebung in Russland und frohlockt:

Das heilige Rußland ist noch bei Verstand und nicht der Homo – Dekadenz verfallen. Hoffen wir, daß das auch weiterhin so bleibt.

Der Begriff „Homo-Dekadenz“ findet sich auf diversen Internetseiten, allerdings beziehen sich alle mehr oder minder offen auf kreuz.net, wo die Vokabel ihren Ursprung hat. Tatsächlich war „Homo-Dekadenz“, neben „Protestunten“ oder „Kotstecher“, eines der Lieblings-Schimpfworte der kreuz.net-Redaktion:

Kritik an der Homo-Illusion durch Religionsfreiheit gedeckt:
[…] Gegen Bischof Juan Antonio Reig Pla (65) von Alcala de Henares wird es keinen Maulkorb-Prozeß wegen seiner Kritik der Homo-Dekadenz geben.

Der Islam fördert die moralische Gesundung des Volkes:
[…] Bei Autos mit dem Regenbogenaufkleber – einem Schandmal der Homo-Dekadenz – seien angeblich Scheiben eingeschlagen oder Antennen abgebrochen worden.

Der Homo-Greuel ist wenigstens vorläufig abgewendet:
[…] Doch Kritiker der Homo-Dekadenz appellierten erfolgreich gegen diesen Beschluß.

Der verheiratete Homo gefällt ihm:
[…] Darin beschreibt er das typische Leben in der Homo-Dekadenz, das zwischen Depression und Todessehnsucht schwankt.

Die HS-Genossen brauchen sexuelle Aufklärung
[…] Um ihre Kurzsichtigkeit zu kurieren, planen Kritiker der Homo-Dekadenz der Genossin ein Jahresabonnement des Kotstecher-Magazins zu schenken.

Verbitterte Homos arbeiten mit Psychoterror
[…] Deren erloschene Gesichter waren von Homo-Dekadenz, Verhärtung und Verbitterung gekennzeichnet.

Homopatient David Berger & Co greifen erneut die Kirche an
[…] Der Homoglorie-Bericht verdrehte die christlichen Tugenden und verharmloste die Homo-Dekadenz.

HS-Medien verdrehen einen Raubüberfall
[…] Der ermordete Sittenverderber war in Uganda ein führender Propagandist der Homo-Dekadenz.

Ein austauschbarer linksversiffter Sozialverein
[…] Diese Extremistenpartei von Besserverdienenden hat sich jahrzehntelang für Kinderabtreibung, Kinderschändung und Homo-Dekadenz eingesetzt.

„Ziel ist die Eliminierung von kreuz.net“
[…] Das ‚Domradio‘ ist sauer auf ‚kreuz.net‘, weil das Portal dessen Homo-Dekadenz aufgedeckt hat.

Usw. usf. Besonders dreist ging kreuz.net übrigens im Juni 2011 vor, als man den Begriff in Verbindung mit einem Aufruf zu Gewalt benutzte:

Es ist an der Zeit, die Dekadenz zu bombardieren:
[…] Die Ehe stärkt man, indem man die Ehescheidung schwächt – oder wenn man die Energie, die heute für die Förderung der Homo-Dekadenz verwendet wird, den Eltern und ihren Kindern zukommen lässt.

kreuz.net-Leser anderswo iii

Nachtrag: kath.net hat die Kommentare von „al-Muschrik“ mittlerweile gelöscht. Als Zeugnisse bleiben Screenshots und mit „@al-Muschrik“ überschriebene Beiträge anderer kath.net-User.
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Es ist eine Sache, Kommentare eines ehemaligen kreuz.net-Lesers zu veröffentlichen. kath.net stellte den Fehler im Fall von „Brandenburgis“ vor einigen Monaten mit einiger Verzögerung fest und den User flink unter Zensur.

Mit „al-Muschrik“, der sich dann gestern als weiterer kreuz.net-Leser in die lange Liste der auf kath.net kommentierenden Wirrköpfe eintrug, ist es allerdings eine andere Geschichte. Er hatte zuvor auf kreuz.net etwa davon fantasiert, „Antidiskriminierer, Antifaschisten, Homoaktivisten“ in „Lager“ zu stecken, wo sie dann „öffentlich verprügelt und in schwereren Fällen auch hingerichtet werden“ könnten. In einem anderen Leserkommentar bezeichnete er Homosexuelle als „schwulen Abschaum“ respektive „schwulen Dreck“.

Weil derartige Äußerungen für kath.net aber offenbar kein Problem darstellen, wurden nicht nur seine beiden gestrigen Kommentare freigeschaltet, heute darf „al-Muschrik“ munter weiter gegen David Berger schießen. Dabei ist weniger die Tatsache verwunderlich, dass kath.net seinen dritten Beitrag veröffentlichte, vielmehr verblüfft der Inhalt: „al-Muschrik“ gibt, für jedermann einsehbar, David Bergers angebliche IP-Adressen bekannt, outet ihn als kreuts.net-User und beruft sich dabei explizit auf „den Hack, den kreuz.net im April 2010 als Archiv „kreuts-net.tar“ veröffentlicht hat“.

Wollte kath.net-Chef Roland Noé nicht, wie er der FAZ im September erzählte, die Kommentare besser im Auge behalten? Das hat bisher nicht so gut geklappt.

kreuz.net-Leser anderswo ii

Nachtrag: kath.net hat die Kommentare von „al-Muschrik“ mittlerweile gelöscht. Als Zeugnisse bleiben Screenshots und mit „@al-Muschrik“ überschriebene Beiträge anderer kath.net-User.
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Nach Antisemit „Brandenburgis“ und mehreren anderen ehemaligen kreuz.net-Kommentatoren hat nun auch „al-Muschrik“ den Weg zu kath.net gefunden. „al-Muschrik“ macht es sich unter einem Artikel über Guido Rodheudt gemütlich – Rodheudt wundert sich, wieso er als auf kreuz.net gelobter Vertrauter von Hendrick Jolie und Mitverantwortlicher eines überdimensionalen kreuz.net-Livetickers auf der Priesternetzwerks-Homepage in einem Atemzug mit kreuz.net genannt wird.

„al-Muschrik“ findet etwaige Anschuldigungen dann auch etwas zu weit hergeholt, weshalb er sich auch auf das von kath.net (und kreuz.net) vorgelebte David Berger-Bashing einlässt:

Dr. Bergers Wahrheitsliebe
Dr. Berger will 2009 „noch Teil des konservativen Spektrums“ gewesen sein, wobei er spätestens seit Februar 2007 unter dem Nick „Lindenmann“ auf kreuts.net eine Unzahl von Indiskretionen, Beleidigungen, Unterstellungen und Lügen verbreitete
[…]
Dies alles sollte man berücksichtigen, wenn man den Charakter und die Vertrauenswürdigkeit Dr. Bergers einschätzen will, der sich angeblich wegen der Heuchelei und der „Homophobie“ der Kirche von ihr losgesagt hat.

Tatsächlich lohnt sich ein Blick auf kreuts.net, wo „al-Muschrik“ ein eigener Thread gewidmet ist, in dem einige seiner Kommentare archiviert wurden. Dort wird er etwa folgendermaßen zitiert:

Professionelle ganz ähnlicher Art wie die modernen „Umverteilungsgerechten“, sind die (Berufs-)Empörten (Antidiskriminierer, Antifaschisten, Homoaktivisten). Ich hoffe noch die Zeit zu erleben, wo dergleichen Menschenfreunde in Lager gesteckt, öffentlich verprügelt und in schwereren Fällen auch hingerichtet werden (alles natürlich nach einem ordentlichen rechtsstaatlichen Prozeß).

Oder so:

die Homopolitik der Nazis war eine gute Sache. Wie damals in jedem zivilisierten Land, kamen Homosexuelle normalerweise ins Gefängnis, nur notorische Rückfalltäter steckte man ins KZ. Nicht etwa in Vernichtungslager! Man ist versucht zu sagen: leider! Denn homosexuelle Kapos haben in den KZs grauenvolle sexuelle Übergriffe begangen.

Oder eben so:

Die Mißbrauchsrate beim schwulen Abschaum ist massiv erhöht. […] Wenn wir realistische 2 % der Männer = 1% der Gesamtbevölkerung ansetzen, stellen wir fest, daß der schwule Dreck mit seiner Kinderliebe mit Austausch von Körperflüssigkeiten bei vorpubertären Knaben 50-fach, bei unter 14-jährigen 25-fach und bei 14-16-jährigen 40-fach überrepräsentiert ist.

So bewahrheitet sich: kath.net wird langsam aber sicher zum Hort der einstigen kreuz.net-Avantgarde. Die Berichterstattung der letzten Wochen und Monate dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben.