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Ein kirchliches Monopol

Als der Berliner Rapper Bushido vor wenigen Wochen mit dem „Integrations-Bambi“ geehrt werden sollte, ging ein Aufschrei durch die Medien. Konsequent wurden seine sexistischen, gewaltverherrlichenden und homophoben Texte kritisiert. Der für den Award zuständige Burda-Verlag wurde aufgefordert, Bushido den Preis abzuerkennen – es half nichts, Peter Maffay übergab ihm das goldene Reh und ermöglichte eine der wirrsten Dankesreden der jüngeren deutschen Fernsehgeschichte.

Mit einiger Verspätung berichtet nun auch kath.net von Bushido, wenngleich in einem etwas anderen Kontext:

Die Diözese Graz-Seckau hat klargestellt, dass es sich bei einem vor kurzem abgehaltenen Gottesdienst in einer Diskothek nicht um eine Eucharistiefeier gehandelt hat. Andreas Monschein, Dekanatsjugendseelsorger von Hartberg, feierte zusammen mit hunderten Jugendlichen am 3. Dezember einen Wortgottesdienst an einem ungewöhnlichen Ort, der Disco Excalibur.
[…]
Der Einladung folgte unter dem Motto „mit allen Sinnen mitfeiern“. Andreas Monschein habe darüber gesprochen, wie sich jeder Einzelne für „das Gute in der Welt“ einsetzen kann. Bei der Veranstaltung wurden auch Lieder von Skandal-Rapper Bushido und Falco als „Denkanstöße“ gespielt. Bushido selbst gilt bei Jugendlichen als sehr umstritten, zuletzt hat Peter Maffay die Zusammenarbeit mit Bushido aufgekündigt. Der Vorwurf: Der Skandalrapper distanziere sich nicht genug von seinen Gewalt verherrlichenden Texten. 2007 hatte Generalsekretär der CDU, Frank Henkel, vor der Teilnahme von Bushido an einem Konzert gegen Gewalt gewarnt: „Ich halte die Teilnahme von Bushido an einem Anti-Gewalt-Konzert für höchst bedenklich. Solche Brutalo-Rapper taugen nicht als Vorbild für Kinder und Jugendliche.“, wird er von der Welt zitiert. Bei der KJ-Steiermark ist Bushido offensichtlich weiterhin “in”.

Ja, Bushidos menschenverachtenden Texte haben in einem katholischen Gottesdienst wirklich nichts zu suchen! Schließlich eignet sich doch immer noch die Bibel selbst am besten, um Kinder und Jugendliche solide an die Themen Gewalt, Homophobie und Frauenverachtung heranzuführen.*

*: Das bezieht sich, liebe christliche Leser, v.a. auf das Alte Testament und ist zugegebenermaßen etwas polemisch formuliert. Wenn ich aber an die blutigen Geschichten aus meiner Kinderbibel denke, gruselt es mich immer noch.

Spiele für Erwachsene ii

Wenn man kath.net eines nicht vorwerfen kann, dann sicherlich, dass sie zu wenig Herzblut in ihren Kampf für die rechte Sache stecken würden. Im Gegenteil: Immer wieder verblüffen Noé und seine Getreuen durch verbitterte Kommentare auf alles vermeintlich Liberale. Das zeigt sich exemplarisch und abseits weiterer Nebenkriegsschauplätze am Umgang mit dem BDKJ, dem Bund der deutschen katholischen Jugend.
Der nämlich ist nicht konservativ genug, als dass er kath.net und -lesern gefallen könnte – so werden vom BDKJ etwa sanfte Reformen gefordert, zudem wird Homophobie geächtet.

Das ist nicht nach Roland Noés Geschmack, und so beschenkte er uns in der Vergangenheit bereits mit wundervollen, vom Hass zerfressenen Artikeln über den BDKJ und deren Vorsitzenden Dirk Tänzler. Besonders übel nahm man dem BDKJ die Kritik am Werbepartner des Weltjugendtages in Madrid – dem für seinen nicht unbedingt vorbildlichen Umgang mit Arbeitern und Umwelt bekannten Konzern Coca Cola.

Heute dann wartete kath.net mit einem weiteren Artikel über den BDKJ auf:

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wurde offensichtlich vom Vatikan nicht zu einer großen Konferenz zur Neuevangelisierung eingeladen und ist darüber sauer. Aus Deutschland seien keine Vertreter der Jugendverbände, sondern ausschließlich Jugendliche aus neuen geistlichen Gemeinschaften vertreten, beschwert sich BDKJ-Bundespräses Pfarrer Simon Rapp am Freitag in Düsseldorf. Diese seien «wichtig, bilden aber nur einen kleinen Teil der katholischen Jugendarbeit in Deutschland ab».

«Wir hätten unsere Erfahrung aus der täglichen Arbeit mit den Hunderttausenden Kindern und Jugendlichen in unseren Verbänden gerne eingebracht und uns mit den anderen ausgetauscht», meinte Rapp weiter. Am Samstag beraten in Rom rund 8.000 Vertreter der Weltkirche darüber, wie man Glauben im religionsfernen Raum besser verkünden kann. Als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz nimmt deren Vorsitzender, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, teil; er ist auch Mitglied des Rates zur Neuevangelisierung. Nach der Jugendvigil mit Papst Benedikt in Freiburg gab es heftige Kritik am BDKJ und den vers. Verbänden, die in Freiburg das Vorprogramm bei der Jugendvigil organisierten. Bei der Feier in Freiburg wurden übrigens kaum Movimenti-Gruppen in die Vorbereitung eingebunden.

Der Text ist weniger das Problem, da er von der KNA abgeschrieben worden sein dürfte. Auch die wenig diplomatische Überschrift „BDKJ ist sauer: Keine Einladung nach Rom“ wäre kaum nennenswert. Allein das obligatorische Bild, das jeden und so auch diesen Artikel auf mehr oder minder einzigartige Art und Weise einleitet, macht den Unterschied:

Es ist keine neue Erkenntnis, dass kath.net Artikel missliebiger Personen oder Gruppierungen mit spöttischen Bildern unterlegt – einen Text über Dirk Tänzler garnierte man mit dem Konterfei Luthers, Berichte über die Grünen werden mit Abbildungen dieser Farbe geschmückt.
Lassen wir einmal den Aspekt weg, dass kath.net auf ähnliche Verfahrensweisen kritischer Medien allergisch reagieren und mangelnden Respekt monieren würde (wenn bspw. der ORF einen Artikel über Andreas Skoblicki mit einem Facepalm-Bild unterlegte). Dennoch bleiben ein paar Anmerkungen zu machen: Großzügig hat kath.net etwa darauf verzichtet, die Quelle des Bildes zu nennen. Das übernehme ich gerne für Noé und Co.: Hier stammt es her.

Und das führt uns zum nächsten Knackpunkt: Dieses Bild zeigt die Figur „Coach“ aus dem Videospiel Left 4 Dead 2 – einem ab 18 freigegebenen und in Deutschland nur nach strengen Zensurmaßnahmen überhaupt zugelassenen Spiel, in dem eine Gruppe von vier Personen gegen Mutanten kämpfen muss. Nun ist gegen ein gepflegtes Zombiegemetzel wahrlich nichts einzuwenden, und so wäre es keine Notiz wert, würde nicht kath.net selber gegen Videospiele (im Allgemeinen!) Position beziehen. 2010 konnte der geneigte Leser etwa erfahren, dass Kinder durch „Gewaltspiele“ aggressiver würden, die Taten des rechtsradikalen Terroristen Anders Behring Breivik wurden implizit auch mit Computerspielen in Verbindung gebracht.

Derselbe Fauxpas geschah kath.net übrigens schon einmal – im Oktober letzten Jahres bebilderte man einen Artikel über die Mafia mit dem Bild des gleichnamigen und ebenfalls nicht jugendfreien Computerspiels.

Was hat dich bloß so ruiniert

Diese Story muss eine Wohltat für kath.net sein: Da fliegt ein Pfarrer aus seiner Gemeinde – und die befindet sich dann auch noch in Linz! Hier braucht man keine teuren Vatikan-Korrespondenten, keine freien Focus-Schreiberlinge: Hier kann sich Roland Noé persönlich auf die Jagd nach großen Überschriften machen, schließlich ist kath.net selbst in Linz zuhause.

Es dreht sich um den polnischen Pfarrer Andreas Skoblicki, der vor wenigen Tagen vom Linzer Bischof aus der Gemeindearbeit entlassen wurde. kath.net schreibt seit Monaten um den heißen Brei herum, Ende Juli berichtete man, über Skoblicki würden „Halbwahrheiten verbreitet“. Das Bemerkenswerte an dieser Berichterstattung ist weniger, dass man am Pfarrer festhält; sondern vielmehr, was man alles weglässt.
Welche „Halbwahrheiten“ genau „ein kleiner Kreis aus dem Pfarrgebiet“ verbreitet, will man nicht so recht schreiben – auch in den drei Artikeln zum Thema, die vorvorvorgestern, vorgestern und gestern erschienen.

Dafür wird immer wieder festgestellt:

Skoblicki gilt bei den Gläubigen der Pfarre und auch beim Pfarrgemeinderat als durchaus beliebt und hat in Kopfing unter anderem ein Heiligtum für die Göttliche Barmherzigkeit eingerichtet.

Gegenüber dem ORF sagte der Pfarrer, dass er katholischer Geistlicher sei und als solcher verpflichtet, treu dem Lehramt und der Bibel Glaubensinhalte zu verkünden. Das werde er auch weiter tun. Medien würden sehr oft vieles verfälscht darstellen

Skoblicki gilt bei den Gläubigen der Pfarre und auch beim Pfarrgemeinderat als durchaus beliebt und hat in Kopfing unter anderem ein Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit eingerichtet.

(Ja, nochmal)

kath.net hat sich sogar etwas ganz Pfiffiges einfallen lassen:

Aufgrund zahlreicher Anfragen hat KATH.NET eine Solidaritäts-E-Mail-Adresse für Pfarrer Andreas Skoblicki eingerichtet: andreas.skoblicki@kath.net Sie können dort eine Solidaritäts-E-Mail hinschicken. Diese erreicht den Pfarrer direkt!

Den Höhepunkt der einseitigen Artikel liefert allerdings ein Beitrag vom gestrigen Dienstag – ein Interview mit Andreas Skoblicki himself. Dort solidarisiert sich kath.net, Kampagnen-Europameister, mit dem Pfarrer:

KATH.NET: Andere romtreue Priester aus der Diözese Linz befürchten jetzt, dass ihnen in Zukunft ein ähnlicher Rauswurf blühen wird, wenn gewisse Aktivisten und Medien hier eine Kampagne starten. Was möchten Sie diesen Priestern sagen?

P. Andreas Skoblick: Bleibt treu! „Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn.“ (Mt 10, 24). Bleibt einfach dem Herrn Jesus treu. Folgt Ihm nach! Er gibt uns alles, was wir brauchen, und er will dass wir täglich nur auf seine Stimme hören.

Mein persönliches Highlight aber ist diese Stelle, die schon einen Einblick gibt, wieso Skoblicki wirklich gefeuert wurde:

KATH.NET: Was für Pläne haben Sie jetzt für die Zukunft?

P. Andreas: Skoblicki: Ich möchte heilig sein!!!

(Ja, er verwendet hier tatsächlich drei Ausrufezeichen)
So. Und nun schauen wir noch kurz auf die tatsächlichen Gründe für Skoblickis Entlassung. diepresse.com notiert:

Um Andreas Skoblicki, der seit 2004 als Pfarradministrator in Kopfing im Bezirk Schärding tätig war, gab es seit Längerem eine heftige Diskussion. Eine Aktionsgruppe wirft ihm vor, für „sektenähnliche Zustände“ verantwortlich zu sein. Ihre Mitglieder berichteten mehreren Medien, es komme immer wieder zu tranceähnlichen Zuständen, Weinkrämpfen oder sogar Christuserscheinungen bei den Anhängern Skoblickis. Die Kirche sei auch schon mal verriegelt worden, Gläubige würden vor dem Priester am Boden liegen.

Außerdem spreche er von unehelichen Kindern als „Kinder der Sünde“, deren Nachkommen seien „verdammt bis in die dritte Generation“. In einem Gespräch mit der Volksschuldirektorin soll der Pole deren Schule als „Teufelswerk“ und die Lehrkräfte als „vom Satan besessen“ bezeichnet haben. Ein Gegner des Pfarrers schilderte, der Geistliche habe bei einer Messe einen Burschen gefragt: „Bist Du bereit, für Jesus zu sterben?“ und ihm das Mikrofon hingehalten.

Und in einem anderen Artikel heißt es zu seinem Umgang mit den Gläubigen:

Menschen hätten seine Predigten mit dem Argument verlassen, sie ließen sich nicht belehren. „Da sieht man doch, dass sie keine Ahnung vom Katechismus haben. Ich belehre nicht, aber ich komme im Auftrag des Lehramts der Kirche.“

Diejenigen, die sich verabschiedet hätten, seien ohnehin „so weit vom Inhalt des Glaubens entfernt, wie man es nur sein kann“.

Weshalb kath.net das ganz offensichtliche Fehlverhalten des Pfarrers verschweigt? Wahrscheinlich ist die überwiegende Mehrheit der kath.net-Leser derart kritiklos, dass sie dem Portal ohnehin alles abkauft. Die unschönen Taten und Reden Skoblickis zu erwähnen wären da wohl eher weniger hilfreich. So kann man aber die eigene Klientel schön mit einer neuen Folge der angeblichen europäischen (zumal innerkirchlichen) Christenverfolgung unterhalten.

Interessant ist übrigens, dass auch kreuz.net diese Taktik verfolgt: Alle (besonders der „Skrupellos-Bischof“) sind böse, bis auf Skoblicki. Die Grenzen verwischen weiter.

Halb so wild

Ein schönes Musterbeispiel für die beliebte Serie „Wie Missverständnisse entstehen können“ lieferte vor nicht einmal einer Stunde kath.net höchstselbst: Das von Papst Benedikt gesprochene Wort zum Sonntag stand kurz bevor – um 23:20 Uhr sollte es in der ARD so weit sein. Wie das aber so ist in der aktuellen Medienwelt, gilt auch für kath.net: Je schneller, desto besser. Deshalb veröffentlichte man bereits um 22:55 Uhr den Wortlaut der – erschreckend schwach vorgetragenen – Rede. „IN KÜRZE VIDEO!“ – Das irritierte die User, und „Kathole“ setzt um ca. 23:12 Uhr (ergo acht Minuten, bevor die fragliche Sendung ausgestrahlt werden soll) geifernd zur Medienschelte an:

Anti-Papst-Protest für ARD-Livestream wichtiger als Papst Benedikt’s „Wort zum Sonntag“
Das „Wort zum Sonntag“ durch Papst Benedikt XVI. war im ARD-Livestream leider trotz anderslautender Ankündigung nicht zu sehen, hingegen wurden die anschließenden „Nachrichten“ mit dem Schwerpunkt des Anti-Papst-Protestes deutscher BT-Abgeordeneter plötzlich pünktlich ausgestrahlt. Die Willkür der GEZ-Sender ist unerträglich!

Jaja, die bösen „Mainstreammedien“ und ihre Sensationsgier.

Weniger Wissen mit Kathpedia

kath.net! Es ist schön und berechtigt, wenn ihr Andere auf ihre Fehler aufmerksam macht. Heute war es endlich einmal so weit: Die Süddeutsche hatte in einem Artikel am Wochenende kath.net mit den fundamentalistischen Legionären Christi in Verbindung gebracht, was kath.net eilig dementiert:

In der Süddeutschen heißt es dazu wörtlich: „Die Ordensschwester der Gemeinschaft ‚Verbum Dei’ hat bei der katholischen Nachrichtenagentur Zenit mitgearbeitet, ein Projekt von Legionären, wie auch das Internetportal kath.net.“
[…]
Dass KATH.NET kein „Projekt der Legionäre Christi“ ist, wäre bei minimaler journalistischer Recherche leicht feststellbar, ein Blick in das Impressum von Kath.Net hätte genügt. Vertiefende Informationen findet man auch auf kathpedia. KATH.NET hat im Zusammenhang mit dieser Behauptung die Süddeutsche Zeitung um eine Stellungnahme ersucht und bis jetzt noch keine Antworten erhalten.

Abgesehen vom ziemlich unsinnigen Hinweis auf die „minimale journalistische Recherche“, der ja auch kath.net ziemlich wenig Zeit widmet, kann man das prinzipiell so stehen lassen.

Ein schönes Stichwort allerdings ist Kathpedia. Das Wiki-Projekt, das von kath.net gegründet wurde, wollte ich seit ein paar Tagen sowieso genauer beleuchten und brauchte noch einen Grund dafür – nun ist es also so weit.

Auf der Hauptseite von Kathpedia jedenfalls lernt der geneigte Leser:

Die Kathpedia ist ein Projekt zum Aufbau einer freien katholischen Enzyklopädie. Jeder kann mit seinem Wissen beitragen und die Artikel direkt im Browser bearbeiten. – Die ersten Schritte sind sehr einfach.

Primär sind katholische Christen zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Oberste Richtschnur in allen Zweifelsfällen sind die Heilige Schrift zusammen mit der Tradition der Kirche, wie sie in den kirchlichen Lehrdokumenten, dem Katechismus der Katholischen Kirche sowie dem Kompendium des Katechismus dargelegt werden.

Im Moment enthält die Kathpedia 6.192 Artikel in deutscher Sprache.

Eine Wissenssammlung also soll Kathpedia sein – im Zweifelsfall hat aber nicht die Wirklichkeit Recht, sondern die Bibel oder der Papst. Das ist u. a. auch deshalb bemerkenswert, weil kath.net vor nicht allzulanger Zeit – am selben Tag wie kreuz.net – gegen Wikipedia polemisierte und dem Portal vorwarf, parteiisch zu sein, weil die User die fundamentalistische Sichtweise rechter Christen nicht als Wissen akzeptierten.
Der von idea verfasste Artikel erklärte den Lesern damals, „Wikipedia-Artikel muss man kritisch lesen!“ und wusste zu berichten: „Die Mehrheit denkt linksliberal“. Ferner wies man darauf hin, dass falsche Informationen „vor allem [dem] „Mainstream“ der Meinungsmacher“ dienten.

Wem die Kathpedia-Artikel hingegen dienen sollen, ist ziemlich eindeutig: Im Zweifelsfall kath.net selbst und allen Verbündeten. So erläutert der Text über kath.net, dass „das interne Motto der kath.net-Redaktion ‚All the news, all the time‘“ laute, dazu wird jeder einzelne Kommentar katholischer Würdenträger fein säuberlich aufgelistet – manchmal sogar doppelt, wie im Falle von Kardinal Meisner:

„In der Vielfalt der Stimmen zeigt kath.net sein eigenständiges Profil und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung.“ Und weiter: Kath.net leistet „einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung“

Weniger komisch, dafür umso falscher kommen Artikel über die Feindbilder daher. Zur Homosexualität etwa steht schon im ersten Satz geschrieben, sie widerspreche „der menschlichen Natur“. Weil das mutmaßlich nicht heftig genug war, wird Homosexualität gleich danach mit dem Sodomie-Artikel verlinkt. Es folgen aus der Bibel hergeleitete Gründe, Homosexuelle böse zu finden.
Weil die Wissenschaft Homosexualität tendenziell anders beurteilt, als rechte Christen es gern sehen würden, schreibt man:

Die Ursachen für Homosexualität sind bis heute nicht geklärt.

Was nicht so ganz stimmt. Der schönste Satz zum Thema folgt aber erst noch:

Gelebte Homosexualität erscheint auch aus gesellschaftlichen Gründen wenig wünschenswert, da sie Nachkommenschaft aus ihrem Wesen heraus ausschließt.

Dieser Satz fehlt im Artikel über das Zölibat natürlich. Dort steht stattdessen aber:

Dem sexuellen Missbrauchsunwesen von einigen Priestern, mit der Lockerung des Zölibats begegnen zu wollen, also mit vermehrter Sexualität zu bekämpfen, würde ein Feuer mit Benzin zu löschen bedeuten.

Ja, das macht Sinn. Ebenso wie der Artikel über den Nationalsozialismus, in dem gleich zu Beginn festgehalten wird:

Die Ideologie verband den Rückgriff auf archaische, pseudo-germanische Mythen und einen verdrehten Darwinismus mit dem modernen „wissenschaftlichen“ Rassismus (zusammen mit ausgeprägtem Antisemitismus). Hinzu trat typisch deutscher Hass auf die katholische Religion

Der typisch deutsche Hass auf die katholische Religion, der sich in der Verfolgung der Juden äußerte, ist das Hauptthema des Artikels. Wie es mittlerweile usus geworden ist, wird Hitlers Regime als atheistisch dargestellt – in diesem Absatz findet sich der einzige halbwegs erfreuliche Fehler von ganz Kathpedia:

Adolf Hitler rottete die Juden aus, brachte christlich führende Persönlichkeiten wie Geistliche, Ordensleute und Journalisten um.

Die Ausrottung der Juden gelang Hitler bekanntlich zum Glück nicht völlig; umso bezeichnender allerdings, dass direkt nach der Erwähnung des Holocaust die christlichen Opfer erwähnt werden.
Besonders absurd ist der Absatz über den 2. Weltkrieg – die wichtigen Wendungen und Entscheidungen werden mit katholischen Feiertagen in Zusammenhang gesetzt:

Papst Pius XII. weihte am 31. Oktober 1942 in der Radioansprache Regina del santissimo rosario an das portugiesische Volk, die Welt dem Unbefleckten Herz Mariens. Sr. Lúcia dos Santos hatte den Heiligen Vater mehrmals darum gebeten „um die Greuel des Krieges abzukürzen“. Nach dieser Weihe musste die deutsche Wehrmacht die schwersten Niederlagen hinnehmen, und zwar an Marienfesten (der „Frau, die der Schlange den Kopf zertritt“):

2. Februar 1943: Fest Maria Lichtmess: Stalingrad fällt. Die eingeschlossene Armee ergibt sich.
13. Mai 1943: Fatimatag: Ende des Krieges in Nordafrika.
15. August 1943: Fest Aufnahme Mariens in den Himmel: Sizilien fällt.
8. September 1943: Fest Mariä Geburt: Italien kapituliert.
15. August 1944: Fest Aufnahme Mariens in den Himmel: Landung der Aliierten bei Toulon. Die deutsche Westfront wird von Südfrankreich aus in ihrer Läge aufgerollt.
12. September 1944: Fest Mariä Namen: Die Aliierten überschreiten die deutsche Reichsgrenze.
8. Mai 1945: Fest der Erscheinung des heiligen Erzengels Michael, des Schutzpatrons Deutschlands: Kapitulation der letzten deutschen Heerestruppe.
15. August 1945: Fest Aufnahme Mariens in den Himmel: Japan kapituliert. Ende des Zweiten Weltkrieges.

Weil Rechte Nazidiktatur und Sozialismus mittlerweile fast gleichstellen, ist auch der Artikel über die DDR nicht besonders lesenswert. So schreibt man davon, das Regime habe „auch unverhohlen Bezüge zum deutschen Nationalismus und Protestantismus“ propagiert – und „den Großteil der Staatsunterworfenen zu seelisch verarmten und wirtschaftlich ruinierten Menschen gemacht“.
Ebenso weiß der/die Autor_in:

Ideologische Sympathien, die der DDR inzwischen auch „im Westen“ rückblickend entgegengebracht werden, bis in Kreise der SPD hinein, entbehren jeder historischen Grundlage.

Über die Evolution hat Kathpedia nicht besonders viel mitzuteilen, verwendet aber den unter Fundamentalisten beliebten Begriff Evolutionismus, es wird großes Wissen demonstriert:

Philosophisch ist es jedoch nicht möglich, dass Leben eine materielle Ursache hat. Nur Gott kann Leben hervorbringen.

Und:

Bei der Entstehung eines neuen Menschen ist immer die Intervention Gottes zur Erschaffung einer vernünftigen Seele notwendig.

Immerhin steht nicht nur dieser Artikel in der Kategorie Irrlehren, dort finden sich auch die Texte über Kreationismus und Intelligent Design – eine Kathpedia zufolge ebenso namhafte „Irrlehre“ ist die vom päpstlichen Irrtum:

Ein Irrtum des Papstes in einer wichtigen Entscheidung ist in der Kirchengeschichte noch nicht vorgekommen, weit über den Anspruch auf Unfehlbarkeit in endgültigen Lehrdefinitionen hinaus.

Weiterhin weiß man dort:

Die beiden kritischen Vorgänge aus der Frühzeit der Kirche sind eher als strategische Fehlleistungen der Kirchenpolitik einzuordnen. Als solche muss auch die Entscheidung im Fall Galileo Galilei (überdies nicht eine Entscheidung des Papstes Urban VIII. selbst) angesehen werden, die überaus komplex ist, aber nicht einfach „schlicht falsch“.

Man ahnte es.
Über Atheisten schreibt Kathpedia:

Die Lebensmaxime ist hier der Pragmatismus, bei dem der Stärkere (wie im Tierreich) die Oberhand gewinnt und der Materialismus, der sich im irdischen einen Götzen, statt Gott sucht (vgl. Evangelli praecones 17). Dadurch werden die gottgeschaffenen Naturgesetze verkehrt, welche durch einen kämpferischen Atheismus eine „Kultur des Todes“ schaffen und bei Extremismus auch über Leichen geht. So sind es z.B. beim Nationalsozialismus 58 Millionen Tote, beim Kommunismus 300 Millionen Tote, oder auch bei der Freimaurerei.

Besonders die Freimaurer haben es dem/der Autor_in angetan, und so ergießt man sich in einer formvollendeten Verschwörungstheorie:

Diese [die Freimaurer] haben Absicht weniger körperlich zu töten, sondern vor allem moralisch (vgl. Gesetzlosigkeit, Neuheidentum, Esoterik, Satanismus und Terror), jedoch wird eine internationale Diktatur vorbereitet, zu der die Finanzkrise der ersten Dekade des 21. Jahrhundert gehört. David Rockefeller sagt: „Wir befinden uns am Anfang einer globalen Umwälzung. Alles, was uns (Freimaurern) noch fehlt, ist eine große weltweite Krise, bevor die Nationen die Neue Weltordnung (des Antichrists) akzeptieren.“

Und als progressive Denkwerkstatt ist man sich gewiss:

Unterstützt von einem bestimmten Erkenntnisstand der Wissenschaften, der heute jedoch überwunden ist, galt der Atheismus als die fortschrittliche, humanistische Konzeption.

Die CDU wird, wie es sich für ein Wiki gehört, betont neutral bewertet:

Einzelne katholische Politiker, die hier werte-orientiert agieren (wie etwa Hubert Hüppe und Friedrich Merz) stehen auf verlorenem Posten bzw. wurden von der Kanzlerin „kaltgestellt“. So hat die CDU stetig an Substanz verloren. Ob sie eine Volkspartei der „Mitte“ bleiben wird, ist nicht selbstverständlich, auch wenn die Wahlergebnisse von 2009 ihr dazu noch eine Chance einräumen.

Die Zukunft der SPD bleibt ähnlich spekulativ:

Das progressive Image der Partei wurde zunächst in den 1980-er Jahren von den GRÜNEN überboten und ist seit der rot-grünen Regierung 1998-2005 einer harten, destruktiven Opposition von „links“ ausgesetzt. Diese „LINKE“ setzt sich zusammen aus staatsautoritären DDR-Nostalgikern und populistischen Interessenvertretern des (noch verbliebenen) „Industrieproletariats“, zuzüglich einiger ideologisch motivierter Intellektueller. Ob die SPD zukünftig noch Volkspartei bleiben kann ist zur Zeit also offen, insbesondere angesichts der Wahlergebnisse von 2009, der überalterten, schrumpfenden Mitgliedschaft und der knappen Personaldecke.

Abschließend sei noch auf das Thema Sexualität hingewiesen – so kann man etwa lernen:

Das Wort Geschlechtlichkeit kommt etymologisch nicht von „schlecht“, wie manche ältere Personen denken, sondern von „in eine Art schlagen“.

Manche ältere Personen erfahren dann:

Sexualität muss begrenzt werden, wenn man sie gesund und glücklich leben will. Es bedarf der persönlichen Anstrengung, um keusch zu leben. Sexuelle Gewalt und Pädophilie zeigen, dass Sexualität nicht schrankenlos gelebt werden kann, nicht immer gut oder harmlos ist. Trotzdem träumen viele von einem solchen Zustand und glauben, das sei die heile Welt. Das kommt besonders aus der Ideologie der 68er Bewegung. Dass die Repression von Sexualität zur Perversion gerät, das ist ein sehr plumpes, mechanistisches Menschenbild, das an Sigmund Freud angelehnt ist und noch in vielen Köpfen herumspukt, obwohl es längst überholt ist. Seit der sexuellen Revolution sind vor allem Männer der Meinung, dass sie sich sexuell verwirklichen müssen, weil sie sonst krank würden. Sexualität wird hier als dranghaft notwendig erlebt, nicht mehr als kultivierbar und steuerbar durch die Vernunft.

Zum Schluss wird es noch diffuser:

In der Grundschule finden die Kinder es total cool zu entdecken, wie ein Baby im Bauch der Mama wächst, was die Kinder schon alles können (am Daumen lutschen, Purzelbäume schlagen, Fruchtwasser schlucken, Mama treten) und wie eng es da drin kurz vor der Geburt ist. Ich kenne dagegen kein einziges Kind, das in der dritten Klasse detailliert wissen will, wie die Kinder in den Bauch hineinkommen. Dafür sorgen unsere frühsexualisierenden Lehrpläne und Lehrer, die offenbar das Gefühl dafür verloren haben, wann der richtige Zeitpunkt für solche Themen ist und wann nicht.

Wobei die für ein Wiki eher unübliche Formulierung im letzten Absatz wohl noch das kleinste Übel von Kathpedia ist.