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+++EIL+++

Dass kath.net den atheistischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins nicht mag, dürfte mittlerweile sattsam bekannt sein. Wie man den Briten jetzt aber zu diskreditieren versucht, ist schon arg peinlich:

BBC-Debatte: Dem Darwinisten Dawkins entschlüpft ein „O Gott“

Der Atheist Richard Dawkins (Foto) hat versehentlich Gott um Hilfe angerufen. „O Gott“, brach es aus dem Oxforder Evolutionsbiologen heraus, als er aufgefordert wurde, den vollständigen Titel des Hauptwerks von Charles Darwin (1809-1882) „Die Entstehung der Arten“ zu zitieren. Er lautet: „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ (Über die Entstehung der Arten mittels natürlicher Auslese oder die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Daseinskampf).

Mit dieser Meldung konfrontiert äußerten namhafte englische Atheisten Berichten zufolge entgeistert: „Jesus! What did he think for heaven’s sake?“
Und der Jugendverband der Giordano Bruno-Stiftung meldete nur: „OMG!“

Die zweifelhafte Überschrift iii

Preisfrage: Wie überschreibt man am besten einen Artikel über einen amerikanischen Baptistenpfarrer namens Ed Young und seine Frau Lisa, die für 24 Stunden lang mit Handschuhen, dicker Jacke und Pudelmütze auf dem Dach einer Kirche wie einst John Lennon und Yoko Ono in einem Bett liegen?

Man könnte es tatsächlich wie kath.net und idea machen und „Sex auf dem Kirchendach“ titeln. Aber das wäre schon etwas irreführend.

Die lieben Zahlen lxvi

Auch wenn sich der Tonfall oft unterscheidet, so überschneiden sich häufig doch zumindest die Themen, gegen die sowohl kath.net, als auch kreuz.net anwettern: Homosexuelle, liberale Katholiken, Andersgläubige und Linke sind, so der Tenor, im Zweifelsfall pfuibäh.

Der demonstrative Gleichschritt beider Portale lässt sich aktuell wieder einmal beobachten. Vorgestern gab kath.net um 12:15 bekannt, dass die Verkaufszahlen österreichischer Kirchenzeitungen im Sinken begriffen seien. Keine 45 Minuten später zog kreuz.net mit einem umfangreichen Artikel nach.

Der auf kath.net von „rn/pl“ (mutmaßlich: Roland Noé/Petra Lorleberg) verfasste Text hebt an:

Die österreichischen Kirchenzeitungen verlieren zum Teil massiv an Leserzahlen. Dies ergibt die im Dezember veröffentlichte Statistik der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK), in der vier österreichische Kirchenzeitungen aufscheinen.

Das von kath.net einst ausgegebene Motto „All the news, all the time“ trifft hier also nur so mittel zu: Die ÖAK gab diese Zahlen bereits am 23.12.2011 bekannt. Aber so ein Thema kann in der Eile ja schon mal untergehen und einen Monat später bei flauer Nachrichtenlage ausgegraben werden.

Wichtiger als das fragwürdige Datum der Meldung ist allerdings die Art und Weise, mit der kath.net hier wieder einmal gegen die verhassten liberaleren Katholiken agiert. Zunächst wird weitgehend wertungsfrei mit Zahlen jongliert. Mit dem Sonntag etwa:

In der Statistik des 1. Halbjahrs 2011 wird beispielsweise für den „Sonntag“, der Kirchenzeitung der Erzdiözese Wien, nur mehr ein wöchentlicher Direktverkauf von 13.617 (davon 8.456 Abos) ausgewiesen. Zum Vergleich: Der „Sonntag“ hatte im 2. Halbjahr 2010 noch 14.245 Stück direkt verkauft. Noch im 2. Halbjahr 2009 war es 14.984 und ein Jahr zuvor sogar noch 15.561 Stück!

Das ist eine Abnahme von knapp 12.5% in drei Jahren. Die Auflagenlisten lassen sich übrigens hier und hier nachlesen.

Noch dramatischer sind die Zahlen des Bistumsblatt der Diözese Gurk-Klagenfurt. Für das 1. Halbjahr 2011 wurden noch 6.366 im Direktverkauf ausgewiesen, ein Halbjahr zuvor waren es 2010 noch 6520 Stück. 2009 hatte die Kirchenzeitung von Gurk-Klagenfurt 6.655 und 2008 noch 6.801 Abos.

Das ist eine Abnahme von etwa 6,4% im Beobachtungszeitraum. Interessant wird es dann bei zwei erklärten Feinden von kath.net – der Linzer Kirchenzeitung und dem Rupertusblatt:

Für das 1. Halbjahr 2011 wurden noch 33.090 Stück [der Linzer Kirchenzeitung] im Direktverkauf ausgewiesen, die akutellen Zahlen, die noch nicht veröffentlicht wurden, könnten bereits wiederum darunter liegen. Im Vergleich dazu wurden im 2. Halbjahr 2010 noch 34.002 im Direktverkauf ausgewiesen. In den Jahren zuvor waren es 2009 34.947 Stück und 2008 noch 36.334 Stück.

Eine Abnahme von 8,9%, deren Gründe kath.net genau zu kennen glaubt:

Damit verlor die Linzer „Kirchenzeitung“, die von romtreuen Katholiken kaum mehr gelesen wird, in den vergangenen Jahren etwa 1000 Abonnenten pro Jahr. Dies entspricht bei einem Abopreis von derzeit 43,50 Euro immerhin jedes Jahr etwas über 40.000 Euro an verlorenen Einnahmen.

Wie man zu der Annahme kommt, dass die Linzer Kirchenzeitung von „romtreuen Katholiken“ gemieden wird? Das verrät Roland Noé alias „Gandalf“ in der Kommentarspalte:

Ich kenne in der Diözese Linz ja doch relativ viele Gläubige, keiner hat die Kirchenzeitung mehr abonnierrt und alle, die sie einmal abonniert hatten, hatten diese in den letzten Jahren abbestellt. Noch Fragen?

Weil sich Noé offenbar auch in Salzburg genau auskennt, hat kath.net ebenfalls eine Begründung für die schwindende Leserzahl parat:

Etwas verloren, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau, hat laut ÖAK bei den Abozahlen auch das Salzburger „Rupertusblatt“. Für die Kirchenzeitung der Erzdiözese Salzburg wurden für die 1. Hälfte 2011 nur mehr 8.839 Abos ausgewiesen, ein halbes Jahr zuvor lag die Abozahl in der 2. Hälfte 2010 noch bei 9.011 Stück. In den Jahren zuvor gab es 2009 8.307 Abos und 2008 8.425 Abonnenten. Das Ruperutsblatt sorgte in den letzten Jahren bei Katholiken für Diskussion, weil man de facto den eigenen Weihbischof Andreas Laun die wöchentliche Kolumne gestrichen hat. Die Folge waren etliche Abbestellungen durch gläubige Katholiken und noch mehr finanzielle Zuschuss durch die Kirchensteuerzahler. Diese Subvention soll sich übrigens seit Jahren in einem sechstelligen Bereich befinden.

Wann genau das Rupertusblatt Laun geschasst haben sollte, ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Von 2008 lässt sich auf kath.net ein Artikel Launs finden, der offenbar auch im Rupertusblatt erschienen war. Im Sommer 2010 attackierte der Weihbischof diese Zeitschrift bereits. Wenn man also annimmt, dass Laun irgendwann zwischen 2008 und 2010 seinen Hut nehmen durfte, dann ist die von kath.net getroffene Aussage mutig: Schließlich stiegen die Verkaufszahlen in diesem Zeitraum sogar leicht an. Die postulierte Abnahme der Leser_innen ist demzufolge auch Unsinn: Zwischen 2008 und 2011 stieg sie sogar um 4,9%, eine bemerkenswerte Entwicklung.

Denn natürlich haben die Entwicklungen in den Verkaufszahlen der Kirchenzeitungen wenig bis überhaupt nichts mit ihrer vermeintlichen liberalen Haltung zu tun. Vielmehr dürften die demographische Entwicklung und die generelle Printkrise daran Schuld sein, dass die meisten Zeitschriften an Leser_innen verlieren.
Als Vergleichsgrößen seien etwa die österreichischen Wochenzeitschriften Der Ennstaler (-5,9%), Murtaler Zeitung (-9,6%) oder NÖN (-4,7%) genannt.

Der Versuch hinter diesem Artikel ist jedenfalls eindeutig: Missliebige lokale Medien sollen mit möglichst wenig Aufwand (und ohne rationale Gründe) niedergeschrieben werden – und das klappt eben nicht: Das angeblich von vielen fundamentalistischen Katholiken verlassene Rupertusblatt hat im gewählten Beobachtungszeitraum sogar zugelegt, die Verluste der Linzer Kirchenzeitung bewegen sich völlig im Rahmen des zu Erwartenden.

Das hält freilich viele kath.net-Leser nicht davon ab, in den Abgesang einzustimmen – und Alternativen anzupreisen, wie „Marcus“ es tut:

Weg mit diesen sinnlosen Kirchenzeitungen! Vox populi-vox Dei. Nicht ohne Grund werden diese Blätter
ihre Leser verlieren. Das ist in D nicht anders.

Aber mittlerweile hat sich die „Junge Freiheit“ als für Katholiken sehr gut lesbar weiterentwickelt (ohne deswegen eine katholische oder kirchenamtliche Zeitung zu sein).

Die kann hier an die ehemaligen Kirchenzeitungsleser und an alle anderen weiterempfohlen werden.

Da hat die Kampagne der letzten Wochen scheinbar nachhaltig gewirkt.

Eine schaumige Mischung

Wer kennt das nicht? Man ist Gegner des „Pro-Death-Präsidenten“ Barack Obama, hält dessen Gesundheitsreform für „Staatssozialismus“ und fühlt sich vom rechten, verschwörungstheoretischen und fundamentalistisch-christlichen TV-Sender Fox News bestens informiert. Nun nähert sich die entscheidende Wahl, doch richtige Vorfreude will sich nicht einstellen: Seltsamerweise überbieten sich die ins Schema passenden republikanischen Kandidaten in Sachen Blödheit immer wieder gegenseitig, sodass man öfter umschwenken muss als Akte 2012-Kameraleute während einer durchschnittlichen Anmoderation.

Roland Noé, seines Zeichens Chef von kath.net und im Community-Bereich als „Gandalf“ unterwegs, muss es so gehen. Erst zeigte er sich als Fanboy der unsagbar dämlichen Tea Party-Bewegung, deren tragende Säulen wie Michelle Bachmann sich mit ihrer Stumpfheit aber selbst für die neokonservativsten Amerikaner als unwählbar herausstellten. Dann sympathisierte Noé mit dem über seine Seitensprünge und mutmaßlichen sexuellen Belästigungen Angestellter gestolperten Herman Cain, der zwar eine Pizzeria-Kette aufbaute, aber keine Ahnung hatte, ob Obama die libyschen Aufstände befürwortete. Und der sich unschlüssig war, was er über Gaddafi zu denken hatte.

In der Freakshow, die sich „republikanische Vorwahlen“ nennt, stechen aktuell jedenfalls drei Männer heraus: Mitt Romney, der die erste Vorwahl in Iowa knapp für sich entscheiden konnte, für kath.net und Roland Noé aber wegen seinen vergleichsweise gemäßigten politischen Ansichten und aufgrund seiner Religion – er ist Mormone – nicht als geeigneter Kandidat für die Wahl gegen Obama gilt. Auch der 76-jährige Ron Paul, der noch Chancen besitzt, kommt für kath.net nicht in Frage. Seine libertären Wunschträume und die Forderung nach einer Legalisierung von Marihuana decken sich nicht wirklich mit den Vorstellungen Noés. Der hat seine Augen vielmehr auf einen dritten Kandidaten geworfen, der Romney in Iowa nur um 8 Stimmen unterlegen war: Rick Santorum.

Zwei Tage nachdem Santorum sich Mitt Romney knapp geschlagen geben musste, erschien auf kath.net ein von der Katholischen Presseagentur verfasster Artikel zum Thema:

US-Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum hat Lob in der vatikanischen Tageszeitung «Osservatore Romano» gefunden. Der Republikaner sei als «moralischer Sieger» aus der Vorwahl im US-Bundesstaat Iowa hervorgegangen, schreibt das Blatt (Donnerstag). Der Ex-Senator aus Pennsylvania sei ein erklärter Anwalt für den Schutz des Lebens und der Familie. Santorum, ein praktizierender Katholik, hatte seinen Wahlkampf in dem Bundesstaat im Mittleren Westen auf die Themen Glaube und Familie konzentriert.

Weil sich amerikanische Konservative in ihrem Kampf für die rechte Sache in der Regel nicht auf Religion und „Schutz des Lebens und die Familie“ beschränken, ließen sich über Rick Santorum auch ein paar negative Dinge sagen. So ist er ein Gegner der Evolutionstheorie und im Gegenzug Fan des unwissenschaftlichen und unsinnigen Kreationismus, den er per Gesetzentwurf auch an die Schulen der USA zu tragen versuchte. Muslime hält er für die Feinde Amerikas, ferner will er jede Form von Abtreibung unter Strafe stellen. In einem Interview stellte Santorum auch seine Empathiefähigkeit zur Schau – Kinder sozial Schwächerer sollten nicht mit dem Gefühl aufwachsen, dass der Staat sie bezahle. Stattdessen sollten sie leiden (wörtlich: suffer), schließlich sei Leiden ein Teil des Lebens aller Christen. Ahja.
Sein Hass auf Homosexuelle ist legendär, 2003 etwa verlautbarte er, Homosexualität sei vergleichbar mit sexuellem Missbrauch von Kindern, Inzest und Sodomie. Diese und andere Worte führten dazu, dass sein Nachname Santorum durch ihm wenig wohlgesonnene Blogger einen gänzlich neuen Sinn bekam:

santorum: „the frothy mixture of lube and fecal matter that is sometimes the byproduct of anal sex“

Um nicht zu erröten, verzichte ich auf eine Übersetzung. Die neue Bedeutung des Namens führte zu einer sog. „Google-Bombe“ – durch vermehrtes Verlinken auf Seiten, die santorum im zitierten Kontext benutzten, wurde die Google-Suche manipuliert. Wer sich über den Politiker Rick Santorum informieren wollte, stieß zunächst auf viele, viele Webauftritte mit etwas anderem Inhalt. Eine schöne Idee.

Rick Santorum mag der Mann der Stunde sein, mit ziemlicher Sicherheit wird er als rechter Hardliner aber keine Chance gegen Obama haben – alles läuft auf Mitt Romney hinaus. Roland Noé alias „Gandalf“ hat er trotzdem von sich überzeugt. Vorhang auf zu einer weiteren leidenschaftlichen Verteidigungsrede eines amerikanischen Rechtsaußen!
Im Kommentarbereich erhebt nämlich „Ulrich Motte“ Widerspruch gegen Santorums Qualitäten:

Danke, Vatikanzeitung! Gut so!
Ob allerdings die Auffassungen Santorums zur Sozialpolitik, zur Außen- und Militärpolitik, zur Todestrafe, zur Einwanderung päpstlichen und bischofskonferenzlichen Vorgaben entsprechen? Er liegt da wohl eher auf üblicher Us-evangelikaler Linie.

Das kann Noé aka „Gandalf“ nicht auf sich sitzen lassen:

@Ulrich Motte: Wieso, Santorum ist klar gegen die Todesstrafe für ungeborene Kinder? Diese wird in den USA am häufigsten vollzogen. Damit liegt der klar auf der Linie des Vatikans und der Bibel.

Vermutlich merkt Noé nicht einmal, wie dämlich diese drei Sätze sind. „Ulrich Motte“ schon – wenngleich er es nur noch schlimmer macht:

Herr Gandalfi
BITTE – Abtreibung ist Tötung und nicht Todesstrafe. Wollen Sie wirklich dieses schreckliche Verbrechen in sprachlichen Zusammenhang mit der Hinrichtung von schlimmsten Tätern setzen? Und ich erwähnte ja noch andere Punkte…

Herrje. Darauf geht nicht einmal „Gandalf“ mehr ein. Dafür antwortet er „Waldi“, der/die zunächst fordert:

Entweltlichung
Die Kirche sollte sich aus dem US-Wahlkampf heraushalten! Erinnern wir uns an die Predigt des Papstes in Freiburg!

Noé schreibt:

@Waldi: Die Kirche soll Politiker, die katholische Werte vertreten, sehr wohl ermutigen und unterstützen. Dies hat aber Null mit der Entweltlichungsrede von Freiburg zu tun. Immerhin hat hier das offiz. Medium des Papstes den Politiker gelobt und das ist gut sei. Vermutlich würde der L‘Osservatore Romano auch eine deutschen Politiker loben, tja, welche nur?

„Hl.Hilarius“ kritisiert unterdessen:

Wolf im Schafspelz
Rick Santorum ist ein Befürworter der Todesstrafe. Somit nimmt er schweren Sündern die Chance auf Reue. Todesstrafe ist Mord – und jemand, der diesen toleriert, befindet sich nicht mehr im katholischen Raum.

„Gandalf“ reagiert:

@Hilarius: Ich bin selber persönl. gegen die Todesstrafe. Nur zu 100 % ist nicht einmal die kath. Kirche gegen die Todesstrafe, dh. man kann hier wirklich dann nicht unbedingt jmd. einen Vorwurf machen, wenn er in Extremfällen dafür ist und hier weicht Santorum (siehe Artikel aus dem Jahr 2005) nicht unbedingt von der Linie der Weltkirche ab. Das weitaus größere Verbrechen unserer Zeit ist allerdings die Abtreibung und da ist Santorum aber sowas von klar auf kirchlicher und humaner Linie, dies im Gegensatz zum Anti-Life-Präsidenten Obama.
[Link zu Fox News]

„Willigis“ merkt an:

Die republikanischen Kandidaten…
…sind alle gegen Abtreibung. Bloß ist das ein irrelevantes Kriterium, da der Präsident daran wenig ändern kann, oder hat Abtreibungsgegner Bush in acht Jahren da etwas Signifikantes geschafft?

Ansonsten fallen die Kandidaten leider durch den üblichen amerikanischen Hurra-Patriotismus auf, der jede Selbstreflektion über den Weg Amerikas im letzten Jahrzehnt vermissen lässt. Die außenpolitischen Ansichten und Wissenslücken einiger Kandidaten sind beängstigend. Es reicht eben für dieses Amt nicht, Abtreibungsgegner zu sein.

Wieder antwortet „Gandalf“ prompt:

@Willigis: Bitte ein wenig besser informieren ;-) Im Gegensatz zu and. Ländern hat der Präsident hier sehr wohl einige MÖlgichkeiten. Er kann Höchstrichter ernnen, die eine Gesetzgebung auf Jahrzehnte beeinflussen. Er hat die Möglichkeit, Geldflüsse zu ermöglichen. Eine der ersten Amtshandlungen von Obama war, dass er Internat. Pro-Abtreibungsgruppen wieder finanz. Unterstützung ermöglich hat.

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@Willigis: Hier gehts aber um Santorum und nicht um einigeWissenslücken von manchen Kandidaten, die aber überhaupt nicht relevant sind. Es geht um die Werte, die jmd. vertritt und hier ist Santorum eindeutig ein Kandidat, der seinen katholischen Glauben ernst nimmt und der für Katholiken auch wählbar ist.

Und so geht es immer weiter. Noé liest sich die einzelnen Beiträge geduldig durch und geht auf sie ein. Exemplarisch noch der bis dato aktuellste Dialog:

„Florentius“:
Santorum & Krankenversicherung
Ich stehe diesem Mann zwiegespalten gegenüber. Kann ein guter Katholik wirklich behaupten, dass durch fehlende Krankenversicherung keine Amerikaner sterben? Meiner Meinung nach werden hier die Schwächsten unserer Mitmenschen verhöhnt und weiterhin gezielt unterdrückt.

„Gandalf“:
@Florentius: Die wirklich Schwächsten unserer Mitmenschen sind sicherlich mal primär die ungeborenen Kinder, die zum Abschuss freigegeben wurden. In den USA sind viele skeptisch gegenüber einer Pflichtkrankenkasse wie es dies bei uns gibt, ganz einfach, weil dort das Freiheitsverständnis doch ein völlig anderes ist als in Europa. Über das kann man geteilter Meinung sein, eine Glaubensfrage ist dies sicherlich nicht.

Es ist ja nicht einmal das Inhaltliche, das an Roland Noés Reaktionen so spannend zu beobachten ist. Vielmehr fällt auf, wie groß sein Interesse er an der amerikanischen Politik zu sein scheint. Auch sein weltberühmter Ausbruch 2010 fand unter einem Artikel über die US-Rechtsaußen statt. Die außerordentliche Anzahl der zugelassenen, eher kritischen Lesermeinungen lässt vermuten, dass sich Noé aktiv in den amerikanischen Wahlkampf einzumischen versucht und die Leser von seinem Favoriten zu überzeugen versucht – was auf einem deutschsprachigen Portal naturgemäß ein wenig aussichtslos ist.

Angesichts der eher düsteren Aussichten Santorums, Obamas Gegenspieler oder gar dessen Bezwinger zu werden, darf man sich auf die nächsten von kath.net und Noé gepushten Kandidaten freuen: Wird es Newt Gingrich, der rassistische ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, sein? Rick Perry, dem bei einer TV-Debatte nicht mehr einfiel, welche Behörden er abschaffen wollte?
Oder muss Roland Noé wieder einmal alles selber machen?

Genuflect, genuflect, genuflect

Der Footballspieler Tim Tebow von den Denver Broncos hat eine rasante Karriere hinter sich. Der 1987 geborene Quarterback spielte von 2006 bis 2010 College Football, wurde 2007 gar zum besten Spieler seiner Liga gewählt. Seit 2010 nun steht er beim zweimaligen NFL-Sieger aus Colorado unter Vertrag.
Und obwohl er offenbar ein hochtalentierter Sportler ist, macht er die größten Schlagzeilen mit anderen Themen. Er inszeniert sich als gläubiger Christ, dessen Vorliebe für unter die Augen gemalte Bibelverse ihm eine eigene Regel im College-Football einbrachte. Des Weiteren engagiert sich Tebow in der Homeschooling-Bewegung und machte für die fundamentalistische Organisation „Focus on the Family“ TV-Werbung.

kath.net verehrt Tim Tebow allerdings aus einem anderen Grund:

Ein Sportler macht in den USA das öffentliche Beten und das öffentliche Bekenntnis zu Jesus Christus populär. Der Begriff «tebowing» wird zu einer neuen Bezeichnung für das kurze öffentliche Gebet. […]
Die Kameras richten sich in letzter Zeit vor fast jeder potenziell entscheidenden Szene im Spiel des Football-Teams Denver Broncos auf Tim Tebow, den Quarterback des Teams. Der 24-jährige Sohn eines Missionarsehepaares, das seinerzeit auf den Philippinen tätig war, pflegt dann niederzuknien und zu beten. Zwar kennt man von Profisportlern durchaus, dass sie sich bekreuzigen – zum Beispiel brasilianische Fußballer, wenn sie eingewechselt werden oder ein Tor erzielt haben. Doch ein kurzes Innehalten zum Gebet – dies ist im harten Profisport eher ungewöhnlich; vor allem dann, wenn es mit einer solchen inneren Überzeugung wie bei Tebow geschieht.

Öffentliches Beten – eine gute Sache? Das las sich wenige Tage zuvor auf kath.net noch ganz anders. Aber klar: Hier geht es um Christen, die dürfen öffentlich beten. Bzw.: Sollen öffentlich beten dürfen. Denn heute berichtet kath.net von einem wahrhaft erschütternden Fall religiöser Diskriminierung:

Vier New Yorker Schüler wurden für je einen Tag vom Unterricht suspendiert, nachdem sie in einer Gruppe von 40 Schülern in einem Schulflur zum sogenannten „Tebowing“ niedergekniet waren. Das Tebowing ist eine Gebetsgeste, die auf den evangelischen Footballstar Tim Tebow zurückgeht und sich derzeit rasant verbreitet. […]
Die Schulleitung der Riverhead High School auf Long Island begründete ihre Entscheidung damit, dass der Durchgang für andere Schüler blockiert gewesen sei und deshalb Schüler nicht pünktlich zur nächsten Unterrichtsstunde hätten erscheinen können. Außerdem hätten die beiden Schüler die Anweisungen, die sie nach früherem Tebowing von der Schule erhalten hatten, nicht befolgt.

Ich habe diese Vorgehensweise schon mehrfach kritisiert, muss es hier aber erneut tun: Indem diese eigentlich sowieso völlig irrelevante Meldung in wenigen Sätzen abgehandelt wird und im Konjunktiv verfasst ist (was wahrscheinlich kath.nets Verständnis von Journalismus entspricht) und ohne verlinkte Quelle auskommt, gibt man diesen Vorfall zum munteren Spekulieren der Leser frei.
Die von kath.net erwünschte Lesart: Da wollten gute, hoffnungsvolle, junge Christen beten, ihrem großen, guten, hoffnungsvollen Vorbild Tim Tebow nacheifern. Dann kam die antichristliche Schulleitung und zeigte, wie fortgeschritten die Christenverfolgung in den USA bereits ist.

Und einige Kommentatoren glauben das tatsächlich, so etwa „Markus-NRW“:

Da ist eine Schulleitung mal wieder mutig gewesen – gegen einen ausgerollten Teppich einer anderen Religion hätten die sich das nicht getraut, geschweige denn gegen die „Unberührbaren“. — Zwei freie Tage für die Schüler, hoffentlich hatten die eine schöne Zeit. Eine mutige Geste der Schüler in einer schwierigen Zeit – Respekt !

Oder „Johannes Evangelista“:

[…] Christliche Schüler können wahrscheinlich so rücksichtsvoll „tebowen“, dass keiner über sie stolpert und alle rechtzeitig in der Klasse sind. Will man alle, die sich vor dem Essen bekreuzigen, jetzt reglementieren? Hoffentlich macht sich die Schulleitung nicht länger lächerlich mit solchen Maßnahmen.

Hätten sie sich im Internet ein wenig über den Fall informiert, wären sie möglicherweise auf den von kath.net zitierten Bericht des Riverhead News Reviews gestoßen, der das folgende Video von Youtube verlinkt:

Wie nur unschwer zu erkennen ist, versperren sie tatsächlich den anderen Schülern den Weg, wenngleich auch der eintägige Schulverweis möglicherweise etwas übertrieben anmuten mag. Was kath.net allerdings ebenfalls ausblendet: Diese Aktion hat nichts mit einer von christlichen Fundamentalisten erhofften Erweckungsbewegung zu tun – die Jugendlichen ahmen nur ihr sportliches Vorbild nach.

Immerhin: Es gibt bei kath.net den aufmerksamen Kommentator „Wolfgang63″, der als eine der ganz wenigen vernünftigen Stimmen immer wieder durch die Zensur kommt und die anderen Leser auf die tatsächliche Situation hinweisen kann:

Anschauen
Bevor jemand über Unterdrückung religiöser Praxis spekuliert (was in einem extrem von Religion geprägtem Land wie den USA unsinnig wäre), sollte man sich anschauen, was dort wirklich geschah: Eine Gruppe junger Leute setze sich mitten in einen Flur und immer wieder wurde der Name ihres Footballstars Tebow gerufen.

Das ganze macht nicht den Eindruck eines Gebets, sondern den einer Aktion dummer Jungen. Hier der Link zu einem Video, das während der Aktion aufgenommen wurde:

http://www.youtube.com/watch?v=WCeSD-7DzDI

Das überzeugt allerdings nicht alle – bei „Kajo“ etwa hat sich die kath.net-Lesart vollständig durchgesetzt:

Lieber Wolfgang63
so unsinnig wie Sie schreiben ist das ganze leider nicht wenn es gegen die kath. Kirche in den USA geht. Beteiligt man sich nicht an der Befürwortung der Tötung menschlichen Lebens, wird den Beratungsstellen schlicht und einfach der Geldhahn zugedreht.