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Expertenmeinung zu Gender-Mainstreaming

kath.net-Forist „herzrosenduft“, der auch schon mal Goebbels zitiert, um Jugendliche an die Kirche heranzuführen, hat eine dunkle Ahnung:

Ich glaube, dass diese ganze Gender-Geschichte in einen größeren Zusammenhang einzuordnen ist. Es wird eine neue Weltordnung geschaffen. Die Mächtigen haben sich was ausgedacht. Ob das immer zum Wohl der Menschen geschieht bleibt dahingestellt. Wir wissen ja, dass die Mächtigen dazu neigen die Menschen zu unterdrücken. Nicht, dass wir alle nachher versklavt werden. Wenn bei Gender „Gerechtigkeit für die Geschlechter“ draufsteht, was mag dann wohl darin verpackt sein? Wer bestimmt denn, was Gerechtigkeit ist?

Der Ton macht die Musik ii

Im Oktober 2011, zu Beginn der langsam anrollenden Kampagne gegen Weltbild, schrieb Gabriele Kuby einen Kommentar für kath.net, in dem sie die deutschen Bischöfe zu einer Reaktion aufrief. Sie sollten „das Gesetz des Handelns wieder in die Hand“ nehmen und gegen die vorgeblich pornografischen Bücher, die Weltbild verkaufte, vorgehen. Sie vermutete eine „Verstrickung der Bischöfe ins Pornogeschäft“ und zählte auf: „2500 pornografische Titel, dazu Satanismus, Magie, Esoterik, kirchenfeindliche, atheistische Propaganda und jede Art von Schund, mit dem man Kasse machen kann“.

In dem mit „Umkehr statt Heuchelei“ überschriebenen Artikel findet sich auch die Wendung „Eiterbeulen am Leib der Kirche“. Damit meinte sie „nicht nur“ die „Weltbild-Affäre“, sondern – u. a. – auch „die hedonistische Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen“ in katholischen Verbänden und den Religionsunterricht, der „zum Ort der Glaubenszerstörung“ geworden sei.

Diese Wendung einer Eiterbeule, die sich am Körper einer beliebigen Institution befinde und deren Betrieb behindere, ist nicht besonders höflich und glücklicherweise auch nicht sehr weit verbreitet. Zwei Beispiele, die das kritikfreie Benutzen dieser Floskel überdies erheblich verhindern wenn nicht verbieten, finden sich in nicht allzu grauer Vorzeit:
Die deutsche Schriftstellerin Kuni Tremmel-Eggert, die ab 1933 im NSDAP-eigenen Eher-Verlag veröffentlichte, 1945 zum Schreibverbot verurteilt und posthum, 2007, Namensgeberin einer Straße in ihrer Heimatsstadt wurde, schrieb 1938 in „Freund Sansibar“: „Das Judentum ist eine Eiterbeule im Volkskörper, aus der quillt alles Unglück, alles Elend, aller Jammer, Not und Krieg.“
Tremmel-Eggerts großes Vorbild Adolf Hitler hätte dem Satz wohl ohne zu zögern zugestimmt, von ihm ist aber eine andere Variante überliefert: Er bezeichnete die Schweiz als „Eiterbeule an Europa“.

Auf diesen Umstand wiesen vor einigen Tagen die kath.net-Forist_innen „Ut unum sint“ und „Melanchthon“ hin. In den allein schon wegen der rigiden Moderation lesenswerten Threads „Meinungsvielfalt und Diskussionskultur im Forum“ und „Katechese: Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos“ (vgl. auch hier) hatte sich die etwas liberalere Seite mit den Fundamentalisten verkracht und in einer grundsätzlichen Diskussion war auch die Nähe von kath.net und Gabriele Kuby thematisiert worden.

Dem Hinweis auf die Problematik der Eiterbeulensymbolik setzte Moderatorin „mysterium fidei“ entgegen, für sie „als Familienmutter“ sei Eiter „etwas relativ Alltägliches“. Wieso das „Gewaltsprache“ darstellen solle, bleibt ihr unklar, schließlich handle es sich bei „Eiterbeulen am Leib der Kirche“ doch „nur [um] eine Bildsprache, welche von Krankheiten ausgeht.“ Die Antwort von Userin „Petra“, die der etwas begriffsstutzigen Moderatorin eine anschauliche Erklärung liefert und mit „Klingelt’s endlich?“ schließt, nutzt „mysterium fidei“ dann dazu, vom eigentlichen Thema abzuschweifen und ein freundlicheres Miteinander einzufordern.

Auch den Einwurf von „Melanchthon“, dass die Eiterbeulenmetapher auch ohne Kenntnis über die Nutzung im 3. Reich menschenverachtend sei und dass sich auch kath.net über eine entsprechende Betitelung zurecht empören würde, kontert „mysterium fidei“ ausweichend: „Ich hab über „unsere“ Richtung schon derart Schlimmes gehört, dass ich froh wäre, wenn es bei „Eiterbeulen“ bleiben würde.“
Und weil „Petra“ nicht auf den Wunsch nach einer angenehmeren Atmosphäre antwortete, sondern sich dem eigentlichen Thema widmete, greift „mysterium fidei“ schließlich hart durch: Sie fordert „Petra“ auf, sich zu entschuldigen und weist die Allgemeinheit an, nicht mehr über Gabriele Kuby zu diskutieren.

Da das aber nicht funktioniert und weil „Melanchthon“ provokante Vorschläge wie „entartete Theologie“ oder eine vom Papst ausgehende „Endlösung“ vorschlägt, muss sich „mysterium fidei“ dem eigentlichen Thema dann doch noch stellen. Sie erklärt:

Also das Wort „Eiterbeule“ als Nazivokabular zu bezeichnen, das ist schon etwas gekünstelt. Obwohl es wahrscheinlich auch mal Nazis gab, die es benutzt haben. Wie sie auch das Wort „Autobahnen“ benutzt haben und, oh Schreck, Autobahnen sogar gefördert haben.

Leseempfehlung viii

Im kath.net-Forum verschafft sich „Ut Unum Sint“ Luft und legt einen lesenswerten Rundumschlag gegen die kath.net-Redaktion und -Zielgruppe vor:

Kritik, wie ich sie hier und in der Gossenform bei kreuz.net und den einschlägigen Postillen, auch im Gebrüll eines Matthias Mattuschek vernehme, war mein Thema in den frühen 90er Jahren, da waren Kuby und Konsorten noch nicht mal auf die Idee (und Marktlücke) gekommen, die Kirche in Grund und Boden zu schreiben.
[…]
Ich bin bei Gott kein liberaler Katholik, war es nie. Aber ich bin ein denkender und fühlender Mensch und das Hauen und Stechen, die Bösartigkeit, die Ehrabschneidung, die Cassandrarufe im Wettbewerb, wer lauter schreien kann, das sich gegenseitig Niederreden und die Kirche nach außen wie einen zerstrittenen Haufen, der nur mit sich und den Peripheriethemen beschäftigt ist, zu präsentieren, das habe ich gründlich satt.
Wo der Geist weht, da bin ich ganz sicher, da wird nicht entwertet, da wird nicht den Toten böse nachgerufen, da werden Verdienste und Opfer nicht kleingeredet.
[…]
Ich konnte kath.net Kommentare nicht ertragen und bin hierher ausgewichen.
Wenn aber auch hier der Abgrund im Übermaß beschworen und „verteidigt“ wird, dann ist das nicht mein Ort.
In meiner kurzen Lebenszeit habe ich keine Zeit für „Kirche am Abgrund“.

-> Der ganze Kommentar

Danke für den Hinweis an J.

Eine einfache Rechnung

Es gibt gute Ideen und eher schlechte. Zu den guten zählen Erdbeereis, Weltfrieden und Pakete mit Luftpolsterfolie. Zu den schlechten sind mathematische Erklärungsmodelle zu rechnen, die im kath.net-Forum gepostet werden und den Einfluss von „‚missionierende[m] Atheismus‘ auf Glauben und Weltanschauung hierzulande“ untersuchen sollen.

Dem kathnews-Foristen „el_presidente“ sind solche Beiträge gelungen. Er studiert nach eigenen Angaben Mathematik auf Diplom und will sein an der Universität erworbenes Wissen einem breiteren Publikum vorführen: Er möchte in drei Postings Näheres über die Lebensbilanz eines „atheistische[n] Avantgardist[en] vom Giordano-Bruno-Club“ herausfinden und teilt dazu die Menschen in zwei Gruppen:

Es seien uns zwei Populationen gegeben, eine Raubpopulation R der Größe x(t) und eine Beutepopulation B der Größe y(t) (t bedeute die Zeit). R und B könnten Tierpopulationen sein, etwa Löwen & Antilopen, Wölfe & Schafe, Insektenarten, Zellen. Wesentlich ist jedenfalls, daß R unter Abwesenheit von B schrumpft – es herrscht Futtermangel bei den Löwen! Wenn der große Egon Friedell den Materialismus als den größten Teufel im Menschen bezeichnete, dann identifiziere ich R kurzerhand mit den Materialisten und B mit den Gottesfürchtigen (…Menschen in Deutschland).

Doch das ist „el_presidente“ noch etwas zu undifferenziert und so wird er konkreter:

Zu B zähle ich gute Katholiken, Moslems. In B nichts verloren haben Kulturprotestanten, Wellness-Buddhisten (western buddhism), Kartenleger, Hexentheoretiker, kath. Pharisäer, Heuchler.

Schwer zu sagen, wer schlimmer ist: Fundamentalistische Christen, die alle Muslime hassen – oder fundamentalistische Christen, die mit ebenso fundamentalistischen Muslimen eine Querfront des Schreckens anstreben, um gegen alle „Kulturprotestanten, Wellness-Buddhisten (western buddhism), Kartenleger, Hexentheoretiker, kath. Pharisäer, Heuchler“ zu kämpfen. „el_presidente“ beschäftigt sich derweil naturgemäß mit anderen Sachen:

Insgesamt erhalten wir x‘(t)=-a1x(t)+b1x(t)y(t) . Durch ganz entsprechende Überlegungen gewinnen wir die Gleichung y‘(t)=a2y(t)-b2x(t)y(t) (a2,b2 positive Konstanten) und damit folgendes System von Differentialgleichungen:

x‘=-a1x+b1xy , y‘=a2y-b2xy (1)

Und das bedeutet in der Welt von „el_presidente“:

Am Beispiel von Populationen wilder Tiere, z.B. Löwen und Antilopen sehen wir, daß unser mathematisches Modell überraschend schlagkräftig ist (man zeiche eine Ellipse in ein xy-Koordinatensystem und überzeuge sich selbst): Wir beginnen im Uhrzeigersinn am äußersten linken Punkt der Ellipse (minimale Raubpopulation). Hier kann sich zunächst B vergrößern und damit auch R (dank wachsender Nahrungsvorräte). Mit Überschreitung des Schwellenwertes p wird R übermächtig und das führt zu einer Verminderung von B. Unterschreitet B nun den Schwellenwert q, so vermindert sich plötzlich auch R (wegen schwindender Nahrungsvorräte).

Materialisten fressen also, man ahnte es, nicht bloß kleine Kinder, sondern auch „gute Katholiken“. Allerdings besitzen sie immerhin den Anstand, eine Schonzeit zu beachten:

Sinkt R unter p herab, so beginnt die sogenannte „Schonzeit“ für B, sodaß sich B nun wieder bis zum Wert q vergrößern kann. Nun ist B groß genug, um wieder ein Wachstum von R anzuregen. Das ganze Spiel wiederholt sich nun immer wieder: Ein Kreislauf der Natur, der die einzelnen Tierpopulationen im Gleichgewicht hält!

Der Kreislauf des Lebens: Materialistische Räuber gegen rechtgläubige Monotheisten – so war es schon immer und so wird es gewiss bis zum Ende aller Zeiten bleiben. Wer sich aber nach dieser weltexklusiven Deutung der Realität am Ende des Erkenntnisprozesses wähnt, liegt fast so falsch wie „el_presidente“. Denn der läuft gerade erst zu Hochform auf und macht sich, „da nunmehr die Grundverhältnisse geklärt sind“, ans Eingemachte: Die Materialisten (R) sind, so ist zu erfahren, zwar böse und mit geschätzten „85%“ in der Überzahl, aber nichts im Vergleich zur „kleine[n] aber feine[n] Gruppe missionierender Atheisten“.

Um deren Einfluss zu messen, führt „el_presidente“ die Konstante d ein – den „Dawkins-Faktor“, wobei das d auch für „dezimierend“ stehen könnte:

wir lassen von Außen einen dezimierenden Einfluss auf unser System einwirken, welcher beide (Erklärung folgt!) Populationen mit einer gewissen Rate d*x(t)bzw. d*y(t) vermindert (ich bezeichne die Konstante d als Dawkins-Faktor). Wären R und B Insektenarten, so könnte dies etwa durch das Versprühen von Insektiziden geschehen.

Wie sich das atheistische Gift auf das gute deutsche Volk auswirkt? Da ist „el_presidente“ ganz Realist:

Wie wirkt eigentlich das Gift – Pardon! – ich meine die Überzeugungskraft der „missionierenden Atheisten“ auf unser Volk? Die kleine Gruppe der Gottesfürchtigen, das zeigt die Erfahrung, scheint jedenfalls recht resistent dagegen zu sein. Aber wir wollen nicht kleinlich sein und dem atheistischen Missionar seinen Bekehrungserfolg auch in B zugestehen. Aber was ist mit R? Interessanterweise werden hier Menschen ganz unverhofft mit Problemen konfrontiert, von denen sie gar nicht wussten, daß sie sie hatten – Gott! und natürlich auch: Die Hölle! Nun, da ich ziemlich desillusioniert bin, gehe ich davon aus, daß 90% von R dauerhaft auch die grenzwertigsten Thesen eines Giordano-Bruno-Fritzen ohne größeren Einspruch hinnehmen, und beruhigt jegliche Sorgen über Sünde und Hölle genauso schnell vergessen werden, wie sie aufgekommen sind. Es schmeichelt schließlich den Ohren eines Materialisten, wenn ihm gebetsmühlenartig versichert wird, daß er sich nichts vorzuwerfen hat und sich obendrein noch zu den denkenden, aufgeklärten Menschen zählen darf! Aber für andere ist diese Konfrontation gerade der Impetus für einen entgegengesetzten Denkprozess, zusätzlich herausgefordert durch eine vielleicht als sehr abstoßend empfundene Süffisanz und Dreistigkeit dieser im Grunde kleinformatigen Demagogen, die sich vorbeugend und vorzugsweise genau dann der Einschüchterungsmethode (Ja wer glaubt denn an Kobolde? Sie etwa?!?) und Plattitüden (sapere aude) bedienenden, wenn sie eine Entblößung ihres zutiefst esoterischen Denkfundaments zu befürchten haben. Bei einigen Materialisten wird dieser Denkprozess schließlich zu einer Abkehr vom Materialismus und zu einer Hinwendung zum Idealismus (einer dritten Gruppe) führen.

Und so geht es dann weiter mit einem Formelwirrwarr, das „el_presidente“ schließlich – immerhin das ist ein Zeichen von Barmherzigkeit – auflöst:

Verblüffenderweise hat sich R verkleinert und B vergrößert! Wenn ich in meiner Wut ein Feld mit Insektiziden besprühe, um auch die letzten Schädlinge auszurotten, so muß ich eben auch damit rechnen, daß ich am Ende sogar mehr Schädlinge habe als vorher, nämlich dann, wenn ich die natürlichen Fressfeinde der Schädlinge gleich mitbekämpfe.
Meine Überlegungen führen mich also zu der Behauptung: Der Missionierend Atheismus in Deutschland ist ein Phänomen, das durch die Verringerung der Anzahl der dort lebenden Materialisten und die Erhöhung der Anzahl der Gottesfürchtigen einen wervollen Beitrag zur Rechristianisierung leistet. Gott schreibt nicht nur auf krummen Linien grade, er schreibt auch auf den krummsten Linien noch gerade!

Dieses Manifest des Wahnsinns erinnert wohl nur zufällig an jene kalte Berechenbarkeit, die Atheisten immer wieder vorgeworfen wird.

Aber apropos:
Sei a die Ignoranz und b die Menschenverachtung und bezeichne ferner c den Quatsch, der beim Verquirlen von religiösem Fanatismus und Wissenschaft entsteht, dann ergibt
a²+b²=c².

Mit Dank für den Hinweis an „Diskordianerpapst“.

Kalenderweisheit

Update: Der Beitrag wurde am 2. August von Moderatorin „mysterium fidei“ gelöscht.
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Es gibt viele kath.net-Kommentare, deren tieferer Sinn sich mir nie erschließen wird: Sie sind zu verrätselt, zu poetisch verklausuliert, zu abstrakt, zu abgefahren. Ein wenige Tage alter Beitrag von „herzrosenduft“ im kath.net-Forum, abgelegt im Thread ‚Katholische Jugend im Internet‘, toppt sie aber alle:

Wo ist unsere christliche Jugend?
„Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.“ Dr. Joseph Goebbels, Propagandaminister

Soll dieses – auch im Threadzusammenhang rätselhafte – Posting mittels der (laut stramm rechten Katholiken) sog. „Nazikeule“ ein Plädoyer gegen christliche Internetcommunities sein? Ist es Ironie? Meta-Humor? Ein intellektuelles Spiel, Bullshit-Bingo mit Nazi-Aphorismen? Oder ist das im Gegenteil dieser ominöse unverkrampfte Patriotismus; der positive Bezug auf „gefallene deutsche Helden“, deren Weisheiten (hier durch den Doktortitel hervorgehoben, an den man beim Namen Joseph Goebbels freilich als erstes denkt) nicht verloren gehen dürfen: Goebbels als Vordenker der christlichen Internetarbeit?