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Wer auf kath.net so wirbt ii

Da hat sich die aktuelle kath.net-Werbekampagne für die Junge Freiheit ja bereits ausgezahlt: Für 200 Euro hat die Zeitschrift ein Reklame-Banner gekauft, auf dem mindestens einen Monat lang Johanna Gräfin v. Westphalen, Guido Hülsmann und Wolfgang Ockenfels ein kostenloses Probeabo anpreisen. Wie schon vor anderthalb Jahren ist die Werbung passenderweise am rechten Rand der Seite vorzufinden:

(Falls das Bild nicht angezeigt wird: Klicken) / Screenshot: (c) www.kath.net

Beste Gesellschaft

Nachdem sich kath.net in den letzten Tagen bereits darum bemühte, der Jungen Freiheit weitgehend argumentfrei die Neigung zu rechten Themen und Autoren abzusprechen, legt heute Michael K. Hageböck nach. Auch der kann nicht verstehen, wieso dem Ichenhausener Pfarrer Georg Alois Oblinger vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa untersagt wurde, für die Zeitschrift zu schreiben – und fährt dementsprechend harte Geschütze auf:

Mit der Zensur von Pfarrer Oblinger beschneidet der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa in eklatanter Weise ein grundlegendes Menschenrecht und bringt eine gewichtige, katholische Stimme in der deutschen Presselandschaft zum Schweigen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist verbürgt in: Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen; Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union; Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen – Hageböck ist in der Posse um eine Rechtsaußenpostille also um keinen Superlativ verlegen. Dass Zdarsa als Oblingers Vorgesetzter sehr wohl die Möglichkeit hat, dessen publizistische Bestrebungen etwas einzugrenzen, will ihm nicht auffallen. Zudem verstößt das „Schreibverbot“ auch gegen kein Menschenrecht – Oblinger steht es schließlich frei, weiterhin für die JF zu schreiben. Er müsste dann nur mit den Konsequenzen leben können.
Hageböck fährt mit der bekannten Verteidigungsstrategie fort:

Man braucht nicht sämtliche Positionen der „Jungen Freiheit“ zu teilen, doch man muss ihr bescheinigen eine der ganz wenigen Zeitungen im deutschen Sprachraum zu sein, wo frei gedacht und geschrieben werden kann. Vielleicht die einzige maßgebliche Stimme, was konservative Positionen anbelangt.

Chefredakteur der Jungen Freiheit ist Dieter Stein (1967), ein gläubiger Protestant, der überzeugte Christen beider Konfessionen unter seinen Mitarbeitern hat. Kaum eine Bistumszeitung in Deutschland berichtete so oft und so positiv über Papst Benedikt XVI. wie die „Junge Freiheit“ – ganz zu schweigen, was sonst mit Hilfe von Kirchensteuergeldern publiziert wird.

Statt zu hinterfragen, wieso eine Zeitschrift mit rechtem Einschlag so viele Katholiken anzuziehen scheint, hat Hageböck eine andere tolle Idee:

Eine unvollständige Auswahl von Interview-Partnern der „Jungen Freiheit“ belegt, dass dieses Organ in den letzten 25 Jahren die unterschiedlichsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für einen Beitrag gewinnen konnte. Hier aufgeführt sind Prominente unterschiedlichen Glaubens (Juden, Moslems, Christen) sowie linke Politiker (womit dem Vorwurf entgegnet sein soll, die Zeitung sei rechtsaußen). Bei soviel Prominenz wirkt die Zensur von Pfarrer Oblinger völlig absurd und lächerlich.

Es folgt eine Liste mit diversen „Juden, Moslems, Christen, Sozialdemokraten und weiteren linken Politikern“. Abgesehen davon, dass diese Aufteilung ziemlich dämlich ist – sie verschweigt auch ein paar Dinge. Die Liste mit den Namen bekannter Interviewpartnern ist jedenfalls bestenfalls ein Viertel der Wahrheit. Nicht nur, dass sämtliche für die Verteidigung der JF unbequemen Personen unerwähnt bleiben – Hageböcks Auflistung will zudem den Eindruck erwecken, als hätten alle Aufgeführten der Zeitschrift im vollen Bewusstsein ihres Standpunkts Rede und Antwort gestanden. Das Gegenteil ist der Fall:

Charlotte Knobloch etwa, von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, gab der Jungen Freiheit im Jahr 2000 ein Interview. Das stieß im ZdJ auf keine große Begeisterung – man distanzierte sich prompt von der Zeitschrift und gab die Losung aus, in Zukunft nicht mehr mit „rechtsgerichteten Medien“ zu kooperieren. Auch wurde die von Hageböck genannte Elvira Noah kritisiert, die zuvor mit der JF sprach. Michel Friedman, der ebenfalls in der Liste geführt wird, wird von der Berliner Zeitung 2000 zitiert, es sei problematisch, sich der JF „als Gesprächspartner anzudienen“.

Auch Heinz Buschkowsky, SPD-Politiker und Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg mit dem Hang zu Sarrazinscher Polemik, entschuldigte sich 2005 öffentlich für sein Interview mit der JF. Buschkowsky behauptete, nichts von dem Charakter des Blattes gewusst zu haben; Chefredakteur Dieter Stein habe die Zeitschrift als „konservativ“ vorgestellt. Allerdings kam Buschkowsky später selbst zur Einschätzung, die JF sei „rechtsradikal bis neonazistisch“.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang eine SPD-Broschüre von 2005, die in der Partei bezeichnenderweise nicht unumstritten ist. Dort heben die Autoren Sebastian Edathy und Niels Annen die Rolle der vermeintlich seriösen Interviewpartner für die Außenwirkung der Jungen Freiheit hervor:

Es darf auch keinerlei Beiträge oder Interviews für extrem rechte Zeitschriften geben. Dies gilt insbesondere für Blätter wie die „Junge Freiheit“ und „Criticon“, die sich damit als demokratisch legitimieren wollen.

Medien wie die Junge Freiheit, oder auch die nach eigener Aussage konservative Jugendzeitschrift Blaue Narzisse wissen natürlich: Wollen nicht-rechtsaffine Politiker oder Kulturschaffende einigermaßen seriös bleiben, werden sie ihnen im Zweifelsfall keine Interviews geben. Deshalb wird die Ausrichtung in der Regel verschwiegen, mit „konservativ“ angegeben – oder man versucht, wie es Hageböck nun auf kath.net probiert, mit dem Aufzählen anderer namhafter Personen alle Zweifel zu zerstören.
Schwer zu sagen, wie viele der in der Liste enthaltenen Politiker nicht wussten, mit was für einer Zeitschrift sie es zu tun hatten.

kath.net bemüht sich seit Tagen darum, die Junge Freiheit als ein konservatives, kirchenfreundliches Medium zu zeichnen, das von Bischof Zdarsa und den bösen linken Medien völlig willkürlich als rechtsradikal gebrandmarkt wird. Und so fehlen in Hageböcks Index vertrauenswürdiger JF-Interviewpartner naturgemäß all jene, die der Argumentation nicht dienlich sind. Das in der Jungen Freiheit abgedruckte Gespräch mit NPD-Chef Udo Voigt, die Tiraden des französischen Neonazis Alain de Benoist, die Opferschätzungen des Holocaust durch Alfred Schickel, die mit Nazis verbundenen Claus Wolfschlag oder Günter Zehm: Diese Autoren und ihre Texte werden einfach ausgeblendet, als ob sie für den Charakter der JF nicht wichtig wären.

Die als Stichwortgeber dienenden Artikel werden von den kath.net-Lesern entsprechend begeistert angenommen. Drei der mittlerweile sechs Texte haben mehr als 70 Kommentare aufzuweisen, und auch unter Hageböcks Erguss finden sich bereits 20 Meinungen. „Gewitterwolke“ nennt Konrad Zdarsa da etwa einen ‚Schwächling-Bischof‘, „JohannBaptist“ spricht vom ‚Augsburger Intrigantensumpf‘, den es trocken zu legen gelte.
Und ein besonders unterhaltsamer Beitrag gelingt „Dismas“ unter dem gestrigen Artikel von Gernot Facius:

Auch Gernot Facius verteidigt nun die „Neue Freiheit“
Ich sehe bei der JF auch keinen „Rechtsextemen Hintergrund“.
„Deutschnational“ entspricht nicht meiner Denkrichtung aber ich halte es für völligen Unfug, ja verleumderisch, diese Einstellung mit einem „Braunen Sumpf“ zu verbinden. Wenn man die heutige „Mainstream-Presselandschaft“ mit ihrer atheistischen oder gnostischen Linkslastigkeit betrachtet, könnte man fast der Meinung sein, die DDR hätte sich modernisiert und Westdeutschland übernommen!! Dem müssen wir als Katholiken verantwortungsbewusst entgegentreten!

Narrenfreiheit für einen Pfarrer?

Das „Schreibverbot“ des Ichenhausener Pfarrers Georg Alois Oblinger wächst sich in der rechtskatholischen Szene wie erwartet zu einer hemmungslosen Kampagne aus. Auf kath.net erschienen seit Mittwoch fünf Artikel zum Thema, und auch kreuz.net schießt sich immer mehr auf den Augsburger Bischof Zdarsa ein, der es Oblinger untersagte, für das rechte Blatt Junge Freiheit zu schreiben. Wieso Letzteres eine gute Idee war, habe ich hier dargelegt.

In den neuen Beiträgen empören sich nacheinander Harry Potter-Hasserin Gabriele Kuby, Papst-Biograph Peter Seewald und der ehemalige WELT-Journalist Gernot Facius darüber, dass ihr Lieblingsblatt vom Augsburger Bischof Zdarsa als das erkannt wurde, was es ist: eine Rechtsaußen-Postille.

Gabriele Kuby weist auf ihre eigene publizistische Vergangenheit bei der Jungen Freiheit hin, zitiert andere Katholik_innen, die für die JF wirkten und ist sich auch für einen dieser verräterischen Seitenhiebe auf die „linkslastige Medienlandschaft“ nicht zu schade. In ebendieser sei „ein konservatives Medium hoher Qualität“, wie es die JF darstelle, eine Stütze für die „Meinungspluralität in der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung“. Dass sich in der JF auch diverse offen rechtsradikale Autoren tummeln, verschweigt sie lieber.
Kuby beschließt ihren Text mit der Feststellung, dass die Kirche von innen zerstört würde – als Beleg führt sie neben dem „Schreibverbot“ den Weltbild-“Skandal“ an.

Seewalds Verteidigungsschrift ist kürzer. Er zeigt sich kath.net zufolge „erschüttert“ und will sich mit Oblinger solidarisieren. Nunja.

Gernot Facius gelingt der gewiefteste Versuch: Er distanziert sich ein wenig vom rechtskatholischen Mob, indem er daran erinnert, von „Traditionalisten“ als „altliberaler Journalist“ bezeichnet worden zu sein. Mit der längst ausgeleierten Phrase der „zeitgeistigen Strömungen“, die der Kirche in der Vergangenheit geschadet hätten, gibt er sich den Lesern aber als einer der ihren zu erkennen. Die Überschrift „Das Schreibverbot ist ein Rückfall in dunkle Zeiten“ weckt allerlei Assoziationen, keine davon ist in diesem Fall zutreffend oder auch nur angemessen. Facius lobt die JF, die „ein intellektuelles Publikum“ anspreche, dafür, dass sie „kirchliche bzw. theologische Sachverhalte differenziert“ darstelle. Dezent weist er auf Konrad Zdarsas Jugend in der DDR hin, und folgert, dass ihm „Zensurmentalität“ doch eigentlich zuwider sein müsse. Außerdem vergleicht er Oblinger mit „anderen auf den Besitz der Wahrheit pochenden Schreibern aus dem ’schwarzen Block‘“. Den höheren Sinn dieser Zeilen sucht man wohl vergeblich.

Die Reaktionen auf kath.net zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ungünstige Fakten ausgeblendet und nicht einmal am Rande erwähnt werden. Wenn also etwa Gabriele Kuby das Zugeständnis macht, dass die JF von anderen Medien als rechtsradikal bezeichnet wird, dann folgt als Gegenrede nur der Verweis auf katholische Autoren. Die ganz offen anzutreffenden rassistischen und nationalistischen Tendenzen der Zeitschrift werden nicht einmal ansatzweise angesprochen oder gar widerlegt. Stattdessen übt man sich darin, „Zensur!!!“ zu schreien und die Meinungsfreiheit einzufordern. An keiner Stelle wird reflektiert oder gar bemerkt, dass die konservativen Katholiken der Jungen Freiheit ihr „bürgerliches“ Profil erst ermöglichen könnten.

Wie sehr sich kath.net für die immer wieder geforderte Meinungsfreiheit engagiert, lässt sich übrigens an einem weiteren aktuellen Artikel ablesen. Dort wird der Würzburger Augustinerprior Peter Reinl zum Abschuss freigegeben. Nicht etwa, weil er Hass auf andere Menschen verbreitete oder Medien unterstützte, die ebendas tun. Seine Verfehlungen sind ein wenig profaner:

Der Würzburger Augustinerprior Peter Reinl hält es für „nicht entscheidend“, „welche sexuelle Orientierung, welches Geschlecht und welchen gesellschaftlichen Stand derjenige hat, der dem Gottesdienst vorsteht“.

Überschrieben ist der mit derlei schweren Vorwürfen vollgestopfte Bericht übrigens mit „Narrenfreiheit für einen Prior?“. In der Kommentarspalte wird Rein daraufhin von „nemrod“ als ‚ein jämmerlicher Mensch!!‘ tituliert, während „Waldi“ eine gute Idee hat:

Welch ein Unsinn!
So gesehen könnte man doch ohne weiteres auch einen üblen Zuhälter die Messe zelebrieren lassen.

Übrigens: Wer hat im Sommer 2010 auf kath.net eine Bannerwerbung geschaltet? Na? Na? Genau.

Wieso man die Junge Freiheit guten Gewissens doof finden darf

Das „Schreibverbot“, das der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa dem Ichenhausener Pfarrer Georg Alois Oblinger auferlegt haben soll, wird von kath.net zur neuen Kampagne, zum nächsten Kräftemessen aufgebauscht. Kaum war die Nachricht mit einem ersten Artikel in die Welt gesetzt (vgl. auch hier), schon folgte der zweite Streich. Atemlos berichtete kath.net am Nachmittag von „Zensur im Bistum Augsburg“. Um den Vorfall noch weiter zu skandalisieren, erklärte man gleich im ersten Satz, es gebe „weiterhin“ – nicht einmal einen halben Tag nach Bekanntwerden der Meldung – „Aufregung“ im Bistum Augsburg. kath.net will „erfahren“ haben, dass Oblinger eigentlich weiterhin Artikel verfassen dürfe – nur nicht für die Junge Freiheit. Zudem müssten sie dem Ordinariat Augsburg vorgelegt werden. Ferner wird Martin Lohmann, Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU, zitiert, der die Zeitschrift vehement verteidigt. Dass er selbst Autor der JF war, verschweigt kath.net sicherheitshalber.

Dass es sich beim von kath.net herbeigeschriebenen „Schreibverbot“ also um gar keines handelt, soll aber nicht Thema dieses Postings sein. Vielmehr möchte ich auf Roland Noés Kommentare unter den Artikeln eingehen. Noé, Chef von kath.net und im Community-Bereich als „Gandalf“ unterwegs, versteht nämlich die Welt nicht mehr. Und auch keinen Spaß. Als Leser „Friedemann Bach“ dem Bischof dankt und sich gegen eine Zusammenarbeit von Katholiken und Rechtsextremisten ausspricht, reagiert „Gandalf“ etwas säuerlich:

@Bach: Du behauptest hier folgendes: „Wir haben es doch gar nicht nötig, mit Presseorganen zusammenzuarbeiten, die Schwierigkeiten haben, sich vom Rechtsextremismus abzugrenzen.“ Bach, Du wirst hier sicherlich einen Nachweis bringen, denn für Verleumdungen könntest Du auch rechtlich belangt werden und da wird man sich nicht auf irgendwelche einseitigen Wikipediaartikel rausreden können.

Und kurz darauf schreibt Noé:

Bin auch mal gespannt, ob Bach & Konsorten jetzt auch Radio Vatikan boykottieren, denn die arbeiten ja auch mit der linken TAZ zusammen.

Eine tolle Serviceleistung, Leser auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen ihrer Kommentare aufmerksam zu machen. Weil man aber kaum erwarten kann, dass in der kath.net-Kommentarspalte eine offene Diskussion über die rechten Verflechtungen der Jungen Freiheit erfolgt, werde ich hier ein paar Indizien sammeln.

Zunächst ein dezenter Hinweis darauf, welche Internetseiten sich ebenfalls darüber empören, dass der Augsburger Bischof die Zeitschrift als kein so gutes Medium betrachtet: PI faselt von einem „Kirchenk(r)ampf gegen rechts“, während kreuz.net „linke Medienbosse“ am Werk vermutet. Sowohl kreuz.net als auch PI darf man vorwerfen, sich nicht entschieden genug von rechtsradikalem Gedankengut zu distanzieren (im Gegenteil).

Weil sich Roland Noé davon aber kaum beeindrucken lassen dürfte, werfen wir einmal einen Blick auf die Autorenliste, die die Junge Freiheit online dankenswerterweise anbietet. Dort finden sich einige illustre Namen.
Da wäre etwa der französische Publizist Alain de Benoist zu nennen. Dessen politische Karriere begann schon vielversprechend mit der Mitgliedschaft in der rechtsterroristischen Organisation Jeune Nation, nach deren Verbot gründete er in seiner Studienzeit die militante neofaschistische Fédération des Étudiants Nationalistes. Er war eng mit dem 1980 gegründeten rechtsextremen deutschen Thule-Seminar verbunden und wurde Beiratsmitglied der Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung, der NPD-Mäzen Jürgen Rieger vorstand. Im Verlag Junge Freiheit erschienen von de Benoist Bücher mit so schönen Titeln wie Kritik der Menschenrechte, Die Schlacht um den Irak. Die wahren Motive der USA bei Ihrem Kampf um Vorherrschaft oder Aufstand der Kulturen. Außerdem wirkte er in Zeitschriften wie Europa vorn oder Nation und Europa mit, den Holocaust-Leugnern von Journal of Historical Reviews gab er mehrfach Interviews.

Oder JF-Autor Alfred Schickel. Der Historiker erhielt noch 1989 das Bundestverdienstkreuz am Bande, 1996 erklärte die Bundesregierung, Schickel vertrete Auffassungen, die „teilweise denen entsprechen, wie sie von Rechtsextremisten vertreten werden“. Ja, das kann man schon so sehen: Schickel ist Leiter der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt, in dieser Funktion erklärte er 1980, dem Holocaust seien keine 6 Millionen Juden zum Opfer gefallen, diese Zahl würde „heute in der zeitgeschichtlichen Wissenschaft nicht mehr ernsthaft vertreten“.

Alles nicht rechts genug? Wie wäre es dann mit Horst Rudolf Übelacker? Der ehemalige Direktor der Bundesbank war bis 2006 Vorsitzender des Witikobundes, einer sudetendeutschen Organisation, die wie viele andere auf die Rechte der „Vertriebenen“ pochen und damit aus deutschen Tätern Opfer machen. Übelacker schreibt nicht nur für die JF, sondern auch für die rechten österreichischen Zeitschriften Die Aula und Zur Zeit und den Hohenrain-Verlag.

Oder Claus Wolfschlag. Der promovierte 2001 mit der vielsagenden Arbeit Das antifaschistische Milieu. Vom ’schwarzen Block‘ zur ‚Lichterkette‘– Die politische Repression gegen ‚Rechtsextremismus‘ in der Bundesrepublik Deutschland, die sogar von der Jungen Union Berlin kritisiert wurde. Dazu kamen Beiträge in Europa, dem Organ des NPD-nahen Nationaleuropäischen Jugendwerkes. JF-Autor Wolfschlag nennt sich selbst einen „Bewahrer nationaler Identität“.

Usw. Albrecht Jebsens schrieb für die Junge Freiheit und war Referent für die NPD-nahe Gesellschaft für Freie Publizistik. Auch Heinrich Lummer, in den 80gern Bürgermeister von Berlin, wird von der JF als Autor geführt. Er ist Mitglied des vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Vereins Die Deutschen Konservativen. 1999 erschien sein dem Titel nach ziemlich ausgewogenes Buch Deutschland soll deutsch bleiben: kein Einwanderungsland, kein Doppelpaß, kein Bodenrecht im rechten Hohenrain-Verlag. Günter Zehm schrieb an einer Festschrift für den Holocaust-Leugner David Irving mit. Als sich das Kriegsende zum 50. mal jährte, meldete sich JF-Autor Karlheinz Weißmann zu Wort und kritisierte, dass dieser Tag zu „einseitig“ als Befreiung aufgefasst würde.
Achja: und kath.net-Gastautor Marcus B..
Unter den Interviewpartnern der Jungen Freiheit finden sich Namen wie Udo Voigt – zu dem Zeitpunkt noch NPD-Parteivorsitzender.

Eine sehr detaillierte Liste mit fragwürdigen JF-Autoren und ein ausführliches Glossar finden sich übrigens hier.

Nein, die Junge Freiheit kann man guten Gewissens als eine rechte Zeitschrift bezeichnen, die mit der Mischung aus knallhartem Revisionismus, auch unter PI-Lesern mehrheitsfähigem Rassismus und vorgeschobener Bürgerlichkeit das Kunststück vollbringt, gleichzeitig Neonazis wie CDU-Lokalpolitiker für sich zu begeistern.
Fairerweise muss erwähnt werden, dass nicht alle JF-Autoren eine explizit rechte Karriere oder Gesinnung vorzuweisen haben. Dass der Augsburger Bischof Zdarsa aber keinen seiner Pfarrer in der Nähe von Rassisten sehen will, ist verständlich. Und es ist ein gutes Zeichen, wo viele andere Katholiken doch ganz offenbar auf dem rechten Auge blind sind.

Wer nicht passt, wird passend geschwiegen

Dass die Junge Freiheit eine Zeitschrift ist, die gleichermaßen CDU-Rechtsaußen wie NPD-Kader anzieht, ist keine Neuigkeit. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa scheint das allerdings erst jetzt gemerkt haben – kath.net zufolge rief er nun einen Pfarrer zur Ordnung, der für die Junge Freiheit schrieb:

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat den Stadtpfarrer von Ichenhausen (Kreis Günzburg), Georg Alois Oblinger, wegen dessen Tätigkeit bei der rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zurechtgewiesen. Oblinger hat seit einigen Jahren Beiträge für diese Zeitung verfasst. Das berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung.
[…]
„Selbstverständlich werde ich mich an die Weisungen der Diözese halten“, sagt dazu Pfarrer Oblinger. Das Wochenblatt sei eine dezidiert konservative Zeitung, aber „klar auf demokratischem Boden stehend“, verteidigte er sein bisheriges Engagement.

Die Junge Freiheit ist die zweitgrößte Wochenzeitung Deutschlands. Zahlreiche bekannte katholische Autoren publizieren in der JF, beispielsweise Professor Wolfgang Ockenfels, Jürgen Liminski, Martin Lohmann und Gabriele Kuby, Johanna Gräfin von Westphalen und Mechthild Löhr, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben und Dame des Silvesterordens.

Gabriele Kuby ist ein schönes Beispiel: Die Autorin, die Harry Potter für das personifizierte Böse hält, Homosexuelle aus acht guten Gründen verachtet und die dann und wann den Holocaust relativiert, veranschaulicht ziemlich deutlich, dass intellektuell und/oder moralisch redliche Menschen der Zeitschrift besser fern bleiben sollten.

Einen weiteren „bekannten katholischen Autor“ der Jungen Freiheit hat kath.net – und das kann in der Eile natürlich schon einmal passieren – allerdings vergessen: Den „dezidiert konservativen, aber klar auf demokratischem Boden stehenden“ Historiker, im EDV-Dienstleistungsgewerbe tätigen Freizeitrassisten, Großdeutschland-Träumer, Horst-Wessel-Lied-Fan, Neonazi und ehemaligen kath.net-Gastkommentator Marcus B..

Dass die Junge Freiheit übrigens die „zweitgrößte“ deutschsprachige Wochenzeitung sein soll, ist ein wenig übertrieben: Während der Spiegel wöchentlich ~930.000 Exemplare und die ZEIT ca. 500.000 verkaufen kann, liegt die Auflage bei der JF bei übersichtlicheren 21.000.