Archiv der Kategorie 'Junge Freiheit'

Die kath.net-Highlights 2012 – Die Plätze 10-6

Platz 10: Eitelkeit und Selbstmitleid

Was war passiert?
Am Schweizer Abt Martin Werlen statuierte kath.net im November 2012 ein Exempel: Weil der als eher liberal bekannte Werlen weder ein Interview geben noch einen Gastkommentar schreiben wollte, reagierte die kath.net-Redaktion wie ein kleines Kind, dem man einen Lutscher wegnimmt ein kleiner katholischer Fundamentalist, dem man die signierte Erstausgabe von Gabriele Kubys Buch „Die globale sexuelle Revolution“ stibitzt. kath.net-Chef Roland Noé machte die zuvor ausgetauschten Emails daraufhin öffentlich und prangerte Werlen in gewohnt sachlicher Art und Weise als „Brandstifter“ und „Dialogverweigerer“ an.

Exemplarische Lesermeinung:

Warum ist Abt Martin noch im Amt?
Ja, warum?

(„Vonderwiege“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Eitelkeit und Selbstmitleid
- Eitelkeit und Selbstmitleid ii
-> Das verweigerte Interview (Lectio Brevior)

Platz 9: Die Oblinger-Affäre

Was war passiert?
Der katholische Priester Georg Oblinger hatte sich die ‚Junge Freiheit‘, wo er eine eigene Kolumne unterhielt, als ersten Zwischenposten auf dem Weg zur ganz großen publizistischen Karriere ausgesucht. Weil die ‚Junge Freiheit‘ aber auch ehemaligen Mitgliedern faschistischer Terrororganisationen, kath.net-Gastkommentatoren, NPD-Chefs und Autoren, die Zweifel an der offiziellen Holocaust-Opferzahl anmelden, eine Plattform bietet, war das Augsburger Bistum im Januar nicht besonders erfreut über Oblingers journalistische Betätigung und verbot dem Pfarrer weitere Veröffentlichungen in der JF. kath.net fand das, was angesichts der JF-Bannerwerbung und den vielen personellen wie inhaltlichen Übereinstimmungen kaum überrascht, nicht so toll. Wütend wurde über „Zensur“ respektive „Schreibverbot“ geschimpft, die Kontaktadresse des Bistums verlinkt und, um den Streit noch imposanter zu gestalten, erlogen, die JF sei die „zweitgrößte Wochenzeitung Deutschlands“. Das wäre bei einer Auflage von circa 21.000 Exemplaren gegenüber 930.000 beim Spiegel und etwa 500.000 bei der Zeit eine kleine Überraschung.
Der Fall war der erste große Aufreger des Jahres und führte sogar dazu, dass kath.net die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN, die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und das deutsche Grundgesetz bemühte: Schließlich verletze das „Schreibverbot“ Oblingers Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung.

Exemplarische Lesermeinung:

Ich sehe bei der JF auch keinen „Rechtsextemen Hintergrund“.
„Deutschnational“ entspricht nicht meiner Denkrichtung aber ich halte es für völligen Unfug, ja verleumderisch, diese Einstellung mit einem „Braunen Sumpf“ zu verbinden. Wenn man die heutige „Mainstream-Presselandschaft“ mit ihrer atheistischen oder gnostischen Linkslastigkeit betrachtet, könnte man fast der Meinung sein, die DDR hätte sich modernisiert und Westdeutschland übernommen!! Dem müssen wir als Katholiken verantwortungsbewusst entgegentreten!

(„Dismas“ hier)

Nach- und weiterlesen:
- Wer nicht passt, wird passend geschwiegen
- Wieso man die Junge Freiheit guten Gewissens doof finden darf
- Narrenfreiheit für einen Pfarrer?
- Beste Gesellschaft

Platz 8: Wirbel um ein Pfarrgemeinderatsmitglied

Was war passiert?
Irgendwo in der niederösterreichischen Provinz liegt Stützenhofen, das zur eher übersichtlichen Gemeinde Drasenhofen gehört. Dort gibt es nicht viel, außer einem Museum für alte Traktoren. Dennoch fand der Ort Erwähnung auf kath.net: Ein Stützenhofener Pfarrgemeinderatsmitglied lebt offen homosexuell, wofür ihn kath.net öffentlich bloßstellte und tadelte. Ihm sei es aufgrund seiner sexuellen Orientierung unmöglich, die Glaubenslehre der Kirche anzuerkennen. Die Proteste schienen erfolgreich, denn der mit kath.net eng vernetzte Wiener Kardinal Schönborn nahm sich der Sache persönlich an, die Messe schien gelesen. Dann die Überraschung: „Erlaubt Kardinal Schönborn homosexuellen Pfarrgemeinderat?“, titelte kath.net ungläubig und musste die Frage wenig später bejahen. Der kath.net-Kolumnist und im Netz als „Pfaffenheini“ bekannte Pfarrer Christian „I am not gay, although this may be politically incorrect / it’s a pleasure to live like this in fact“ Sieberer forderte das Pfarrgemeinderatsmitglied wenig subtil auf, der Homosexualität abzuschwören, andernfalls werde es Ärger aus Rom geben. Es half alles nichts, zähneknirschend gab kath.net klein bei und meidet Stützenhofen seitdem weiträumig.

Exemplarische Lesermeinung:

Verstehe ich das richtig: arbeitet tatsächlich ein Homosexueller, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, bei der Caritas mit behinderten Kindern?
Mir scheint die hauptberufliche kirchliche Arbeit mit behinderten Kindern NOCH FRAGWÜRDIGER zu sein als der ehrenamtliche Einsatz.

(„Bene16″ hier)

Nach- und weiterlesen:
- The KKK took his schlimme Abirrung away
- The KKK took his schlimme Abirrung away ii

Platz 7: Dauerwerbesendung für die rechte Sache

Was war passiert?
Der Sommer war Ende September 2012, wie oft zuvor, dem Herbst gewichen, der wiederum eine Ahnung des bevorstehenden Winters ins Land warf. Vielleicht hatte kath.net die Bannerwerbung des Miriam-Verlags also nur wegen des unschlagbaren Sonderangebots für Weihnachten („Nussschalen-Krippe“, 1,80€) akzeptiert und dabei das Buchsortiment aus den Augen verloren. Der Miriam-Verlag führt in seinem Angebot nämlich unter anderem auch Werke von Manfred Adler. Adler war Autor antisemitischer und verschwörungstheoretischer Abhandlungen über „Die Söhne der Finsternis“, zu denen der frühere Lehrer vor allem Freimaurer und Juden zählte. Der Miriam-Verlag bietet, mutmaßlich aus rechtlichen Gründen, mittlerweile nur noch drei Bücher Adlers an. Dabei fehlen seine bekanntesten, in den Siebzigern ebenfalls bei Miriam erschienenen Bücher über die „internationale Hochfinanz“, die „sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit und politische Skrupellosigkeit“ der Juden und Fragen wie: Wer trägt die größere Schuld am Holocaust: „Nazis oder Zionisten?“
Weiterhin bietet der Miriam-Verlag indes ein Adlersches Werk an, das sich mit der „Verschwörung der Insider-Imperialisten“ ebenso eingehend beschäftigt wie mit der „Bilderberg-Gruppe“ und dem „Vatikan und die Weltherrscher der Finsternis“. Die Werbebanner sind bis heute nicht von kath.net verschwunden.

Exemplarische Lesermeinung:
-

Nach- und weiterlesen:
- Dauerwerbesendung ii
- Noch weniger wissen mit Kathpedia

Platz 6: Eine nicht ganz ideale Überschrift

Was war passiert?
„In Deutschland schrumpft die evangelische Kirche schneller als die katholische“, leitete kath.net im Juli einen von der evangelikalen Nachrichtenagentur idea verfassten Artikel ein. Wie so oft bestand die Eigenleistung der Redaktion im Bebildern und Überschreiben eines Pressetextes. Das misslang allerdings gründlich: Die Überschrift „ProtestUNTEN – Evangelische Kirche schrumpft schneller als katholische“ hielt sich, mutmaßlich aufgrund massiver Proteste, nicht lange. Das ist wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass „Protestunten“ eine der liebsten Hassvokabeln im Diffarmierungsarsenal von kreuz.net war.

Exemplarische Lesermeinung:
-

Nach- und weiterlesen:
- Keine gute Überschrift
-> Screenshot

Peter Pans falsche Freunde

Anlässlich der aktuellen kreuz.net-Affäre schrieb „mysterium fidei“, Administratorin des kath.net-Forums, „manche Nachrichten liegen einfach in der Luft, und dann wird eben darüber berichtet“. Sie bezog sich damit auf Kritik, dass kath.net und kreuz.net häufig die selben Themen aufgreifen und ähnlich bewerten. Als Beispiel gab sie „die Haftstrafe für den Kammerdiener“ des Papstes an, über die auch der Spiegel berichte. Daraus könne man doch auch nicht schließen, dass kath.net mit dem Spiegel zusammenarbeite.

Offenbar ebenfalls in der Luft lag eine Nachricht der Daily Mail. Die britische Zeitung berichtete am vergangenen Mittwoch darüber, dass die EU gegen Geschlechts-Klischees vorgehen wolle und in Zuge dessen allzu rückwärtsgewandte Familien- und Rollenbilder aus dem Unterricht zu entfernen plane. Dazu zitierte man diverse europaskeptische Rechtspopulisten, die vor dem Untergang des Abendlandes warnten und das apokalyptische Grauen in greifbarer Nähe wähnten: Setzte sich die EU durch, würde „Millionen von Jugendlichen das Vergnügen versagt“, Bücher wie ‚Paddington Bear‘, ‚Peter Pan‘ oder ‚The Tiger Who Came to Tea‘ lesen zu dürfen.

Die Story wurde zwei Tage später von der Zeitschrift Jungen Freiheit aufgegriffen, die nach Ansicht diverser PolitikwissenschaftlerInnen eine Schanierfunktion zwischen Rechtskonservatismus und Rechtsextremismus erfüllt. Der JF-Artikel inspirierte die rechtsradikale Seite kreuz.net, wo noch am selben Tag ein Artikel über die „linke Gedankenpolizei“ erschien, die Kinder möglichst früh „versauen“ wolle. Durch den Plan der EU werde „das natürliche Wesen der Geschlechter abgewürgt“, damit „die Kleinen möglichst früh dem Geschlechterwahn verfallen“.

Am nächsten Morgen dann widmete kath.net sich dem Thema. Der Beitrag orientiert sich stark am JF-Artikel, die einzelnen Sätze sind zum Teil nur notdürftig abgeändert oder gleich wörtlich übernommen worden. Völlig spekulativ werden die von erwähnten Rechtspopulisten in den Raum geworfenen Beispiele aufgegriffen und über einen „EU-Kampf“ gegen wahlweise „‚fünf Freunde‘ und ‚Peter Pan‘“ oder „Gender mainstreaming-unkonforme Inhalte“ schwadroniert.

Völlig fassungslos ob der Aussicht, dass die Inhalte des Schulunterrichts im Laufe der Jahrhunderte etwas angepasst werden könnten, trauen die kath.net-LeserInnen unter dem Artikel ihren Augen nicht. „geistlicher rat“ etwa findet, dass „die hure babylon“ als „gestalt der endzeit“ sehr an die EU erinnere, und fragt dann: „wird es hausdurchsuchungen geben, ob nicht irgendwer noch so ein „böses“ buch zu hause hat? werden die autoren aus den annalen der literatur gestrichen werden? wird es wieder „bücherverbrennungen“ geben?
„Marienzweig“ verzweifelt, die EU werde „immer mehr zu einer diktatorischen Institution“, und „I love jesus“ träumt vom nächsten Krieg: „Also werden in Zukunft bei Kathastrophen Alte, Frauen und Kinder auf der Strecke bleiben, weil den Männern der Beschützerinstinkt ausgetrieben wurde. Außerdem werden dann die labilen Weicheier, die man so züchtet nicht mehr imstande sein, Frau, Haus, Kind oder Land zu verteidigen, falls andere Völker, denen die traditionellen Rollenbilder noch präsent sind, ihre Chance zu nutzen.“
Auf der Facebook-Seite von kath.net, auf die zur Diskussion eingeladen wurde, wird es dann noch deutlicher. Ein User stellt fest: „EU und NsDaP sowie Kommunisten zeigen immer mehr das gleiche Profil.“, und ein anderer schreibt: „Ganz ehrlich? EU! Halt’s Maul!“ Der kath.net-Account verspricht gar, man werde ‚Fünf Freunde‘ und ‚Peter Pan‘ in Kürze „besonders empfehlen :).

Dieser Aktionismus ist einerseits symptomatisch für die irrationale Furcht vor der Moderne, andererseits für die vorherrschende Doppelmoral – schließlich kann es für kath.net gar nicht genug Zensur geben, solange bloß missliebige Publikationen wie ‚Harry Potter‘ davon betroffen sind. Vor allem aber ist der Artikel ein weiteres Indiz für die – wenn schon nicht personelle, so doch – inhaltliche Nähe zwischen kath.net und kreuz.net. Die angeblichen Pläne der EU über die Literaturauswahl an Schulen sind kein Thema, das „einfach in der Luft“ liegt und essentiell für eine Seite mit katholischen Nachrichten ist. Dafür veranschaulicht der Fall wieder einmal, wie ähnlich sich die Zielgruppen beider Portale sind.

Ebenfalls fragwürdig ist die Behandlung der Jungen Freiheit, die offenbar nicht nur kreuz.net, sondern auch kath.net als seriösere Quelle als die Daily Mail gilt. Auch hier zeichnet sich eine gewisse Ähnlichkeit ab: Während kath.net Werbebanner an die JF verkauft und zu Beginn des Jahres für die Unbedenklichkeit des rechten Blattes warb, rühmt kreuz.net die Junge Freiheit regelmäßig als „frei“ und „unabhängig“.
Wieso die JF im Zweifelsfall keine gute Quelle ist und nicht beworben werden sollte, habe ich übrigens bereits im Januar hier darzulegen versucht.

Keine sachliche Diskussion

Es gibt Sätze, die – zumal von einem CSU-Politiker geäußert, zumal in der Jungen Freiheit veröffentlicht und zumal von kath.net verbreitet – so dämlich sind, dass man nicht weiter auf sie eingehen sollte. Dem Bundestagsabgeordneten Norbert Geis, der u. a. mit Andreas Laun ein Buch gegen die Homo-Ehe schrieb, sind einige schöne Beispiele gelungen, die bei geringfügiger Änderung auch Sinn ergeben:

Original: Die Angriffe auf Gegner der Homoehe zeigten einmal mehr, „daß gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können“, schreibt Geis in einem Kommentar für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Eine sachliche Diskussion sei daher nicht möglich.

Fälschung: Die Angriffe auf Befürworter der Homoehe zeigten einmal mehr, „daß gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können“ […]. Eine sachliche Diskussion sei daher nicht möglich.

Original: Dennoch lasse die „kleine, aber lautstarke Homo-Lobby keine Gelegenheit aus, die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu erzwingen“, kritisierte der Rechtsexperte.

Fälschung: Dennoch lasse die „kleine, aber lautstarke Homohasser-Lobby keine Gelegenheit aus, die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu verweigern“ […].

Eine besonders interessante Rechtsauffassung zeigt der Jurist und selbstverständlich aufrechte Demokrat Geis dann auch noch: „Diese Tendenz der Gleichmacherei“ würde „leider“ vom Bundesverfassungsgericht unterstützt. Ja, wo um Gottes willen kämen wir bloß hin, wenn nicht mehr die CSU Maß der Dinge ist, sondern Schmiereien der Homo-Lobby – wie zum Beispiel dieses unsägliche linksversiffte Grundgesetz.

Abschließend ein gutgemeinter Rat: Mit dem unkritischen Verbreiten von JF-Artikeln und frisch eingetroffenen neuen JF-Bannern wird kath.net auf absehbare Zeit nicht aus der rechten Schmuddelecke herauskommen.

Hexenjagd der politisch Inkorrekten

Man muss es sich immer wieder in Erinnerung rufen: kath.net ist ja eigentlich ein Portal für katholische Nachrichten. Das legen nicht nur Name und Untertitel der Seite nahe, sondern auch vereinzelte Beiträge zur Kirche („Der Prediger mit dem Maschinengewehr“) und die Erwähnung von Papst Benedikt XVI. im täglichen Sommerspende-Artikel.
Weil sich aber allein mit qualitativ hochwertigen Artikeln zur katholischen Kirche („Bischof Ackermann meldet sich arbeitslos“) und zu katholischer Kultur („Rambo 4 wird katholisch“) kein kath.net-Leser zufrieden geben würde, müssen ab und zu auch eher themenfremde Texte publiziert werden. Beispielsweise über Nadja Drygalla.

Zwar interessieren sich selbst weltliche Medien nicht mehr für die deutsche Ruderin mit Neonazi-Freund, doch weil sich kath.net bekanntlich vehement für Meinungsfreiheit engagiert interessiert und die am rechten Rand des politischen Spektrums stehenden Leser mit Weltnetz-Zugang nicht verprellen möchte, folgt heute der zweite (idea)-Artikel über Drygalla (zum ersten vgl. hier). Als Aufhänger des Beitrags wird ein Leserbrief aus der FAZ gewählt. Dort wird der übliche Unsinn aufgezählt, der so auch auf PI, kreuz.net oder eben in der kath.net-Kommentarspalte stehen könnte: Drygalla sei ein „Opfer“ der „moralischen Kollektivaufsicht und tyrannischen Medienkontrolle“, so wie zuvor schon Steffen Heitmann, Martin Hohmann oder Eva Hermann.

Gut, Heitmann hatte, so die Lesart der Öffentlichkeit, den Holocaust bagatellisiert, eine Rede Hohmanns war als antisemitisch aufgefasst worden und Eva Hermann lobte teilweise die Familienpolitik der Nazis, aber das wird man doch wohl noch sagen dürfen!!1, schließlich handle es sich bei der Kritik um „Gesinnungsschnüffelei“: Heitmann beispielsweise sei außerdem durch „linksorientierte Medien“ gestürzt worden, und vor Gericht hätten sich Hohmann und Hermann gegen die Vorwürfe wehren können.

Auf „Diffarmierung und Skandalisierung“, so heiße es im Leserbrief weiter, folge, das ließe sich am Falle Drygallas beobachten, „Gesinnungsschnüffelei und Sippenhaft“. Schließlich wird aus der Ruderin mit Nazi-Kontakten auch noch eine Verfolgte im Sinne der (natürlich gleichberechtigt nebeneinander geschriebenen) „NS- und SED-Diktatur“ gebastelt.

Der Urheber des Briefs ist übrigens der ehemalige CSU-Politiker Carl-Dieter Spranger, der nun ganz im Sinne seiner neuen politischen Heimat der Jungen Freiheit von einer „Hexenjagd der politisch Korrekten“ poltern darf. kath.net gibt ihm gerne ein Forum und widerspricht ihm in keiner seiner eher wirren Thesen.
Das ist bequem: Nach Wochen der eher zahmen Berichterstattung wird den rechten Lesern nun wieder Wohlwollen signalisiert – und im Umkehrschluss kann Kritik damit gekontert werden, dass der Brief doch in der seriösen FAZ abgedruckt worden sei.

Schwer zu sagen, ob kath.net es einfach nicht bemerken kann, dass derartige Artikel der Neonaziszene helfen, sich als verfolgte Märtyrer darzustellen; oder ob kath.net es nicht bemerken will.

Falsche Freunde

Ein Gastkommentar von einem Mitarbeiter im Umfeld des Bistums Augsburg:

Bernhard Meuser, der Geschäftsführer des Sankt Ulrich Verlags in Augsburg, publizierte einen Artikel auf dem Internetportal kath.net. Er bringt damit nicht nur seinen eigenen Bischof gegen sich auf, sondern auch viele Gläubige.

Dass der Geschäftsführer eines katholischen Verlages einen Leitartikel in seiner eigenen Sonntags-Zeitung schreibt und damit quasi den Chefredakteur düpiert, ist zwar ungewöhnlich, das gab es aber in Augsburg früher auch. Schon vor Jahren sah sich Ulrichsverlag-Geschäftsführer Dirk H. Voss regelmäßig dazu berufen, den Gläubigen seine Sicht der Dinge zu erläutern. Sein Nachfolger, Bernhard Meuser, trat nun in seine Fußstapfen und verteidigte den Bischof in einem Artikel, der so klang, als wäre er von seinem Hirten persönlich diktiert worden. Inhaltlich in Ordnung, aber sicher kein Glanzstück journalistischen Schaffens. Sein Bischof, Konrad Zdarsa, hat ihm wahrscheinlich für das Stück auf die Schulter geklopft, danach hätte man zum Tagesgeschäft übergehen können. Wäre da nicht die Sehnsucht Meusers gewesen, seine Worte einem größeren Publikum zukommen zu lassen, als der örtlichen Kirchenzeitung. Deshalb schickte er den Artikel an das katholische Nachrichtenportal kath.net nach Linz, das ihn prompt veröffentlichte.
Kath.net allerdings ist ein erzkonservatives Medium, das gegen den Augsburger Bischof jüngst eine üble Kampagne initiiert hat, weil dieser einem seiner Priester untersagt hat, Artikel in der „Jungen Freiheit“ zu veröffentlichen, ein Blatt am äußersten rechten Rand. Die „Junge Freiheit“ ist allerdings mit kath.net befreundet. Und nun veröffentlicht Meuser ausgerechnet seine Zeilen in jenem Medium, das in Augsburg und den meisten anderen Diözesen offiziell gar nicht wahrgenommen wird, weil rein privat und mit der katholischen Kirche allenfalls auf der Sympathie-Ebene verbandelt. „Meuser fällt seinem eigenen Bischof in den Rücken“, heißt es hinter vorgehaltener Hand im Ordinariat, „wenn er jetzt genau die Webseite unterstützt, die wochenlang auf Zdarsa herumgeritten ist und gegen ihn gehetzt hat.“

Tatsächlich ist kath.net ein Produkt, das man in bestimmten Kreisen der katholischen Welt kennt, ähnlich wie das anonyme kreuz.net. Beide Seiten verbindet eine nahezu identische Themenauswahl, auf beiden Seiten darf gegen den Augsburger Bischof gewettert werden und auch sonst gibt es einige Gemeinsamkeiten. kath.net ist zwar nicht anonym, sondern wird im Wesentlichen von der Familie Noé betrieben, bewegt sich aber auf höchst brisantem inhaltlichen Eis – vor allem im Bereich der Kommentare. Diese werden von der Redaktion vor der Veröffentlichung gegengelesen, man distanziert sich auch nicht von ihnen, sie haben keinen Forum-Charakter, zählen also aus journalistischer Sicht ganz normal zum redaktionellen Teil der Seite. Da kommt es schon mal vor, dass ein Autor, in diesem Fall „Sixtus“, die Exkommunikation von allen Weltbild-Mitarbeitern fordert. Ein anderer Beitrag empfahl, dass alle Schwulen, Lesben und Transen verbannt werden sollen. „Ins KZ schicken geht ja nicht mehr … sorry, hätt ich ja auch lieber gewollt“, schreibt der Autor „JustTB“. Dieser Beitrag wurde zwar einige Stunden später wieder von der Seite genommen, zeigt aber, wes Geistes Kind die Kommentatoren dort mitunter sind und welche politische Heimat sie bevorzugen. Vergangenen August engagierte kath.net den Autor Marcus B. für ein paar offizielle Beiträge – und erkannte angeblich erst hinterher, dass dieser eine Vergangenheit im nationalen Lager hat und auch in einer NPD-Jugendpostille publizierte. Nach öffentlichem Protest nahm kath.net B.s Beiträge wieder vom Netz, steht aber inhaltlich bis heute zu den Texten.

Kein Wunder also, dass es ein Bischof nicht gern sieht, wenn seine eigenen Mitarbeiter in einem solchen Pulverfass journalistisch tätig werden. Als der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen im Herbst in Rom plötzlich und ungewollt bei einem Journalistentreffen am gleichen Tisch wie der Herausgeber von kath.net saß, hatte er hinterher im eigenen Haus und in der Redaktion dem Vernehmen nach erheblichen Erklärungsbedarf. Kurz vor Weihnachten wurde der Vertrag mit ihm aufgelöst.
Dass kath.net ein paar Verbindungen in den Vatikan hat, ist unbestritten. Offiziell zugeben will das in Rom aber niemand. Auf Missfallen stößt dort vor allem, dass sich das Portal in der Vergangenheit von der schismatischen Priesterbruderschaft St. Pius X. mitfinanzieren ließ. Deren hauseigener Verlag „Sarto“ schaltete 2011 über Wochen Bannerwerbung auf kath.net. Das ist besonders pikant, weil Sarto Bücher verlegt, die gegen die Seligsprechung von Johannes Paul II. hetzen und auch den jetzigen Papst massiv kritisieren, weil er sich unbeirrt zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennt. Auch viele Kommentare auf kath.net sympathisieren mit den Piusbrüdern, deren Bischof Williamson den Holocaust leugnete und dafür auch verurteilt wurde.
All dies bildet ein Umfeld, mit dem ein katholischer Bischof nichts zu tun haben will, gerade dann nicht, wenn er die Faktenlage kennt. kath.net und einige Anhänger halten dem gern entgegen, dass auf ihrer Seite auch namhafte Autoren wie Matthias Matussek schreiben – vor allem, um für ihre Bücher und Ansichten Werbung zu machen. Abgesehen davon, dass sich die „prominenten Namen“ in den letzten Monaten dort sehr zurückhalten, vermutlich deshalb, weil sie ein paar Hintergründe recherchiert haben, hätte all dies der Geschäftsführer eines kirchlichen Verlages wissen müssen, ehe er seinen Artikel nach Linz schickte und nun in seiner Diözese massiv in der Kritik steht. Noch nicht offiziell, aber hinter geschlossenen Türen schüttelt man in Augsburg fassungslos die Köpfe.

Der Artikel Meusers lässt sich hier finden.