Archiv der Kategorie 'Homophobie'

Expertenmeinung zur Mafia

„johannes.freiburg“ wäre gern Kardinal. Weil er aber – wie die meisten anderen hasserfüllten kath.net-Leser – beim Konklave nicht wahlberechtigt ist, schreit er seine gutgemeinten Ratschläge und Vergleiche in der Kommentarspalte heraus:

Hauptsache wir bekommen keinen liberalen Papst
Ich denke Kardinal Ouellet wäre eine gute Wahl. Ich wünsche mir nur, wir bekommen keinen liberalen Papst, wie z.B. Kardinal Schönborn, der in den letzten Jahren häufig durch Positionen und Entscheidungen aufgefallen ist, die an den Zeitgeit angepasst sind. Z.B. seine Aussage, dass man bei homosexuellen Partnerschaften auch die Stabilität der Beziehung sehen solle. Das ist ungefähr so, wie wenn ich sagen würde, bei der Mafia sollte man doch das Augenmerk auf den familiären Zusammenhalt richten.

Expertenmeinung zum gesunden Volksgeist

kath.net-Chef Roland Noé alias „Gandalf“ im kath.net-Forum, wir schreiben (immer noch) das Jahr 2008:

Und in Europa gibt es keine Homophobie sondern eine widerliche Überwertung und Überhomosexualisierung, die weit schlimmer für den gesunden Volksgeist ist. Diese schwule Gleichmacherei-Ideologie bis zur Homo-Ehe, die hier auch von paar Zeitgeistler anscheinend unterstützt wird, das ist das wirkliche Problem.

Expertenmeinung zu Haftstrafen für Homosexuelle ii

Aus dem kath.net-Forum von 2008: „Guaneri“ antwortet einem User, der seine Homophobie nicht aufgeben möchte:

Ein Bekannter von mir aus Kenia regt sich ständig über unsere „liberale“ Haltung gegenüber der Homosexualität auf. In Kenia würde man Schwule 10 Jahre in den Knast schicken und damit hätte sich die Sache.
Auch in vielen islamischen Ländern kommt es zu schwersten Menschenrechtsverletzungen gegenüber Homosexuellen, teilweise steht sogar die Todestrafe darauf, so zum Beispiel in Libyen.

Und genau aus diesen Gründen muss die weltweite „Ächtung“ Homosexueller irgendwann mal ein Ende finden.

Auf diese Aufzählung – wir wiederholen noch einmal: 10 Jahre Gefängnisstrafe, schwerste Menschenrechtsverletzungen, Todesstrafe – reagiert kath.net-Chef Roland Noé alias „Gandalf“ nur einen Post später folgendermaßen (mutmaßlich fehlt im ersten Teil ein „nicht“):

@Guaneri: Die Afrikaner haben bei solchen Dingen halt noch soviel (mediale) Gehirnwäsche und können dadurch auch noch selbständig den Verstand einsetzen, der jeden normalen Menschen sagt, dass Homosexualität etwas Widernatürliches ist.

Dem ungläubigen Einwurf von „valentina“ entgegnet Noé dann noch:

Ich bin gegen Menschenrechtsverletzungen, ich aber aber auch gegen Gottesrechtsverletzungen und Homosexualität ist etwas Widernatürliches und eine Beleidigung vom Plan Gottes für die Welt. Ein Blick in die Genesis genügt dazu und was Gott zur Homosexualität denkt, steht unter anderem im Römerbrief, Kap. 1.

Keine Fragen mehr.

Dort wo man Seiten hackt, hackt man auch am Ende Menschen ii

kath.net war in den letzten Tagen, eigenen Aussagen auf Facebook zufolge, Ziel „bösartige[r] Angriffe“, weshalb die Seite auch nur sporadisch online war und die Artikel mehrheitlich aus formschönen Fragezeichen bestanden. Während kath.net die Attacken heute zur Bitte um Spenden nutzt, setzte man gestern noch auf andere Mittel: „Bitte um EUER GEBET, vielleicht das Gebet zum Hl. Erzengel Michael.“

Zugegeben: Mitleid will nicht so recht aufkommen, schließlich stand kath.net seit Jahren auf der anderen Seite und reihte Shitstorm an Shitstorm. Andererseits sind DDoS-Attacken und Ähnliches aus guten Gründen illegal und in letzter Konsequenz ohnehin kontraproduktiv, weil sich kath.net in den folgenden Wochen in die Opferrolle zurückziehen dürfte und die LeserInnen, wie auf Facebook bereits geschehen, über ‚digitale Christenverfolgung‘ plaudern werden.

Das Hacken von kath.net ist allerdings nicht nur moralisch zweifelhaft, sondern auch völlig unnötig: Die Artikel selbst entlarven in regelmäßigen Abständen die Unzulänglichkeiten fundamentalistischer Vordenker. Zu denen zählt auch Andreas Laun, der sich weniger für die Belange erwachsener Menschen interessiert und sich stattdessen für die Rechte von Spermium und Eizelle engagiert. Für ovulationshemmende Pillen hat Laun keinen Respekt, und wo er schon beim Wort ‚Respekt‘ ist, darf auch der Verweis auf die gottlosen Homosexuellen nicht fehlen:

Heute ist zu beobachten, dass das Wort „Respektieren“ mit seinem guten Klang nicht selten dort verwendet wird, wo man dem Zeitgeist ein Stück weit nachgibt. Etwa wenn sogar Bischöfe, wie in Österreich geschehen, sagen, man müsse die sexuelle Orientierung eines Menschen „respektieren“. Gut gemeint, aber irreführend! Man kann und soll jeden Menschen respektieren, mit seinen Krankheiten und mit allen seinen psychischen Merkwürdigkeiten, aber man kann nicht die Krankheit als solche respektieren und auch nicht eine psychische „Unordnung“. Bei den sexuellen „Orientierungen“ müsste man dann auch pädophile, sadomasochistische und andere Philien „respektieren, was kaum jemand sagen würde.

Laun hat Recht: Man muss alle Menschen respektieren, ungeachtet ihrer „psychischen Merkwürdigkeiten“. Und solange Personen wie Laun ihren hassgetränkten Unfug auf kath.net derart unverblümt publizieren dürfen, ist jeder Hack völlig überflüssig.

Idiotisierung der Kirche

Nachdem kath.net einige Tage lang erkennbar um Fassung rang und die Folgen für das eigene Lager auslotete, hat man sich mittlerweile offenbar mit dem Rücktritt von Papst Benedikt abgefunden. Während Redakteur Johannes Graf den Bischöfen heute gutgemeinte Anweisungen gibt, wie sie mit der neuen Situation umzugehen haben, versucht sich Rom-Korrespondent Armin Schwibach am ca. hundertzweiundneunzigsten Nachruf auf Ratzinger. Er besingt „Benedikt XVI. und sein Vermächtnis für die Kirche“, die Taten „eines der bedeutendsten lebenden Intellektuellen“, das Werk „diese[s] kleine[n], liebenswürdige[n], milde[n] Mann[es] in Weiß“. Schwibach blickt zurück auf das Pontifikat, erinnert an Skandale und heroische Leistungen und bekennt seine Abscheu gegenüber „altbekannten und immer selben Kommentatoren mit ihrer immer gleichen und bis zum Erbrechen vorgetragenen Zeitgeistrhetorik“.

Es ist kein guter Text, und er wäre nicht weiter erwähnenswert, würde der folgende Abschnitt fehlen:

Er hat sich gegen das Teufelswerk des sexuellen Missbrauchs und der Homosexualisierung der Kirche und ihrer Diener gestemmt, gegen die Vergehen gegen das sechste Gebot und vor allem auch gegen die Sünden gegen das siebte Gebot.

„Das Teufelswerk des sexuellen Missbrauchs“ direkt neben „Homosexualisierung der Kirche“ --- Damit ist Armin Schwibach der mit Abstand dümmste Satz der kath.net-Woche gelungen. Und das ist eine bemerkenswerte Leistung, durfte doch erst vorgestern Andreas Laun seine bunten Gedanken verbreiten.

Laun war es übrigens auch, der die Marginalisierung von sexuellem Missbrauch 2010 einleitete. In einem auf kath.net veröffentlichten Text mutmaßte er damals über nicht ausreichend fundamentalistischen Religionsunterricht:

„Wegschauen“ und „Vertuschen“ in Fragen der Wahrheit ist heute noch häufiger als im Bereich des Missbrauchs – anders und doch ebenso gefährlich, vielleicht sogar schlimmer!