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Weniger Wissen mit Kathpedia

kath.net! Es ist schön und berechtigt, wenn ihr Andere auf ihre Fehler aufmerksam macht. Heute war es endlich einmal so weit: Die Süddeutsche hatte in einem Artikel am Wochenende kath.net mit den fundamentalistischen Legionären Christi in Verbindung gebracht, was kath.net eilig dementiert:

In der Süddeutschen heißt es dazu wörtlich: „Die Ordensschwester der Gemeinschaft ‚Verbum Dei’ hat bei der katholischen Nachrichtenagentur Zenit mitgearbeitet, ein Projekt von Legionären, wie auch das Internetportal kath.net.“
[…]
Dass KATH.NET kein „Projekt der Legionäre Christi“ ist, wäre bei minimaler journalistischer Recherche leicht feststellbar, ein Blick in das Impressum von Kath.Net hätte genügt. Vertiefende Informationen findet man auch auf kathpedia. KATH.NET hat im Zusammenhang mit dieser Behauptung die Süddeutsche Zeitung um eine Stellungnahme ersucht und bis jetzt noch keine Antworten erhalten.

Abgesehen vom ziemlich unsinnigen Hinweis auf die „minimale journalistische Recherche“, der ja auch kath.net ziemlich wenig Zeit widmet, kann man das prinzipiell so stehen lassen.

Ein schönes Stichwort allerdings ist Kathpedia. Das Wiki-Projekt, das von kath.net gegründet wurde, wollte ich seit ein paar Tagen sowieso genauer beleuchten und brauchte noch einen Grund dafür – nun ist es also so weit.

Auf der Hauptseite von Kathpedia jedenfalls lernt der geneigte Leser:

Die Kathpedia ist ein Projekt zum Aufbau einer freien katholischen Enzyklopädie. Jeder kann mit seinem Wissen beitragen und die Artikel direkt im Browser bearbeiten. – Die ersten Schritte sind sehr einfach.

Primär sind katholische Christen zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Oberste Richtschnur in allen Zweifelsfällen sind die Heilige Schrift zusammen mit der Tradition der Kirche, wie sie in den kirchlichen Lehrdokumenten, dem Katechismus der Katholischen Kirche sowie dem Kompendium des Katechismus dargelegt werden.

Im Moment enthält die Kathpedia 6.192 Artikel in deutscher Sprache.

Eine Wissenssammlung also soll Kathpedia sein – im Zweifelsfall hat aber nicht die Wirklichkeit Recht, sondern die Bibel oder der Papst. Das ist u. a. auch deshalb bemerkenswert, weil kath.net vor nicht allzulanger Zeit – am selben Tag wie kreuz.net – gegen Wikipedia polemisierte und dem Portal vorwarf, parteiisch zu sein, weil die User die fundamentalistische Sichtweise rechter Christen nicht als Wissen akzeptierten.
Der von idea verfasste Artikel erklärte den Lesern damals, „Wikipedia-Artikel muss man kritisch lesen!“ und wusste zu berichten: „Die Mehrheit denkt linksliberal“. Ferner wies man darauf hin, dass falsche Informationen „vor allem [dem] „Mainstream“ der Meinungsmacher“ dienten.

Wem die Kathpedia-Artikel hingegen dienen sollen, ist ziemlich eindeutig: Im Zweifelsfall kath.net selbst und allen Verbündeten. So erläutert der Text über kath.net, dass „das interne Motto der kath.net-Redaktion ‚All the news, all the time‘“ laute, dazu wird jeder einzelne Kommentar katholischer Würdenträger fein säuberlich aufgelistet – manchmal sogar doppelt, wie im Falle von Kardinal Meisner:

„In der Vielfalt der Stimmen zeigt kath.net sein eigenständiges Profil und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung.“ Und weiter: Kath.net leistet „einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung“

Weniger komisch, dafür umso falscher kommen Artikel über die Feindbilder daher. Zur Homosexualität etwa steht schon im ersten Satz geschrieben, sie widerspreche „der menschlichen Natur“. Weil das mutmaßlich nicht heftig genug war, wird Homosexualität gleich danach mit dem Sodomie-Artikel verlinkt. Es folgen aus der Bibel hergeleitete Gründe, Homosexuelle böse zu finden.
Weil die Wissenschaft Homosexualität tendenziell anders beurteilt, als rechte Christen es gern sehen würden, schreibt man:

Die Ursachen für Homosexualität sind bis heute nicht geklärt.

Was nicht so ganz stimmt. Der schönste Satz zum Thema folgt aber erst noch:

Gelebte Homosexualität erscheint auch aus gesellschaftlichen Gründen wenig wünschenswert, da sie Nachkommenschaft aus ihrem Wesen heraus ausschließt.

Dieser Satz fehlt im Artikel über das Zölibat natürlich. Dort steht stattdessen aber:

Dem sexuellen Missbrauchsunwesen von einigen Priestern, mit der Lockerung des Zölibats begegnen zu wollen, also mit vermehrter Sexualität zu bekämpfen, würde ein Feuer mit Benzin zu löschen bedeuten.

Ja, das macht Sinn. Ebenso wie der Artikel über den Nationalsozialismus, in dem gleich zu Beginn festgehalten wird:

Die Ideologie verband den Rückgriff auf archaische, pseudo-germanische Mythen und einen verdrehten Darwinismus mit dem modernen „wissenschaftlichen“ Rassismus (zusammen mit ausgeprägtem Antisemitismus). Hinzu trat typisch deutscher Hass auf die katholische Religion

Der typisch deutsche Hass auf die katholische Religion, der sich in der Verfolgung der Juden äußerte, ist das Hauptthema des Artikels. Wie es mittlerweile usus geworden ist, wird Hitlers Regime als atheistisch dargestellt – in diesem Absatz findet sich der einzige halbwegs erfreuliche Fehler von ganz Kathpedia:

Adolf Hitler rottete die Juden aus, brachte christlich führende Persönlichkeiten wie Geistliche, Ordensleute und Journalisten um.

Die Ausrottung der Juden gelang Hitler bekanntlich zum Glück nicht völlig; umso bezeichnender allerdings, dass direkt nach der Erwähnung des Holocaust die christlichen Opfer erwähnt werden.
Besonders absurd ist der Absatz über den 2. Weltkrieg – die wichtigen Wendungen und Entscheidungen werden mit katholischen Feiertagen in Zusammenhang gesetzt:

Papst Pius XII. weihte am 31. Oktober 1942 in der Radioansprache Regina del santissimo rosario an das portugiesische Volk, die Welt dem Unbefleckten Herz Mariens. Sr. Lúcia dos Santos hatte den Heiligen Vater mehrmals darum gebeten „um die Greuel des Krieges abzukürzen“. Nach dieser Weihe musste die deutsche Wehrmacht die schwersten Niederlagen hinnehmen, und zwar an Marienfesten (der „Frau, die der Schlange den Kopf zertritt“):

2. Februar 1943: Fest Maria Lichtmess: Stalingrad fällt. Die eingeschlossene Armee ergibt sich.
13. Mai 1943: Fatimatag: Ende des Krieges in Nordafrika.
15. August 1943: Fest Aufnahme Mariens in den Himmel: Sizilien fällt.
8. September 1943: Fest Mariä Geburt: Italien kapituliert.
15. August 1944: Fest Aufnahme Mariens in den Himmel: Landung der Aliierten bei Toulon. Die deutsche Westfront wird von Südfrankreich aus in ihrer Läge aufgerollt.
12. September 1944: Fest Mariä Namen: Die Aliierten überschreiten die deutsche Reichsgrenze.
8. Mai 1945: Fest der Erscheinung des heiligen Erzengels Michael, des Schutzpatrons Deutschlands: Kapitulation der letzten deutschen Heerestruppe.
15. August 1945: Fest Aufnahme Mariens in den Himmel: Japan kapituliert. Ende des Zweiten Weltkrieges.

Weil Rechte Nazidiktatur und Sozialismus mittlerweile fast gleichstellen, ist auch der Artikel über die DDR nicht besonders lesenswert. So schreibt man davon, das Regime habe „auch unverhohlen Bezüge zum deutschen Nationalismus und Protestantismus“ propagiert – und „den Großteil der Staatsunterworfenen zu seelisch verarmten und wirtschaftlich ruinierten Menschen gemacht“.
Ebenso weiß der/die Autor_in:

Ideologische Sympathien, die der DDR inzwischen auch „im Westen“ rückblickend entgegengebracht werden, bis in Kreise der SPD hinein, entbehren jeder historischen Grundlage.

Über die Evolution hat Kathpedia nicht besonders viel mitzuteilen, verwendet aber den unter Fundamentalisten beliebten Begriff Evolutionismus, es wird großes Wissen demonstriert:

Philosophisch ist es jedoch nicht möglich, dass Leben eine materielle Ursache hat. Nur Gott kann Leben hervorbringen.

Und:

Bei der Entstehung eines neuen Menschen ist immer die Intervention Gottes zur Erschaffung einer vernünftigen Seele notwendig.

Immerhin steht nicht nur dieser Artikel in der Kategorie Irrlehren, dort finden sich auch die Texte über Kreationismus und Intelligent Design – eine Kathpedia zufolge ebenso namhafte „Irrlehre“ ist die vom päpstlichen Irrtum:

Ein Irrtum des Papstes in einer wichtigen Entscheidung ist in der Kirchengeschichte noch nicht vorgekommen, weit über den Anspruch auf Unfehlbarkeit in endgültigen Lehrdefinitionen hinaus.

Weiterhin weiß man dort:

Die beiden kritischen Vorgänge aus der Frühzeit der Kirche sind eher als strategische Fehlleistungen der Kirchenpolitik einzuordnen. Als solche muss auch die Entscheidung im Fall Galileo Galilei (überdies nicht eine Entscheidung des Papstes Urban VIII. selbst) angesehen werden, die überaus komplex ist, aber nicht einfach „schlicht falsch“.

Man ahnte es.
Über Atheisten schreibt Kathpedia:

Die Lebensmaxime ist hier der Pragmatismus, bei dem der Stärkere (wie im Tierreich) die Oberhand gewinnt und der Materialismus, der sich im irdischen einen Götzen, statt Gott sucht (vgl. Evangelli praecones 17). Dadurch werden die gottgeschaffenen Naturgesetze verkehrt, welche durch einen kämpferischen Atheismus eine „Kultur des Todes“ schaffen und bei Extremismus auch über Leichen geht. So sind es z.B. beim Nationalsozialismus 58 Millionen Tote, beim Kommunismus 300 Millionen Tote, oder auch bei der Freimaurerei.

Besonders die Freimaurer haben es dem/der Autor_in angetan, und so ergießt man sich in einer formvollendeten Verschwörungstheorie:

Diese [die Freimaurer] haben Absicht weniger körperlich zu töten, sondern vor allem moralisch (vgl. Gesetzlosigkeit, Neuheidentum, Esoterik, Satanismus und Terror), jedoch wird eine internationale Diktatur vorbereitet, zu der die Finanzkrise der ersten Dekade des 21. Jahrhundert gehört. David Rockefeller sagt: „Wir befinden uns am Anfang einer globalen Umwälzung. Alles, was uns (Freimaurern) noch fehlt, ist eine große weltweite Krise, bevor die Nationen die Neue Weltordnung (des Antichrists) akzeptieren.“

Und als progressive Denkwerkstatt ist man sich gewiss:

Unterstützt von einem bestimmten Erkenntnisstand der Wissenschaften, der heute jedoch überwunden ist, galt der Atheismus als die fortschrittliche, humanistische Konzeption.

Die CDU wird, wie es sich für ein Wiki gehört, betont neutral bewertet:

Einzelne katholische Politiker, die hier werte-orientiert agieren (wie etwa Hubert Hüppe und Friedrich Merz) stehen auf verlorenem Posten bzw. wurden von der Kanzlerin „kaltgestellt“. So hat die CDU stetig an Substanz verloren. Ob sie eine Volkspartei der „Mitte“ bleiben wird, ist nicht selbstverständlich, auch wenn die Wahlergebnisse von 2009 ihr dazu noch eine Chance einräumen.

Die Zukunft der SPD bleibt ähnlich spekulativ:

Das progressive Image der Partei wurde zunächst in den 1980-er Jahren von den GRÜNEN überboten und ist seit der rot-grünen Regierung 1998-2005 einer harten, destruktiven Opposition von „links“ ausgesetzt. Diese „LINKE“ setzt sich zusammen aus staatsautoritären DDR-Nostalgikern und populistischen Interessenvertretern des (noch verbliebenen) „Industrieproletariats“, zuzüglich einiger ideologisch motivierter Intellektueller. Ob die SPD zukünftig noch Volkspartei bleiben kann ist zur Zeit also offen, insbesondere angesichts der Wahlergebnisse von 2009, der überalterten, schrumpfenden Mitgliedschaft und der knappen Personaldecke.

Abschließend sei noch auf das Thema Sexualität hingewiesen – so kann man etwa lernen:

Das Wort Geschlechtlichkeit kommt etymologisch nicht von „schlecht“, wie manche ältere Personen denken, sondern von „in eine Art schlagen“.

Manche ältere Personen erfahren dann:

Sexualität muss begrenzt werden, wenn man sie gesund und glücklich leben will. Es bedarf der persönlichen Anstrengung, um keusch zu leben. Sexuelle Gewalt und Pädophilie zeigen, dass Sexualität nicht schrankenlos gelebt werden kann, nicht immer gut oder harmlos ist. Trotzdem träumen viele von einem solchen Zustand und glauben, das sei die heile Welt. Das kommt besonders aus der Ideologie der 68er Bewegung. Dass die Repression von Sexualität zur Perversion gerät, das ist ein sehr plumpes, mechanistisches Menschenbild, das an Sigmund Freud angelehnt ist und noch in vielen Köpfen herumspukt, obwohl es längst überholt ist. Seit der sexuellen Revolution sind vor allem Männer der Meinung, dass sie sich sexuell verwirklichen müssen, weil sie sonst krank würden. Sexualität wird hier als dranghaft notwendig erlebt, nicht mehr als kultivierbar und steuerbar durch die Vernunft.

Zum Schluss wird es noch diffuser:

In der Grundschule finden die Kinder es total cool zu entdecken, wie ein Baby im Bauch der Mama wächst, was die Kinder schon alles können (am Daumen lutschen, Purzelbäume schlagen, Fruchtwasser schlucken, Mama treten) und wie eng es da drin kurz vor der Geburt ist. Ich kenne dagegen kein einziges Kind, das in der dritten Klasse detailliert wissen will, wie die Kinder in den Bauch hineinkommen. Dafür sorgen unsere frühsexualisierenden Lehrpläne und Lehrer, die offenbar das Gefühl dafür verloren haben, wann der richtige Zeitpunkt für solche Themen ist und wann nicht.

Wobei die für ein Wiki eher unübliche Formulierung im letzten Absatz wohl noch das kleinste Übel von Kathpedia ist.

Wie ich sechsmal fast auf kath.net kommentierte

Ok, ich gebe es zu: Ich googelte kürzlich meinen Namen. Bzw.: Ich suchte nach dem Begriff „Episodenfisch“. Das mache ich üblicherweise nicht, aber nach dem durchaus kontroversen Interview mit David Berger wollte ich mich informieren, ob kreuz.net schon eine Kopfprämie auf mich ausgesetzt hatte. Das war zwar gottlob nicht der Fall, ich stieß bei den neuesten Artikeln, die Google parat hielt, aber immerhin auf einen erkennbar aktuellen Link vom 11.6.2011 – er führte auf kath.net. Das verwunderte mich doch ein wenig, obwohl ich bis dato immerhin einmal in der katholischen Kommentarspalte erwähnt worden war. Ein User entdeckte meinen Blog und postete eifrig Links unter mehreren Artikeln, was zu einem kurzzeitigen Hochschnellen der Klickzahlen in meiner Blogstatistik führte.
Diesmal aber war es anders, das dämmerte mir bereits beim zögerlichen Klick auf den gewohnt sachlich mit „USA: Toleranz für jeden, außer Katholiken?“ überschriebenen Link.

Und tatsächlich, ich wurde überrascht. Ein offenbar vom Bericht irre geleiteter User mit dem ziemlich wundervollen Namen „Episodenfisch“ tauchte in der Kommentarspalte auf. Ich sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass ich zwar einige Male damit liebäugelte, mich bei kath.net als Kommentator anzumelden. Aufgrund einschlägiger Erfahrungen durch lange Diskussionen mit (u.a. kreationistisch interessierten) evangelikalen Fundamentalisten ließ ich aber doch vom Vorhaben ab und konzentrierte mich auf das Bloggen einiger Fehlschläge Roland Noés. Außerdem hielten mich die zahlreichen Berichte, bei kath.net herrsche strenge Zensur, davon ab: Lang und breit schreiben konnte ich zwar, aber es sollte doch bitte veröffentlicht werden. So blieb ich stiller Beobachter.
Dachte ich zumindest, denn nun prangte ja ein Kommentar mit meinem Namen vor mir, und es gab wenige rationale Gründe anzunehmen, dass nicht ich der Urheber wäre. Wobei: Der Inhalt machte mich schon ein wenig stutzig: „Leider“ gebe es „in Deutschland zu wenige“ Menschen, die „in der heutigen Zeit lieber“ ihre Arbeitstelle aufgeben, „als die katholische Morrallehre zu verraten“.


Trotz sauberer Linienführung gut zu erkennen: Ich bin doch ein wenig überrascht (Größeres Bild) / Screenshot: (c) www.kath.net

Ok, ein paar Kommata fehlten, ein „r“ zu viel war in „verraten“ gerutscht und eines zu viel in das Wort „Morallehre“ gestolpert (und das passiert gewiss selbst den Besten), aber ansonsten sah das schon sehr nach mir aus. Oft und gerne poltere ich bekanntlich gegen die moderne Wissenschaft, die einfach so Stammzellenforschung betreibt, um zynischen und kaltherzigen kranken Menschen zu helfen. Obwohl doch ein altes Buch irgendwelchen alten Männern in Italien vorschreibt, den Menschen vorzuschreiben, Stammzellforschung abzuschreiben!

Plötzlich saß ich aufrecht im Bett, mein Laptop fiel vom Schoß beinahe auf den Fußboden, nur das Ladekabel hielt es noch in der Luft: Hatte ich etwa doch meine Überzeugungen verraten und mich in einem Moment der Umnachtung bei kath.net registriert? Hektisch durchforstete ich meine Email-Accounts und suchte nach irgendwelchen Anzeichen für das Ungeheuerliche – vergeblich. War ich nach der Anmeldung so verwirrt und von Scham erfüllt, dass ich sämtliche Beweisstücke löschte?
Aus den Boxen des Laptops sang währenddessen Dirk von Lowtzow sein Frühwerk „Bitte gebt mir meinen Verstand zurück“, und ja: er hatte natürlich Recht, wie immer. Ich zog los und suchte eine Erklärung für den mir unverständlichen Sachverhalt – ich googelte weiter. Und stieß immer tiefer vor in meine Vergangenheit: Offenbar hatte ich am 4.4. dieses Jahres damit begonnen, kath.net mit gut gemeinten Kommentaren zu versorgen.


Beim ersten Mal tuts noch weh: Etwas nervös werfe ich mit „Demgegenüber“ eine ziemlich bezuglose Vokabel in den Raum (Größeres Bild) / Screenshot: (c) www.kath.net

So schrieb „Episodenfisch“ zu Beginn des April, dass sich die „Geschiedenen, Homosexuellen, Zölibatsgegner, Pillenanhänger, Abtreibungsbefürworter u.a….“ wegen der kircheninternen Abscheu ihnen gegenüber nicht beschweren sollten. Denn: Ihnen „scheint nicht bewusst zu sein, dass Ärzte, medizinisches Personal, Forscher, Apotheker um ihre Stelle und Karriere bangen müssen, wenn sie ihr Handeln nach der normale katholischen Kirchenlehre ausrichten“. Das hatte gesessen, es klang (abgesehen von Inhalt und Rechtschreibfehlern) auch nach mir und meiner Vorliebe für etwas ausladendere Sätze. Dennoch war ich auf der Ampel nur mit einem wenig überzeugenden Braunton bewertet worden – zornig und hungrig nach rechter Anerkennung suchte ich weiter.
Anscheinend hatte ich nach meinem ersten Kommentar eine längere Pause gemacht, jedenfalls fand ich bloß ein paar Sätze vom 5.5., in denen ich erneut meine genaue Kenntnis über die Medizin pointiert zum Ausdruck bringen konnte. Überhaupt schien der Mai mein Monat gewesen zu sein: Am 17., 20. und 21. kommentierte ich ebenfalls rund ums Thema Abtreibung und Stammzellen. Mein Hinweis „Rosenkranzgebete von katholischen Bischöfen, Priestern, Seminaristen und Gläubigen vor Abtreibungskliniken“ seien nachahmenswert, schien mir ebenfalls einleuchtend: Wenn man schon Probleme mit den Argumenten oder wenigstens mit der Ahnung hat, muss man halt beten. Das ist seit Jahren mein Reden (und vor Lateinklausuren habe ich das auch tatsächlich mal praktiziert, der Erfolg rechtfertigte die Anstrengungen allerdings nie).


Ziemlich gute Argumente veröffentliche ich übrigens fast immer zuerst bei kath.net (Größeres Bild)
Screenshot: (c) www.kath.net

Nach sechs Funden war Schluss. Mehr hatte ich auf kath.net tatsächlich nicht verfasst? Ich war einerseits beruhigt, dass aus meiner Feder offenbar nur qualifizierte Pro-Life-Aussagen und keine homophoben Äußerungen geflossen waren; andererseits wurde mir doch mulmig: Stecke ich etwa auch hinter Usern wie „St.Gabriel“ oder „Karolina“ und lasse rechtsradikalen Quatsch in den Untiefen des Internet versinken? Denn ich fand auch nach intensiven Recherchen keine Bestätigungsmails für andere Accounts. Bin ich der einzige kath.net-Nutzer, aufgeteilt auf Dutzende Usernamen? Ich bin verwirrt.

Mit katholischen Grüßen
Ihr Gandalf (?!)