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Laun goes on

Man hat es als katholischer Fundamentalist dieser Tage wahrlich nicht leicht, schrieb ich gestern und meinte damit den Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der einmal mehr an der Realität verzweifelte. Nach seinem neuen Erguss, in dem er sich vom Austrofaschismus (nicht so schlimm wie Hitler) über den Marxismus (so schlimm wie Hitler) bis zu Fernsehkommissarinnen (schlimmer als Hitler) alle möglichen Themen unserer Zeit und vorangegangener Epochen vorknüpft, muss eine Lanze für die wahren Opfer der linksgrünroten Meinungsdiktatur gebrochen werden: Für arme kath.net-Watchblogger wie z. B. mich, die dem geballten Irrsinn, den Laun produziert, hilflos gegenüberstehen.

Was soll man einem Trollbischof wie Laun, der sich von gegenderten Büchern verfolgt fühlt, denn noch entgegnen? Der das alte Märchen reproduziert, Frauen seien durch aufreizende Kleidung selbst an Übergriffen schuld und hätten in Krimis bestenfalls die Opfer zu spielen? Der, wie alle rechtspopulistischen Wirrköpfe, von Freiheit spricht und Unterdrückung meint?

Statt einer ausufernden Erklärung, wie falsch MC Ändi liegt: So etwas ähnliches wie Kunst. Das mit der Metrik muss Laun zwar noch üben, aber er scheint ja über ausreichend Freizeit zu verfügen:

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Die (..) Freiheit der Menschen ist das Problem von heute. (..)
Wir brauchen möglichst viele kleine (..) „Kinder“, die rufen: „Diese Leute
sind ja nackt.“ (..) Wir (..) sind (..) sexy (..) und siegreich wie „James Bond“.
Man (..) tut (..) und „quetscht“ (..) und (..) will nicht Hüte (..), sond-

ern (..) Druck und (..) Gewalt (..) und die Müllabfuhr. (..)
Politiker: (..) Freiheit, gebt Freiheit (!..) Gesetze auch, aber nur (..)
zur (..) Drachenbrut (..), Kaiser, mit unsichtbaren „Kleidern“ (..), tut uns leid,
wie wir leben (..) wollen: (..) Mit (..) Sanktionen (..) und (..) Freizügigkeit. (..)

Das Gesundheitssystem (:..) Nazis (..) und (..) Allmachtswahn. (..)
Schamlose Sexual-Erziehung (..) und (..) Goethe (..). Man (..), man (..), man.

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Kleines Drama

Szene: So könnte es sich vor einigen Tagen in der renommierten Wissenschaftsredaktion von kath.net abgespielt haben:

RN: „So. Wir müssen unseren Ruf als katholische Wissensseite mal wieder aufpolieren. Bist du an einer guten Story dran?“
JG: „Hier, ich habe etwas über Fossilien, die die Evolutionstheorie noch besser belegen.“
RN: „Um Himmels Willen!“
JG: „Etwas über die Auswirkungen des Klimawandels?“
RN: (wendet sich empört ab)
JG: „Ein paar detaillierte Auflistungen über all die Lügen, die Paul Ryan in seiner Rede neulich genutzt hat, um Obama zu schaden?“

(ein unangenehmes Schweigen beginnt. JG hebt mehrfach neu an, kann sich aber gerade noch zusammenreißen und sagt dann doch nichts über all die tollen Möglichkeiten, die Stammzellenforschung bietet.)

RN: „Hast du keine halbwegs seriöse aktuelle Studie, mit der wir Homosexuelle mal wieder richtig schön dumm aussehen lassen könnten?“
JG: „Naja, der ORF hat vor zweieinhalb Wochen mal was über zwei Australier geschrieben, die dagegen waren, die Begriffe ’schwul‘ und ‚lesbisch‘ auf Tiere zu übertragen…“
RN: „Homos und Tiere, hm?“ (geht händereibend auf und ab)
JG: „Ja, schon. Aber eigentlich geht es den beiden darum, homosexuellen Menschen Ärger zu ersparen. Denn Journalisten, die Tiere ’schwul‘ oder ‚lesbisch‘ nennen, produzieren mehrere Probleme. Moment, ich les dir mal den ORF-Text vor: ‚für Wissenschaftler, weil sie missinterpretiert werden, für Homosexuelle, weil sie als krank erscheinen, und für die Gesellschaft, weil die Berichte negative Stereotypen fördern‘.“
RN: „Ja gut, dann musst du halt das ein oder andere weglassen. Erweck einfach den Eindruck, als ob Homosexualität doch wider die Natur wäre, dann ist alles gut.“
JG: „Schön, ok. Aber was hat das alles eigentlich noch mit katholischen Nachrichten zu tun?“
RN: (bricht in hysterisches Gelächter aus)
JG: (geht ab)