Archiv der Kategorie 'Die Sache mit dem Islam'

Ein katholischer Mini-Breivik

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik tötete im vergangenen Jahr 77 Menschen durch Autobomben und einen Amoklauf, viele seiner Opfer waren junge Mitglieder der norwegischen Arbeiterpartei. Als Grund für seine Taten gab Breivik an, er wolle Europa vor dem Islam beschützen und vor einem „Kulturmarxismus“ bewahren. Breivik behauptete, einer Nachfolgeorganisation des Templerordens anzugehören, einem Ritterorden, der zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert existierte und anlässlich des 1. Kreuzzuges gegen die Muslime gegründet wurde. Breivik schmückte das Titelblatt seines Manifests „2083″ mit dem Kreuz der Templer und stellte ein Video namens „Knights Templar 2083″ ins Internet.

kath.net-Leser „templer“ teilt, wie sich bereits am Namen ablesen lässt, Breiviks Begeisterung für die Templer und ihren blutigen Kampf gegen Muslime. Unter einem aktuellen kath.net-Artikel stellt „templer“ zunächst eine Vision vor:

Ich will eine Christliche Gesellschaft. Ich will das jedes Land in Europa ein Gebet als Hymne hat, ähnlich wie der „Schweizerpsalm“. Ich will das überkonfessionelles christliches leben als Leitkultur in Europa herrscht. Ich will Kreuze in jeder Schule und in jedem Gerichtssal. An jedem Gericht sollen die 10 Gebote sichtbar dargelegt werden und die Christlichen Feiertagen sind Verkaufstfreie Feiertrage – Sonntags haben die Geschäfte geschlossen (Ausser Tankstellen, Flughäfen und Bahnhöfe..). Und natürlich eine direkte Demokratie mit der möglichkeit Gesetze wieder abzuschaffen oder nur testweise einzuführen.

Auf den von einem anderen Leser aufgeworfenen Begriff „Rosenkranzkreuzzug“, den gläubige Christen einer angeblichen Islamisierung Europas entgegensetzen sollten, reagiert „templer“ dann mit dem Aufruf, zur Tat zu schreiten:

Die Rosenkrankzkreuzzüge waren aber immer kombiniert mit Männern die auch was taten. Man unterstützte dabei die Krieger von Lepanto dass sie siegen würden.

Es war nicht so das ALLE Rosenkranzgebete beteten und sonst nur warteten. Gott will das wir handeln und nicht nur im Räumchen im geheimen beten.

Wie genau er seine Vision von einer christlichen Leitkultur verwirklichen will, bleibt unklar. Dass „templer“ sich dabei aber auf eine Seeschlacht aus dem Jahr 1571 bezieht und dem Gebet damit den bewaffneten Kampf gegenüberstellt, lässt darauf schließen, dass auch er kein Interesse hat, Muslime allein mit der Macht der besseren Argumente von den vermeintlichen Vorzügen einer christlichen Gesellschaft zu überzeugen.

kath.net und die Islamisierung

CDU-Politikerin Elisabeth Motschmann hat Angst vor dem Islam und darf ihre Vorbehalte in einem Gastkommentar für idea und kath.net loswerden:

Christlich-islamische Republik […] Parallelgesellschaften […] Integration heißt, sich an die Gegebenheiten im Gastland anzupassen […] sich verpflichten, die Landessprache zu lernen, die Gesetze zu respektieren und die ihnen fremde Kultur zu tolerieren […] Integration ist ein Geben und Nehmen […] Ist die Gleichbehandlung christlicher und muslimischer Feiertage das Ziel? […] Oder geht es hier nur um einen ersten Schritt? […] nicht das Ende der Übernahme islamischer Traditionen […] Sollen die Religionen im Unterricht vermengt werden? […] Offenbar sind die „christlichen“ Verhandlungspartner eingeknickt […] ihren eigenen Glauben aufgegeben haben […] Selbstverleugnung […] unsere christlich-jüdischen Wurzeln […] Grundlage unserer freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung […] eine zunehmende Islamisierung unseres Landes […] Christenverfolgung […] hoffentlich nicht auch noch die Scharia! […] viele überzeugte christliche Eltern […] Werteverfall […] Wer hier Abstriche macht, versündigt sich an den Kindern – und damit an kommenden Generationen […] Schulden […] der anerkannte Islamkenner Peter Scholl-Latour […] .

Was Motschmann da präsentiert, ist eine Zusammenstellung der abgedroschensten Phrasen aus dem Fundus der selbsternannten Vaterlandsbeschützer und Bewahrer eines Status Quo, der schon vor 50 Jahren nicht mehr aktuell war. Ihre Einlassungen sind symptomatisch für das kläglich niedrige Niveau des tagtäglich auf kath.net ausgetragenen Kampfes gegen den Islam: Es werden völlig unrealitische Ängste geschürt, die mit ebenso aus der Luft gegriffenen Reizwörtern – in diesem Fall etwa „Scharia“ – verstärkt werden sollen. Besonders problematisch ist der Begriff der „Islamisierung“, den Motschmann nur am Rande anklingen lässt, der auf kath.net aber in der Vergangenheit mehrfach völlig unreflektiert und ernsthaft als Drohkulisse verwendet wurde. Dazu zwei Beispiele, die auf diesem Blog bisher noch nicht beschrieben wurden:

Ein ganz besonderer Islam-Experte

In der guten alten Zeit vor dem Neonazigate im Oktober 2011 pflegte kath.net einen etwas härteren Umgang mit den Muslimen: Während die „Kritik“ am Islam in den letzten Monaten vorrangig in der Kommentarspalte geäußert wurde, veröffentlichte kath.net beispielsweise 2007 ein Interview mit Stefan Herre, dem Gründer des Hassblogs PI. Aus dieser Zeit stammt auch eine kleine Artikelserie über den ehemaligen FAZ-Journalisten Udo Ulfkotte. In mehreren auf kath.net publizierten idea-Berichten wurden 2007 und 2008 Ulfkottes Verschwörungstheorien beworben. So verzichteten angeblich immer mehr Banken aus Rücksicht vor muslimischen Kunden auf Sparschweine; auf (guten) deutschen Wochenmärkten gebe es immer mehr Spuckattacken auf Schweinefleisch, was die (guten) deutschen Metzger aus Angst vor den Muslimen nicht der Polizei melden würden. Außerdem seien Ulfkotte zwei Berliner Schulen bekannt, die seperate Eingänge für muslimische und nicht-muslimische Schüler besäßen.

Die Sparschweingeschichte hält einer eingehenden Prüfung freilich ebenso wenig stand wie die Behauptung der nach Religionen geordneten Eingänge; und das von Muslimen per Spucke benetzte Schweinefleisch scheitert schon an der Glasscheibe eines Wochenmarktwagens, aber das hielt kath.net nicht davon ab, Ulfkottes islamophoben Unsinn in noch weiteren Artikeln zu verbreiten. So etwa 2008, als er zum Bau einer Moschee in Duisburg zitiert wurde: „Aus Duisburg-Marxloh“, so Ulfkotte, hätten sich „abendländische Werte weitgehend verabschiedet“, woraus er messerscharf schloss: „Muslime müssten sich „unseren Werten“ anpassen, nicht umgekehrt.“

Während in diesem Artikel mit Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime immerhin auch ein Kritiker Ulfkottes zu Wort kam, wurde er im März des Vorjahres gänzlich unkritisch als „Islam-Experte“ beworben, der eine „anti-islamistische Partei“ plane. Dass statt „anti-islamistisch“ eigentlich „anti-islamisch“ gemeint war, wollte weder idea noch kath.net auffallen: „Vordringliches Ziel“ der neuen Vereinigung sei jedenfalls „die Abschaffung aller Sonderrechte für Muslime“; Baugenehmungen für Moscheen dürfe es bei Widerwillen der Bevölkerung nicht mehr geben und alle „Türken“ sollten abgeschoben werden, die nicht allein die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, sondern auch die türkische behalten wollten. Abschließend wird im Artikel eine Demonstration gegen „die schleichende Islamisierung Europas“ angepriesen. Immerhin nicht von kath.net aufgegriffen wurde Ulfkottes Erklärung für die EHEC-Epidemie 2011: Er machte muslimische Erntehelfer in Spanien dafür verantwortlich, dass deutsche Gurkenkonsumenten krank wurden – die Muslime hätten aus Hass auf Christen das Gemüse mit Fäkalien verunreinigt.

Kirchliche Verschwörungstheorien

Der von Ulfkotte genutzte Begriff einer „schleichenden Islamisierung“ wurde von kath.net natürlich nicht hinterfragt. Stattdessen zitierte der Salzburger Weihbischof Andreas Laun Ulfkotte in einer „Analyse“ namens „Angst vor dem Islam“, um auf kath.net einige Zeit später die These einer ‚“schleichende[n] Islamisierung Europas“ (U. Ulfkotte)‘ zu belegen: „Kindermangel“ sei „die Hauptursache der Islamisierung Europas“: Zwar seien die Muslime im 20. Jahrhundert aus friedlichen Gründen nach Europa gekommen, aber: „Angst ist die unabwendbare Reaktion im Angesicht der Gefahr, in der Gefahr ohne Angst zu sein ist irrational und gefährlich dazu!“

Laun wundert sich in diesem Artikel darüber, dass ausgerechnet Muslime als Arbeiter nach Europa geholt werden, und erklärt das damit, dass es „manchen“ wohl „ganz recht“ sei, „wenn muslimische Einwanderer die christliche Religion, vor allem die ungeliebte oder sogar gehasste Kirche schwächen!“
Enttäuscht stellt er fest, dass die Europäer fortan „mit den Muslimen“ (die offenbar auch in dritter Generation keine Europäer sein können) leben müssten, die man aber keinesfalls reizen dürfe, wie er süffisant auf die Fantasien einer politischen Korrektheit anspielt: „Sollte jemand versuchen, „die Wahrheit zu sagen“, gilt er als „Hetzer“ und wird zum Schweigen gebracht.“

Ausgehend von der vermeintlichen Gefahr einer Islamisierung verläuft sich Laun im munteren Einschlagen auf den Islam: Angst vor dem Islam sei dann gerechtfertigt, wenn Teile des Korans, wo zur Gewalt aufgerufen werde, „nicht „entschärft“ oder „entfernt““ würden. Andreas Laun ruft also ganz offen zur Zensur der heiligen Schrift der Muslime auf, und als sei das nicht genug: Zum Misstrauen gegenüber allen Muslimen.

Eine gefährlich schwache Auseinandersetzung

Dieser Argwohn gegenüber Andersgläubigen bietet ideale Anknüpfungspunkte für die extreme Rechte, die bei diesen Themen süffisant auf vermeintlich seriöse Seiten wie kath.net verlinken kann. Gerade weil kath.net beispielsweise PI-News noch im Oktober 2011 als Verbündeter im herbei gewünschten Kampf gegen den Islam galt, reagierte man dort besonders scharf und enttäuscht, als sich Roland Noé von Marcus B. distanzierte. Und gerade diese Artikel sind der Grund, wieso sich das PI-Publikum in der kath.net-Kommentarspalte so wohl fühlt.

Die auf kath.net zelebrierte „Islamkritik“ ist so gefährlich, weil sie nicht auf wissenschaftlichen Fakten, sondern auf Stammtisch-Beobachtungen und rassistischen Vorbehalten fußt. Vor allem aber strahlen Autoren wie Andreas Laun als hohe kirchliche Würdenträger eine gewisse Autorität aus, die ihren lächerlichen Verschwörungstheorien Gewicht verleiht.

Launs Gerede von einer politisch gesteuerten Zuwanderung zur Destabilisierung der katholischen Macht oder sein Herumgebastel an gewaltverherrlichenden Koranstellen, die selbstverständlich nicht mit Kritik an ebensolchen Bibelversen einhergehen, können von tatsächlichen Rechtsaußen perfekt aufgenommen werden: Es braucht nicht viel Fantasie, um sich NPD-Pamphlete vorzustellen, in der von einer „Umvolkung“ die Rede sein könnte – oder Texte des PI-Autors Michael Stürzenberger, der sich für seine Argumentation, Muslime sollten sich von den Gewaltaufrufen im Koran distanzieren oder abgeschoben werden, wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten musste. Wohlgemerkt: Andreas Laun – und auch Udo Ulfkotte und selbstredend Elisabeth Motschmann – haben nichts mit der NPD oder Michael Stürzenberger am Hut. Ihre völlig unsachliche und unreflektierte Rhetorik bietet aber Rechtsradikalen und Rechtspopulisten beste Gelegenheiten, ihre Thesen einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen und sich dabei auf scheinbar halbwegs seriöse Publizisten berufen zu können.

In einem der 2012 im Standard erschienenen Artikel über kath.net steht Linda Noé Rede und Antwort und erwidert auf das Stichwort Islam, dass dieser eine Religion sei, mit der man sich „in Zukunft sicher vermehrt auseinandersetzen“ müsse. Es steht zu hoffen, dass diese Auseinandersetzung dann auf etwas höherem Niveau erfolgt als in der Vergangenheit.

Expertenmeinung zu den rechtsradikalen Kernthesen

kath.net-Kommentator „Rodolpho“ gehört nicht zu Europa, nicht zur Wüste und schon gar nicht an unsere Schulen. Er gehört dafür umso mehr zu Deutschland, wie sein freudig durch die Zensur gewunkener Hassbeitrag über Migranten, den Islam und die linke Weltverschwörung belegt:

Kirchlicher Selbstbetrug
„Schließlich habe der Staat ein Interesse daran, einen verfassungskonformen, liberalen Islam zu fördern..“
Verfassungskonformen und liberalen Islam sind Träume der Kirchen und Lügen des Staates, welcher nie Erfüllung findet, weil eben dieser Islam so etwas nicht vorsieht. Aber es gehört zum Wesen der Taqiyya uns solches Glauben zu machen, damit wir in die Irre gehen und letztlich unser Leben verlieren, so wir nicht zum Aberglauben des Mondgötzen konvertieren. Sämtliche sogenannten Migranten in der BRD haben nur einen politischen Zweck: Sie sollen den linken Parteien ihre Stimme geben, damit diese an der Macht bleiben können. Dafür bekommen sie ihre Moscheen und es wird ihnen nach dem Mund geredet. Das aber ist deutsche Selbstverachtung in der Politik.
Der Islam gehört weder zu Deutschland, noch zu Europa und schon gar nicht an unsere Schulen. Er gehört bestenfalls in die Wüste, aus der er kam.

Interreligiöser Dialog mit kath.net-Lesern ii

kath.net-Leser, PI-Autor und Realitätsfan Herbert Klupp wünscht sich unter einem Artikel zum Thema Kirchenaustritte einen zünftigen Bürgerkrieg gegen eine herbeifantasierte muslimische Mehrheit:

Schrumpfen und wieder wachsen
Solange Deutschland ein ausgesprochener Wohlfahrtsstaat ist, werden die Austritte andauern und / oder noch zunehmen. Die Wahrheit ist wohl, daß „nur wenige“ berufen sind, nur wenige aus innerstem Erleben klar im Glauben sind, bewußte Christen, mutig im Bekennen, nur wenige die (katholische) Vollform des Glaubens praktizieren – seien es Priester oder Laien.

Wenn aber eine neue Notzeit kommt, wenn (in 80 Jahren?) ein deutscher (und europäischer) Bürgerkrieg sich anbahnt, wo die dann vorhandene Islammehrheit eine gewalttätige Antwort erfährt (was kein Christ sich wünscht !)
- dann wird auch die katholische Kirche einen RIESENZULAUF erfahren, einen Zulauf der „lauen“. Ist das wünschenswert ? Ja ! Ist es aber wichtig ??
Wir müssen das Richten Gott überlassen !!!

Danke für den Hinweis an Diskordianerpapst.

Das Kreuz mit dem Kreuz ii

Nachtrag: Obwohl idea den Fehler korrigiert hat und einige kath.net-Kommentare darauf hinwiesen, dass das Kreuz nicht „retuschiert“ wurde, hat kath.net den Artikel auch am 15. August noch nicht geändert.
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kath.net greift heute auf einen idea-Artikel zurück, der die Mär einer Islamisierung Europas befeuern will: Das Titelbild eines Werbeprospekts der Stadt Garmisch-Partenkirchen über Ausflüge zur Zugspitze sei retuschiert worden, um muslimische Urlauber anzulocken:

Deshalb ließen [die Tourismusbeauftragten] den arabisch-sprachigen Werbeprospekt neu gestalten. Dabei ließen sie auf dem Foto der Zugspitze das Gipfelkreuz weg retuschieren.

Und das ist schlicht und einfach falsch: Für den arabisch-sprachigen Prospekt wurde das Gipfelkreuz nicht per Computer entfernt, wie „weg retuschieren“ implizieren soll, sondern einfach ein anderer Bildausschnitt gewählt, auf dem das Kreuz nicht zu sehen ist. Zum Vergleich: Die französische Ausgabe und die kritisierte. Das wäre mit ein wenig Recherche selbst für kath.net herauszufinden gewesen. Stattdessen gibt man den Lesern nun erneut die Gelegenheit, sich in Verschwörungstheorien und Hetze gegen Muslime zu üben. „Waldi“ beispielsweise ist so erregt, dass er/sie keine Worte mehr findet:

Irrsinn ohne Grenzen.
Die Kreuze müssen weichen, um für den Islam im „christlichen Abendland“ die Invasion zu erleichtern und zu beschleunigen. Man findet keine Worte mehr!!!

Ähnlichkeiten zu dem hier dokumentierten Erguss des wegen Volksverhetzung angeklagten PI-Autos Michael Stürzenberger sind vermutlich rein zufällig.