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Noch eine vielversprechende Feindschaft

Es ist eine Binsenweisheit, dass diejenigen, die am schärfsten austeilen und andere Menschen mit Vorliebe verurteilen, gleichzeitig bei der leisesten Kritik besonders laut aufkreischen. Das Schönste: Sie bewahrheitet sich heute einmal mehr.

Passiert war Folgendes: In der gestrigen Printausgabe der österreichischen Tageszeitung Der Standard erschien ein Interview mit den Theologen David Berger und Paul Zulehner. Darin sprechen die beiden Theologen über den rechten Rand der Katholischen Kirche, christliche Homophobie und die Pfarrerinitiative. Auch kath.net wird thematisiert, was dort nicht ganz so begeistert aufgenommen wird.

kath.net beschwert sich nämlich heute über eine „Schlammschlacht“, listet allerlei angebliche Lügen Bergers und Zulehners auf und mokiert sich:

Besonders absurd und diffamierend ist die Unterstellung des emeritierten Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner, dass KATH.NET politisch und kirchlich am “rechten Flügel” stehe:
[…]
“Die sind überall, die sind ja manchmal auch zugleich in der FPÖ und zugleich bei kath.net. Es gibt keinen inneren kirchlichen Grund, sondern diese Leute nehmen sich aus der Religion das, was ihnen entspricht. Und das sind Moral und Ordnung”, urteilte Zulehner dann über Katholiken, die täglich versuchen, den Glauben in der Praxis zu leben. Auf die Standard-Frage, wie er denn die Leute charakterisiere, die hinter kath.net stehen, meinte Zulehner wörtlich: “Wir gehen mit Sicherheit davon aus, dass diese Gruppen politisch und kirchlich am rechten Flügel stehen. Nach allen Untersuchungen sind diese Personen mit dem Persönlichkeitsmerkmal Autoritarismus hoch ausgestattet. Sie setzen auf eine sehr rigide Moral. Nach außen zeigt es sich durch verbale Gewalttätigkeit. Wenn sie könnten, würden sie die Leute am Scheiterhaufen verbrennen. Die Scheiterhaufen werden jetzt aber medial errichtet, und zwar durch eine hochaggressive Sprache. Sie sind völlig intolerant: antisemitisch, antimuslimisch und fremdenfeindlich“.

kath.net muss einen nicht ganz unwesentlichen Teil der Frage überlesen haben: Zulehner wird nicht nur nach den Menschen hinter kath.net, sondern auch und vor allem nach den Betreibern von kreuz.net befragt. Und dass sich kreuz.net (oder wie es auf kath.net mitunter auch geschrieben wird: kreuznet) in einem christlichen Gottesstaat mit Freude ans Zündeln machen würde, ist weder eine besonders aufregende Spekulation, noch eine Beleidigung für kath.net. Für eine Klage müsste man Zulehner also erst einmal nachweisen, dass er die Wendung explizit auf kath.net bezog.

Vielleicht stört sich kath.net aber auch gar nicht so sehr an den Scheiterhaufen, als vielmehr an der Einstufung als „völlig intolerant, antisemitisch, antimuslimisch und fremdenfeindlich“. Auch hier gilt freilich: kreuz.net ist, anders als kath.net, offen antisemitisch und fremdenfeindlich. Dass kath.net aber nicht dem „rechten Flügel“, was ja übrigens eine vergleichsweise neutrale Formulierung ist und auch auf die CDU anwendbar wäre, angehören möchte, ist lächerlich. Es sei nur an den rechtsextremen Gastkommentator erinnert, dessen Texte kath.net wohl nur aufgrund der negativen Außenwirkung deaktivierte. Dem ORF zufolge teilte kath.net-Chef Roland Noé mit, an den Artikeln selber „allerdings nichts Bedenkliches“ gefunden zu haben. Gut, der Autor nannte Nicht-Rassisten auch bloß „geistige Brandstifter, Multikulti-Ideologen, Utopisten, Schönredner, Verharmloser, Dialogverweigerer und Ausgrenzer „unkorrekter“ Gegenmeinungen“ und arbeitete sich an Migranten ab, aber: Das hat doch überhaupt nichts mit den Attributen „antimuslimisch“ und „fremdenfeindlich“ zu tun!!

Jedenfalls stellt kath.net dann zu Zulehners „paranoia-ähnlichen Aussagen“ (kath.net) nüchtern fest:

Aufgrund dieser Aussagen lässt KATH.NET rechtliche Schritte gegen Paul Zulehner überprüfen. Zusätzlich wird auch eine kirchenrechtliche Anzeige gegen den Priester der Erzdiözese Wien derzeit von Anwälten überprüft.

Das von Roland Noé – oder wie wichtige österreichische Katholiken meinen: Roland? Nö! – geführte Linzer Portal kann sich eine weitere Spitze nicht verkneifen:

Wie meinte doch einmal ein wichtiger österreichischer Diözesanbischof im Gespräch mit Vertrauten: „Bei Zulehner werde ich zum Ablehner“.

Abschließend die Bitte an die Leser:

In eigener Sache: KATH.NET rüstet sich auch finanziell für die Anzeige gegen Paul Zulehner. Bitte helfen Sie uns durch eine Spende! Vergelt’s Gott

Als kath.net vor einigen Wochen bekannt gab, einen Rechtsstreit mit der Autonomen Antifa Freiburg führen zu wollen, freute ich mich hier über eine vielversprechende Feindschaft, bei der es nur Gewinner geben könne.

Das ist in diesem Fall anders: Falls es tatsächlich zu einer Klage gegen einen einflussreichen Intellektuellen wie Paul Zulehner kommen sollte, dürfte kath.net öffentlich vorgeführt und bloßgestellt werden. Schon aus diesem Grund handelt es sich beim aktuellen Artikel um kaum mehr als einen Bluff: Entschuldigt sich Zulehner, kann man sich öffentlich über die Genugtuung auslassen. Verläuft die Sache im Sande, kann sich kath.net als Underdog darstellen, der gegen das herbeihalluzinierte liberale katholische Establishment keine Chance habe.

Interview mit David Berger

Der Theologe David Berger war mehrere Jahre lang Teil der rechtskatholischen Szene und Herausgeber von ‚Theologisches‘. Er outete sich 2010 als homosexuell und deckte die menschenverachtenden Ansichten von Teilen der katholischen Kirche auf. 2011 entließ ihn der Kölner Kardinal Meisner aus seinem Beruf als Religionslehrer.
Im vergangenen Jahr erschien von ihm das Buch „Der heilige Schein“, in dem Berger mit den Rechten abrechnet.

Episodenfisch: Herr Berger, bei kath.net artikulierte sich vor einigen Monaten tatsächlich laute Wut, als der Österreicher Alfons Haider bei der Tanzshow „Dancing Star“ mit einem anderen Mann tanzte. Repräsentiert dieser irrationale Hass Ihrer Erfahrung nach große Teile der katholischen Kirche, oder ist es bloß eine besonders laute Minderheit, die dort ihrem Ärger Luft macht?
David Berger: Es ist gesamtkirchlich gesehen zunächst natürlich erst einmal nur eine kleine Minderheit – das Problem ist jedoch, dass kath.net und seine größere Schwester kreuz.net genau den neuen Kurs Roms und der ihm treu ergebenen Bischöfe fahren: hier hat ein strammer Neo-Anti-Modernismus Einzug gehalten, der mit teils diktatorischen Mitteln durchgesetzt wird. Im Unterschied zum Anti-Modernismus des frühen 20. Jahrhunderts ist er nämlich keineswegs technikfeindlich, sondern hat sich in der modernen Medienwelt erfolgreich eingenistet.
Das Kirchenvolk denkt natürlich anders als die Führungsetage und deren Propagandamedien. Aber wen interessiert das in der Amtskirche schon? Das ist doch nur die disponible Masse, die beim Papstbesuch in Berlin jubeln, die Kirchensteuer zahlen und – wenn es Frauen sind – die Kirchen putzen und möglichst viel katholischen Nachwuchs auf die Welt bringen soll. Was Sache ist, bestimmen einige wenige Kardinäle zusammen mit dem Papst, die nach dem Motto handeln: Die Kirche sind wir …

Wie sehr traf bzw. überraschte Sie die Begründung Ihrer Amtsenthebung durch das Kölner Erzbistum? Dort hieß es, Sie würden „in Lehre und Lebensführung mit den moralischen und gesetzlichen Normen der Kirche nicht übereinstimmen“.
Dass es so kam, hat mich nicht überrascht. Ich habe dies ja genau in meinem Buch aufgezeigt: wer heimlich das wildeste Leben führt, wird toleriert, so lange er loyal ist. Sobald er illoyal wird, wird sein eifrig ausspioniertes Privatleben als Erpressungsmittel eingesetzt. Und wenn er dann auch noch selbstbewusst ehrlich auftritt und dadurch die Erpressungsmöglichkeit wegfällt, wird er gnadenlos diszipliniert. Es zeigt das durchaus Kafkaeske der ganzen Situation, dass ich genau für das Buch „Der heilige Schein“, in dem ich diese These vertreten habe, diszipliniert wurde. Kardinal Meisner hat also mit seinem Vorgehen – coram publico – den Beweis geliefert, dass ich mit der Grundaussage meines Buches recht habe …
Was mich überrascht hat, dass Kardinal Meisners Schritt auch als das Anbiedern eines Kardinals erzreaktionäre Internetseite mit einem selbst kirchenrechtlich gesehen fragwürdigen Hintergrund gesehen werden muss, die diesen Schritt gefordert haben. Schämt sich der Kardinal nicht, sich zum Handlanger perfider Fanatiker, die selbst Johannes Paul II. als Modernisten beschimpfen, zu machen?

Als Sie im vergangenen Jahr mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit traten, stellte ich mir, wie vermutlich viele andere, die Frage, wieso sie sich der katholischen Kirche noch immer verbunden fühlen. Nachdem Kardinal Meisner Sie nun von Ihrem Beruf als Religionslehrer „befreite“, frage ich mich noch mehr als zuvor: Wieso tun Sie sich das an und wechseln nicht einfach zur evangelischen Kirche, die in Sachen Homosexualität ja als fortschrittlicher gilt?
Ich habe meine Homosexualität nie als entscheidend im Hinblick auf meine konfessionelle Gebundenheit betrachtet. In einer Kirche freilich, die den Kampf der Homosexualität zu ihrem wichtigsten Ziel und Kernpunkt ihres Glaubens macht, während ihre eigenen Diener bis in höchste Ränge diese heimlich praktizieren, kann ich mich schwer zuhause fühlen. Mein Kirchenbild geht aber weit über diese Herrschaft homphob-homophiler Kleingeister hinaus, die die derzeite Situation – gut ablesbar an kath und kreuz.net – bestimmt.

Ist es überhaupt noch zeitgemäß und sinnvoll, dass die Kirchen Religionslehrer selbst bestimmen können?
Nein, das ist natürlich ein mittelalterliches Modell, das eine Überordnung der Kirche über den Staat – zumindest noch für einige Fragen – tradiert. Das mag in den 50er Jahren der Adenauer-Ära, wo es noch eine deutliche kirchliche gebundene Majorität in der Bevölkerung gab und wo Restbestände faschistisch angehauchten Denkens und ein verstaubter Konerservativismus der katholischen Kirche noch einen großen Raum gönnten, eine gewisse Berechtigung gehabt haben. Angesichts der Tatsache, dass die katholische Kirche zahlenmäßig wesentlich unbedeutender geworden ist, dass diese Gruppe sich zunehmend von den Werten entfernt, die unsere offene Gesellschaft prägen, ja diese Werte – wo es um Toleranz und Gleichberechtigung aller Menschen geht – direkt bekämpft und so zunehmend einen sektenhaften Charakter gewinnt, müssen diese Privilegien einfach neu diskutiert werden.

Nachdem Sie aus dem Amt entfernt wurden, solidarisierten sich große Teile Ihrer Schüler mit Ihnen, es gab Demonstrationen für Sie. Welche Hoffnungen haben Sie, dass Kardinal Meisner seine Entscheidung überdenken könnte?
Kardinal Meisner hat sich offensichtlich in seiner Sakristei versteckt, als die immerhin gut 500 Personen starke Demonstration an seinem Amtssitz vorüberzog. Die Bedürfnisse des Kirchenvolkes interessieren ihn schon lange nicht mehr. Er lebt in seiner ganz eigenen katholischen Männer- und Märchenwelt, die ihre Informationen und Argumentationsmuster v.a. von kath. und kreuz.net bezieht …

Viel Wirbel entfachte auch Ihr Interview mit einem Gay-Magazin, in dem Sie Gerüchte ansprachen, der Papst sei eventuell selbst homosexuell. Bei kath.net mutmaßte man daraufhin, dass Sie der Kirche schaden wollten. War Ihnen nicht klar, dass Sie mit den Aussagen Ihre Position nicht unbedingt verbessern würden?
Ja, das war es mir. Je ehrlicher und weniger diplomatisch man mit solchen Themen in der real existierenden katholischen Kirche umgeht, umso mehr muss man damit rechnen, dass man diszipliniert wird: Offenheit und Ehrlichkeit ist das schlechteste, was man machen kann. Nur mit Scheinheiligkeit und Bigotterie kommt man weiter … Aber nachdem ich so lange bei dieser Bigotterie mitgemacht habe, bin ich jetzt in solchen Dingen besonders pedantisch, auch wenn es mir dann Schläge einbringt. Verwundert hat mich freilich, dass es auch in Teilen der schwulen Welt ein Entsetzen über dieses offene Wort und dann sogar ein gewisses Einverständnis mit Meisners Schritt gab. Besonders eine seltsame Buchbesprechung in der jüngsten „Du&Ich“ von einem homosexuellen Journalisten hat sich hier hervorgetan. Von einem Schreiber, der stolz Bilder von sich bei einer Papstaudienz präsentiert und aus seiner Freundschaft zu Martin Lohmann, dem erzkonservativen CDU-Mitglied und engen Mitarbeiter Kardinal Meisners, kein Hehl macht. Dieser Artikel scheut sich nicht einmal Äußerungen, die ich nie getätigt habe, frei zu erfinden und als direkte Zitate von mir auszugebe.

Sie sprechen in Interviews besonders häufig über das offensichtlich antisemitische und rassistische Portal kreuz.net, das ja eine gewisse Feindschaft zu kath.net inszeniert. Ist kath.net vielleicht noch gefährlicher, weil es die homophoben Äußerungen in akzeptablere Worte fasst, und statt Holocaustleugnung nur Sarrazins mehrheitsfähige Islamophobie zelebriert?
Sie haben richtig davon gesprochen, dass diese Feindschaft inszeniert ist. Es ist doch auffällig, dass meine Bitte an kath.net (zu der Zeit als man von deren Seite mich immer wieder um Mitarbeit angefragt hat!), sich deutlich und unüberhörbar von kreuz.net zu distanzieren, dort auf taube Ohren gestoßen ist. In Wirklichkeit sagt doch kreuz.net nur undiplomatisch und mit dem Barbarismus des Vulgärtraditionalismus, was kath.net eher verschleiert ausdrückt, um die Gelder, die man von kirchlichen Spendensammlern und aus Kirchensteuermitteln erhält, nicht aufs Spiel zu setzen. Aber jeder, der zwischen den Zeilen lesen kann, versteht sehr wohl, dass man bei der kleinen Linzer Schwester kaum anders denkt als beim pianischen Kreuz.net. Durch dieses diplomatische Verschleiern wird kath.net nicht nur langweiliger, sondern natürlich auf für die Neo-Konservativen attraktiv – daher ja auch dir größeren Geldsummen, die kirchlich anerkannte Vereinigungen an diese Seite fließen lassen und die Bewunderung Benedikts XVI und Meisners für diese Seite.

kath.net gilt als sehr papsttreu und ist vermutlich überaus glücklich darüber, in Benedikt einen extrem konservativen Papst zu haben. Gibt es aussichtsreiche Kandidaten für seine Nachfolge, die die Situation von Homosexuellen in der Kirche verbessern könnten und die generell liberalere Position vertreten?
Nein, alle Vaticanisti, mit denen ich gesprochen habe, sagen: der nächste Papst wird wohl aus Afrika und Lateinamerika kommen. Er wird vielleicht in Sachen tridentinische Liturgie (je nach seinem persönlichen Ästhetizismus, der auch mit seiner sexuellen Veranlagung zusammenhängt) die Äste wieder etwas zurückschneiden, wenn er merkt, wie die Tridentisierung der Liturgie die Kirchen rapide leert. Aber er wird gerade in moraltheologischen Fragen noch konservativer als sein Vorgänger sein – und damit die Kirche in Europa weiter „gesundschrumpfen“. Das heißt , sie wird dann auch in Deutschland noch mehr zu einer Art traditionsreicher Sekte werden. Die Politiker, die jetzt noch zum allergrößten Teil hinter der aus dem vergangenen Jahrhundert stammenden Zuordnung von Staat und Großkirchen stehen – werden dann immer mehr in Erklärungsnöte kommen, wenn man sie fragt, warum diese Gruppe eine der privilegiertesten überhaupt ist …

Was kann man in dieser Situation tun?
Natürlich kann man bei den Kirchenoberen protestieren, man wird bei dem Papstbesuch im Herbst in Berlin ein eindeutiges Zeichen setzen können gegen die Glorifizierung eines teilweise menschenverachtenden Papstes, die von Bild bis kreuz. und kath.net betrieben werden wird. Aber aus meiner Arbeit in der katholischen Kirche bis hinein in den Vatikan weiß ich, dass man dort solche Aktionen, die zwar in den Medien gewürdigt werden, einfach ignoriert und sich in sein Weihrauchmilieu zurückzieht. Das einzige, was die Kirchenoberen wirklich berührt ist, wenn Gelder und Privilegien entfallen. Ein deutliches Votum auf den Amtsgerichten wäre hier tatsächlich etwas, was zum Umdenken zwingen würde. Dabei darf man nie vergessen: ein Abmelden von der Kirchensteuer bedeutet nach dem Kirchenrecht nicht automatisch einen Kirchenaustritt. Man kann als durch aus vor einer staatlichen Stelle diesen erklären und damit Männern wie Meisner und indirekt Seiten wie kath.net den Geldhahn abdrehen und dennoch Mitglied der Kirche bleiben.

Vielen Dank für das Interview!

Link zur Quelle des Bildes

Ach schrein / schwach sein

Dass kath.net mit dem homosexuellen Theologen David Berger eine gewisse Feindschaft pflegt, kann man u.a. hier, hier oder hier nachlesen.
Oder man kann die Hassliebe direkt in einem neueren Artikel auf kath.net entdecken. Süffisant wird eine Mahnwache für Berger mit vier Teilnehmern zur „Großdemo“ erklärt und angedeutet: Nicht mal mehr die ‚linkslinken‘ Grünen stehen hinter ihm:

Ganze vier Personen beteiligten sich am vergangenen Wochenende bei einer Demo der „Grünen Jugend“ vor einer katholischen Kirche, die Kardinal Meisner besuchte, einer davon der Ex-Religionslehrer David Berger

Der umstrittene Kölner „Homo“-Theologe David Berger hat bei der am vergangenen Wochende vor der Kirche Sankt Mariä Himmelfahrt gemeinsam mit der „Grünen Jugend“ gegen den Kölner Kardinal Joachim Meisner demonstriert und diesen Intoleranz vorgeworfen. Der Anlass ist leicht erklärbar: Meisner hatte vor einigen Tagen genug von den unbarmherzigen Angriffen von Berger auf die katholische Kirche und diesen nach zahlreichen Protesten als Religionslehrer abgesetzt. An der Demo beteiligten sich übrigens laut einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers genau 4 Personen.

Schwer zu sagen, was man an diesem überschaubaren Textchen zunächst anmerken sollte. Vielleicht, dass eine Wochen zuvor stattfindende Demo pro Berger je nach Quelle / Quelle zwischen 200 und 500 Menschen auf die Straße bewegte. Insofern ist die implizite Andeutung, dass Berger kaum Fürsprecher hätte, Quatsch. Auf der dazugehörigen Facebookseite tummeln sich übrigens respektable 1.200 Personen, immerhin nur knapp 400 weniger als die Seite von kath.net an Fans aufweisen kann.
Desweiteren könnte man ansprechen, dass Mahnwachen – und eine solche war es – traditionell schlecht besucht sind; dass die vier Personen auch zeigen könnten, dass die grüne Jugend abseits von Atomkraft so ihre Probleme mit der Mobilisierung von Unterstützern hat.

Zudem ist die Behauptung, Berger habe „unbarmherzige Angriffe […] auf die katholische Kirche“ getätigt, natürlich Schwachsinn, kommt aber eben von einer Seite, die Kritik nicht duldet und daher gewissermaßen kriminalisiert.

Natürlich haben auch die Leser eine Meinung zu David Berger und der Demonstration – „st.michael“ überrascht mit einer seltsamen Kampfschrift, die begeistert Goebbels zitiert und wirr mit Zahlen hantiert:

Großdemo
Also sie alle können ja gar nicht rechnen !!!!!
Wenn man die 4 Personen 10.000 mal durch die Kamera flitzen läßt, multipliziert mit „Spiegel“ und „Stern“ „Zeit“ und „Süddeutsche“
sind das schon 40.000 !
Ist das keine Großdemo ?
Wenn aber Hunderttausende mit dem hl.Vater auf dem Petersplatz weilen um Hl.Messen, Audienzen etc. zu feiern, wird das gar nicht erwähnt oder lapidar abgetan: Einige Tausend Pilger……………………..
So ist das in der Presse heute !
Gruß aus Goebbels Grab: “ Je größer die Lüge und je öfter sie wiederholt wird, desto sicherer wird sie geglaubt “
Recht hatte er, leider !

„frajo“ immerhin lässt sich davon begeistern und antwortet:

Irgendwie komisch? – Finde ich nicht unbedingt!
Wenn die Presse davon Notiz nimmt, dann kann es durchaus auch eine Meldung wert sein. Gerade auch dann, wenn das ganze Lügengespinst um Teilnehmerzahlen – in Essen bei der Love-Parade waren 1,5 Mio. Teilnehmer kolportiert worden, nach amtl. Mitteilungen waren es ganze 15 % davon. Wo bitte bei linken Veranstaltungen etc. ist es anders? Sie haben recht, solche „Veranstaltungen“ sollte man nicht so großartig beachten, fallweise ist es aber doch nötig, die Verhältnisse zurechtzurücken.

Und „waldi“ findet:

Diese „Großdemo“…
wird den Kardinal Meisner „schwer erschüttert“ haben. Mit dieser kläglichen Demo hat Berger unmissverständlich bewiesen, wie tief er gesunken ist und wie untauglich er für den Religionsunterricht und wie entbehrlich er für die katholische Kirche geworden ist. Kardinal Meisner ist kein mediensüchtiger Schwarmgeist, sondern ein im Kampf gegen den Atheismus in der ehemaligen DDR erprobter und standfester Kirchenmann, dem das Homo-Geseusel von Berger nichts anhaben kann. Aber dass sich Berger ausgerechnet bei der kirchenfeindlichsten Partei, den Grünen, Schützenhilfe im Kampf gegen die katholische Kirche holt, ist schon ein dicker Hund.

Wir basteln uns einen Skandal ii

Es ist schon unterhaltsam, was im rechtskatholischen Dunstkreis so zum Skandal aufgebauscht wird: Der homosexuelle Theologe David Berger, den kath.net schon aus / Prinzip nicht so toll findet, äußerte in einem Interview mit „FRESH“, dem „Queer-Mag für NRW“, dass es Gerüchte gebe, denen zufolge der Papst Benedikt XVI möglicherweise homosexuell sein könnte. Berger wörtlich:

Wenn man sich mit Theologen privat unterhält, dann sagen fast alle: Natürlich ist Ratzinger homosexuell veranlagt. Er kommt aus einer kirchlich geprägten Kultur, in der das ein absolutes Tabu ist. Was er bei sich hasst, projiziert er auf andere und bekämpft es. Und das kann er jetzt als Papst mit offiziellen Dokumenten machen.

Ob der Papst nun homosexuell ist bzw. war, lässt sich letztlich natürlich nicht belegen, unterstellen wir zu seinen Gunsten einfach, dass er Schwule aus vollem Herzen hasst und nicht etwa tiefenpsychologische Aspekte zu seiner Homophobie beitrugen.
Feststellen hingegen kann man, dass Berger selbst keinesfalls behauptet, dass Ratzinger schwul (gewesen) ist, er zählt lediglich Vermutungen auf, die er gehört haben will.

Was kath.net nun dazu veranlasst haben mag, den hysterischen Artikel zum Thema mit dem Crazy Frog zu bebildern – ist das nun Trotz, Verzweiflung oder einmal mehr Zeichen der Verachtung aller Homosexuellen? Soll Berger zum Crazy Frog herabgewürdigt werden, um seine Aussagen – statt auf sie einzugehen – zu diskreditieren?
Either way, kath.net hält sich nicht lange damit auf, die Fakten aufzuzählen und erklärt stattdessen:

Der im Erzbistum Köln noch immer als Religionslehrer tätige Homo-Aktivist David Berger hetzt weiterhin gegen Papst und Kirche. In einem Interview mit einem einschlägigen Schwulenmagzin aus Deutschland (Fresh-Magazin, April 2011) verbreitet er jetzt sogar über Papst Benedikt XVI. verleumderische Ansichten und behauptet, dass dieser „homosexuell veranlagt“ sei.

Abgesehen von der Frage, wieso Roland Noé wohl mit einem „einschlägigen Schwulenmagazin“ hantierte, ist dieser Absatz natürlich mehrfach Blödsinn. Berger „hetzt“ nicht, er zählt bloß die gehörten Gerüchte auf; er „verbreitet“ keine „verleumderischen Ansichten“ über den Papst. Und er „behauptet“ nicht, dass Benedikt „homosexuell veranlagt sei“.
Auch zu der von Berger angeführten Journalistin Valeska von Roque fällt kath.net ein Weg ein, ihre Kenntnisse klein zu schreiben:

Im Vatikan ist die Frau allerdings nicht als „Vaticanista“ bekannt. Literarisch fällt die „Spiegel“-Korrespondentin vor allem mit Sachbüchern zu wirren Verschwörungstheorien über den Vatikan sowie als Romanschriftstellerin auf

Das ist insofern lustig, als dass kath.net dann und wann Artikel Michael Hesemanns druckt. Der ist seines Zeichens Autor von Sachbüchern zu wirren Verschwörungstheorien über den Vatikan („Der Papst, der Hitler trotzte. Die Wahrheit über Pius XII.“, „Das Fatima-Geheimnis: Marienerscheinungen, der Papst und die Zukunft der Menschheit“).

Die kath.net-Leser jedoch nehmen die Steilvorlage gerne an und schreiben, wie man das so kennt, gekonnt am Thema vorbei. „st.michael“ etwa lässt nicht lange auf die erste kleine, aber feine Beschimpfung warten:

Sofort rausschmeißen
Ohne weiteren Kommentar.
Hetzer haben wir genug, die Weitergabe von katholischem Religionsgut ist mit solchen Aussagen unvereinbar.
Entzug der Lehrbefugnis und tschüssssssssss
Auch keine Kommentare und Beleidsbekundungen für dieses A………..h

„a.t.m“ findet etwas anderes übel:

Die Krise der Kirche ist die Krise der Bischöfe.
Und diese Weisheit wird immer offensichtlicher, denn wie kann es sein das dieser Homosexuelle noch immer als Religionslehrer wirken kann

„Dismas“ fällt ein ziemlich guter Vergleich ein:

Dieser Mensch als Religonslehrer!
Das ist für den Glauben so, als würde man einen Selbstmordattentäter in einem AKW freie Hand lassen!!

„Kajo“ merkt an:

Kann man
einem großartigen Menschen nicht das Wasser reichen, hängt man ihm etwas an nach dem Motto: irgend etwas wird ja schon hängen bleiben. Es ist einfach nur noch traurig zu was für Mitteln die Gegner des Glaubens noch alles greifen.

Wieso die vermeintliche Behauptung der Homosexualität durch einen Homosexuellen eine Schmähung sein soll, erschließt sich nicht direkt – ebenso scheint „qwery“s Erkenntnis nicht unbedingt zwingend:

Ein weiterer Beweis dafür
das diese Menschen echt nicht mehr Normal im Kopf sind.

„Noemi“ schließt sich trotzdem an:

da hat nur
einer sich geoutet- nämlich der Herr Berger-als typischer Vertreter seiner angeblich so normalen Verhaltensstörung. Voller Haß -voller Tücke, Bösartigkeit und von ekelerregend schlechtem Charakter. Das Gift und die Galle , die er in die Welt spritzt sind nur Symptome seiner Krankheit . Wir dürfen erwarten , daß vor dem Besuch des Hl. Vaters noch mehr Nagetiere der bestimmten Art aus ihren Löchern gekrochen kommen um das Licht und die Aufmerksamkeit der Medien zu suchen.

„krzyzak1099″ findet:

zu wenig…
Diesen Kerl raus zuschmeißen und zu exkommunizieren ist eindeutig viel zu wenig.

Es bleibt zu hoffen, dass die drei Punkte nicht auf einen Plan hindeuten.
„M.Schn-Fl“ übt sich in Psychologie von außen und zeigt, wie wenig rechte Christen eigentlich über Homosexuelle wissen:

Es gibt Homosexuelle, die einfach nicht verstehen können, dass es Männer gibt, die von dieser Veranlagung nichts aber auch gar nichts haben. Diese Vorstellung ist ihnen einfach nicht zugänglich. Offensichtlich gehört auch Berger dazu.

„Gandalf“, also Noé himself, äußert sich sodann:

Gewisse Homoaktivisten sind eigentlich ein anschauliches Beispiel, wohin es führt, wenn der Mensch nur mehr triebgesteuert „nachdenkt“ und das Denkvermögen in untere Regionen rutscht.

Hihi! Ist lustig, weil die Schwulen ja nur an Sex denken! Sex? Kennste? Kennste?
„st.michael“ hat noch einen klugen Einwurf:

Hätte dieser Feigling einen führenden Juden oder Moslem beleidigt was wäre jetzt hier wohl los ?

Ist aber nur der Papst, da sind wir tolerant !

„Wolpertinger“ weiß auch nicht so recht, wohin mit dem angestauten Hass:

Es ist bezeichnend wie die Homosexualität doch das Gehirn ausschaltet.

Herr David Berger war vor seinem Outing ein angesehener und papsttreuer Thomist und Mitherausgebr der renommierten Zeitschrift Theologisches.

Doch seitdem seine widernatürliche Unzucht bekannt wurde, übersteigt er sich immer wieder in neuen Haßtiuraden gegen Papst und Kirche

zutiefst krank solche Menschen!

Herr Berger ist sich auch nicht zu primitiv genug an dem Film des bekannten Homos Rosa von Praunheims Höllenfahrt mitzuwirken

„Apfelkuchen“ haut in die selbe Kerbe wie Noé:

Vor dem Untergang
… versuchen die noch alles und jeden mit sich zu reissen.
Das Phänomen ist bekannt.

Deshalb verzichtet auch andere gerne auf solche Typen, die ausschliesslich mit dem Geschlechtsteil denken.

„mhesemann“, also mutmaßlich Michael Hesemann, findet das alles „perfide!“:

Der Infamie und Perfidie des offensichtlich psychisch kranken Kölner Religionslehrers D. Berge rsind offenbar keine Grenzen gesetzt.
[…] Tatsächlich zeichnete sich Kardinal Ratzinger nur durch einen tiefen, gelebten Glauben, eine große Bescheidenheit, die an Schüchternheit grenzt und eine völlige Verachtung aller Exzesse aus – selbst bei jenen, die im Vatikan geduldet sind, nämlich gutem Essen und gutem Wein. Er aß wie ein Spatz und trank Fanta! Ein bißchen Menschenkenntnis, dann wird offensichtlich, dass ein solcher Mensch nie in der Lage wäre, sich verabscheuungswürdigen sexuellen Praktiken hinzugeben, da es seiner Leitlinie der Selbstbescheidung und Disziplin zuwider wäre. Wahr ist, dass er wie jeder Papst und wie jeder Katholik Homosexualität als widernatürlich und sündhaft verurteilt – nicht in Abwehr eigener Neigungen, sondern in Einklang mit den ewig gültigen Lehren der Kírche.
Bei Berger liegt also wieder einmal die typische Projektion der Homos vor – sie sehen die ganze Welt durch ihre rosa Brille, sie können garnicht anders, als alles nach den Kriterien ihrer Neigung zu sehen – was allein schon Indiz für eine psychische Störung ist: „Dem Schwulen ist alles schwul!“ Dabei sei daran erinnert, welch falsches Spiel er selbst spielte, als man aus seiner faceboo-Seite schloß, dass er Kontakte zur Homo-Szene unterhielt (was angesichts der vielen Fotos halbnackter, muskelbepackter Künglinge in seiner Freundesliste nicht allzu schwer fiel). Zunächst bestritt er eben dies, um dann, mit einem großen Paukenschlag, sein Outing zu vermarkten. So handelt kein integrer Mensch! Es ist ein Skandal, dass ein derart gestörter Mensch als Lehrer auf Kinder losgelassen wird, noch dazu im Fach Religion, das Orientierung geben soll. Da ist dringendst Abhilfe zu schaffen!

Es ist einerseits lustig, derart weltfremde Zeilen zu lesen, wie Homosexuellen „verabscheuungswürdige sexuelle Praktiken“ unterstellt werden. Andererseits ist es erschütternd, dass Hesemann als dem Vatikan nahestehender Journalist so einen Unfug schreibt – und damit wird offenbar, wie wichtig Bergers Öffentlichkeitsarbeit ist. Und wenn es nur dazu beiträgt, homophobe Idioten bloßzustellen.

Bergerpredigt

Es gibt mehrere Wege, um mit Kritik an der Kirche umzugehen. Man kann sachlich argumentieren, man kann schweigen. Und man kann persönlich werden. Es ist wenig überraschend, dass sich kath.net in der Causa David Berger nicht für den sachlichen Umgang entschieden hat. David Berger ist ein homosexueller katholischer Theologe, der irgendwann die homophoben Anfeindungen nicht mehr aushielt und einige Dinge öffentlich machte, die nach dem Willen rechter Katholiken lieber im Dunklen geblieben wären.

Der homosexuelle Theologe wettert seit Tagen gegen die Lehre der Kirche und versucht sein „Homo-Leben“ zu rechtfertigen […]
Wird der umstrittene Kölner Theologe David Berger seinen Job als katholischer Religionslehrer im Erzbistum Köln verlieren, nachdem er sich vor einigen Monaten als praktizierender Homosexueller geoutet und jahrelang ein Doppelleben geführt hat? […]
Berger verbreitet seit einigen Tagen medial seine obskuren Thesen. Eine seiner unbewiesenen Thesen lautet beispielsweise laut „Spiegel“: „Es muss anerkannt werden, dass ein großer Teil der katholischen Kleriker und Priesteranwärter in Europa und den Vereinigten Staaten homosexuell veranlagt ist“.

Bezeichnend, dass sich kath.net hier auf vergleichsweise unwichtige Vorwürfe Bergers stürzt – und beispielsweise den Folgenden ausklammert:

Am Tisch wurde über homosexuelle Priester gesprochen, die angeblich ein Netzwerk zur Unterwanderung der Kirche von innen betrieben. Dann erweiterte die Runde das Thema auf alle Schwulen und bemerkte ganz frei, wie katastrophal sich die Abschaffung des Paragrafen 175 ausgewirkt habe. Man könne über das „Dritte Reich“ ja denken, was man wolle, damals jedenfalls habe man das Problem zu lösen verstanden. Sollte heißen: ein kaum kaschiertes Einverständnis mit dem Terror der Nazis, die Schwule und Lesben in KZs gesperrt und ermordet hatten.

User „mystic“ fasst das rechtskatholische Unverständnis zusammen:

David Berger ist nicht tolerant. Er ist nur rachsüchtig.

Und informiert sodann dankenswerterweise noch:

übrigens, ich habe sein Buch über Neothomismus gelesen, blödes Geschwätz.
Habe dort nichts gefunden, was interessant wäre.

Und „M.Schn-Fl“ wünscht Berger immerhin alles Gute – was sich im Kontext des Posts allerdings relativiert:

So sehr entsetzt und enttäuscht von seiner jetzigen Haltung bin um so weniger werde ich doch das Gute vergessen, was er geschrieben hat vor allem sein aufrechtes Bemühen um die Lehre des heiligen Thomas von Aquin. Möge dieser ihm Befreiung, Reinigung, Heilung und Heiligung am Thron der Liebe erflehen. Und möge dieser dieser engelgleiche Lehrer der Kirche ihm Schutz erflehen und gewähren vor all der Lieblosigkeit, die ihn nur noch weiter in das dunkle Loch der Homolobby treiben kann.