Archiv der Kategorie 'Bischof Andreas Laun'

Andreas Strg+C Laun

Man konnte Andreas Laun bislang, bei allen sachlichen Differenzen, selten mangelnde Kreativität vorwerfen. Die immergleichen Hasstiraden gegen Homosexuelle oder Migranten mit falscher Religion waren in formvollendete Märchen verpackt, seine Beiträge gegen Abtreibung bestanden bisweilen aus leicht veränderten Nazi-Pamphleten.

Doch jetzt bröckelt die Fassade des konservativen Saubermanns: Plagiiert der Salzburger Weihbischof, um sein strammes Pensum erfüllen und die kath.net-Leser Woche für Woche mit gleischsam tiefsinnigen wie scheinheiligen Klartexten nerven versorgen zu können? Ist der Mann, dem auf Fotos schon mal ein Heiligenschein aus dem Kopf wächst, ein Hochstapler? Ein ungeheuerlicher Verdacht.

Launs aktuellster Erguss über „Homosexuelle, eine Gehirnwäsche und die Frage nach der Diskriminierung“, vor einigen Tagen übrigens bereits auf Andreas Unterbergers berühmt-berüchtigtem Blog erschienen, wirkt wie eine Zusammenstellung seiner schönsten Tiraden gegen Schwule und Lesben: „Die Medien“ wollen „uns gute Katholiken“ umerziehen, „die Presse“ bombadiert „uns“ mit dem Thema Homosexualität. Die eigene Fixierung (und Faszination) wird dabei natürlich nicht reflektiert. Stattdessen poltert Laun in altbewährter Manier: Pädophilie und Homosexualität seien eng miteinander verbunden, beschwört Laun da beispielsweise unter Berufung auf freilich ungenannt bleibende „viele Psychologen und Psychiater“. Er erinnert daran, dass Homosexuelle eigentlich gar nicht an einer Heirat interessiert seien. Als Beleg dient ihm dabei ein anonymer Franzose, der offenbar für alle sprechen kann.

Tatsächlich wirkt dieser Klartext nicht nur wie ein Launsches Best of, es ist auch eines. Andreas Laun schreibt von sich selbst ab.

Am 2. April 2013 schrieb Laun auf kath.net:

Homosexuelle Menschen sind eine Minderheit, aber natürlich haben sie im öffentlichen Leben alle Rechte, die ihnen wie jedem anderen Menschen zustehen. Soweit so gut!

Heute schreibt er:

Menschen mit homosexuellen Neigungen sind eine Minderheit. In einem Rechtsstaat haben sie natürlich alle Rechte, die auch jedem anderen Menschen zustehen. Soweit so gut.

Am 2. April 2013 schrieb Laun:

Aber jetzt werden wir Zeugen und Opfer einer Dauer-Gehirnwäsche, an deren Ende stehen soll: Wir müssen „überzeugt“ sein, dass Menschen mit homosexuellen Neigungen diskriminiert werden, und wir Andere sind schuld daran! Ja, sollten wir Heterosexuellen denken, die Neigung sei nicht der Natur entsprechend, sind wir eigentlich geisteskrank und, mehr noch, moralisch schlechte Menschen. Wir sollten uns entweder unterwerfen, oder eine Therapie über uns ergehen lassen oder bestraft werden, je nachdem.

Heute schreibt er:

Aber jetzt werden wir Zeugen und Opfer einer Dauer-Gehirnwäsche für nicht-homosexuelle Menschen, an deren Ende stehen soll: Sie, wir alle, müssten „überzeugt“ sein, dass Menschen mit homosexuellen Neigungen ständig diskriminiert werden und dass wir anderen die Täter sind.

Sollten wir Heterosexuellen auch nur denken, die homosexuelle Neigung sei nicht der Natur entsprechend, machten wir uns bereits der Diskriminierung Homosexueller schuldig, dann sind wir unmoralisch oder geisteskrank. Wir sollten uns entweder dem, was „man im 21. Jahrhundert politisch korrekt zu denken hat“, unterwerfen, eine Therapie über uns ergehen lassen oder bestraft werden, je nachdem.

Am 2. April schrieb Laun:

In den letzten Monaten verging wohl kein Tag, an dem nicht in einem der deutschsprachigen Sender über Adoption durch Homosexuelle „diskutiert“ wurde.

„Diskutiert“? Nein, es waren und sind Propagandaveranstaltungen, Schaukämpfe, bei denen auf Grund einer geschickten Regie die „Sieger“ von vornherein feststehen wie bei einem Stierkampf! Die Gehirne der Zuschauer sollen „gewaschen“ werden: Zuerst gereinigt von ihren „Vorurteilen“, dann neu gefüllt mit der Ideologie, die die homosexuelle Neigung als „normal“, „gesund“, „wünschenswert“ dogmatisieren will. Sachliche Argumente dagegen spielen keine Rolle, weil das Ganze ja auch Unterhaltungswert haben soll und wirkliche Bildung und Suche nach Wahrheit nicht gefragt sind!

Heute schreibt er:

In den letzten Monaten verging wohl kein Tag, an dem nicht in einem der anderen deutschsprachigen Sender über Adoption durch Homosexuelle „diskutiert“ wurde. „Diskutiert“? Nein, es waren und sind Propagandaveranstaltungen; Schaukämpfe, bei denen auf Grund einer geschickten Regie die „Sieger“ von vornherein feststehen wie bei einem Stierkampf der Matador. Und dabei werden die Gehirne der Zuschauer „gewaschen“: Zuerst gereinigt von ihren „Vorurteilen“, dann neu gefüllt mit der Überzeugung auf der politisch richtigen Seite zu stehen, wenn sie die homosexuelle Neigung für „normal“, „gesund“ und sogar „wünschenswert“ halten. Sachliche Argumente dagegen spielen keine Rolle, weil das Ganze ja auch Unterhaltungswert haben soll und wirkliche Bildung und Suche nach Wahrheit nicht gefragt sind.

Am 2. April schrieb Laun:

Zwar sagte ein französischer Homosexueller öffentlich, „wir Homosexuelle“ wollen gar keine Kinder und auch keine dauerhafte Treue. Nun, er mag nur eine Stimme sein, aber wahr bleibt: Es geht offenbar um ein ideologisches Prinzip, nicht um sachgerechtes Urteilen. Denn bei der Adoption geht es um das Wohl der Kinder, nicht darum, kinderlosen Paaren eine Freude zu machen.

Heute schreibt er:

Ein französischer Homosexueller meinte: „Wir Homosexuelle wollen gar keine Kinder und auch keine dauerhafte Treue… […]

Sind das Argumente, die überzeugen? Vielleicht einige, aber vermutlich nur wenige. Denn die Ideologie will man durchsetzen, sachgerechtes Urteil ist nicht gefragt. Darum auch der Kampf um die Adoption von Kindern. Als ob nicht für alle klar sein müsste: Bei der Adoption geht es nicht darum, kinderlosen Paaren eine Freude zu machen, sondern um das Wohl der Kinder und ihre gesunde Entwicklung.

Am 2. April schrieb Laun:

Die Verantwortlichen und dann auch die Medien tun so, als sei die genannte Minderheit und ihre Stellung das Hauptproblem der Welt von heute. Und so vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Sender ein Homosexuellen-Thema abhandelt und zugleich vorgibt, „Was man denken sollte“ und kein Tag, indem nicht ein Printmedium mit einer Schlagzeile in der gleichen Richtung zuschlägt.

Heute schreibt er:

Die Verantwortlichen und auch die Medien tun so, als sei die genannte Minderheit und ihre Stellung das Hauptproblem der Welt von heute. Kein Tag, an dem nicht irgendein Sender ein Homosexuellen-Thema abhandelt und zugleich vorgibt, „was man als anständiger Mensch zu denken hat“ und kein Tag, an dem nicht ein Printmedium in dieser Richtung mit einer Schlagzeile „zuschlägt“ – buchstäblich „schlägt“.

Am 2. April schrieb Laun:

Ja, es ist Menschen mit homosexuellen Neigungen in der Geschichte oft auch schweres Unrecht zugefügt worden! Aber das ist längst vorbei, sie können wie alle Bürger in Frieden leben und das soll so sein und bleiben! Aber sie sollen aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie wären benachteiligt und aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

Heute schreibt er:

Ja, es ist Menschen mit homosexuellen Neigungen in der Geschichte oft auch schweres Unrecht zugefügt worden. Aber das ist längst vorbei, sie können, zumindest in den meisten Ländern der Welt, wie alle Bürger in Frieden leben – und das soll so sein und bleiben. Aber die Homosexuellen sollten aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie, die Homosexuellen, wären benachteiligt und sie sollten auch aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

Am 2. April schrieb Laun:

Unseren lieben homosexuellen Mitbürgern sei gesagt: Man kann Ehe spielen so viel man will, aus der Verbindung zweier Männer oder zweier Frauen wird auch durch langes Spielen keine Ehe, auch nicht durch Umbenennung! Auch wenn man den Mond „Sonne“ nennt, er bleibt Mond und sollte auch so benannt werden. Ihn nicht „Sonne“ zu nennen, ist keine Diskriminierung des Mondes.

Heute schreibt er:

Unseren lieben homosexuellen Mitbürgern sei gesagt: Man kann Ehe spielen so viel man will, aus der Verbindung zweier Männer oder zweier Frauen wird auch durch langes Spielen oder durch Verkleiden keine Ehe, auch nicht durch Umbenennung. Wenn man den Mond „Sonne“ nennt, bleibt er Mond, wird nicht wärmer und nicht heller und sollte weiter Mond und nicht Sonne genannt werden. Eine Diskriminierung des Mondes ist das nicht.

Am 2. April schrieb Laun:

Und bitte: Verlangt vom Staat nicht Leistungen, denen ihr keine Gegenleistung gegenüberstellen könnt. Das ist ja nicht eure Schuld, aber es ist eben so!

Heute schreibt er:

Und bitte: Verlangt vom Staat nicht Leistungen, denen ihr keine Gegenleistung gegenüberstellt. Das ist nicht eure Schuld, aber es ist eben so.

Am 5. Juli 2012 schrieb Laun:

Es gibt Christen, die unter Berufung auf eine unselige Tradition meinen, die „größte Sünde“, also der „worst case“ aller Sünden, bestünde in homosexuellen Akten.

Heute schreibt er:

Unbeschadet davon bleibt wahr, dass homosexuelle Sünden – wieder: Wie alle Sünden – differenziert zu sehen sind und auch nicht pauschal als der „worst case of sin“ zu werten sind.

Ein paar Ausrufezeichen in Punkte umgewandelt, ein Wort pro Absatz verschoben und schon ist ein neuer Klartext fertig. Praktisch, so ein Leben als Weihbischof mit revolutionären Ambitionen. Immerhin: Schöner hätte man das selbstreferentielle Geplauder der Rechtskatholiken kaum illustrieren können.

Laun goes on

Man hat es als katholischer Fundamentalist dieser Tage wahrlich nicht leicht, schrieb ich gestern und meinte damit den Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der einmal mehr an der Realität verzweifelte. Nach seinem neuen Erguss, in dem er sich vom Austrofaschismus (nicht so schlimm wie Hitler) über den Marxismus (so schlimm wie Hitler) bis zu Fernsehkommissarinnen (schlimmer als Hitler) alle möglichen Themen unserer Zeit und vorangegangener Epochen vorknüpft, muss eine Lanze für die wahren Opfer der linksgrünroten Meinungsdiktatur gebrochen werden: Für arme kath.net-Watchblogger wie z. B. mich, die dem geballten Irrsinn, den Laun produziert, hilflos gegenüberstehen.

Was soll man einem Trollbischof wie Laun, der sich von gegenderten Büchern verfolgt fühlt, denn noch entgegnen? Der das alte Märchen reproduziert, Frauen seien durch aufreizende Kleidung selbst an Übergriffen schuld und hätten in Krimis bestenfalls die Opfer zu spielen? Der, wie alle rechtspopulistischen Wirrköpfe, von Freiheit spricht und Unterdrückung meint?

Statt einer ausufernden Erklärung, wie falsch MC Ändi liegt: So etwas ähnliches wie Kunst. Das mit der Metrik muss Laun zwar noch üben, aber er scheint ja über ausreichend Freizeit zu verfügen:

//
Die (..) Freiheit der Menschen ist das Problem von heute. (..)
Wir brauchen möglichst viele kleine (..) „Kinder“, die rufen: „Diese Leute
sind ja nackt.“ (..) Wir (..) sind (..) sexy (..) und siegreich wie „James Bond“.
Man (..) tut (..) und „quetscht“ (..) und (..) will nicht Hüte (..), sond-

ern (..) Druck und (..) Gewalt (..) und die Müllabfuhr. (..)
Politiker: (..) Freiheit, gebt Freiheit (!..) Gesetze auch, aber nur (..)
zur (..) Drachenbrut (..), Kaiser, mit unsichtbaren „Kleidern“ (..), tut uns leid,
wie wir leben (..) wollen: (..) Mit (..) Sanktionen (..) und (..) Freizügigkeit. (..)

Das Gesundheitssystem (:..) Nazis (..) und (..) Allmachtswahn. (..)
Schamlose Sexual-Erziehung (..) und (..) Goethe (..). Man (..), man (..), man.

//

Andreas Laun und die mimosenhaften Reaktionen

Man hat es als katholischer Fundamentalist dieser Tage wahrlich nicht leicht: kreuz.net ist dicht, Gloria.tv macht sich mit Hakenkreuzbildern und Prügelvideos noch unmöglicher als sonst, und nun scheint auch noch kath.net den Kommentarbereich entgegen früheren Beschwichtigungen endgültig abgeschafft zu haben. Schwer zu sagen, was den Ausschlag gab: Hat die kath.net-Redaktion Angst vor neuer römischer Aufmerksamkeit? Fürchtet man die mühevolle Moderation von mehrheitlich sedisvakantischen Leserkommentaren, obwohl man den „Lesern seit Tagen nur eine Botschaft einzuhämmern versucht: Es bestehe vollkommene Kontinuität zwischen Benedikt XVI. und Franziskus“.

Man weiß es nicht. Und es ist ja auch nicht so, als wäre das Ende der Kommentarspalte eine bedauerliche Angelegenheit, allein: User wie „M.Schn-Fl“ pöbeln mittlerweile auf anderen Seiten unter Klarnamen, ein Teil der Kommentatoren wird sich in die „Blogozese“ zurückziehen und andere auf Portale wie katholisches.info. Der Quatsch ist also nicht aus der Welt, er findet bloß neue Sprachrohre. Für kath.net könnte die Experimentierfreude allerdings schiefgehen. Leser, die zuvor sekündlich F5 betätigten, um neue Reaktionen und Verschiebungen auf der Bewertungsampel (RIP) zu begutachten, gibt es nicht mehr. Damit dürfte ein Großteil des Traffics fehlen, die Klickzahlen brechen ein, Werbekunden springen ab, die kath.net-Redaktion muss sich vernünftige Jobs suchen Stellen nach Moldawien outsourcen zurückrudern.

Als Salzburger Weihbischof hat Andreas Laun unterdessen einen vergleichsweise krisensicheren Job mit Aufstiegschancen, seinen Unfug kann er weiterhin bei kath.net veröffentlichen und gegenwärtig hat er sowieso andere Sorgen: Denn Andreas Laun wird gerade Zeuge und Opfer einer Dauer-Gehirnwäsche, von Propagandaveranstaltungen, Schau- bzw.: Stierkämpfen – Fernsehsendungen also, in denen über Homosexualität diskutiert wird.

Das für Laun Unvorstellbare: „Sachliche Argumente gegen Homosexualität spielen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle, wirkliche Bildung und Suche nach Wahrheit sind nicht gefragt“. Ein nachvollziehbarer Ärger, bietet die homophobe Szene doch brillante Köpfe mit glänzenden Argumenten. Zum Beispiel Gabriele Kuby, die gegen Homosexualität nicht nur Bibelverse ins Feld führt, sondern auch Kants Imperativ, die „demografische Krise“ oder „ein erhebliches gesundheitliches und psychisches Risiko“.

Und nicht bloß, dass intellektuelle Größen wie Kuby keinen Erfolg mit ihren mutigen Einwürfen haben: Es „vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Sender ein Homosexuellen-Thema abhandelt und zugleich vorgibt, „Was man denken sollte“ und kein Tag, indem nicht ein Printmedium mit einer Schlagzeile in der gleichen Richtung zuschlägt“. Eine Vorgehensweise, die kath.net freilich nie einfallen würde – 1883 tendenziösen Artikeln über Homosexualität stehen lediglich 1139 über Kardinal Meisner gegenüber, 46 über die Vatikanbank oder 2760 (!), in denen das Wort ‚Bibel‘ vorkommt.

Andererseits kann man Laun aber auch nicht vorwerfen, nur die Fähigkeiten der eigenen Basis falsch einzuschätzen:

Ja, es ist Menschen mit homosexuellen Neigungen in der Geschichte oft auch schweres Unrecht zugefügt worden! Aber das ist längst vorbei, sie können wie alle Bürger in Frieden leben und das soll so sein und bleiben! Aber sie sollen aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie wären benachteiligt und aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

Also alles in Butter. Abgesehen u. a. von homosexuellen Jugendlichen, die an ihrem homophoben Umfeld verzweifeln; von in der kath.net-Kommentarspalte publizierten Wünschen, Homosexuelle in Konzentrationslager zu verfrachten; von Verfolgungen Homosexueller in mehrheitlich muslimisch, aber auch christlich geprägten Staaten bis hin zur Haft- oder gar Todesstrafe, was man selbst als kath.net-Chef öffentlich für gar nicht so schlecht befinden darf.

Man hat es als katholischer Fundamentalist dieser Tage wahrlich nicht leicht.

Dort wo man Seiten hackt, hackt man auch am Ende Menschen ii

kath.net war in den letzten Tagen, eigenen Aussagen auf Facebook zufolge, Ziel „bösartige[r] Angriffe“, weshalb die Seite auch nur sporadisch online war und die Artikel mehrheitlich aus formschönen Fragezeichen bestanden. Während kath.net die Attacken heute zur Bitte um Spenden nutzt, setzte man gestern noch auf andere Mittel: „Bitte um EUER GEBET, vielleicht das Gebet zum Hl. Erzengel Michael.“

Zugegeben: Mitleid will nicht so recht aufkommen, schließlich stand kath.net seit Jahren auf der anderen Seite und reihte Shitstorm an Shitstorm. Andererseits sind DDoS-Attacken und Ähnliches aus guten Gründen illegal und in letzter Konsequenz ohnehin kontraproduktiv, weil sich kath.net in den folgenden Wochen in die Opferrolle zurückziehen dürfte und die LeserInnen, wie auf Facebook bereits geschehen, über ‚digitale Christenverfolgung‘ plaudern werden.

Das Hacken von kath.net ist allerdings nicht nur moralisch zweifelhaft, sondern auch völlig unnötig: Die Artikel selbst entlarven in regelmäßigen Abständen die Unzulänglichkeiten fundamentalistischer Vordenker. Zu denen zählt auch Andreas Laun, der sich weniger für die Belange erwachsener Menschen interessiert und sich stattdessen für die Rechte von Spermium und Eizelle engagiert. Für ovulationshemmende Pillen hat Laun keinen Respekt, und wo er schon beim Wort ‚Respekt‘ ist, darf auch der Verweis auf die gottlosen Homosexuellen nicht fehlen:

Heute ist zu beobachten, dass das Wort „Respektieren“ mit seinem guten Klang nicht selten dort verwendet wird, wo man dem Zeitgeist ein Stück weit nachgibt. Etwa wenn sogar Bischöfe, wie in Österreich geschehen, sagen, man müsse die sexuelle Orientierung eines Menschen „respektieren“. Gut gemeint, aber irreführend! Man kann und soll jeden Menschen respektieren, mit seinen Krankheiten und mit allen seinen psychischen Merkwürdigkeiten, aber man kann nicht die Krankheit als solche respektieren und auch nicht eine psychische „Unordnung“. Bei den sexuellen „Orientierungen“ müsste man dann auch pädophile, sadomasochistische und andere Philien „respektieren, was kaum jemand sagen würde.

Laun hat Recht: Man muss alle Menschen respektieren, ungeachtet ihrer „psychischen Merkwürdigkeiten“. Und solange Personen wie Laun ihren hassgetränkten Unfug auf kath.net derart unverblümt publizieren dürfen, ist jeder Hack völlig überflüssig.

Andreas Laun und der Stein der Weisen

Es gibt drei Dinge, die man über Andreas Laun wissen sollte: Der Salzburger Weihbischof hat erstens (möglicherweise) einen Heiligenschein, der seinen Kopf auf ausgewählten Fotos krönt; er schreibt zweitens gerne rassistische Märchen und publiziert diese drittens, wenn die rechte Zeitschrift ‚Zur Zeit‘ keinen Platz für sie hat, auf kath.net.

Heute fischt Laun wieder in den trüben Gewässern, in denen Rechtspopulisten so gern ihre Köder auswerfen: Die EU zeige, empört sich Laun, „autodestruktive Tendenzen, eine Tendenz in die Richtung eines totalitären Unrechts-Staates“. Er kontrastiert die Europäische Union mit dem liebsten autoritären Regime der kath.net-Redaktion, Ungarn:

Ungarn hingegen ist viel eher ein Asyl für jene, die die Rechtsstaatlichkeit einfordern und darum verfolgt werden.

Ungarn unter der Fidesz-Regierung, ein Land, in dem Milch und Honig braune Soße fließt: Handlangern der Nazis werden Statuen errichtet, Theaterintendanten durch rechtsradikale Hetzer ersetzt, militante Bürgerwehren gestärkt, die Sinti und Roma einschüchtern und im Notfall wohl gewaltsam zum Schweigen bringen sollen. Zsolt Bayer, Mitbegründer der Fidesz-Partei, ist, wie Die Presse notierte, für seine „beispiellosen Hasstiraden gegen Juden“ bekannt: Missliebige Gremien stellt Bayer als „entartet“ oder „jüdisch unterwandert“ dar, eine Antisemitismusforscherin bezeichnete er als „Mistkäfer“. Bayer, ein Freund von Regierungschef Orban, schimpfte vor einigen Jahren in einem Artikel über linke Politiker und Künstler, man hätte sie im Wald von Orgovany verscharren sollen – dort fand nach dem 1. Weltkrieg tatsächlich ein Massaker statt.

Andreas Laun indes, der noch nie durch übermäßige Recherche aufgefallen ist, lenkt ein:

Ungarn ist wie ein rettendes Rückzugsgebiet, in dem das wahre Europa überleben könnte. Das heißt nicht, dass alle Gesetze im heutigen Ungarn ideal oder auch nur gut wären. Um das zu beurteilen, müsste man viele Einzelheiten wissen.

Weil Laun aber viele Einzelheiten tatsächlich nicht weiß, poltert er weiter. Die EU müsse sich auf ihre christlichen Wurzeln besinnen, sich von der verhassten „politischen Korrektheit“ distanzieren und endlich begreifen, dass Hitler nicht schlimmer als Stalin war. Bzw.:

Drittens bräuchte die EU den Mut zu sehen, wie und wo der Geist Hitlers und Stalins im heutigen Europa wirklich überlebt und von ihr, der angeblich so hochmoralischen EU, sogar gefördert wird.

Dass er damit natürlich nicht nur „die Euthanasiedebatte“ meint, sondern auch die Homo-Ehe – geschenkt, für kluge Gedanken war Laun schließlich noch nie besonders empfänglich. Immerhin ist er stets für einen guten Scherz zu haben:

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, formulierte B. Brecht

Mit dem Sozialisten Brecht gegen den Sozialismus argumentieren, das hat Stil.

Während die Betrachtung seines Kopfschmuckes für Launs aktuellsten Erguss keine besondere Relevanz hat, lohnt es durchaus, sich das eingangs zitierte Märchen vor Augen zu halten. Laun stilisierte damals in einem wirren Brunnengleichnis Migranten zu salzigem, ergo unbrauchbaren Wasser, das in Konkurrenz zu den guten einheimischen Brunnen steht. Auch seine Veröffentlichung im FPÖ-Magazin ‚Zur Zeit‘, in dem (nicht von Laun stammende) Artikel schon mal mit „Deutschland erwache!“ beendet werden, kommt nicht von ungefähr.

Laun versucht sich in Zeiten des zunehmenden Vertrauensverlustes in die katholische Kirche als „einer von uns“, der „endlich mal ausspricht, was alle denken, sich aber niemand zu sagen traut“, denn „armes Deutschland!“, bzw. Österreich. Ein durchaus erfolgsversprechender Versuch, politisch ungebildete PI-Leser zu binden; ein Gegenentwurf zu den von kath.net verabscheuten „Kartoffelsackbischöfen“ (O-Ton Reto Nay, ebenda). Während sich kath.net von der FPÖ distanziert, hat man den eigenen kleinen Rechtspopulisten in Salzburg sitzen, wo er seinen KLARTEXT in die Tastatur kippt.

Laun wirft mit Begriffen um sich, zu denen jedeR eine Meinung hat – wer wollte schon bezweifeln, dass die EU eine Diktatur plant, bei den ganzen absurden Gurkenrichtlinien, unchristlichen Schulkalendern, der vermaledeiten Bürokratie und Edmund Stoiber. Europäische Wurzeln sind ebenfalls ein Muss, auch wenn man, wie Laun, ganze Epochen am liebsten aus dem kollektiven Gedächtnis streichen möchte. Und wo die „vielen Einzelheiten“ fehlen, müssen eben mächtige Worte folgen: Stilblüten wie „autodestruktive Tendenzen“, „totalitärer Unrechts-Staat“ oder „Verbrechen der Nazis“, von denen man im Zusammenhang der Parole ‚Niemals vergessen‘ „eigenartigerweise […] fast nur“ rede, sprechen für sich.

Es ist bizarr: kath.net braucht keine ehrenamtlichen Beiträge von Laien, keine skandalträchtigen Gastkommentatoren aus der rechten Szene und keine peinlichen Rechtstreitigkeiten mit Kritikern: Den größten Schaden für das Image des Portals – und in diesem Fall auch und besonders für die katholische Kirche insgesamt, den schafft Weihbischof Andreas Laun immer noch selbst.