Archiv der Kategorie 'Abtreibung'

Dort wo man Seiten hackt, hackt man auch am Ende Menschen ii

kath.net war in den letzten Tagen, eigenen Aussagen auf Facebook zufolge, Ziel „bösartige[r] Angriffe“, weshalb die Seite auch nur sporadisch online war und die Artikel mehrheitlich aus formschönen Fragezeichen bestanden. Während kath.net die Attacken heute zur Bitte um Spenden nutzt, setzte man gestern noch auf andere Mittel: „Bitte um EUER GEBET, vielleicht das Gebet zum Hl. Erzengel Michael.“

Zugegeben: Mitleid will nicht so recht aufkommen, schließlich stand kath.net seit Jahren auf der anderen Seite und reihte Shitstorm an Shitstorm. Andererseits sind DDoS-Attacken und Ähnliches aus guten Gründen illegal und in letzter Konsequenz ohnehin kontraproduktiv, weil sich kath.net in den folgenden Wochen in die Opferrolle zurückziehen dürfte und die LeserInnen, wie auf Facebook bereits geschehen, über ‚digitale Christenverfolgung‘ plaudern werden.

Das Hacken von kath.net ist allerdings nicht nur moralisch zweifelhaft, sondern auch völlig unnötig: Die Artikel selbst entlarven in regelmäßigen Abständen die Unzulänglichkeiten fundamentalistischer Vordenker. Zu denen zählt auch Andreas Laun, der sich weniger für die Belange erwachsener Menschen interessiert und sich stattdessen für die Rechte von Spermium und Eizelle engagiert. Für ovulationshemmende Pillen hat Laun keinen Respekt, und wo er schon beim Wort ‚Respekt‘ ist, darf auch der Verweis auf die gottlosen Homosexuellen nicht fehlen:

Heute ist zu beobachten, dass das Wort „Respektieren“ mit seinem guten Klang nicht selten dort verwendet wird, wo man dem Zeitgeist ein Stück weit nachgibt. Etwa wenn sogar Bischöfe, wie in Österreich geschehen, sagen, man müsse die sexuelle Orientierung eines Menschen „respektieren“. Gut gemeint, aber irreführend! Man kann und soll jeden Menschen respektieren, mit seinen Krankheiten und mit allen seinen psychischen Merkwürdigkeiten, aber man kann nicht die Krankheit als solche respektieren und auch nicht eine psychische „Unordnung“. Bei den sexuellen „Orientierungen“ müsste man dann auch pädophile, sadomasochistische und andere Philien „respektieren, was kaum jemand sagen würde.

Laun hat Recht: Man muss alle Menschen respektieren, ungeachtet ihrer „psychischen Merkwürdigkeiten“. Und solange Personen wie Laun ihren hassgetränkten Unfug auf kath.net derart unverblümt publizieren dürfen, ist jeder Hack völlig überflüssig.

kath.net und der Lebensschützer des Jahres

Klaus Günter Annen gilt als Leitfigur der deutschen ‚Pro Life‘-Szene. Konservative und weiter rechtsaußen stehende Gruppierungen und Medien wie die CDL (Christdemokraten für das Leben), ‚Junge Freiheit‘, kreuz.net und Altermedia berichteten über ihn, der islamistischen und antisemitischen Seite Muslim-Markt gab er 2006 ein Interview. Bekannt wurde Annen durch seine Seite babycaust.de, auf der er bis ca. 2009 etliche Bilder angeblich oder tatsächlich abgetriebener Föten ausstellte. Umrahmt wurden diese Fotos von Sätzen, die Abtreibung mit dem deutschen Massenmord an den Juden gleichzusetzen versuchten.

Für dieses Engagement sprach ihm die evangelikale Nachrichtenagentur ‚idea‘ 2003 den Titel ‚Lebensschützer des Jahres‘ zu. Im selben Jahr hatte er vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe das Recht erstritten, Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust vergleichen zu dürfen.
Drei Jahre später, 2006, beantragte die Kommission für den Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, babycaust.de zu indizieren. Die Gleichsetzung von Holocaust und Abtreibung sei potenziell jugendgefährdend, schließlich könnte die Melange aus pornografischer Darstellung toter Föten und den entsprechenden Textbausteinen schwangeren Mädchen suggerieren, sie handelten zumindest ansatzweise so schlimm wie die Nationalsozialisten. Dem Ersuch wurde stattgegeben, babycaust.de in Teil C der Liste jugendgefährdender Medien eingetragen. Das hatte nicht nur zur Folge, dass die Seite Kindern und Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden durfte: Auch jede Werbung und Verlinkung war fortan verboten. 2009 meldete ein Verein aus dem Umfeld von babycaust.de, das Urteil sei aufgehoben worden – alle Bilder wurden gestrichen und auf babycaust.at outgesourct.

Um das Verbot, babycaust.de zu verlinken, hat sich kath.net in all den Jahren nicht geschert. Die ersten Jubelartikel auf Klaus Günter Annen erschienen in den Anfangsjahren von kath.net, insgesamt wurde und wird babycaust.de in acht Artikeln angepriesen. Auch während die Seite indiziert war, berichtete kath.net äußerst wohlwollend und nannte die komplette URL. Bis 2005 verlinkte kath.net die Seite direkt und änderte die Links auch nach der Indizierung nicht.
Das mag ein rechtliches Problem sein, vor allem aber ein moralisches, wie eine kleine Zusammenstellung des Inhalts von babycaust.de zeigen soll:

Aktuell steht auf babycaust.de „Damals KZ’s, heute OP’s“ oder „Wir leben in einer demokratischen Diktatur“. Annens Liebe zur Demokratie wird auch in Sätzen wie diesem deutlich: „Die Nazi`s selektierten die Menschen. Die Demokraten selektieren die Meinung und die Menschen (PID)“. Annen bekundet, er wolle „alle Daten und Fakten über das große Unrecht der Ermordung ungeborener Kinder“ erfassen, um künftigen Historikergenerationen die Arbeit zu erleichtern: „Bedenken Sie, welche Schwierigkeiten es bei der Aufarbeitung der NAZI – Verbrechen gegeben hat… dem wollen wir vorbeugen!“

Er gibt Tipps für spontane Gebetsaktionen („Die Religionsfreiheit ist grundsätzlich nach Artikel 4 GG zugesagt. Aber Vorsicht: Polizei und Ordnungsamt können dies ab 3 Personen auch anders sehen!!!“), hadert mit den geltenden Gesetzen und stellt fest: „Die Angeklagten im Nürnberger Prozess beriefen sich auf geltendes Recht !“ 2010, 65 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, veröffentlichte er zusammen mit „Pornojäger“ Martin Humer, dem kath.net einen Nachruf widmete, ein „Zeitdokument“. Darin wird an den „Tag der Befreiung von der Schreckensherrschaft der Nazi“ erinnert und nach Aufzählung einiger Folgen derselben gefragt: „und was haben die sog. Demokraten daraus gelernt?“ – Nichts, glauben Humer und Annen, zitieren Abtreibungsstatistiken („2,6 Milliarden Menschen weltweit“) und fragen ergebnisoffen: „Kam die Menschheit nicht vom Regen in die Traufe ?!!“

In einem Unterartikel über Euthanasie („Willkommen im 4. Reich!“) fragt Annen, dem seine spannenden Rechtschreibungsabenteuer eine gewisse Unschuld verleihen: „Sind nur die NAZIS die Bösen? oder gibt es da heute nicht noch Welche?“ Sollte es sie auch heute noch geben, so arbeiten sie Annen zufolge mit einiger Sicherheit in den Medien. Er empört sich über „Christenverhöhnung als Volkssport“ und den „Hessische[n] Rotfunk“, „Beleidigungsfreiheit“ und „Hetzkampagnen“, und stellt fest, dass nicht etwa plumper Revisionismus, sondern „Blasphemie […] einer Kulturnation unwürdig“ sei.

Scheinheilig fragt Annen auf der Startseite, ob es „eine Steigerungsform“ des „Holocaust der Nazis“ gäbe, bloß um sie selbst mit „Ja, es gibt sie!“ zu beantworten und die Bilder einer KZ-Pforte und einer Frau auf einem Operationstisch daneben zu setzen.

Mit all dem Quatsch hat kath.net offenbar kein Problem, andernfalls wären die Links wohl nie erschienen oder wenigstens im Nachhinein gelöscht worden.

Der kurze Gedankengang des Zauberers

Aus der beliebten Reihe Artikel von Roland Noé, in denen inhaltliche Mängel durch aufrührerisches Wutbürger-Vokabular wettgemacht werden sollen‘:

Pro-Abtreibungs-Propaganda der übelsten Sorte […] Wieder einmal missbraucht in Österreich eine Studentenvertretung ihre Position […] linkslinker Ideologie […] umstrittenen Filmvorführung […] In dem angeblichen Dokumentarfilm […] in diesem angeblichen Dokumentarfilm […] das umstrittene Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch im 15. Wiener Gemeindebezirk […] Zwangs-Mitgliedsbeitrag der Studenten

Laun in der ungeheuerlichsten Form

Dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun muss man wohl zugute halten, dass er wirklich glaubt, was er in seinen Beiträgen auf kath.net so verzapft. Wenn er etwa ein Märchen über österreichische Brunnen verfasst, die durch minderwertiges importiertes Wasser abgelöst werden, dann kann man das nur als ernstgemeinte, in rassistische Worte gekleidete Furcht vor „Überfremdung“ interpretieren.

Andreas Laun beschäftigt sich heute auf kath.net mit dem Todesfall einer schwangeren Frau, der in Irland eine Abtreibung verweigert wurde. Eine Untersuchung ergab, dass sie eine Fehlgeburt erleiden würde, dennoch sahen die ÄrztInnen keinen Handlungsbedarf: „Dies ist ein katholisches Land.“ Vermutlich aufgrund dieser Untätigkeit starb nicht nur das Baby, sondern auch die Frau – an einer Blutvergiftung.

Laun wendet nun gegen Kritik von „Journalisten und Politiker[n]“ ein, dass sie (offenbar im Gegensatz zum Salzburger Weihbischof) „keine Gynäkologen“ seien und daher „weder ein eigenes medizinisches noch ein moralisches Urteil“ abgeben könnten. Er lobt sowohl den irischen „Rechtsstaat, der diesen Ehrentitel verdient“, als auch die zunehmend totalitärere kath.net-Lieblingsdiktatur in Ungarn und preist Mütter, die „zugunsten des Lebens ihre[r] Kinde[r] auf die für sie notwendige[n] Therapie[n] verzichtet und den Tod auf sich genommen“ hätten.

Vor allem aber ergeht Laun sich in wilden Nazi-Vergleichen. Er behauptet, dass „die größten internationalen Abtreibungsorganisationen historisch aus der Rassenlehre der Nationalsozialisten hervorgegangen“ seien und „dasselbe propagieren und auch dasselbe tun, was diese gedacht und getan haben“. Dieser völlig aus der Luft gegriffenen problematischen Darstellung widmet er einen eigenen Absatz:

Ist Abtreibungsverbot ein Nazi-Gesetz? Aber: Es galt nur für Deutsche. Was die Slawen betrifft, hatte Martin Bormann dieselben Pläne und Argumente entwickelt, wie sie heute von Planned Parenthood und ihren „Filialen“ weltweit, auch in Deutschland und Österreich, vertreten werden. Neonazis? Ja, es gibt sie, aber nur als kleine Gruppen, die man mit Hilfe der Polizei in Schach halten kann. Der Ort, wo Hitler wirklich weiter lebt, gefördert, finanziert und mit Preisen ausgezeichnet wird. ist jene Industrie des Todes, die mit Abtreibung Geld macht und unerwünschte Menschen vernichtet.

Diese Sätze spiegeln Launs Erregung wider, sind aber nicht nur interpunktionell bedenklich: Er konstruiert einen Zusammenhang zwischen Hitlers Privatsekretär Bormann und den heutigen Abtreibungskliniken und setzt Frauen, die Abtreibungen vornehmen lassen sowie die jeweiligen ÄrztInnen mit Nazis gleich. Eine Differenzierung findet nicht statt, und so versteigt er sich in der völlig wirren These, dass Abtreibungskliniken „der Ort“ seien, „wo Hitler wirklich weiter lebt“.

Launs Erguss kann man verkürzt mit ‚Abtreibung ist der neue Nationalsozialismus‘ beschreiben: Während Neonazis „mit Hilfe der Polizei in Schach“ gehalten werden könnten, dürfe Hitler in Abtreibungskliniken wirken. Das ist Geschichtsrevisionismus in seiner schlimmsten Form, und so verwundert es nicht, dass Andreas Laun zumindest bis Ende 2011 zu der Handvoll der auch auf kreuz.net geschätzten Geistlichen gehörte – wahlweise lobte ihn das rechtsradikale Portal als „Salzburger Bekenner-Bischof“, „mutigen Lebensschützer“ oder eben als einen „der wenigen katholischen Bischöfe Westeuropas, der sich konsequent gegen die Abtreibungsgewalt einsetzt“.

Mordfantasien der kath.net-Leser i

Heute: kath.net-Kommentator „Goth Dismas“ hat sich einen Plan gegen die Abtreibungsaktivistinnen von „Women on Waves“ zurechtgelegt:

Das ist ein Schiff voller Mörder
Was spricht dagegen, dieses Piratenschiff auf offener See in internationalen Gewässern zu versenken?