Über präpubertären Geschichtsrevisionismus muss man nicht diskutieren

Es ist ja nicht so, als würde kath.net sich aktuell nur auf die Kampagne gegen die Titanic konzentrieren und ausschließlich neue Artikel veröffentlichen, in denen die „Dumm-Satire“ des Frankfurter Satiremagazins angeprangert wird. Vielmehr werden auch weiterhin Dumm-Berichte über andere Themen publiziert – wie z. B. über Wsewolod Tschaplin, einen Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche. Der darf, von der Redaktion freilich völlig unwidersprochen, davon schwafeln, dass Abtreibung „der schlimmste Holocaust in der Geschichte der Menschheit“ sei. Das wird daran festgemacht, dass in Russland jährlich 1,2 Millionen Abtreibungen vorgenommen würden, mittlerweile seien dadurch die Opferzahlen beider Weltkriege übertroffen worden.

Mit diesem unerträglichen Geschichtsrevisionismus steht Tschaplin allerdings nicht alleine da, in der Kommentarspalte sind mehrheitlich unterstützende Meinungen durch die Zensur gekommen. „JungeChristin“ etwa lädt ihn zu einer fundamentalistischen Demonstration in Deutschland ein, „Christa“ erklärt ihn zum Vorbild für deutsche Bischöfe – und „Cosinus“ hadert:

Die Abtreibungsfaschisten setzen sich leider überall durch.

Auf die Kritik eines einzelnen Lesers entgegnet „Sodale“:

Holocaust als Vergleich der Schrecklichkeit passt – anders ist es auch nicht zu verstehen und ich denke es wird auch kein vernünftiger Mensch anders interpretieren.

Man kann die Abtreibung gar nicht überhart beschreiben – wir müssen diese Tötung laut anmahnen – umgekehrt sind Bezeichnungen wie Schwangerschaftsabruch eine perverse Verniedlichung.

In meiner Jugend hat man den älteren den Vorwurf gemacht – wie kann man nur Hitler gewählt haben und wie kann ein Volk nicht aufschreien bei all dieser elendigen Menschverachtung. Heute sind wir dran und wer jetzt schweigt wird in einigen Jahren von der nächsten Jugend das gleiche gefragt werden.


1 Antwort auf „Über präpubertären Geschichtsrevisionismus muss man nicht diskutieren“


  1. 1 Nike 16. Juli 2012 um 15:41 Uhr

    Diesen Artikel stellt kath.net am 11. Juli 2012 10:33 ein, nahezu zeitgleich mit einer Liveübertragung auf der Website der Deutsche Stiftung Weltbevölkerung,der Liveübertragung des Familienplanungsgipfels in London.
    Lt. Info der DSW haben in den Entwicklungsländern 26% der Frauen keinen Zugang zu sicherer, moderner Verhütung, Afrika südlich der Sahara ist führend. Würde der ungedeckte Bedarf gedeckt, gäbe es 26 Millionen weniger Abtreibungen und würde die Zahl der ungewollten Schwangerschaften um zwei Drittel sinken.

    www.weltbevoelkerung.de

    Seit 1968 ist das Recht auf Familienplanung ein Internationales Menschenrecht.

    www.wikipedia.org/wiki/familienplanung

    Dass kath.net ausgerechnet am Weltbevölkerungstag diesen Artikel derart distanzlos einstellt,spricht für sich, der Artikel wurde bereits scharf kritisiert. Zynisch wird es noch einmal gegenüber all den vielen Frauen als s. o. von einer Abtreibung Betroffene: um 12:00 kommt dann Bischof Laun zu Wort und tritt für die NER (Natürliche Empfängnisregelung)ein, die er auf verhältnismäßig neuen medizinischen Erkenntnissen beruhend ausgibt.Was dieser kath.net-Klartext für diese 26% der Frauen bedeuten würde, würden sie sich fromm so vor einer Empfängnis schützen, das stellt die DSW für alle zugänglich ins Internet, wo auch die sehr seriösen Daten zur Sicherheit und Praktizierbarkeit der NER vielseitig gut abzurufen sind.

    www. kath.net/detail.php?id=37292

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