Nach dem Rechten sehen

Es gibt diese raren Momente, in denen ich die Hoffnung habe, dieses Blog könnte eines Tages überflüssig werden. Anlass gibt aktuell ein Posting im kath.net-Forum, wo die Moderatorin „mysterium fidei“ am 27.12. des vergangenen Jahres schreibt:

Ich verantworte für das Forum eine strenge Ablehnung von allem, bei dem ich diesen mir persönlich äußerst unsympathischen braunen Geruch wahrnehme. Und zwar lösche ich da aus persönlicher Überzeugung lieber dreimal zuviel als einmal zu wenig!!!

Das klingt ziemlich vielversprechend. Dummerweise eröffnete sie hiermit einen Thread, der „die Begriffe ‚rechts‘ und ‚konservativ‘“ zur Diskussion freigibt. Sie leitet ein:

Jetzt wird es spannend: wann ist eigentlich jemand „rechts“? Wann „konservativ? Ist vielleicht schon die CDU „rechts“? Muss ich also vermuten, dass beispielsweise Adenauer heutzutage schon vom Verfassungsschutz beobachtet werden würde?

Umgekehrt bemerke ich natürlich, dass das Wort „links“ gelegentlich genauso als Totschlagsargument benutzt werden – ist dieses Verhalten dann plötzlich legitim, weil es andere Vorzeichen hat?

Werden solche Begriffe als Totschlagsargumente benutzt? Oder verschieben sich aktuell die Wortbedeutungen?

Es ehrt „mysterium fidei“, dass sie den Forenstamm offensichtlich so gut einschätzen kann und eine Warnung vors Abdriften in „braune“ Denkmuster für nötig hält. Weil sie von ihrer Drohung allerdings kein Gebrauch macht, „rechts“ nicht näher definiert und den schlimmsten Unfug sowieso stehen lässt, relativiert sich meine eingangs geäußerte Hoffnung – Vorhang auf für eine ziemlich gruselige Diskussion von kath.net-Foristen über die Begriffe „links“ und „rechts“.

Da wäre etwa User „Dunkelkatholik“, dem einiges zum Thema einfällt:

Es ist ein Ärgernis der Herrschaft der Linken und der von ihnen betriebenen Political correctness, dass jeder, der romtreue Positionen vertritt, heutzutage in die Ecke des „Rechtsradikalen“ gesteckt wird. Was heisst schon „rechtsradikal“? Das ist ein Kampfbegriff der Linken, der einem Totschlagsargument gleichkommt. Natürlich steht, wer wahrhaft romtreu ist, politisch „rechts“, weil bei der „Rechten“ die katholischen moralischen Werte am ehesten gewahrt sind. Dafür muss man sich nicht schämen, im Gegenteil.

„Rechtsradikal“ als „Kampfbegriff der Linken“, weshalb mordende NPD-Kader also dem Vatikan mutmaßlich näher stehen dürften als linke Pazifisten. Das ist so absurd, dass im Forum die direkte Gegenrede folgt. „Katharina von Boa“:

@ Dunkelkatholik: Im NPD-Forum bin ich aber hier nicht gelandet, oder? Was rechtsradikal bedeutet haben wir ja kürzlich über alle Kanäle erfahren können. Ich wenigstens würde den Satz nicht unterschreiben mögen, je weiter rechts, desto christlicher. Holocaust, Euthanasie, alles schon vergessen? Und was heißt eigentlich Herrschaft der Linken? Wir haben seit geraumer Zeit eine CDU-Regierung …

Die augenscheinlich praktizierende Antifaschistin „mysterium fidei“ stören die Äußerungen weniger, sie findet die sich entspinnende Diskussion vielmehr „interessant“ und wiederholt noch einmal das erste Posting. „Dunkelkatholik“ antwortet ihr:

Da würde mich aber erst einmal interessieren, was hier unter „rechtsradikal“ verstanden wird. Heute gilt gemeinhin als „rechtsradikal“ das Eintreten für z.B. solche Werte: Ehre – Disziplin – Zucht – Ordnung – Fleiß – Achtung natürlicher Autorität – Gehorsam – Ehe und Familie – Heimatliebe – Hierarchie statt Kollektivismus – Ablehnung von Genderwahn und Emanzipation – Anti-islamisch u.v.a.m.

Das ist nahezu alles auch gut katholisch. Zumindest in den allermeisten Ländern ausserhalb Deutschlands.

Diese sehr exklusive Definition ruft erneut „Katharina von Boa“ auf den Plan:

Ja, wenn Sie da keine Unterschiede mehr erkennen können, dann gute Nacht!

Die unreflektierte und offenbar willkürliche Definition, die „Dunkelkatholik“ vom Rechtsradikalismus bietet, ist zwar besonders schrill und wirr. Einzigartig ist sie jedoch nicht, wie diverse Meinungsäußerungen weiterer Forist_innen zeigen.

Zum Beispiel „revontulet“, die wissen lässt:

Und ich finde links ist genauso schlimm wie rechts. Es ist fatal, dass oft vergessen wird wieviele Tote es durch Linke gegeben hat (DDR, RAF,…). Beides ist gefährlich rechts und links. Aber ich finde man sollte auch darüber diskutieren können. Wirklich schlimme rechte Sachen sind mir im Forum noch nicht aufgefallen. Ist es „rechts“ den Islam zu kritisieren? Oder ein ungutes Gefühl dabei zu haben wie dieser sich in Deutschland ausbreitet? Meiner Einschätzung nach nicht. Man muss nur aufpassen, dass nicht alle über einen Kamm geschert werden und wie man damit umgeht.
Interessant finde ich auch die Diskussion um das NPD Verbot. Ich finde, wenn man die NPD verbietet, muss man auch die Linke verbieten. Und wenn man zwei Parteien verbietet, wo hört man auf und ist das dann nicht auch ein Ende der Demokratie? Nicht dass ich in irgendeiner Weise die NPD als Partei schätzen würde, es ist nur schwer abzugrenzen wo es gefährlich und verfassungsfeindlich wird.

Ja, das ist schon schwierig: Sind Menschen, die eine gerechte Welt für alle fordern, nicht vielleicht doch schlimmer als Nazis, die Hitler glorifizieren und seine Taten am liebsten nachahmen möchten? Keine leichte Entscheidung.
„revontulet“ legt aber noch einmal nach und animiert mit einem dieser verräterischen „Ich bin ja kein Nazi, aber…“-Sätze zum munteren Kopfschütteln:

Heutzutage ist man so schnell ein Nazi da muss man nur mal Sozialleistungen an Ausländer kritisieren. Oder das mit den Kreuzen in den Schulen. Das geht mir auch auf den Keks. Ich bin echt kein Nazi aber oft wird man als einer hingestellt wenn man mal möchte dass da ein Kreuz hängt und am Weihnachtsmarkt bitte Weihnachtszeug verkauft wird. Oder wenn man möchte dass Studenten gefördert werden und nicht immer die Ausländer und Asylanten. Also so hab ich das zumindest bei Dunkelkatholik auch aufgefasst. Kommt halt schwer darauf an wie weit das „anti-islamisch“ geht. Akzeptieren und respektieren müssen wir sie unbedingt. Aber müssen wir dafür unsere eigene Kultur vernichten (lassen)?

„revontulet“, nach eigenen Angaben Studentin, wünscht sich also mehr staatliche Zuwendung für deutsche Studenten. Sollen doch „die Ausländer und Asylanten“ schauen, wo sie bleiben.
Und auf den Hinweis von „tweety“, NPD und Christentum passten nicht zusammen, erklärt „revontulet“ auch, wieso sie sich den Nationalsozialismus nicht zurückwünscht:

Nationalsozialismus ist bekanntlich antireligiös und auf Staatskult aufgebaut.

Dass Hitler und seine Millionen Anhänger auch einige andere Ziele verfolgten, kann dabei ja schon mal unter den Tisch fallen. Schüler „michi“ antwortet und erklärt den Kommunismus für schlimmer:

Der Kommunismus ist aber da schlimmer. Er lehnt alles was mit Religion zu tun hat ab. Hat man ja in der DDR gesehen. 99 % der Kinder waren in der Jugendorganisation (Jugendpioniere?). Wer war der Rest – 1 % -? Natürlich: Die Kinder, deren Eltern bei der Kirche gearbeitet haben.
Warum musste mit 14 Jahren die „Jugendweihe“ eingesetzt werden? Als Ersatz zur Firmung/Konfirmation?
Damit die Religion nutzlos wird! Ersetzt wird!

Von daher würde ich nicht nur auf die Rechten schimpfen.

„tweety“, eine der wenigen Lichtblicke im Thread, entgegnet:

Ehrlich gesagt gehen in meinem Gerechtigkeitsempfinden Menschenleben VOR einer politischen Gesinnung…und es käme mir auch nie in den Sinn sowas mit einer anderen auch schlimmen Gruppierung auszuebnen.
Sowas ist immer ganz schlimm….“ABER DIE SIND JA AUCH SCHLIMM“ JA ev. aber unter ihnen starben keine Millionen Leute nur weil sie anders ausgesehen haben und eine andere Religion hatten.
Ekelhaft ist sowas. Reichen schon die genügend perspektivlosen Leute heutzutage die dieses Pack auch noch wählen gehen!

Abgesehen von „tweety“ und „Katharina von Bora“ aber toben sich Forist_innen aus, deren Ergüsse auch auf PI und ähnlichen Blogs Anerkennung fänden. Zum Beispiel „Korse“, der/die ein recht exklusives Geschichtswissen bekannt gibt:

Es wird schwierig sein die Begriffe „Rechts“ und „Links“ einzusortieren.
Diese Begriffe werden von den MSM Medien zwar ständig verwendet aber eine Definition wird aus gutem Grund vermieden! Warum wohl?
Die NSDAP enstand aus Sozialisten und Kommunisten (die Kommunisten wurden anschließend verfolgt um das dumme Volk auf eine falsche Fährte zu locken).
Die NSDAP ist im Grunde das selbe wie damals die Kommunisten. Eins starker Staat der von der Wiege bis zur Baare alles regeln sollte.
Die NSDAP mißbrauchte legendlich für Ihre Ziele alles was mit „deutsch“ und Tradition zusammen hing.
[…]
Für mich ist jeder NAZI genauso links oder rechts wie jeder Kommunist auch.

„michi“ muss unterdessen mal wieder was in den Raum werfen, was er gerade erst in der Schule gelernt hat:

Also ich muss schon wieder etwas in den Raum werfen … *augenroll*
[…]
Wir beschäftigen uns gerade in der Schule mit rechts/links und ich muss sagen, dass ich in beiden Regimen einfach getötet werden wäre, weil ich in beiden Regimen nichts verloren hätte:
- rechts verstößt eindeutig bei mir gegen den Begriff der Nächstenliebe. Außerdem finde ich es nicht gut, wenn Kulturen vernichtet werden.
- links: religionsfeindlich, Kaderparteiensystem, „Alles gehört jeden – Nichts gehört allen -> Der Staat besitzt alles“, Planwirtschaft („Habe alles gemacht – Plan erfüllt“ -> schlechte Qualität. Hauptsache schnell und der Plan ist fertig; bzw keinen Handschrich mehr machen, nachdem ich fertig bin; bzw sehe das es heute besser wäre als morgen. Probleme mit der Versorgung der Betriebe (Fertigungsmaterial; Produkte für die Fertigung [Modelle, Zeichnungen]/ Vertriebs [Karton/Verpackung].

Konservativ ist da eher mitte – rechts. Also gemäßigt. Als konservativer verstritt man halt „alte Werte“ – wie Höflichkeit, Geduld, Nächstenliebe, Fortschritt wenn es uns hilft (nicht: Fortschritt nur damit wir einen irgendwo und irgendwie haben!), Freundlichkeit (besonders gegenüber Älteren)- auch ein bisschen „rechte“ Sachen – wie Disziplin, Fleiß, Ordnung in der Familie (Vater als Oberhaupt; Mutter Kinder-Küche-Kirche; aber der Trend ändert sich Gott sei Dank. Damit kommt bei der Mutter noch Arbeit rein und der Vater hilft im Haushalt) und so weiter ….

Ich sträube mich eigentlich davor, anderen Menschen das vermeintlich altersweise Das kann er ja noch nicht besser wissen, das kommt schon noch aufzudrücken. Angesichts von Sätzen wie „Außerdem finde ich es nicht gut, wenn Kulturen vernichtet werden.“ bleibt mir aber leider nicht viel mehr übrig. Schön auch, wie er die „schlechte Qualität“ sozialistischer Planwirtschaft dem Nationalsozialismus gegenüberstellt und keine nennenswerten Unterschiede feststellt.

„Humulus Lupulus“ ist da schon ein anderes Kaliber:

Die Bezeichnung „rechtsradikales Gedankengut“ entstammt dem Versuch, (linken) Gesinnungsterror zu legitimieren. Wenn man Ehre(im Sinne von Würde), Heimatliebe und all die anderen Werthaltungen, die man den sogenannten „Rechten“ zuschreibt, mit dem Hinweis auf den Nationalsozialistischen Massenmord kriminalisieren will, ist das Verbalfaschismus.

Nationalsozialismus und Christentum schließen einander sicherlich aus. Aber das Christentum ist auch unverträglich mit Sozialismus, Kapitalismus und Liberalismus und mit einer demokratischen Staatsordnung erst recht.

Ob der Nationalsozialismus im politischen Spektrum links oder rechts angeordnet ist, ist ohnehin ein Streitpunkt. Der nationale Aspekt vermutlich schon, der sozialistische vermutlich nicht. Wenn man unbedingt mörderische Ideologien gegenüberstellen muss, dann möge man auch die Mordopfer zählen.
[…]
(Manchmal ist es wohl klug, einen Stahlhelm aufzusetzen und in einen Splittergraben zu springen. Ich mach das jetzt mal.)

Wer das alles nicht ganz nachvollziehen kann, darf beruhigt aufatmen: Das Aufzählen unsinniger Dinge scheint bei „Humulus Lupulus“ System zu haben – beispielsweise auch hier:

Mein Eindruck ist, dass es sich bei den heute aktiven Neonazis um ein paar frustrierte und dauerbesoffene Kerle handelt, die irgendwie am Rand der Gesellschaft dahinvegetieren. Nicht so die Kommunisten. Diese sind in Europa parlamentarisch vertreten, haben unglaubliche Unterstützung durch die Massenmedien und es gibt etliche assoziierte sehr gewaltbereite Schlägertruppen, die alles kurz und klein schlagt, was ihren Vorstellungen widerspricht.

Rätsel: Wie heißt jener Massenmörder, der für die Ermordung von über 70 Millionen (manche meinen 100Millionen) Menschen verantwortlich ist, und dessen Bild in zigtausendfacher Ausfertigung in den Tresoren deutscher Banken liegt? (Natürlich gibt es diese Bilder auch in den Tresoren österreichischer, schweizer, französischer etc. Banken. Vermutlich gibt es sogar keine Banken, in denen kein Bild dieses Massenmörders liegt.)

Immerhin will „Humulus Lupulus“ sicher keine Diktatur. Allerdings:

Ich will sicher keine Diktatur. Auch keine, die sich christlich nennt.
Allerdings würde ich mir wünschen, dass man die christlichen Positionen deutlicher darstellt. Hier schläft die Kirche leider tief und fest. Esoterik und Sexratgeber im katholischen Buchhandel, Moscheebesuche von christlichen Gemeinden, gegen die Kirche hetzende Journalisten in Zeitungen die der Kirche gehören, usw.usw. ; all das sollte man dringend abstellen.

Währenddessen trägt auch „Dunkelkatholik“ wieder mehr oder eher weniger Erhellendes zur Diskussion bei:

„Links“ und katholisch sind miteinander unvereinbar. Haben etliche Päpste immer wieder festgehalten. Dassselbe gilt für „liberal“ und katholisch. Auch dazu kann man in Enzykliken nachlesen, dass sich das wie Feuer und Wasser verhält.

Also bleibt nach Adam Riese nur noch „rechts“ als die dem Katholischen noch am nächsten kommende politische Grundhaltung. Sonst wäre ja gar keine politische Einstellung erlaubt, und das hat die Kirche noch nie gelehrt.

Es liegt an der speziellen deutschen Geschichte, dass das Bekenntnis, „rechts“ zu sein, einem sofort als „rechtsradikal“ im Sinn von „Neonazi“ um die Ohren gehauen wird. In anderen, v.a. katholischeren Ländern geht man unverkrampfter damit um.

Eine freundliche Einschätzung, dass Katholiken also doch immerhin eine politische Meinung vertreten dürfen – wenngleich auch nur eine einzige. Vielleicht war ja das mit der Behauptung gemeint, Christentum und Demokratie passten einfach nicht zusammen?

„Gypsy“ versucht sich derweil an einem (verdammt guten) Vergleich:

Wenn ein Gast sich in meinem Haus nicht benimmt und die anderen Gäste oder gar die Eigentümer des Hauses drangsaliert und überfordert, dann muss ich diesen Gast bitten dürfen, mein Haus zu verlassen ohne dass ich in den Ruf komme, ein schlechter Gastgeber zu sein.

Eine Analogie, die einfach nicht funktionieren will. Und wäre Deutschland ein Haus, dann käme zumindest ich mit dem kleinen Raum unter der Treppe aus.
Welche Mitbewohner „Gypsy“ sich wünscht, stellt er/sie kurz darauf klar:

„Rechts“ sein bedeutet für mich die eigene Gesellschaft kulturell weiterzuentwickeln, wie sie unserem Biotop entspricht , gastfreundlich und offen für Menschen gutens Willens, die zu einer positiven Entwicklung beitragen wollen und können. Nicht offen für zerstörerische Tendenzen und Trojanische Pferde.

Womit sich die Diskussion endgültig von den eingangs gestellten Fragen entfernt hätte und, nachdem rechtsradikales Gedankengut mit dem vermeintlich gefährlicheren linken aufgewogen wurde, sich nun der pure Rechtspopulismus durchgesetzt hat.
Lang und breit diskutieren etwa „revontulet“ und „domenik“ darüber, ob man die Kultur islamischer Staaten tatsächlich als Kultur und nicht bloß als „Missstand“ bezeichnen sollte. Das veranlasst „Dunkelkatholik“ zur Feststellung:

Ja, das ist ein deutsches Übel, dass „Fundamentalist“ gleich „rechtsradikal“ ist. Nirgendwo sonst ist das so. In Amerika ist „Fundamentalist“ sogar eine Art Ritterschlag, die christlichen „Fundamentalisten“ sind dort die gesellschaftlich einflussreichste Gruppe und entscheiden Wahlen. Sie sind die entscheidende Stütze der rechten, aber keineswegs „rechtsradikalen“ Republikaner. Übrigens in schöner „ökumenischer Eintracht“ von Katholiken und Protestanten.
[…]
Wir sollten uns jedenfalls die positive Bedeutung dieses Wortes nicht von den Linken vom Butterbrot schmieren lassen!

Es sind mittlerweile 6 Tage ins Land gegangen, als am 2.1. „BergKarmel“ auftritt und den unreflektierten Volksbegriff ins Spiel bringt, als er/sie sich auf den Vergleich mit dem Haus einlässt:

Und das möchte nun wiederum ich zum Satz des (neuen) Jahres erklären (eigentlich zum Satz des Jahrhunderts, denn genau daran wird sich das Schicksal unseres Landes, unseres Volkes und unserer Kultur entscheiden, dass wir uns in genau diesen Punkten nicht die kruden Sichtweisen und Fehlurteile der Linken als Wahrheit aufdrücken lassen!)

Menschen wie „BergKarmel“, die im Fremden eine permanente Bedrohung sehen, ist ohnehin nicht zu helfen, wieso ich mir auch jeden Versuch spare, ihm/ihr Argumente entgegenzusetzen. Und so zitiere ich lieber zwei formschöne Absätze seines/ihres nächsten Beitrags:

Hand aufs Herz – wäre gefragt worden, was eigentlich LINKS ist, wäre man da auch sofort mit kommunistischen Massenmorden gekommen?
Nein, sicher nicht, und das hängt damit zusammen, dass sich das politische Koordinatensystem in Deutschland insbesondere seit 1968 geradezu unfassbar weit nach links geschoben hat. Wir diskutieren einerseits ein NPD-Verbot, während sich andererseits inzwischen selbst die SPD dazu herablässt, mit der SED-Nachfolgepartei auf Landesebene Koalitionen einzugehen (EDIT am Tag nach dem Verfassen des Beitrags: Einzig die CSU ist bemüht, hier wieder einigermaßen gerade Verhältnisse herzustellen, siehe diesen lesenswerten „WELT“-Artikel, der nebenbei auch viel Aufschluss über das entsprechende Verständnis bei FDP und SPD gibt: CSU-Generalsekretär für Verbot der Linkspartei ). Wer heute die Grünen kritisiert, der wird lächerlich gemacht (man betrachte dazu die öffentlichen Diskussionen, als rund um die „Stuttgart 21″-Vorfälle ein entsprechendes CSU-Video veröffentlicht wurde, das die grüne Unterstützung gewalttätiger Chaoten anprangerte). Auf der rechten Seite wird man hingegen sofort zum Extremisten gestempelt – schon vor Jahren war es ein Armutszeugnis, dass über den Begriff „Leitkultur“, der für mich eine vollkommene Selbstverständlichkeit darstellen sollte, eine breite Diskussion geführt wurde und man (also die veröffentlichte Meinung) am Ende einig war, dass sowas ja nun „gar nicht geht“.

Also nochmal zurück zur Frage, was eigentlich „rechts“ ist. Und ich denke, dazu muss man sich erst darüber im Klaren sein, welche Politikbereiche man zur Beurteilung heranziehen möchte. Viele nehmen dazu die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Klingt ja auch erstmal vernünftig, aber wenn man daran die Begriffe „links“ und „rechts“ festmachen wollte, dann wäre die FDP eine ziemliche Rechtsaußen-Partei, während die NPD eher linksextreme Positionen verträte.

Ja, das ist schon seltsam, dass man mittlerweile schief angeschaut wird, wenn man eine beinahe konservative Partei wie die Grünen als Linkextremisten bezeichnet.
Lustig übrigens scheint es am 13.1. gewesen zu sein. Von diesem Tag stammt der Hinweis, dass ein Posting von „Dunkelkatholik“ gelöscht worden sei – Moderatorin „mysterium fidei“ stellt klar, wieso:

@Dunkelkatholik: Deine Behauptung, dass Katholiken nicht für Demokratie sein dürfen, entbehrt jeder Grundlage. Bitte lies die Schriften der Kirche zu diesem Thema – und bitte nicht ausschließlich Schriften aus dem Mittelalter! Dein Eintreten für eine klare INNERKIRCHLICHE Hierarchie ist etwas anderes als das Eintreten gegen antidemokratische Staatsformen. Ich werde diese Zumutungen in Zukunft kommentarlos löschen, du kannst die also die Arbeit des Schreibens auch gleich sparen. Das ist eine Entscheidung der Moderation.

Mysteriös, dass die anderen antidemokratischen und teilweise revisionistischen Beiträge stehen bleiben durften.
Anyway, Schüler „michi“ schaltet sich noch einmal ein:

Die linke Gruppierung will ja Gott abschaffen und sich selbst zu Gott „erheben“….
Bestes Beispiel: DDR

Dass in einem Thread über den Begriff „rechts“ von Anfang bis Ende die Relativierung gesucht wird, dass rechte Menschenverachtung mit der kommunistischen verglichen und damit verharmlost wird, ist vielleicht die eigentliche Antwort auf „mysterium fidei“s Fragen. Denn die von Usern wie „Dunkelkatholik“, „revontulet“ oder „BergKarmel“ gewählte Strategie ist symptomatisch für eben jene Klientel, die sich am rechten Rand bewegt, es sich selbst oder den Anderen nicht eingestehen möchte.

Dass das kath.net-Forum generell kein guter Ort für einen friedlichen und vernünftigen Umgang ist, dürfte indes niemanden mehr überraschen. Schließlich stellte Klaus das in seinem Erfahrungsbericht bereits vor einem halben Jahr fest.


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