Die Ausnahme Marcus B.

Als am 6. Oktober bekannt wurde, dass der kath.net-Gastkommentator Marcus B. eine braune Vergangenheit aufzuweisen hat, beeilte sich kath.net mit einer Gegendarstellung. In dem mit „kath.net und ein lokales Medientheater“ überschriebenen Artikel teilte man mit, „grundsätzlich keine Kommentare aus dem rechtsradikalen Bereich“ zu veröffentlichen und dass B.s Texte deaktiviert worden wären. Später ergänzte man, die Sperrung sei möglicherweise nur „vorläufig bis zur weiteren Prüfung der Sachlage“. Dass dabei der Name des Autors auf die Initialen verkürzt und die Zeit der Veröffentlichung des Artikels von 22:00 auf 16:00 Uhr geändert wurde, lassen Zweifel aufkommen, wie ernst es kath.net mit der Distanz zur radikalen Rechten meint.

Die Kommentare Marcus B.s dürften kein Zufall gewesen sein, sondern, wie so vieles auf kath.net, kalkulierter Tabubruch – schließlich ist B. nicht der erste Autor des österreichischen Portals, der sich einen Namen in der rechten Szene machte.

Bevor ich darauf eingehe, sei aber noch auf einen lustigen Fund aufmerksam gemacht: Vor nicht einmal einem Monat berichtete ich über ein aus dem Jahr 2007 stammendes Interview, das kath.net mit dem PI-Gründer Stefan Herre führte. PI, wir erinnern uns, ist die islamophobe Internetseite, die vor wenigen Tagen auf mein Blog verlinkte und mir einige nette Kommentare einbrachte.
Das Interview ist mittlerweile gelöscht worden. Kommentarlos, natürlich.

Wahrscheinlich hat kath.net im Zuge der aktuellen Berichterstattung Angst bekommen, Journalisten würden über dieses Interview stolpern und es entsprechend auswerten. Diese Sorge kann ich Noé nur bedingt nehmen – schließlich lässt sich das Gespräch hier im Cache nachlesen.

Auch sonst scheinen die Kontakte von kath.net zur rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Szene um PI eng geknüpft: Stefan Ullrich, der im August auf kath.net gegen eine vermeintlich zu islamfreundliche ZDF-Dokumentation polemisierte, wird auf PI folgendermaßen vorgestellt:

Referent Stefan Ullrich ist ein an einer päpstlichen Hochschule ausgebildeter katholischer Katechist eines angesehenen Missionswerks und in der Münchner islamkritischen Szene ein Mitstreiter der ersten Stunde. Der Initiator der Internetseite deusvult.info ist auch Buchautor („Touring 9/11 – was ist nun die Wahrheit?“, „Der Kurs der Spirit“), war früher kooptiertes Vorstandsmitglied des CSU-Ortsverbandes München-Harlaching und Mitglied des „Islam-Arbeitskreises“ des Bayerischen Landtags sowie des CSU-Ausschusses Europapolitik. Aus Verärgerung über die islamwohlwollende Politik der CSU ist er im Dezember 2008 aus dieser Partei ausgetreten. Seit Anfang Juli ist Ullrich übrigens Mitglied der FREIHEIT.

Ullrich war auf der rassistischen Webseite auch als Autor tätig und berichtete über die „Islamverharmlosung am Gymnasium Geretsried“, verächtlich wird über „toleranzverliebte Schüler“ geschrieben, die Moscheen malen und basteln.

Als kath.net im Januar 2011 den evangelischen Bischof Johannes Friedrich zitierte, der PI als islamfeindlich bezeichnete, erhob sich in der Kommentarspalte erbitterter Widerspruch. „Herbert Klupp“ etwa, der auf PI einen offenen Brief an Christoph Schlingensief verfasste und den Klimawandel leugnete, unterstellte Friedrich den „Standpunkt eines geistig Blinden“.

Wenngleich man es kath.net kaum vorwerfen kann, Klupp als Leser anzuziehen, so ist diese weitere Verbindung zu PI doch auffällig.
Wer übrigens nähere Informationen zu dem Blog ‚Politically Incorrect‘ sucht, dem seien diese Artikel der Berliner Zeitung empfohlen: Der, der, der und der.

Auch fernab der Verbindungen zu den selbsternannten Islamkritikern gibt es eigenartige Menschen, mit denen sich kath.net umgibt. Als Martin Humer, selber ernannter „Pornojäger“, starb, widmete kath.net ihm einen Artikel, die Leser weinten ihm nach. Humer stand nicht nur für eine fragwürdige Sexualmoral, er solidarisierte sich 2010 gar mit einem Neonazi und leugnete die Existenz von Gaskammern in den KZs Dachau und Mauthausen.

Michael Hesemann, Journalist und Historiker, der dann und wann auf kath.net publiziert und auch dieses Blog um einige Kommentare reicher machte, gab im alien.de-Forum einige kluge Sätze zum Thema Abtreibung von sich:

Wenn Du Kinderschlachthöfe meinst … sorry, aber Menschen, die schutzloses ungebornes Leben vernichten trauere ich ebenso wenig nach wie ich Adolf Hitler nachtrauern würde!

Der Salzburger Theologe Michael Gurtner, im kath.net-Forum als „alumne“ angemeldet, machte ebendort mehreren Usern zufolge die Bemerkung, das Thema Holocaust würde ihm „zum Hals heraushängen“, so dass die Juden doch bitte schweigen mögen.

Als kath.net im Sommer 2010 über den 60. Geburtstag des Zentralrats der Juden berichtete, fielen die Reaktionen der Leser kühl aus – Kommentator_in „Chrysanthus“, stellvertretend:

Der Völkermord an den Juden ist keineswegs „das größte Verbrechen der Geschichte“. Dieses war die Kreuzigung Jesu Christi auf Golgotha. Aber auch quantitativ gesehen (so irgendwie beschämend solche Aufrechnungen und Vergleiche auch sind) gab es größere Verbrechen, wie die Ausrottung der Kulaken in Russland oder der Holodomor, ebenfalls von Stalin veranlasst.
Ganz zu schweigen vom Babycaust. Die millionenfache Ermordung von unschuldigen Ungeborenen ist das zahlenmäßig größte Verbrechen der Menschheit, und dieses geht täglich weiter.

Nein: Auf kath.net werden tatsächlich keine rechtsradikalen Texte und Kommentaren veröffentlicht.


1 Antwort auf „Die Ausnahme Marcus B.“


  1. 1 Glamypunk 11. Oktober 2011 um 9:35 Uhr

    Das war auch schon nach dem WK2 so. Kirchen stellten die Persilscheine an jeden Nazi aus und war er noch so verbrecherisch.

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