Prioritäten setzen ii

Rückblick, November 2011: Die Taten des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) werden öffentlich bekannt – drei Nazis fuhren jahrelang ungehindert durch die Republik und töteten vornehmlich Migranten. 10 Menschen fielen ihnen zum Opfer, dazu ging ein Nagelbombenattentat in Köln 2004 auf das Konto der Rechtsradikalen.

Besonders schockiert wirkte kath.net damals nicht: Mit einigen Wochen Verspätung wurde am 25. November ein Gastbeitrag des idea-Chefredakteurs Helmut Matthies veröffentlicht, der „Jetzt kann alles nur besser werden!“ jauchzte, schließlich sinke „die Zahl Rechtsextremer seit Jahren“. Matthies relativierte damals die Gefahr von rechts, indem er sich die Bildung einer kirchlichen Arbeitsgemeinschaft gegen „Linksextremismus“ wünschte, die „besonders schlimme Fremdenfeindlichkeit“ namens Abtreibung anprangerte und rhetorisch fragte: „Haben „Rechte“ keine Menschenwürde?“

Einen Tag später prangerte Wolfgang Polzer die „Sehbehinderung“ der evangelischen Kirche an: Sie müsse angesichts der NSU-Mordserie „bitte gegen jeden […] menschenverachtenden Extremismus“ vorgehen, wobei auch er triumphierend die „Gewalt von linken Anarchisten“ hervorhob.

Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit braunem Gedankengut fand freilich weder in diesen beiden noch in anderen kath.net-Beiträgen statt – wie auch, hielt doch die Redaktion die Gastkommentare eines Neonazis nur wenige Monate zuvor noch für unbedenklich.

Während sich die Betroffenheit damals also in recht engen Grenzen hielt, gibt man sich heute bestürzt: Im Gerichtssaal, wo das Verfahren gegen Beate Zschäpe ab dem 17. April stattfinden soll, wurde das Kreuz abgehängt, „in vorauseilendem Gehorsam“, wie kath.net pikiert feststellt. Die Leser halten das in souveräner Empörung für „Verrat“ (macie“), beschimpfen die Verhandlung als „Schauprozess“ (Prophylaxe) oder fordern gleich „OLG absetzen statt Kreuz abhängen!“ (rosengarten1997).
Womit das ganze Elend, das sich auf kath.net seit Jahren abspielt, anschaulich beschrieben wäre.


33 Antworten auf „Prioritäten setzen ii“


  1. 1 Bratwurst 14. April 2013 um 16:05 Uhr

    Wegen Kreuzabhängung:
    Kath.net jetzt genau so schlimm wie dpa und Mitteldeutsche Zeitung oder umgekehrt?
    http://www.mz-web.de/newsticker/cdu-vize-kloeckner-kritisiert-fehlendes-kreuz-im-nsu-gerichtssaal,20864654,22362670.html

  2. 2 Dr. Arnd 14. April 2013 um 20:51 Uhr

    @Bratwurst: der Artikel kristisiert nicht die Kreuzabhängung, sondern die Aufregung darüber als einzigen Beitrag zu den NSU-Morden

  3. 3 suennerklaas 15. April 2013 um 8:42 Uhr

    Ein großes Problem dürfte in dem Umstand bestehen, dass die NSU keine Katholiken umgebracht hat, sondern bis auf eine Ausnahme Muslime, also „Ungläubige“. Den Hinterbliebenen der Mordopfer den Gekreuzigten an der Wand zu zeigen, ist unter diesen Rahmenbedingungen durchaus im Sinne des Missionsbefehls. Ich vermute einmal, dass wir in der nächsten Zeit wegen des fehlenden Kruzifixes an der Wand während des NSU-Prozesses noch schwere politische und juristische Auseinandersetzungen erleben werden. Ggf. könnte das für echte Winkeladvokaten sogar ein Revisionsgrund sein.

  4. 4 diskordianerpapst 15. April 2013 um 11:07 Uhr

    @suennerklaas,
    Revision ist nur möglich wenn das Urteil auf einer Verletzung
    eines Gesetzes beruht. Da das Ab- oder Aufhängen eines Kruzifixes
    wohl kaum ein Gesetz verletzt wird das also schwierig.
    Ausserdem ist es kaum vorstellbar das ein Urteil des Gerichtes
    irgendwie auf der Tatsache beruhen könnte ob da nun eins hängt
    oder nicht.

    Natürlich könnte es passieren das irgendwelche „Winkeladvokaten“
    sowas versuchen, da hat es schon aussichtslosere Unterfangen
    gegeben. Aber das Gericht möchte ich sehen das in einem solchen
    Fall einen Revisionsgrund erkennt.
    Schon aus rein praktischen Erwägungen wird das kein Gericht
    wagen: Man stelle sich die Flut von Revisionen vor die wegen
    sonstiger Gestaltungsmerkmale der Räumlichkeiten in Zukunft
    eingehe würden, und mit diesem Bullshit müssten sich ja die
    gleichen Richter befassen ;-) .

    Aber ich finde das jegliche religösen Symbole in staatlichen
    Einrichtungen grundsätzlich nichts verloren haben.

  5. 5 Nike 15. April 2013 um 13:12 Uhr

    Idea und kath.net: zwei, die´s miteinander können! Zu den „extremistischen Umtrieben“ (10 Morde, Sprengstoffanschläge, 15 Raubüberfälle – darum geht´s ab 17. April vor Gericht):

    Das eine Portal verschanzt sich hier hinter zwei Artikeln, in denen offensichtlich irgendwelche ethischen Grundsatzdiskussionen angezettelt werden sollen und das andere Portal nutzt dies und versteckt sich hinter dieser Schreibe.

    Und was die wirklich deplazierte Beanstandung von Klöckner angeht, kann Noé für sich zudem noch beanspruchen, dass er ja wohl noch eine dpa/kann-Meldung einstellen darf.
    Ich denke aber, dass ein so erfahrender Mann wie Alois Glück diese billigen Manöver durchschaut und nicht hochkochen lässt.

    Blamabel und traurig.

    Bei Wikipedia sind übrigens solide Infos über idea, die Deutsche evangelische Allianz und einen Artikelverfasser,Helmut Matthies, abzurufen.

    Hinweis und wichtig: in vielen Kommunen laufen schon seit geraumer Zeit auch konfessioniell koordinierte vielseitige Aktionen zu Neonazis, Rechtsextremisten und Rechtsradikalen, auch das lokale Spektrum betreffend!

  6. 6 Nike 15. April 2013 um 13:17 Uhr

    Sorry, die pöse Tastatur! Richtig: dpa/kna-Meldung

  7. 7 suennerklaas 15. April 2013 um 14:16 Uhr

    Frau Klöckner weiß, dass CDU und CSU bei der nächsten Bundestagswahl existenziell auf die Stimmen er Dunkelkatholiken angewiesen ist.

    @diskordianerpapst
    Das fehlende Kruzifix kann vielfältige Möglichkeiten eröffnen, während des Prozesses Anträge einzubringen und sich medienwirksam zu profilieren. Das Thema „Kruzifix“ wird mit Sicherheit beim Prozess eine Rolle spielen.

  8. 8 Nike 15. April 2013 um 20:40 Uhr

    @ suennerklaas: Hm ja, Spekulationen und Mutmaßungen in dieser Richtung sind möglich. Andererseits ist Klöckner von der Vollversammlung gewähltes Mitglied des ZdK, u.a. mit Kollegen Hans Mayer und Kollegin Sabine Demel, also auf Konsens angewiesen.

    Apropos“ Dunkelkatholiken“: Hat nicht Pater Mertes, SJ, diesen Ausdruck gebraucht, allerdings definitiv deutlich und präzise formuliert? Übernehmen Sie diese Kategorie in seinem Verständnis und wenn nicht, was verstehen Sie darunter?

  9. 9 suennerklaas 15. April 2013 um 21:56 Uhr

    Pater Mertes, SJ hat den Begriff „Dunkelkatholiken“ einem kleinen, aber sehr lautstark auftretenden Kreis innerhalb der RKK wie folgt definiert:

    „Sie begreifen jede Kritik als Illoyalität und desavouieren Leute, die Fragen haben, mit dunklen Verdächtigungen. Sie denken in Lagerkategorien. “
    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79652691.html

    Jetzt, wo es bei der nächsten Bundestagswahl für die UNION auf jede Stimme ankommt, ist die Bedienung dieser Klientel äußerst wichtig. Ein Wahlkampfgeschenk, nämlich das „Betreuungsgeld“ hat sie ja schon bekommen.

  10. 10 Nike 16. April 2013 um 8:15 Uhr

    @suennerklaas

    Pater Mertes: für mich ein mutiger Mann, zumal er in seinen mehrmaligen öffentlichen Statements gerade auch unbequemen selbstkritischen Anfragen ungeschönt Rede und Antwort stand.
    Dafür steht er auch namentlich: Selbstreflexion und Selbstkritik inklusive und gleichermaßen.

    Zur C-Parteien-Familienpolitik:
    Bei Spiegel-online ist nun diese Forsa-Umfrage nachzulesen:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/elternstudie-familien-leben-anders-als-sie-wollen-a-893199.html

    Diese „C“ -Politik: eine desaströse Baustelle, einseitig und an der Wirklichkeit vorbei, und das seit zig-Jahren. Und mitgetragen und zu verantworten von Leuten mit „Gesicht“. Dazu kommt mir gerade auch die völlig undurchschaubar gewordene Mehrwertbesteuerung (Babywindeln u. ä.) in den Sinn… dürfte auch noch alles so sein wie eh und je.

  11. 11 Heinrich 16. April 2013 um 11:42 Uhr

    Ich habe mir gerade diesen Absatz von Helmut Matthies noch einmal auf der Zunge zergehen lassen:

    „Im Blick auf Rechtsaußen sollte sich die evangelische Kirche einmal fragen, warum es ihr nicht gelingt, irgendeinen positiven Einfluss zu nehmen. Liegt es vielleicht daran, dass „Rechte“ angesichts kirchlicher Stellungnahmen den Eindruck haben, ihnen werde ohnehin die Menschenwürde abgesprochen – im Gegensatz zu Repräsentanten von Linksaußen, die sogar bei hohen EKD-Amtseinführungen mitwirken durften?“

    Hier wird ja auf ganz perfide Weise die Schuld an eine schlimmen Situation den Kritikern dieser Mißstände selbst in die Schuhe geschoben. Die EKD kritisiert die Rechten, ist aber doch selbst schuld daran, dass ihre Kritik nicht ausrichtet… So ist das also. Liberale oder Linke sind letztlich immer selbst schuld, dass etwas so ist, wie es ist.

    So kann man ja auch argumentieren, dass die Zunahme von Einwanderung sowie ethnische und religiöse Überfremdung schließlich Gewalttaten wie die durch den NSU überhaupt erst provoziert. Merke: Die Einwanderer und ihre linken Helfershelfer sind selbst schuld am rechtsradikalen Terror. Strukturell ähnlich wurde auch in einschlägigen dunkelkatholischen Foren nach dem Massaker durch Andres Breivik argumentiert.

    Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.

  12. 12 Nike 16. April 2013 um 12:45 Uhr

    @Heinrich

    Aus Zeitgründen muss ich mich dazu so kurz fassen: für mich auch eindeutig möchten beide idea-Autoren zudem Schuldgefühle machen. Sie blocken ja auch beide thematisch sofort ab und bringen alles auf eine ganze andere Ebene! Blamabel.

  13. 13 suennerklaas 16. April 2013 um 15:51 Uhr

    @Nike

    Ja – es gibt sie in der römisch-katholischen Kirche, die Aufrichtigen, die Ehrlichen. Sie sind auch deutlich in der Mehrheit gegenüber den sogenannten „Dunkelkatholiken“, die teilweise aus irgendewelchen Bloglöchern schreien und zetern und denunzieren. Sie aber sind eine kleine, kleine, aber leider sehr laute Minderheit. Das muss man immer wieder ins Feld führen und klar und deutlich sagen.

  14. 14 Heinrich 16. April 2013 um 17:11 Uhr

    @suennerklaas

    Zustimmung. U.a. deshalb finde ich es so wichtig, dass man der Usurpation der Bezeichnung ‚katholisch‘ durch diese Minderheit klar entgegentritt.

  15. 15 Jean-Louis 16. April 2013 um 20:03 Uhr

    Finden Sie nicht, dass diese Selbstbeweihräucherung der „Guten“ langsam peinlich wird. „Ach Herr, wir, die Ehrlichen, die Aufrichtigen, danken dir, dass wir nicht sind wie die da, die Dunkelkatholiken“. Gott allein sieht in die Herzen, es gibt wohl in allen Gruppierungen gute und weniger gute Katholiken. Einer Gruppe, und sei sie extrem, revolutionär oder reaktionär, das Katholisch sein absprechen zu wollen, zeugt von einer ziemlichen Ignoranz über das Wesen der Religion (religio=Bindung). Und prinzipiell kann zudem auch eine Minderheit recht haben.

  16. 16 Dr. Arnd 17. April 2013 um 9:16 Uhr

    @jean-louis:
    Sie argumentieren hier (ausnahmsweise) aus einer säkularen Perspektive, der der Toleranz und Meinungsfreiheit. Als Bürger der BRD gebe ich Ihnen auch ausdrücklich recht, dass in den strafrechtlichen Grenzen diese Meinungen vertreten werden dürfen. Ich erwarte aber natürlich auch eben diese Toleranz für kritische Äußerungen zu diesen Äußerungen.

    Es geht aber -so finde ich- darüber hinaus im religiös-konfessionellen Bereich -hier also aus katholischer Sicht- immer auch um die Verbreitung des Evangeliums -für Laien wie Franziskus sagt vor allem durch das beispielhafte christliche Leben- und da bin ich der Auffassung, dass die nicht unzutreffend als „Dunkelkatholiken“ bezeichnete, sehr kleine, aber überlaute Minderheit, ihrer Kirche, die sie so zu lieben vorgeben, aus den schon oben genannten Gründen einen Bärendienst erweisen.

    Ich möchte aber bei aller Kritik an kath.net auch hervorheben, dass ich die Berichterstattung über Franziskus, gemessen daran, aus welcher Ecke sie kommen, bislang ausgewogener finde, als ich zuerst befürchtet habe.

  17. 17 Heinrich 17. April 2013 um 9:47 Uhr

    @Jean-Louis

    „Einer Gruppe, und sei sie extrem, revolutionär oder reaktionär, das Katholisch sein absprechen zu wollen, zeugt von einer ziemlichen Ignoranz über das Wesen der Religion (religio=Bindung).“

    Vielleicht ist es Ihnen bisher entgangen, aber genau das ist die Strategie der ‚Dunkelkatholiken‘ – sie nehmen für sich in Anspruch, allein und ausschließlich den wahren katholischen Glauben zu vertreten, während sie dies allen anderen absprechen. Eine Strategie, die auch in Beiträgen auf kath.net häufig zu finden ist.

  18. 18 Nike 17. April 2013 um 10:50 Uhr

    Bei dem vorausgegangenen offenen und argumentativen thematischen Diskurs waren „gut“ oder „böse“ als dualistische Positionen der Debatte gar nicht vertreten, auch nicht die dualistischen Positionen Lichtkatholiken contra Dunkelkatholiken.

    Und dass im Katholizismus ein anonymes Denunziantentum immer wieder zur Sache kommen kann, ist unbestreitbar. Und auch genügend Gläubige, die ihre eigene religiöse Plattform als Maß aller Dinge halten, um die nicht darin Eingepassten beispielweise als „Zeitgeistapostel“ zu diskreditieren.

    Das ist meinerseits keine Polemik, vielmehr könnte ich dafür auch klare,eindeutigen Gegebenheiten benennen. Aber ich will es jetzt so lassen.

  19. 19 Memphis Misraim 20. April 2013 um 12:22 Uhr

    „Einer Gruppe, und sei sie extrem, revolutionär oder reaktionär, das Katholisch sein absprechen zu wollen, zeugt von einer ziemlichen Ignoranz über das Wesen der Religion (religio=Bindung).“

    Die ganze „Schönheit“ des Wesens der Religion wurde einem ja wieder durch die jüngsten Ereignisse in den USA ins Gedächtnis gerufen. Deus lo vult!

    Die Al-Khaida und Al-Catholica glauben ja beide von sich selbst, Gottes Willen zu kennen. Die Ergebnisse dieser Gesinnungen kann man als fatal bezeichnen.

  20. 20 Dr. Arnd 20. April 2013 um 20:40 Uhr

    @ M.M.
    Seinen Sie sicher, die Betreffenden würden sich, gäbe es die Religionen nicht, schon eine Ideologie zusammenzimmern, damit sie das Ausleben ihrer Aggressionen „rechtfertigen“ können.

  21. 21 Commander Vimes 20. April 2013 um 23:25 Uhr

    @ Dr. Arnd:
    Das würde ja bedeuten, dass Terroristen so oder so Menschen umbringen würden, völlig egal, woran Sie glauben. Wäre dem so, bräuchten wir keine Gesetze gegen Volksverhetzung mehr, da die Täter sich dann einfach eine andere Ideologie zusammenzimmern, um ihre Gewalt zu rechtfertigen. Wollen Sie uns das etwa sagen?

  22. 22 Bratwurst 21. April 2013 um 20:01 Uhr

    War die RAF etwa gläubig?

  23. 23 Memphis Misraim 21. April 2013 um 20:48 Uhr

    Ob die RAF gläubig war oder nicht, spielt kaum eine Rolle. RAF war in erste Linie gesteuert. Lesen Sie sich mal in das Thema „Gladio“ und „Stay-behind“ ein. Sie werden staunen, wer da alles die Finger im Spiel hat. Sogar der „heißgeliebte“ Opus Dei. Ein scheußliches, dreckiges Spiel. Da schreckt man auch nicht davor zuürck, mal ein paar Menschenleben zu opfern, wenn es darum geht, False-Flag-Aktionen zu starten.

  24. 24 Dr. Arnd 21. April 2013 um 22:49 Uhr

    @Commander Vimes:
    Die Gesetze gegen Volksverhetzung sind notwendig, da der Staat repressiv tätig werden soll. Aggressive Täter müssen in die Schranken gewiesen werden, möglichst bevor Gewalt ausgeübt wird.

    Wollen Sie mit Ihrer Mail sagen, dass die Weltreligionen volksverhetzend wirken ? Sehr intelligent…

  25. 25 Commander Vimes 22. April 2013 um 7:59 Uhr

    @ Dr. Arnd
    Nach Ihrer Aussage Ist es ja vollkommen egal, was Religionen predigen, es hätte keine Auswirkungen auf die Anzahl von Attentaten.
    Wenn Sie meinen, dass Aufrufe zum Dschihad, Fatwas, Hasspredigten und systematische Ausgrenzung und Unterdrückung von Minderheiten keinen volksverhetzenden Charakter haben, bin ich irritiert.

  26. 26 Administrator 22. April 2013 um 10:00 Uhr

    @Memphis: Bitte keine Verschwörungstheorien. Tatsächlich hatte Gladio wohl bei ein paar Anschlägen die Finger im Spiel, aber bei der RAF ist die Faktenlage doch wohl arg dünn. Außerdem bedarf es auch bei ausreichend fanatisierten Linken keiner Steuerung von außen, die kriegen das Morden leider selbst genauso gut hin wie Nazis oder religiöse Extremisten.

  27. 27 Dr. Arnd 22. April 2013 um 10:23 Uhr

    @Commander Vimes:
    Natürlich kann jede einzelne von Ihnen genannte Äußerung volksverhetzend wirken. Sie werfen nur alles in einen Topf und meinen, die negative Energie komme aus den Religionen an sich.

    Stellen Sie sich doch einfach mal vor, ein potentieller Gewalttäter geht zu einer Gruppe der charismatischen Erweckung der katholischen Kirche, in der Menschen sind, die keiner Fliege etwas zuleide tun und immer nur Friede, Friede rufen. Er wird sich angewiedert abwenden und auf einer „christlichen“ Website, die gegen Muslime hetzt vielleicht begeistert eine Gruppe kennenlernen, die es ihm ermöglicht, ein Attentat zu begehen. Wenn er die nicht findet, findet er aber vielleicht auf unreligiösem Wege eine weltanschauliche Gruppe (im Kommunismus oder seinem Gegenteil oder ganz was anderem), die die Menschen ebenso hasst und ihm Gewalt ermöglicht.

    Was hat das dann alles letzlich mit Religion zu tun ?

    Unabhängig davon muss man solche Gruppen jeder Couleur als wehrhafter Demokrat natürlich mit dem. Mitteln bekämpfen.

  28. 28 Commander Vimes 22. April 2013 um 12:00 Uhr

    @ Dr. Arnd
    Ich werfe NICHT alles in einen Topf. Ich kann sehr wohl unterscheiden zwischen religiösen Menschen, die friedlich und respektvoll mit Menschen umgehen, die ihr Bekenntnis nicht teilen, und solchen, denen diese Toleranz fehlt.

    Nur teile ich nicht Ihre Einschätzung, dass „potenzielle Gewalttäter“ sich gerade die Religion rauspicken, in der sie die Rechtfertigung für ihre Gewaltphantasien erhalten. Natürlich mag das in Einzelfällen tatsächlich so sein. Für die überwiegende Zahl der religiös motivierten Gewalttaten glaube ich aber, dass die Radikalisierung der Täter durch die Religion erfolgte und vermutlich auch ursprünglich friedfertige Menschen durch die entsprechende Gehirnwäsche zu Tätern werden.

  29. 29 Dr. Arnd 22. April 2013 um 13:42 Uhr

    Dann haben wir da einen Dissenz.

  30. 30 Commander Vimes 22. April 2013 um 21:32 Uhr

    Ja, sieht wohl so aus.

  31. 31 Memphis Misraim 22. April 2013 um 22:28 Uhr

    Hallo Administrator,

    also ein Verschwörungstheoretiker bin ich mit Sicherheit nicht. Aber man muss den einschlägigen Dummfug (Zionistische Weltverschwörung, Reichsdeutsche Flugscheiben in der hohlen Erde etc.) ganz klar von tatsächlichen Verschwörungen unterscheiden. Weder bin ich links orientiert, noch will ich diese Ideologie verteidigen. Aber ich habe mich aus persönlichem Interesse lange und ausführlich mit Gladio beschäftigt. Du schreibst „ein paar Anschläge“. Das tifft’s nicht im Mindesten. Das Thema ist ein spannendes, aber auch sehr abgründiges Gebiet. Nimm dir mal die Zeit und recherchier auf seriösen Seiten (keine Weltverschwörungsseiten), lese und höre die Beiträge des Friedensforschers Daniele Ganser, der europaweit an Universiäten Vorträge zu dem Thema hält. Die Abgründe, die sich da auftun, sind keine Verschwörungsgeschichten, sondern der meiner Meinung nach größte Skandal der Nachkriegsgeschichte. Während die Regierungen in Belgien, in England, der Schweiz und Italien längst zugegeben haben, von Stay-behind gewusst und involviert gewesen zu sein, herrscht in Deutschland tiefes Schweigen bis heute. Während in Belgien Journalisten zum Thema in den Akten recherchieren dürfen, hält man in Deutschland noch immer den Daumen drauf. Es ging hier im zahlreiche Menschenleben, daher ist die Vertuschung umso unfassbarer. Die Drahtzieher sind nämlich in keiner Weise zur Verantwortung gezogen worden. Hast du eine Erklärung, warum? Sogar der Anschlag damals auf das Münchner Oktoberfest trug Gladio-Handschrift. Man hat rausgefunden, dass die Wehrsportgruppe Hoffmann involviert war. Wieder Nazis. Wer sich seriös mit Gladio-Forschung beschäftigt, glaubt nicht mehr an die Geschichte der friedlichen Nato. Wer Geheimarmeen betreibt und dafür gezielt im kalten Krieg Nazis angeworben hat, dem geht es wohl kaum um Frieden.

    Die ursprüngliche Idee von Gladio mag ja eine gute gewesen sein. Sich stark zu machen gegen einen erstarkten Kommunismus. Dagegen gibts wohl kaum was zu sagen. Dann aber selbst Attentate auf Privatleute zu organisieren, die linke Handschrift tragen (flase flag), um die Kommunisten noch schlechter dastehen zu lassen, als sie ohnehin schon sind, ist krimimell.

    Das sind historische Fakten. Frag dich mal, warum unsere Kinder sowas nicht in Geschichte in der Schule lernen.

    Und nun die Brücke zu Opus Dei: Die Nato hat damals im kalten Krieg und darüber hinaus ganz konkret mit Opus Dei zusammengearbeitet. Opus Dei konnte man ganz bewusst mit dem „gegen Links“-Kreuzzug ködern.

    Da hast du die Schwäche der Fundamentalisten, auf die ich hinaus wollte. Die ködert man nicht mit reiner Politik. Die ködert man auch nicht mit Begriffen wie Menschenrechte, Frieden oder Humanismus.

    Nein, die ködert man mit Floskeln wie Kampf gegen die Gottlosigkeit, Kampf gegen die Beliebigkeit, Kampf gegen die sexuelle Freiheit, Kampf gegen die Homos, Kampf gegen jeden und alles, der sein Leben nicht nach einem Jahrtausende alten Splatter-Roman ausrichtet.

    Je fundamentalstischer, je glaubensverwirrter, umso leichter lassen sie sich ködern. Ein Kinderspiel.

  32. 32 Memphis Misraim 22. April 2013 um 22:34 Uhr
  33. 33 Memphis Misraim 22. April 2013 um 22:45 Uhr

    Den hier habe ich vergessen. Wie dt. Politiker rechte Attentate den Linken in die Schuhe schieben wollten:
    http://www.taz.de/!38171/

    Die Linkterroristen haben genug Dreck am Stecken, keine Frage. Aber Vorsicht, manche Dinge im politischen Alltag sind nicht so, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Und niemand lässt sich leichter zur Marionette machen als Extemisten.

    Hätte man auf kotz.net Stay-behind Aktivisten anwerben wolllen, wäre die Aktion von Erfolg gekrönt. Soviel ist sicher.

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