Andreas Laun und die mimosenhaften Reaktionen

Man hat es als katholischer Fundamentalist dieser Tage wahrlich nicht leicht: kreuz.net ist dicht, Gloria.tv macht sich mit Hakenkreuzbildern und Prügelvideos noch unmöglicher als sonst, und nun scheint auch noch kath.net den Kommentarbereich entgegen früheren Beschwichtigungen endgültig abgeschafft zu haben. Schwer zu sagen, was den Ausschlag gab: Hat die kath.net-Redaktion Angst vor neuer römischer Aufmerksamkeit? Fürchtet man die mühevolle Moderation von mehrheitlich sedisvakantischen Leserkommentaren, obwohl man den „Lesern seit Tagen nur eine Botschaft einzuhämmern versucht: Es bestehe vollkommene Kontinuität zwischen Benedikt XVI. und Franziskus“.

Man weiß es nicht. Und es ist ja auch nicht so, als wäre das Ende der Kommentarspalte eine bedauerliche Angelegenheit, allein: User wie „M.Schn-Fl“ pöbeln mittlerweile auf anderen Seiten unter Klarnamen, ein Teil der Kommentatoren wird sich in die „Blogozese“ zurückziehen und andere auf Portale wie katholisches.info. Der Quatsch ist also nicht aus der Welt, er findet bloß neue Sprachrohre. Für kath.net könnte die Experimentierfreude allerdings schiefgehen. Leser, die zuvor sekündlich F5 betätigten, um neue Reaktionen und Verschiebungen auf der Bewertungsampel (RIP) zu begutachten, gibt es nicht mehr. Damit dürfte ein Großteil des Traffics fehlen, die Klickzahlen brechen ein, Werbekunden springen ab, die kath.net-Redaktion muss sich vernünftige Jobs suchen Stellen nach Moldawien outsourcen zurückrudern.

Als Salzburger Weihbischof hat Andreas Laun unterdessen einen vergleichsweise krisensicheren Job mit Aufstiegschancen, seinen Unfug kann er weiterhin bei kath.net veröffentlichen und gegenwärtig hat er sowieso andere Sorgen: Denn Andreas Laun wird gerade Zeuge und Opfer einer Dauer-Gehirnwäsche, von Propagandaveranstaltungen, Schau- bzw.: Stierkämpfen – Fernsehsendungen also, in denen über Homosexualität diskutiert wird.

Das für Laun Unvorstellbare: „Sachliche Argumente gegen Homosexualität spielen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle, wirkliche Bildung und Suche nach Wahrheit sind nicht gefragt“. Ein nachvollziehbarer Ärger, bietet die homophobe Szene doch brillante Köpfe mit glänzenden Argumenten. Zum Beispiel Gabriele Kuby, die gegen Homosexualität nicht nur Bibelverse ins Feld führt, sondern auch Kants Imperativ, die „demografische Krise“ oder „ein erhebliches gesundheitliches und psychisches Risiko“.

Und nicht bloß, dass intellektuelle Größen wie Kuby keinen Erfolg mit ihren mutigen Einwürfen haben: Es „vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Sender ein Homosexuellen-Thema abhandelt und zugleich vorgibt, „Was man denken sollte“ und kein Tag, indem nicht ein Printmedium mit einer Schlagzeile in der gleichen Richtung zuschlägt“. Eine Vorgehensweise, die kath.net freilich nie einfallen würde – 1883 tendenziösen Artikeln über Homosexualität stehen lediglich 1139 über Kardinal Meisner gegenüber, 46 über die Vatikanbank oder 2760 (!), in denen das Wort ‚Bibel‘ vorkommt.

Andererseits kann man Laun aber auch nicht vorwerfen, nur die Fähigkeiten der eigenen Basis falsch einzuschätzen:

Ja, es ist Menschen mit homosexuellen Neigungen in der Geschichte oft auch schweres Unrecht zugefügt worden! Aber das ist längst vorbei, sie können wie alle Bürger in Frieden leben und das soll so sein und bleiben! Aber sie sollen aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie wären benachteiligt und aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

Also alles in Butter. Abgesehen u. a. von homosexuellen Jugendlichen, die an ihrem homophoben Umfeld verzweifeln; von in der kath.net-Kommentarspalte publizierten Wünschen, Homosexuelle in Konzentrationslager zu verfrachten; von Verfolgungen Homosexueller in mehrheitlich muslimisch, aber auch christlich geprägten Staaten bis hin zur Haft- oder gar Todesstrafe, was man selbst als kath.net-Chef öffentlich für gar nicht so schlecht befinden darf.

Man hat es als katholischer Fundamentalist dieser Tage wahrlich nicht leicht.


6 Antworten auf „Andreas Laun und die mimosenhaften Reaktionen“


  1. 1 Commander Vimes 03. April 2013 um 10:26 Uhr

    Auf die „sachlichen Argumente gegen Homosexualität“ bin ich gespannt. Vielleicht gibt es ja auch sowas wie „sachliche Argumente gegen Linkshänder, rote Haare oder dunkle Hautfarbe“?

    Aber sie sollen aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie wären benachteiligt und aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

    Ach so, deswegen gibt es ja auch so viele geoutete Profifußballer; Homosexuelle dürfen Blut spenden; „Don‘t Ask – Don‘t Tell“ hat es nie gegeben, bekennende Homosexuelle dürfen Priester werden und wir alle folgen dem Hasen in den Kaninchenbau um im Wunderland mit der Grinsekatze zu tanzen.

  2. 2 Bratwurst 03. April 2013 um 11:11 Uhr

    Der Fisch ist happy, endlich (wieder) ein „Laun“-Artikel zum Abarbeiten, nachdem die Kommentare weg sind.
    Wäre es für den Fisch nicht reizvoll, mit vergleichbarer Akribie das „kath.net-Forum“ zu sezieren?

  3. 3 hnk 03. April 2013 um 11:28 Uhr

    Gibt auch noch das Kath-Tradi-Forum kreuzgang.org — da gehts ebenfalls richtig christlich ab.

  4. 4 Administrator 03. April 2013 um 12:06 Uhr

    Wenn die Wurst auch so freundlich wäre, etwas konkreter zu werden, würde ich mich mit Vergnügen dem Forum widmen. Bloß hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun, ich kann doch nichts dafür, dass Laun jedes Mal so einen Unfug in die Tasten haut.

  5. 5 Wurst 03. April 2013 um 12:47 Uhr

    @ Admin:
    Sie haben ja recht! Das kath.net Forum http://www.kathnews.com/
    enthält nur ausführlicher, was früher als Extrakt in den Kath.net-Kommentarspalten stand. Wobei ich bei den Kommentaren duchaus den Eindruck hatte, dass die eine oder andere abweichende Meinung „durchgelassen“ wurde („rote“ Balken).

  6. 6 Nike 03. April 2013 um 13:02 Uhr

    Ja, wem die Stunde schlägt…! Und so vergeht kein Tag wie Laun bezeugt, an dem ihm nicht “ das (sexuelle) Hauptproblem der Welt von heute“ in den weihbischöflichen Ohren klingelt.

    Das arme Opfer.

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