Expertenmeinung zu Haftstrafen für Homosexuelle ii

Aus dem kath.net-Forum von 2008: „Guaneri“ antwortet einem User, der seine Homophobie nicht aufgeben möchte:

Ein Bekannter von mir aus Kenia regt sich ständig über unsere „liberale“ Haltung gegenüber der Homosexualität auf. In Kenia würde man Schwule 10 Jahre in den Knast schicken und damit hätte sich die Sache.
Auch in vielen islamischen Ländern kommt es zu schwersten Menschenrechtsverletzungen gegenüber Homosexuellen, teilweise steht sogar die Todestrafe darauf, so zum Beispiel in Libyen.

Und genau aus diesen Gründen muss die weltweite „Ächtung“ Homosexueller irgendwann mal ein Ende finden.

Auf diese Aufzählung – wir wiederholen noch einmal: 10 Jahre Gefängnisstrafe, schwerste Menschenrechtsverletzungen, Todesstrafe – reagiert kath.net-Chef Roland Noé alias „Gandalf“ nur einen Post später folgendermaßen (mutmaßlich fehlt im ersten Teil ein „nicht“):

@Guaneri: Die Afrikaner haben bei solchen Dingen halt noch soviel (mediale) Gehirnwäsche und können dadurch auch noch selbständig den Verstand einsetzen, der jeden normalen Menschen sagt, dass Homosexualität etwas Widernatürliches ist.

Dem ungläubigen Einwurf von „valentina“ entgegnet Noé dann noch:

Ich bin gegen Menschenrechtsverletzungen, ich aber aber auch gegen Gottesrechtsverletzungen und Homosexualität ist etwas Widernatürliches und eine Beleidigung vom Plan Gottes für die Welt. Ein Blick in die Genesis genügt dazu und was Gott zur Homosexualität denkt, steht unter anderem im Römerbrief, Kap. 1.

Keine Fragen mehr.


5 Antworten auf „Expertenmeinung zu Haftstrafen für Homosexuelle ii“


  1. 1 Dr. Arnd 03. März 2013 um 21:54 Uhr

    Das ist wieder ein typisches Beispiel wie politisch Konservative die Bibel als Geisel nehmen. Aus dem Römerbrief ergibt sich schon seinem Wortlaut nach, also ohne Interpretation, dass der verurteilte homosexuelle Sex aus einer festen herterosexuellen Beziehung heraus frei gewählt (sozusagen als zusätzlicher Kick) praktiziert wird. Dies kann man schon aus dem Blickwinkel des Ehebruchs als unmoralisch qualifizieren, um Homosexualität geht es proritär gar nicht. Um eine „Veranlagung“ o. ä. zur Homosexualität wusste man damals nichts.

  2. 2 suennnerklaas 04. März 2013 um 11:16 Uhr

    @Dr.Arndt

    Ich sehe es etwas differenzierter. Zum Nachdenken reicht hier Matth. 7, 1-6:

    „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. (Römer 2.1) (1. Korinther 4.5) 2 Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. (Markus 4.24)
    3 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? 4 Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? 5 Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
    6 Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen.“

    Wenn man den biblischen Text als Grundlage für die Bewertung von Noe’s Aussage nimmt, dann kommt man zu einem eindeutigen Urteil. Was eine „Gottesrechtsverletzung“ ist, das können wir Menschen nicht beurteilen – es steht uns auch gar nicht zu, es wäre eine Anmaßung.

  3. 3 Dr. Arnd 04. März 2013 um 11:42 Uhr

    Ich gebe Ihnen recht, was die Verurteilung an sich angeht. Wobei hier nach meiner Auffassung dann eine solche überhaupt nur in Betracht käme , wenn es sich nicht um eine Veranlagung handelt.

    Man soll ja davon unabhängig sowieso den Sünder lieben (hier liegt das Problem von kath.net ja allgemein).

    Nach der Wahrheit, also auch nach dem Gottesrecht muss man als Mensch suchen, sinst kann man nicht danach leben, und der Kirche ist zugesagt, dass sie in unfehlbaren Aussagen nicht irrt und als Kirche auch insgesamt nicht aus der Wahrheit fällt.

  4. 4 diskordianerpapst 04. März 2013 um 13:21 Uhr

    Mich wundern immer diese Zweifel an der Veranlagung oder
    zumindest relativ frühen Festlegung ob und in welchem Masse
    (es gibt ja auch noch Bisexuelle) ein Mensch homosexuell
    orientiert ist.
    Wer weit überwiegend hetero gepolt ist, dem muss doch klar sein
    das seine Neigung durch nichts in der Welt geändert werden kann.
    Ich frage mich daher immer wie man überhaupt auf die Idee
    kommen kann, das Menschen irgendwie durch Erziehung oder
    Therapie umgepolt, oder auch nur stark beeinflusst werden
    können ihre sexuelle Orientierung dauerhaft irgendwie zu
    ändern. Oder das sie einer freien Entscheidung unterläge oder
    Umgebungseinflüsse (wie homosexuelle Eltern) bestimmt würde.

    Gäbe es da etwas, wäre es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit
    längst entdeckt worden, es bleiben fast nur noch genetische
    oder Entwicklungsphysiologische Ursachen.

    Lustigerweise sind es meiner Erfahrung nach oft schwule Männer
    die Zweifel äussern wenn man ihnen z.B. sagt das man
    „hoffnungslos hetero“ wäre. Aber vielleicht sind in diesen
    Fällen eher bestimmte Wünsche die Väter des Zweifels ;-)

    Ich hab auch noch eine schöne Diskordianerweisheit:
    Wahrhaft gesegnet sind aber die Bisexuellen, den ihnen hat Eris
    doppelte Chanchen geschenkt.
    Da kann man als Otto-Normalhete nur neidisch werden. ;-)

  5. 5 Dr. Arnd 04. März 2013 um 13:45 Uhr

    @ diskordianerpapst:
    aus dem Bauch heraus würde ich Ihnen, was die Veranlagung angeht, recht geben, der „wissenschaftliche“ Diskurs, soweit ihm ein Laie wie ich überhaupt folgen kann, ist allerdings nicht eindeutig (soweit er zB bei wikipedia überhaupt angemessen dargestellt ist).

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