Eine Linzer Exzellenzinitiative

Wissenschaft ist blöd. Ständig konfrontiert sie die Wirklichkeitsfans von kath.net mit unschönen Fakten: Evolution gab und gibt es, Homosexuelle können nicht umgepolt werden und Kondome schützen vor AIDS. Ruft man sich ins Gedächtnis, dass kath.net auch Kiss & Ride-Schilder als Aufforderung zur Prostitution versteht oder Missernten als göttliche Strafen interpretiert, überrascht es nicht wirklich, dass sich das Linzer Portal im Zweifel für den Zweifel für die Realitätsverleugnung und gegen die Erkenntnis entscheidet.

Roland Noé echauffiert sich heute über eine Studie des Bistums Rottenburg-Stuttgart, die sich mit Erwartungshaltungen der Gläubigen beschäftigt. In dieser Studie kam heraus, dass die Mehrheit der Befragten eine „offene, tolerante, kommunikationsfähige Kirche“ wünsche, während „radikal-konservative Aktivisten“ nur eine innerkirchliche Minderheit stellten. Das gefällt Noé nicht.

Die Studie sei nur „angeblich“ empirisch repräsentativ, versucht der kath.net-Chefredakteur Zweifel an der Seriosität zu säen – schließlich sind es im knallbunten Paralleluniversum von kath.net die „radikal-konservativen Aktivisten“, oder wie Noé sie nennt: „romtreue Katholiken“ – die die Meinung vorgeben.

Weil sich die Resultate der Studie letztlich dann aber doch nicht vollständig ausblenden oder schönreden lassen, wechselt Noé in der zweiten Hälfte des Artikels die Strategie. Er wirft dem Bistum vor, das ‚Jahr der Kirche‘ in der Umfrage nicht berücksichtigt zu haben (auch die Haltung zum FC Bayern München, Barack Obama und Bischof Williamson wurden nicht abgefragt, vermutlich weil sie nichts mit dem Thema zu tun haben). Besonders gelegen ist Noé aber an der prophylaktischen Verhütung (sic!) weiterer Studien, die sich nicht mit dem kath.net-Allgemeinwissen decken. Die „Grundsatzfrage, ob man solche Studien überhaupt braucht“, müsse endlich gestellt werden, um alles, was der kath.net-Weltanschauung widerspricht, künftig zu verhindern.

Und überhaupt: Jesus habe in der Bibel nie über Studien gesprochen, sei intolerant (was Noé offenbar als Tugend propagiert sehen möchte) und, natürlich, ein „radikal-konservativer Aktivist“ gewesen. Statt die biblischen Geschichten historisch einzuordnen, wird Jesus also – „radikal-konservativ“ ist schließlich ein dehnbarer Begriff – irgendwo zwischen kath.net, gloria.tv und kreuz.net verortet. Sauer stößt Noé auch auf, dass die Studie des Bistums Rottenburg-Stuttgart „teuer“ gewesen sei, wenngleich er keine konkreten Zahlen angeben will oder kann. Das Geld solle, zumal „in Zeiten einer fortschreitenden Wirtschaftskrise“, lieber an die „Armen“ verteilt werden.

Da könnte kath.net doch eigentlich einmal selbstbewusst vorangehen und auf Spendenaufrufe verzichten. Bei „den Armen“ ist das Geld, „gerade auch in Zeiten einer fortschreitenden Wirtschaftskrise“, sicher besser aufgehoben.


16 Antworten auf „Eine Linzer Exzellenzinitiative“


  1. 1 tuckenalarm 25. Januar 2013 um 0:39 Uhr

    die behauptung, jesus (!) sei ein „radikal-konservativer aktivist“ gewesen, ist für jeden christen, der das neue testament gelesen hat, schlicht eine beleidigung. jesus ist fortschrittlicher gewesen als manch heutiger in rom oder in seinen virtuellen vororten.

  2. 2 diskordianerpapst 25. Januar 2013 um 2:13 Uhr

    Wäre er radikal-komservativ gewesen gäbe es wahrscheinlich gar kein Christentum, dann hätte er die zu seiner Zeit existierende konservative Strömung des Judentums gegen jegliche Reform und Modernisierung verteidigt oder gar versucht alten Kram aus der Mottenkiste zu holen. Sehr wahrscheinlich würden wir ihn heute gar nicht kennen.
    Aber das zeigt den kardinalen Denkfehler mancher Leute: Da hat Jesus gefälligst so gewesen zu sein wie sie selbst. Ist auch sehr bequem: Man braucht sich gar nicht mehr anzustrengen man ist ja schon jesusgleich und damit schonmal was Besseres.

  3. 3 Apokatastasis 25. Januar 2013 um 11:23 Uhr

    Nun ja, es gibt ja auch die neue Sinus-Milieu-Studie, die kürzlich erschienen ist (z.B. hier: http://www.welt.de/politik/deutschland/article113107429/Katholiken-aller-Milieus-gehen-auf-Distanz-zum-Papst.html) und die nun auch schwarz auf weiß bescheinigt, daß die Entfremdung von der (Amts-) kirche bis in die kirchentreusten Milieus vorgedrungen ist.

    Von daher hat Roland Noé tatsächlich (paradoxerweise) irgendwie recht: die Studien kann man sich eigentlich sparen. Denn die Ergebnisse, daß sich die Kirche immer mehr von den Menschen entfremdet, sind nicht wirklich neu und auch mit Händen zu greifen…

  4. 4 Dr. Arnd 25. Januar 2013 um 12:05 Uhr

    Mich beruhigen die Artikel des Herrn Noé immer ungemein. Die Befürchtung und der Ärger, dass suchende Menschen sich nach der Lektüre von kath.net für immer vom Christentum katholischer Provinienz abwenden könnten, relativiert sich dann und Hoffnung bricht sich Bahn, dass der Leser einen journalistisch so schlechten Artikel, bar jeder Grammatik und Interpunktion schlicht nicht ernst nimmt.
    Gefährlicher finde ich die Artikel, die von Agenturen übernommen sind, und in die Herr Noé seine Meinung hineinschustert. Dann ist das zwar unterirdischer Journalismus, der aber nicht so einfach zu durchschauen ist. Man erkennt es nur daran, dass in einem gut formulierten Artikel plötzlich völlig schiefe Sätze mit vielen Rechtschreibfehlern und unterschwelliger Aggressivität auftauchen…
    Aber der Herr schreibt ja aich auf krummen Zeilen gerade, wer weiß wozu es gut ist.

  5. 5 Dr. Arnd 25. Januar 2013 um 12:18 Uhr

    Mich beruhigen die Artikel des Herrn Noé immer ungemein. Die Befürchtung und der Ärger, dass suchende Menschen sich nach der Lektüre von kath.net für immer vom Christentum katholischer Provinienz abwenden könnten, relativiert sich dann und Hoffnung bricht sich Bahn, dass der Leser einen journalistisch so schlechten Artikel, bar jeder Grammatik und Interpunktion schlicht nicht ernst nimmt.
    Gefährlicher finde ich die Artikel, die von Agenturen übernommen sind, und in die Herr Noé seine Meinung hineinschustert. Dann ist das zwar unterirdischer Journalismus, der aber nicht so einfach zu durchschauen ist. Man erkennt es nur daran, dass in einem gut formulierten Artikel plötzlich völlig schiefe Sätze mit vielen Rechtschreibfehlern und unterschwelliger Aggressivität auftauchen…
    Aber der Herr schreibt ja auch auf krummen Zeilen gerade, wer weiß wozu es gut ist.
    Interessant ist hingegen die Argumentation, dass Jesus in traditionell-konservativer Weise mit Sündern gesprochen, die Rolle der Frauen neu definiert, die rituellen Grenzen relativiert, die bahnbrechnede Bergpredigt gehalten usw. haben soll.
    Auch gibt es weder im Alten noch im neuen Testament Umfragen, während es das Internet natürlich schon damals gab !

  6. 6 Suennerklaas 25. Januar 2013 um 17:21 Uhr

    „In dieser Studie kam heraus, dass die Mehrheit der Befragten eine „offene, tolerante, kommunikationsfähige Kirche“ wünsche, während „radikal-konservative Aktivisten“ nur eine innerkirchliche Minderheit stellten. Das gefällt Noé nicht.“

    Das gefällt Noé sogar mit Sicherheit nicht – nein, es dürfte für ihn der schlimmste Alptraum sein. Bemerkenswert auch die Reaktion auf einen offenkundigen Ordnungsruf aus Rom:

    http://kath.net/detail.php?id=39808

    Hier ist Noé ganz der alte – der Mob tobt bereits, „Volkes Stimme“ mit dem der „gesunde Menschenverstand“ des „einfachen Mannes“ spricht, ist wieder das Stilmittel schlechthin.

  7. 7 Nike 27. Januar 2013 um 20:47 Uhr

    @sünnerklaas Noé macht sich hier schlichtweg lächerlich.

    www.drs. de

    Selber mal bei Interesse kurz reinschauen und nachlesen in welcher Weise Bischof Fürst sich und seine ihm anvertraute Diözese vertritt!

  8. 8 Dr. Arnd 28. Januar 2013 um 12:37 Uhr

    offenbar hat sich gandalf selbst zensiert, ich finde die kommentare jedenfalls nicht mehr…

  9. 9 Dr. Arnd 28. Januar 2013 um 13:11 Uhr

    Gandalf scheint sich selbst zenziert zu haben, jedenfalls sind seine Kommentare dort nicht (mehr) zu finden.

  10. 10 Nike 28. Januar 2013 um 14:54 Uhr

    Trotz Selbstzensur: Noé präsentiert sich in diesem Artikel ungeniert als Gesinnungskonkurrent, setzt das Bistum in Leitung von Dr. Fürst auf die Anklagebank und dies alles Seite an Seite mit (s)einem radikal-konservativen Jesus.Grandios..“seine“ Wahrheit, „sein“ Glaube …
    … Applaus! :-)

  11. 11 Antonius Bacci 29. Januar 2013 um 13:11 Uhr

    Ob die Bezeichnung „radikal.konservativer Aktivist“ so treffend ist, kann man in der Tat kritisch hinterfragt werden. Allerdings war Jesus, so wie er uns im NT begegnet, auch kein „Linksintellektueller“, dem im Bild gesprochen das Parteibuch der Grünen oder gar der Linken gut gestanden hätte. Jesus vertritt seine Standpunkte zum Teil mit einer Härte, die einen schon ein wenig erschaudern lassen kann. Man denke an die Gerichtsreden Jesu und sonstige Logien, in denen die Höllenvorstellung eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Sündhaftes Verhalten und das Verharren in diesem wird nicht absolut toleriert, sondern er will die Sünder zur Umkehr bringen. Die Perikope mit der Ehebrecherin zeigt dies deutlich. Er wendet sich gegen eine Verurteilung, gegen die nach jüdischem Gesetz zu verhängende Todesstrafe, aber zugleich sagt er „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr“. Jesus geht durchaus über bestehende jüdische Gesetztespraxis hinaus (Sabbatpraxis), verschärft diese aber teils sogar, wie zB. die Frage der Ehescheidung, in der Jesus keine Kompromisse zulässt. Jesus betont zwar sehr stark die Liebe Gottes zu den Menschen, dies führt aber nicht zu einer allumfassenden Toleranz gegenüber denen, die in der Sünde verharren wollen. Er will die Menschen zur Abkehr von der Sünde führen.

  12. 12 Dr. Arnd 29. Januar 2013 um 16:40 Uhr

    Nun wird ja Jesus Christus gerade von der traditionellen Seite des Katholizismus gerne als strenger Sachwalter des Vaters dargestellt, wie mir sowieso scheint als wäre Christus gerne jeweils das Spiegelbild eigener autoritärer oder antiautoritärer Vorlieben. Jesus ist sicher mit keiner politischen Beschreibung zu fassen, dennoch ist Gott die Liebe und die strengen Formulierungen zur Höllenstrafe sind von Zeitvorstellungen geprägt und in der Tat genau dazu bestimmt, hartleibige Zeitgenossen zum Überlegen und zur Umkehr zu bewegen (die sensiblen brauchen es nicht). Die Hölle ist die absolute frei gewählte Gottesferne, das Fegefeuer das Erschrecken über das eigene Versagen.

  13. 13 diskordianerpapst 30. Januar 2013 um 2:01 Uhr

    Sieht schwer danach aus als würde kath.net mal wieder eine
    Kampagne starten:
    http://www.kath.net/detail.php?id=39851
    Natürlich mal wieder mit Link auf die Adresse des Bistums, wie
    auch schon in Noes Kommentar, damit die Leser auch schön
    Beschwerden schreiben. Die ersten Ideen wie man Rom ins Spiel
    bringt sind auch schon unter den Leserkommentaren zu finden.

    Dieses mal wird es darum gehen den Bistümern genug Stress zu
    machen das sie in Zukunft keine Meinungsforschung mehr in
    Auftrag geben.
    Natürlich nur solange die Kirche und speziell seine Idee davon
    bei solchen Umfragen schlecht wegkommt, denn kath.net selbst
    wird ja nicht Müde über alle möglichen Umfragen, Studien und
    Statistiken zu berichten, die irgendwie auch nur den leisen
    Anschein erwecken ihre Positionen zu stützen.
    Gerne auch unter Auslassung bestimmter Einzelergebnisse.

    Mal sehen wie lange sich Noe damit befasst, ich denke ihn wird
    diese Umfrage aus einem Grund besonders im Magen liegen: Sie
    zeigt sehr schön welch kleine Minderheit er eigentlich bedient
    und das er auf Dauer wohl wenig bewirken wird.

  14. 14 Nike 30. Januar 2013 um 12:47 Uhr

    Kath.Net weist sich im Impressum als österreichisches Internetmagazin aus mit dem privaten Verein „kath.net“ als Träger und Eigentümer (Sitz Linz), finanziert von Spenden und Sponsoren.Es gibt nicht die geringste kirchenamtliche oder kirchenrechtliche Grundlage, dass sich das von diesem Verein per Internet attackierte Bistum Drs für diese Studie und deren Finanzierung rechtfertigen müsste, geschweige denn überhaupt auf kath.net zu reagieren hätte. So kann Noé allenfalls Stimmungsmache betreiben und auf negative Einflussnahme setzen.Und damit erweist er dem Katholizismus einen Bärendienst.

  15. 15 diskordianerpapst 30. Januar 2013 um 19:11 Uhr

    @Nike
    Das ist alles richtig, nur hat kath.net bei seinen Kampagnen ja
    durchaus ein paar Erfolge zu verzeichnen wie z.B. im „Fall“
    Weltbild.
    Der Einfluss ergibt sich wohl daraus das tatsächlich einige
    Beschwerden mobilisiert werden können die bei entsprechenden
    Stellen dann Reaktionen auslösen. Sei es über höhere Stellen an
    denen ähnlich gesinnte sitzen, die nur darauf warten mal
    offiziell „unten“ nachzufragen.
    wovor die Betroffenen mittlerweile wohl echt Schiss haben (dafür
    sprechen ja gewisse Aussagen und Reaktionen aus den Bistümern).
    Oder weil bei den direkt Betroffenen die, im Vergleich zu
    früheren Zeiten, viel höhere Zahl an Beschwerden einen
    Shitstorm vortäuscht den es tatsächlich nicht gibt, der
    inszeniert ist, wie ja auch die Umfrage zeigt über die sich Noe
    so aufregt.
    Dazu kommt das es nicht nur kath.net und anderen gelungen ist
    nicht nur religiöse Fundamentalisten mehr zu politisieren, es
    spricht mit z.B. „Islamkritik“ auch eher politisch motivierte
    Leute an und holt sie ins Boot, leider oft auch aus einem
    extremen Umfeld.

    Aber: Genau dieser Kurs wird sehr wahrscheinlich dafür sorgen
    das der noch bestehende Einfluss der Kirche als Institution auf
    die Gesellschaft weiter zurückgedrängt wird.
    Aus dem Dilemma kommen sie nicht heraus: Bleiben sie radikal
    wird die negative Medienpräsenz bestehen bleiben und sie werden
    mehr und mehr Ablehnung erfahren.
    Mässigen sie sich verlieren sie ihren Einfluss und ihr
    Selbstbild, sie würden zu den „lauen, liberalen
    Taufscheinchristen“ über die sie den ganzen Tag herziehen.

    Sie selbst merken ja gerade das sie den Bogen überspannt haben,
    nicht nur kath.net wird zunehmend vorsichtiger. Und wenn selbst
    ihr oberster irdischer Chef das Thema anspricht dann sind das
    schlechte Zeiten für Hetzer.

  16. 16 Nike 31. Januar 2013 um 10:24 Uhr

    Schlechte Zeiten für Hetzer, in denen sich dieses Magazin aber noch bis auf weiteres gut über Wasser halten dürfte, solange es gelingt, in der hauseigenen Dunkelkammer des Trägervereins wo der Finanz-Haushalt gebunkert ist, die Glühbirnen vorsorglich rauszuschrauben.Der wird von Spenden und Sponsoren finanziert und normalerweise läuft das dann auf eine beidseitige win-win-Situation hinaus.Da jeder Verein einen stabilen Kernhaushalt braucht, wird auch dieser Trägerverein mutmaßlich auf etliche Sponsoren zurückgreifen können, die kirchenamtlich fest im Sattel sitzen und auch über ein gesichertes Einkommen verfügen können.

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