Andreas Laun und das Wunderfoto

Etwas Besinnliches zum neuen Jahr: Was haben Jesus, die Apostel, Maria, Benedikt von Nursia, Franz von Assisi und der Salzburger Weihbischof Andreas Laun gemeinsam?

Im Jahr 2005 schien die Antwort auf diese Frage ganz nahe. Andreas Laun hatte am 20. Februar eine zweieinhalbstündige Messe gefeiert, bei der sich Wundersames ereignete, wie der ‚Fatima-Bote‘ (ab Seite 13) in seiner Juni/Juli/August-Ausgabe mitteilte:

Das Echo war einhellig: Eine wunderbare, erhebende und Mut verleihende Eucharistiefeier. Niemand beklagte sich über eine zu lange Dauer, im Gegenteil! Auch die mindestens 100 anwesenden Kinder verhielten sich erstaunlich ruhig, wurden aber dafür durch den speziellen Segen und einem Rosenkranz von Weihbischof Laun belohnt!

Das Highlight des Tages folgte allerdings erst später, als eine Besucherin ihre Foto-Aufnahmen der Messe durchging und über ein Bild stolperte, auf dem Launs Kopf durch einen hellen Fleck geschmückt wird. Der mutmaßlich ganz banale Lichteffekt, den niemand live gesehen hatte, wurde so zum Anlass für muntere Spekulationen: Handelte es sich, wie der ‚Fatima-Bote‘ in der Sommer-Ausgabe noch mit einem Fragezeichen schrieb, um ein „Wunderfoto?“? Waren die 100 Kinder Zeugen eines göttlichen Zeichens geworden? Hatten sich die Mühen und Entsagungen für Andreas Laun endlich in Form eines wohlverdienten Heiligenscheins ausgezahlt?

Der für seine fundierten wissenschaftlichen Berichte bekannte ‚Fatima-Bote‘ setzte nach Bekanntwerden des Fotos offenbar Himmel und Hölle in Bewegung und suchte den Rat eines Experten, den man beim „Prof. Dr.-Ing. W. Rienecker“ fand. Rienecker stellte „mit wissenschaftlicher Präzision“ fest, dass „eine Reihe von Aspekten für eine übernatürliche Ursache des Lichtkreises sprechen“, dass Lichteinfall durchs Fenster ebenso als Ursache ausgeschlossen werden könnte wie künstliches Licht, „Reflexionen des Blitzlichtes oder gezielte manipulative Lichteinstrahlungen“. Die „Licht-Kreisfläche“ sei also, nach gründlicher Analyse des Bildes, „nicht natürlichen Ursprungs“.

In der folgenden September/Oktober/November-Ausgabe (ab Seite 16) des ‚Fatima-Boten‘ wurde die Berichterstattung vertieft und um ein wenig Zahlenmystik aufgepeppt. Die Redaktion nahm das „Wunderfoto“, das nun ohne Fragezeichen auskam, zum Anlass, über biblische Erklärungen zum Thema Licht nachzudenken („Gott ist Licht und Schöpfer des Lichts“) und das Zeichen zu deuten: Das Bild sei um exakt 13 Uhr 13 und 13 Sekunden aufgenommen worden, freute man sich etwa, oder hob hervor, dass die beiden Hände eines neben Laun stehenden Priesters die Zahlen 6 und 3 auf der Anzeigetafel eingrenzten. Das wurde aus naheliegenden Gründen mit der „Göttlichen Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus“ in Verbindung gebracht, wo „sowohl das Kyrie als auch das Trisagion (Heilig-Heilig) 9x wiederholt [wird], 3x die 3 als höchsten Lobpreis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, EIN GOTT“ – 13! Unterhalb der Hände des Priesters auf der Anzeigetafel: eine 13! Andreas Launs Geburtstag: ein 13.! Die Erscheinungen von Fatima: jeweils am 13. eines Monats!

Das alles konnte nun wirklich kein Zufall mehr sein, auch wenn der eng mit Laun vernetzte kath.net-Chef Roland Noé schon im April 2005 eher skeptisch schien, als er den Thread zum Thema eröffnete. Die UserInnen sahen das ähnlich und gaben sich bestürzt: „Arwen4″ fürchtete, die Diskussion gebe Laun der Lächerlichkeit preis, „Dirk“ würde mal die Linse putzen, und während „Alumne“ Laun ‚wirklich ein hohes Maß an Heiligmäßigkeit‘ zutraute, zweifelte er, ‚ob man dessen „Qualität“ wirklich photographieren kann???‘ Nur „Dolfi“, seines Zeichens Webmaster von fatima.ch, verstand die Aufregung nicht. Als er das Foto erhielt, sei Launs Reaktion ausgesprochen sachlich ausgefallen, außerdem habe er in die Veröffentlichung eingewilligt. Parallel sei dann eine CD mit der Aufnahme auch nach Rom geschickt worden, vielleicht, um Laun nun für höhere Aufgaben zu empfehlen und das „Wunderfoto“ nochmals überprüfen zu lassen.

Aus Rom scheint keine positive Nachricht gekommen zu sein, jedenfalls wurde das Thema seit 2006 nie wieder aufgegriffen und auf fatima.ch ist das Foto in der Zwischenzeit gelöscht worden. Ein Wunder!

Danke an Jörg für die Hinweise.


5 Antworten auf „Andreas Laun und das Wunderfoto“


  1. 1 Volker 03. Januar 2013 um 16:11 Uhr

    Die ganze Aufregung hätte man sich sparen können, weiß doch jeder informierte Christ, dass bei noch lebenden Heiligen der Heiligenschein eckig ist ;-)

  2. 2 Stephan 03. Januar 2013 um 17:25 Uhr

    Also ich halte nicht viel von solch „himmlischen Zeichen“; andererseits wird der Bischofsstuhl in Salzburg bald vakant und Laun wäre meines Erachtens da der richtige Mann.

  3. 3 Administrator 03. Januar 2013 um 18:46 Uhr

    Nur Bischof? Ach was, wenn schon denn schon: Andreas Laun for Papst!

  4. 4 Alice 08. Januar 2013 um 0:01 Uhr

    Und dieses Foto ist nirgends mehr abrufbar?

  5. 5 diskordianerpapst 08. Januar 2013 um 1:24 Uhr

    Doch, ist im Artikel oben verlinkt:
    http://fatima.ch/wp-content/uploads/2011/10/25-Fatima-Bote-2-2005.pdf
    Seite 13 & 14
    Wie auch oben verlinkt gibts noch einen zweiten Beitrag in der
    folgenden Ausgabe des „Loretto-Boten“.

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