Archiv für Januar 2013

Dann mach doch den Mund zu!

Es gab in den letzten Tagen schon viele sehr dumme Beiträge zur Sexismus-Debatte: Frauen sollten sich nicht so anstellen, hieß es in manchen, sie seien, in freizügige Kleidung gehüllt, doch selbst schuld an Belästigung und Schlimmerem, hieß es in anderen. Hätte nicht Rainer Brüderle, sondern George Clooney mit sabbernden Mund „Sie können ein Dirndl ausfüllen“ gesagt, wäre alles ok gewesen, schrieben einige Blätter, während sich andere darauf konzentrierten zu betonen, wie schwer es die armen Männer doch heutzutage hätten, dass der Artikel im Stern eine gegen die FDP gerichtete Kampagne sei, die dem Journalismus schade und überdies unglaubwürdig sei. Mit Erörterungen über soziale Machtgefüge oder tief in der Gesellschaft verankerten Sexismus, der sich nicht in unflätigen Annäherungen erschöpft, beschäftigte sich niemand. Stattdessen wurden alle TV-Sendungen zum Thema mit – in der Regel männlichen – Betonköpfen wie Jan Fleischhauer oder Helmut Karasek getrollt, die jede sachliche Diskussion naturgemäß verunmöglichten.

Birgit Kelle versammelt den ganzen Irrsinn der vergangenen Woche in ihrem auf kath.net erschienenen Beitrag, der auf die schöne Überschrift „Dann mach doch die Bluse zu!“ hört. Kelle, die bereits in der neurechten ‚Jungen Freiheit‘ und beim auf Verschwörungsliteratur spezialisierten Kopp Verlag gegen die Gleichberechtigung von Frauen anschreiben durfte und dort „Freiheit statt Quote“ forderte, ist not amused und arbeitet sämtliche oben angeführten Punkte ab. Mit George Clooney wäre alles anders gelaufen, dann hätte die Journalistin auf die erbärmlichen Sprüche begeistert reagiert und „bis an ihr Lebensende einen echten Clooney bei ihren Freundinnen zum Besten geben können“. „Persönliche Befindlichkeit“ sei kein „ausreichender Gradmesser für Sexismus“, wärmt Kelle dann endgültig den Karasekschen Herrenwitz über die Frau im Kino auf.

Auf groteske Art und Weise verzerrt sie die Realität und erklärt, in einer Folge der RTL-Serie „Der Bachelor“ könne man „mehr über Frauen“ erfahren „als durch 100 feministische Bücher“. Beim Thema Privatsender kommt Kelle auch auf Heidi Klum zu sprechen und versteigt sich zu der These, dass Männer, die Frauen auf körperliche Vorzüge reduzieren, „einpacken“ könnten. Es kann sich also nur noch um eine Frage von Stunden handeln, bis Rainer Brüderle in tiefer Demut um Entschuldigung bittet und seinen Rücktritt erklärt.

Kelle gibt alle Frauen, die jetzt den Mut gefasst haben, sich mit schlimmen Erinnerungen zu beschäftigen und diese zu artikulieren, der Lächerlichkeit preis, und ermahnt sie, sich nicht so anzustellen. Besonders beschämend ist dann noch der bewährte Kniff, die Schuld für die Übergriffe den Betroffenen anzulasten: In einer Gesellschaft, in der „schon kleine Mädchen in Lolita-Klamotten“ verpackt würden und Frauen für „das Recht, wie Schlampen herumlaufen zu dürfen“ kämpften, da könne es doch schon mal zu Sexismus kommen, wobei sich Kelle freilich nicht die Mühe macht, zwischen verbalen und körperlichen Übergriffen zu unterscheiden.

Weil Kelles Recherche erkennbar kaum über die Betrachtung des eigenen Lebenslaufs, des Fernsehprogramms und des Kiosks um die Ecke hinausging, diskutiert sie nicht über die Argumente der #Aufschrei-Aktivistinnen – die etwa hier nachzulesen wären. Stattdessen zitiert sie Schauspielerin Megan Fox, die „von ihrem sexy Image weg“ wolle, aber gleichzeitig „in Unterwäsche“ auf einem Zeitschriftcover abgebildet sei: „Dann mach doch die Bluse zu, möchte man ihr da zurufen!“, findet Kelle.

Den Artikel will Birgit Kelle indes nur widerstrebend verfasst haben: „Nein, ich wollte mich dazu nicht äußern. Weil ich diese ganze Brüderle-Sexismus-ich fühl-mich-ganz-doll-bedrängt-Diskussion aufgebauscht und heuchlerisch finde.“
Dann mach doch den Mund zu, möchte man ihr da zurufen.

Nichts verstanden

Was tun als katholisches Nachrichtenportal, das ein paar Klicks abgreifen und deshalb über die #aufschrei-Debatte berichten will? Andreas Unterberger wieder das Wort erteilen und bekunden lassen, dass Frauen, die „erst“ Jahre nach einer Vergewaltigung über das Erlittene sprechen, ausgelacht gehören? Weihbischof Andreas Laun Raum bieten, der vor einigen Jahren über ein elfjähriges, mehrere Jahre lang immer wieder vergewaltigtes Mädchen urteilte, sie sei „vermutlich unschuldig“ und der liberalen Religionsunterricht schon mal für schlimmer als Kindesmissbrauch hielt? Oder gleich Gabriele Kuby um einen Gastkommentar bitten, in dem reflexhaft die Worte „radikale Feministinnen“, „Gender-/Homo-Lobby“ und „Neue Weltordnung“ auftauchen dürften?

kath.net hat sich heute für eine etwas unverfänglichere Variante entschieden und einen Text des evangelikalen Nachrichtendienstes idea neu aufgelegt. Es handle sich um einen „Aufschrei mit mancher Heuchelei“, heißt es dort in der Überschrift: Die ganze Gesellschaft thematisiere Sexismus, der Hashtag #aufschrei habe sogar das Dschungelcamp bei Twitter in den Schatten gestellt. Es sei „keine beruhigende Vorstellung“, dass 9 Millionen Menschen RTL schauten und dass parallel auf Twitter über Sexismus geschrieben werde, befindet Autor (natürlich) Ron Kubsch. Inwiefern das Eine mit dem Anderen zu tun haben soll, bleibt sein Geheimnis.

Anne Wizorek, die als erste unter #aufschrei twitterte und bei Günther Jauch Platz nehmen durfte, wird von Kubsch zur „kämpferischen Feministin“ ernannt, was wohl negativ klingen und ihr Anliegen lächerlich machen soll. Eigentlich, so der Subtext, sollten sich die Frauen doch gar nicht so aufregen, zumal Sexismus offenbar erst bei „sexuelle[r] Ausbeutung“ beginne.

Der Artikel, auf dessen Begleitbild bezeichnenderweise rote Lippen prangen, verfolgt eine ganz eigene Logik, die unter Konservativen verbreitet ist: Die Frauen sind selbst schuld. Zum Fall Brüderle fällt Kubsch nur ein, dass „Journalistinnen gelegentlich ihre Weiblichkeit gezielt in die Waagschale werfen“ – was „in diesen Tagen allerdings kaum diskutiert“ würde. Außerdem, auch das ein bekannter Kniff denkfauler Publizisten, seien doch auch die 68er nicht unschuldig am heutigen Sexismus, an der „gesellschaftliche[n] Enthemmung“, die „Sexualität Schutz und Würde“ nehme.

Kubsch gibt den LeserInnen einen Tweet auf den Weg, in dem seine These wiederholt wird: „Es ist die Gesellschaft, die Sex zu einer alltäglichen Sache gemacht hat und damit den Respekt davor zerstört.“ Man möchte Kubsch einen anderen Tweet empfehlen: „Wer Sexismus mit Sex verwechselt, verwechselt auch Faschismus mit Fasching“.

PS: Ein guter Text zu der mit kath.net lose verbundenen sog. „Blogozese“ findet sich hier.

Expertenvergleich zu homosexuellen Paaren

kath.net-Leser „Paul.P.“ hat eine Meinung zu Adoptionen durch Homosexuelle:

Man muß nicht jeden Blödsinn mitmachen, nur weil man dafür Geld bekommt. Vielleicht kommt den Antidiskriminierungsfans noch die Idee Drogensüchtigen oder Paranoikern Kinder zur Adoption zu geben.

Solange diese linkslinksgrünen Antidiskriminierungsfans nicht auf die dumme Idee kommen, Kinder an menschenverachtende Fundis zu vermitteln, ist ja alles gut.

Expertenmeinung zur neuen Weltordnung

kath.net-Leser „Siegfried-2″ versteht die Welt nicht mehr: Eine katholische Adoptionsagentur in Schottland vermittelt keine Kinder an homosexuelle Paare, hält sich damit nicht an die geltenden Gesetze und könnte geschlossen werden. Dahinter können nur die linksbraunen Demokraten stecken!

Die Katholische Kirche wird immer und wurde immer verfolgt
Der Zeitgeist, im Zeitalter der Aufklärung, des National-Sozialismus und des Internationalen-Sozialismus (Leninismus, Marxismus, Maoismus usw.), wie auch im heute genanntem Zeitalter der weltweiten Demokratie (Neue Weltordung), wurde unter Verleugnung der göttlichen Wahrheit die Kirche verfolgt und bekämpft.
In den frühen Weltirrungen waren die Grenzen deutlich zu erkennen und wurden durch die Hirten besonders intensiv aufgezeigt. Die Gläubigen konnten sich wehren.Der Blick auf die Grenze wird durch die Modernisten im Klerus verdunkelt. Sie verläuft jetzt in der Kirche. Aus diesem Grunde haben die Bekämpfer der Wahrheit eine große Fläche für ihren Angriff.
Ihr Ziel, mit vereinter Kraft die göttliche Wahrheit für das menschliche Leben wird vollständig vernichtet.
Kindern die in solchen verwerflichen Verbindungen erzogen werden, wird das Gehört für die göttliche Wahrheit geraubt. Das Ziel der neuen Weltordnung wird so schneller erreicht .

Expertenprügelmeinung zu Lehrern

Dem kath.net-Leser und Hobby-Pädagogen „Karlmaria“ kann man vieles vorwerfen; mangelnde Kreativität gehört nicht dazu:

Sexueller Missbrauch oder Martyrium?
Vielleicht werden schlagende Lehrer von Gott als Märtyrer eingestuft. Sie sind vielleicht die einzigen, die der Glauben noch unverkürzt verkünden in einer immer verrückter werdenden Welt. Es wäre einmal interessant was Seine Heiligkeit Papst Benedikt 16 dazu sagt. Die weltweite Kirche kann doch unmöglich den Afrikanern und Asiaten verbieten, ihre Kinder zu schlagen, auch auf das nackte Hinterteil.

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