Das Problem mit der Fallhöhe

kath.net hätte gestern über den Mainzer Kardinal Lehmann berichten können, der sich beim Bruno Gmünder Verlag ausdrücklich für den Kampf gegen kreuz.net bedankte. kath.net hätte gestern auch einen Artikel über ein jüngst bekannt gewordenes Video aus dem Jahr 2008 schreiben können, in dem Guido Rodheudt die Seite seines Priesternetzwerks präsentiert. Dort ist ein überdimensionaler Liveticker zu kreuz.net eingebettet, der die ebenfalls verlinkten Logos von kath.net und der deutschen Bischofskonferenz in den Hintergrund rückt und die Prioritäten damit deutlich macht.

kath.net hat sich anders entschieden und lieber einen Gastkommentar aus der Trierer Wochenzeitung ‚Paulinus‘ publiziert, der die relativierende Linie der letzten Tage fortführt. Tobias Wilhelm tobt sich in dem mit „Antikirchliche Sippenhaft“ gewohnt seriös überschriebenen Artikel aus: Dass kreuz.net offline ist, das sei zweifellos „eine gute Nachricht“, da die „zynisch-vulgäre Menschenverachtung“ der rechtsradikalen Seite nicht auszuhalten gewesen sei. Damit enden allerdings auch schon die (zumal impliziten) Zugeständnisse an Gruppen wie ‚Stoppt kreuz.net!‘.

Christlich sei kreuz.net eigentlich nie gewesen: Katholische Bischöfe seien „in der Regel abschätzig als »alt-liberal« tituliert“ worden und hätten als „erklärtes Feinbild die Lieblings-Zielscheibe für »kreuz.net«-Häme schlechthin“ spielen müssen. Was berechtigte oder in diesen Fällen unberechtigte Kritik an Bischöfen damit zu tun haben soll, dass eine Person/Seite weder katholisch noch christlich sein kann, bleibt Wilhelms Geheimnis. Tatsächlich hetzte kreuz.net gerne gegen hohe Geistliche, sparte dabei aber mindestens den Salzburger Weihbischof Andreas Laun aus, der auf kreuz.net als „Salzburger Bekenner-Bischof“, „mutiger Lebensschützer“ und einer „der wenigen katholischen Bischöfe Westeuropas, der sich konsequent gegen die Abtreibungsgewalt einsetzt“ gelobt wurde.

Dieser Exkurs hätte eine Veröffentlichung auf kath.net allerdings aus nahliegenden Gründen etwas erschwert, gehört Laun doch zu den Freunden und Fördern des Portals, für das er auch regelmäßige Kolumnen schreibt. In diesem Zusammenhang ist aber auch Wilhelms Behauptung, Rassismus sei mit katholischem Glauben unvereinbar, nicht ganz korrekt: So glänzte Laun 2010 mit einem Märchen, das nicht nur Frauen zu Gebärmaschinen degradierte, sondern auch Migranten als nicht gleichwertige Menschen darstellte. Die Gastkommentare eines deutschen Neonazis löschte kath.net 2011 erst nach Bekanntwerden seiner Identität, mit dem Inhalt seiner rassistischen und völkischen Tiraden hatte kath.net-Chef Noé aber nach eigener Aussage keine Probleme.

Die Hauptthese von Tobias Wilhelm ist nun aber, dass „selbst renommierte Medien“ zu einer unsachlichen Berichterstattung übergingen „und die Hintermänner bar jeglicher Anhaltspunkte und journalistischen Sorgfalt in Kirchenkreisen zu orten glauben“. Es sei ferner „unjournalistisch und fahrlässig“, „Gläubige medial ohne jeden Beleg in die Nähe von Extremisten“ zu rücken. Er spielt dabei auf Medienberichte an, in denen über Verbindungen zwischen den Sprechern des Priesternetzwerks (NKP) und kreuz.net berichtet worden war. Hendrick Jolie, einer der (mittlerweile ehemaligen) NKP-Sprecher, hatte seine Beteiligung an kreuz.net bis zur völligen Aussichtslosigkeit geleugnet und mittlerweile einräumen müssen, dass er nicht nur regelmäßigen Emailkontakt mit der Redaktion pflegte, sondern auch Artikel lieferte und als „frecher jolie“ fleißig kommentierte.
Das sei, findet Wilhelm, zwar „bedauerlich naiv“ gewesen, aber als Hetzer sei Jolie nie in Erscheinung getreten. Dass er andere Geistliche als „Gehirngnome“ beschimpfte, muss ihm wohl entgangen sein.

Tobias Wilhelm und kath.net scheitern also insgesamt grandios, was nicht zuletzt an der ungeschickt konstruierten Fallhöhe liegt: Während das NKP als „konservativ, aber unbescholten“ beschrieben wird, sei kath.net „vor allem durch ihre Treue zu Papst und Lehramt bekannt“. Die kritisierten Medien werden ganz ungeniert mit kreuz.net gleichgesetzt („Umso erstaunlicher, dass sich selbst renommierte Medien jetzt die Dreistigkeit von »kreuz.net« zu eigen machen“), und es wird allen Ernstes auf das „redaktionell kontrollierte (!)“ Spiegel Online-Forum verwiesen, wo „anonyme Hetze übelster Sorte“ zu besichtigen sei: „Ganz wie bei »kreuz.net« – nur ohne Aufschrei.“

Der Gastbeitrag folgt damit der ganz eigenen Logik der Rechtskatholiken, die sich auf kath.net, im kreuzgang-Forum und in ihren Blogs zu Opfern stilisieren, die auf gleich zwei Weisen zu leiden hätten. So habe nicht nur kreuz.net den Begriff „katholisch“ völlig zu Unrecht verwendet und damit alle Fundis mit den Sumpf hineingerissen, nein: Nun erdreisteten sich auch noch „Homo-Lobby“ und Medien unter Leitung von „Strichmännchen“ David Berger, nach den Schuldigen zu suchen und die Ursachen dafür zu finden, wieso kreuz.net die meistbesuchte deutschsprachige katholische Seite werden konnte.

Indem unglückliche Medienberichte auf eine Stufe mit der rechtsradikalen, antisemitischen und homophoben Propaganda von kreuz.net gehievt werden, relativieren kath.net und Co. die Taten der kreuz.net-Macher und rollen den Hetzern den roten Teppich aus: Tiefer als Spiegel, Frankfurter Rundschau und Süddeutsche könnten sie nun schließlich auch nicht mehr sinken.

Besonders bizarr wird diese Selbstviktimisierung auch deshalb, weil nun ausgerechnet kath.net zur letzten Festung des sachlichen und fairen Journalismus aufgeblasen wird, deren redaktionell kontrollierter (!) Kommentarbereich im Gegensatz zu SpOn nicht vor Hass überlaufe. Jede Schnittmenge zu kreuz.net wird ebenso negiert oder verschwiegen wie die mitunter lächerlich einseitige Berichterstattung, die sich – wie bei kreuz.net – vor allem gegen liberale Katholiken, Homosexuelle und Andersgläubige richtet.

Volker hat dieses Paradoxon auf seinem Blog etwas pointierter beschrieben und den Spieß umgedreht:

Wenn liberale oder homosexuelle Katholiken medial ohne jeden Beleg in die Nähe von antirömischen Kirchenzerstörern gerückt werden, ist das unjournalistisch und fahrlässig. Für virtuelle Claqueure offenbar ein Freibrief, um auf redaktionell kontrollierten (!) Internetforen à la „kath.net“ ungeniert diese Menschen zu diffamieren – anonyme Hetze übelster Sorte. Ganz wie bei »kreuz.net« – nur ohne Aufschrei.

Den abschließenden Vergleich könnte man noch präzisieren: Ähnlich wie bei »kreuz.net« – nur mit Zensur.


29 Antworten auf „Das Problem mit der Fallhöhe“


  1. 1 suennerklaas 12. Dezember 2012 um 17:36 Uhr

    Eigentlich ist es doch der Traum der selbsternannten „Verfolgten“:

    überall lauern jetzt Feinde: bei kreuz.net, bei den Bischöfen, die Homos, die Linksgrünen, die Atheisten etc.. Da lässt es sich trefflich vom „Endkampf“ fabulieren und schwadronieren.

  2. 2 diskordianerpapst 12. Dezember 2012 um 18:38 Uhr

    Harmagedon
    Spielt das nicht eine besondere Rolle bei bestimmten
    Evangelikalen? So sehr das sich einige das als tatsächliche,
    nahe bevorstehende Entscheidungsschlacht vor Ort (Megiddo, Israel)
    herbeiwünschen (teilweise in Form einer atomren Konfrontation), was dann der „Entrückung“ (Rapture) entspräche.

    Sind die Charismatiker oder Pfingstler da auch mit im Boot?

  3. 3 Jesus Christus 12. Dezember 2012 um 20:13 Uhr

    Zur Ergänzung des Kommentars über mir:

    An das Harmagedon glauben 48 % der Amerikaner (meist Angehöriger der Evangelikalen Kirchen).

    Es in der Bibel nur ein einziges Mal erwähnt, nämlich in der Offenbarung des Johannes, Kapitel 16, Vers 16.

    Es ist die letzte Serie von endzeitlichen Plagen, die „sieben Schalen des Zorns“. Nach Gottes Befehl werden sie von sieben Engeln über die Erde gegossen.

    Johannes, der diese Offenbarung getätigt hat, ist zugleich auch der Namensfetter des Dings, welches ich stolz in meiner Hose trage.

    LG und heile heile.
    Euer Heiland

  4. 4 Nike 12. Dezember 2012 um 20:29 Uhr

    Zu diesen jetzt laufenden Manövern und Spielchen:

    Mir z. Hd. ist ein Beitrag bei +net von Bischof Pascal N´Koué von Natitingou vom 15. 09. 2009 www.kreuz.net/print-article.9828.html

    Wie schon in einem anderen Post gesagt habe ich mir +net in diesem Zeitfenster genauer angesehen.

    Unter „Atmen wir mit voller Lunge die römische Luft“ will der Geistliche es „auf den Punkt bringen: Wir wollen einen Block von Papisten bilden,ohne aufzuhören Afrikaner zu sein. Dann wird es unserem Kontinent besser gehen.“ Zuvor stellt er fest: „Der antikatholische Westen mit seinen satanischen Plänen und seinen Medien, mit seinen uneingestandenen und uneingestehbaren Interessen wird immer versuchen, uns sein gleichgeschaltetes und verschmutztes Denken aufzuzwingen.“

    Zum Papst äußert er sich:“Empfangen wir mit großem Vertrauen seine erleuchteten Lehren. Atmen wir mit voller Lunge die Luft, die von Rom her kommt. Lassen wir sie in unsere Kirchen, Kulturen und Herzen hineinwehen. Das ist reine, gesunde und belebende Luft.“

    Ich würde das nicht unbedingt hier einbringen, wenn nicht unter google Bischof Pascal N´Koué von Natitingou, Benin das PDf Die Weihe und die Kirche sind auf die eine … -Kirche in Not aufmachen würde. Im „Echo der Liebe “ Kirche in Not Nr. 3 April 2012 ist nachzulesen, dass für das Familien-Eheprogramm dieses Mannes ein Betrag CHF 10200 zugedacht sind.

    Das sind die Fakten! Es dürfte auch als gegeben einzustufen sein, dass Kath net (im übrigen auch u.a. Bischof Laun) mit Kirche in Not beste Beziehungen pflegen.

    Bitte mir Laptop-technisch ggf. etwas besser unter die Arme greifen, falls jemand die digitalen Angaben besser hier einstellen kann!

  5. 5 Nike 12. Dezember 2012 um 21:14 Uhr

    Der Beitrag des afrikanischen Bischofs war bei +net am 14. 9. 2009!! eingestellt (und mir von dann 1 Tag später ausgedruckt).

  6. 6 Tommy 13. Dezember 2012 um 10:49 Uhr

    Mit der Vermutung: Das Priesternetzwerk = kreuz.net liege ich nicht wirklich so verkehrt, oder?

  7. 7 Administrator 13. Dezember 2012 um 13:41 Uhr

    @Nike: Sie meinen dieses PDF, nehme ich an? http://www.kircheinnot.at/akt/3_2012.pdf

    Spannender Hinweis, ich nehme an, dass man bei weiterer Recherche noch mehr fragwürdige Verwendungszwecke für die Spenden finden würde. Roland Breitenbach hat ja schon die Kooperation mit Kirche in Not aufgekündigt (http://episodenfisch.blogsport.de/2012/12/05/fuer-nichts-zu-schade/#comment-9058), es wäre zu wünschen, dass ihm andere nachfolgen.

  8. 8 diskordianerpapst 13. Dezember 2012 um 13:41 Uhr

    Es gibt da einige Anhaltspunkte aber ich würde sagen für den
    Schluss ist es zu früh.
    Man muss auch damit rechnen das die Hintermänner nie bekannt
    werden oder zumindest nicht alle Hintergründe.

    Aber selbst wenn einige für Gesetzesverstösse dort belangt
    werden, wäre es damit getan?
    +.net war nur die Spitze des Eisberges, wenn man so sieht wie
    umtriebig, vernetzt und politisiert gewisse religiöse Kreise
    sind und welche Überlappungen mit politischen Extremisten
    bestehen.

    Die wollen keine offene, demokratische Gesellschaft, die wollen
    dass das Volk nach ihren Regeln lebt. Das können sie nur in
    Verbindung mit einem autoritären Regime oder einem Gottesstaat
    erreichen. Im Einzelnen gehen die Vorstellungen da durchaus
    auseinander, von Anhängern einer christlichen Einheitspartei,
    einer rechten Diktatur über Monarchisten bis wahrscheinlich
    zum Papst als Weltherrscher (mit oder ohne diabolischem
    Lachen ;-) ist da alles dabei.

    Manche würden sich auch mit einem Abtreibungsverbot unter
    schwerer Starfandrohung und einem gleichzeitigen Verbot von
    Verhütungsmitteln zufrieden geben. Natürlich vollkommen
    ungeachtet der tatsächliche Folgen, hauptsache man hat seine
    Ethik („Gottes Wille“) durchgesetzt.
    Das ist der kleinste gemeinsame Nenner der alle Fraktionen
    verbindet.

    Im Moment und in der näheren Zukunft bekommen die natürlich
    kein Bein auf den Boden, es wäre aber durchaus vorstellbar,
    z.B. im Rahmen einer länger anhaltenden Wirtschaftskrise
    wenn es den Menschen richtig schlecht geht.
    Dann können sie vielleicht wieder mit der alten Masche Boden
    gut machen: Im irdischen Jammertal Punkte sammeln für den
    Eintritt ins paradisische Jenseits. Hat ja schon mal einige
    hundert Jahre lang funktioniert und das Konzept ist den heutigen
    Kunden durch „Payback“ ja auch geläufig ;-)

  9. 9 Tommy 13. Dezember 2012 um 14:02 Uhr

    Immerhin hat man ihnen eine äußerst schmerzhafte Wunde zugefügt, mit der sie niemals gerechnet hätten. Zu sicher fühlten sie sich im Schutz der Anonymität. Auch wenn man nicht jeden einzelnen der Hintermänner erwischen wird, wird der eine oder andere der Drahtzieher ins Netz gehen. Soviel ist sicher. Die Prämie dürfte in diesem Sinne auch ein hervorragendes Mittel sein. Es kommt uns zugute, dass die einzelnen Gruppierungen innerhalb dieses Klerikalfaschisten-Filz sich alles andere als grün sind. Zu viele Sekten, zu viele Splittergruppen, deren Agenda sich voneinander unterscheidet, auch wenn die Schwärmerei für rechte Diktaturen, Homohass, Rassismus und Frauenverachtung der gemeinsame Nenner sind. Wenn der eine erwischt wird, gönnt er dem anderen nicht, davonzukommen. Menschen haben sich schon für geringere Summen als 26.000 Euroa ans Messer geliefert. Die nächsten Wochen und Monate dürften lustig werden. Die Ermittler geben aus ermittlungstaktischen Gründen zum Glück keine Auskunft. Aber das Statement „Wir tappen nicht Dunkeln“ lässt hoffen. Das Ende von kotz.net bringt ein Stück Licht in die besinnliche Adventszeit. :-)

  10. 10 Nike 13. Dezember 2012 um 16:26 Uhr

    @administrator: danke für die Unterstützung. Das ist das PDF.

  11. 11 Jean-Louis 13. Dezember 2012 um 16:27 Uhr

    @Tommy
    Ich bezweifle doch sehr stark, dass es möglich sein wird, an die Hintermänner von kreuz.net heran zu kommen. Wie sollte das denn geschehen? Der Weg über den Server ist äusserst schwierig, wenn nicht aussichtslos. Ansonsten gibt es, wie David Berger selbst zugab, nur Vermutungen. Die Betreiber haben aus der Anonymität heraus agiert, und sich wohl kaum jemandem anvertraut. Da sollte man sich nicht allzu viel erwarten. Vielleicht könnten Sprachwissenschafler Licht ins Dunkel bringen. Aber mit wessen Sprache sollen sie denn vergleichen? Meiner Meinung nach, wurde die Seite schlicht und einfach von Hackern lahm gelegt, oder die Betreiber wurden von einem Provider reingelegt, als sie mal wieder wechseln wollten. Ich fürchte, da wird man nie Näheres erfahren.

  12. 12 Nike 13. Dezember 2012 um 16:40 Uhr

    Dieser Hinterzimmer-Katholizismus, der auch mit einem Evangelikalen-Milieu dieser Ausrichtung korrespondiert i s t
    analysierbar!! Dranbleiben.

  13. 13 Memphis Misraim 13. Dezember 2012 um 16:43 Uhr

    In diesem Sinne unbedingt auch katholisches.info im Auge behalten. Das ist kotz.net-light!

  14. 14 diskordianerpapst 13. Dezember 2012 um 18:11 Uhr

    Es gibt ne Menge kotz.net-light im Netz, angefangen von einzelnen (oft den gleichen) User-Kommentaren auf den einschlägigen Portalen und Foren über bestimmte Blogger (die sich dann oft gegenseitig zustimmend kommentieren) bis hin zu den besagten Portalen.

    Daneben gibts dann noch z.B. eine PR-Agentur deren Personal gleichzeitig ein NGO darstellen soll, eine katholische
    Partnervermittlung betreibt, bei den Portalen mitmischt,
    Nachwuchs-Schulungen anbietet, in diversen Vereinen aktiv sind, etc. Und alles mit 5 Personen.
    Das ist nur ein Beispiel, das auch jeder recherchieren kann.
    Die Hinterzimmeraktivitäten will ich mir gar nicht vorstellen.

    Natürlich verwenden die nicht 1:1 den Kreuznetstil und was
    man so findet ist natürlich alles legal.
    Die Ziele überschneiden sich allerdings so das man durchaus
    auf die Idee kommen kann das es zum Teil ein Spiel mit
    verteilten Rollen sein könnte. Es ist halt für jede
    Radikalisierungsstufe was dabei, wem das eine zu lau wird der
    geht halt zum nächsten, wem nicht dem wird zumindest Bestätigung
    geboten. So zieht man Leute an, hält andere bei der Stange und
    wieder andere radikalisiert man.
    Mit der Spezial-Partnervermittlung sorgt man auch noch dafür
    das der Nachwuchs nicht ausstirbt und schon ordentlich
    indoktriniert ist. ;-)

    Wenn man das erst mal durchschaut hat wird auch klar woher
    die ganzen Verschwörungstheorien der Katholiban kommen:
    Die schliessen einfach von sich auf andere ;-)

  15. 15 Nike 13. Dezember 2012 um 19:58 Uhr

    @Diskordianerpast Noch: wenn ich wie in meinen ersten Post hier einer Sache thematisch etwas nachgehe bin ich bald mittendrin in diversen Portalen, ggf. Blogs, Foren, ja sogar einzelnen Bischöfen als Repräsentanten einer Diözese. Diese Erfahrung mache ich immer wieder, so dass ich mir daraus eine gegebene Doppelbödigkeit erschliesse. Während nach außen hin eine eher distanzierte Optik gewahrt erscheint, muss aber ein wesentlich!! näherer Umgang gepflegt sein und wird diesem auch Raum gegeben um optional thematisch derart Sache zu machen und machen zu können. Ich gehe davon aus, dass die meisten Kirchenmitglieder hier völlig außen vor sind und es zu einem großen Teil auch gar nicht in Erfahrung bringen können.Diese Doppelbödigkeit umschreibe ich als „Hintertürkatholizismus“.Es gibt ihn, aber er ist nur schwer auszumachen und schlecht griffig. „Spezial-Partnervermittlung“ halt eben… :-)

  16. 16 suennerklaas 16. Dezember 2012 um 18:46 Uhr

    @Nike
    Man wähnt eben die „Feinde“ der Kirche nicht nur außerhalb, also beim „politisch Atheismus“, den „Sozialisten“, den „Linksgrünen“ oder gar den „Jakobinern“, sondern auch innerhalb der Kirche – und zwar sowohl bei den Bischöfen, als auch bei Kardinälen. Sehr interessant und aufschlussreich ist hierzu dieser kathnetz-artikel:

    http://kath.net/detail.php?id=39320

    …und dazu das, was Noé in den „Leser“-Kommentaren so veröffentlicht. Bemerkenswert ist das, was Leser „Kathole“ da so schreibt.

  17. 17 Nike 17. Dezember 2012 um 11:25 Uhr

    Die kircheninternen Ausrichtungen mit all den Strippenziehern für die jeweilige Stoßrichtung, die rigorosen Grabenkämpfe lassen sich m.E. nicht mehr kaschieren.Nicht umsonst versucht ja Benedikt diese internen und teils sehr agressiven Positions-und Glaubenskämpfe umzulenken in eine missionarische Verkündigung nach außen. Ich stufe das u.a. auch als eine schadensbegrenzende Maßnahme ein.Andererseits verlangt dies natürlich – nimmt ein kirchenbezogener Katholik dies ernst – tatsächlich eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Evangelium.
    Es ist auch nicht zu übersehen, dass die Ausrichtung der Kirche wie sie Benedikt handhabt primär in die ökumenische Orthodoxie geht, was wiederum kirchenintern entsprechende (auch theologische) Infragestellungen impliziert und evozieren muss,dem er sich ohne Ressentiments zuwenden müsste in Wahrung einer umfassenden Amtsleitung. Als Professor mit einem eigenen fachtheologischen Lebenswerk muss er andererseits auch an der Sicherung dieses Werks interessiert sein wie er es auch tut und es ihm auch zusteht – eine spannungsreiche Position für ihn also!

    Zum Kath net-Artikel: Präfekt Müller deklariert die Macher des vormaligen +net zu nicht-katholischen „Extremisten“.
    Damit ist aber nicht abgetan, warum dann ausgerechnet im Kommentarbereich überwiegend eindeutig seine Kirche betreffende Themen aktuell waren, sicher aus einer oftmals ultrakonservativen Ecke, massiv antisemitisch, oft hasserfüllt bei deutlichen Feindbildern.Da möchte ich einen Spruch sagen, der gerade vcn kirchen OberhirtenLeitenden gern öffentlich geltend gemacht wird: Wer A sagt( wie der Präfekt,) der müßte auch B sagen! Und es gäbe einiges zu sagen und zu bedenken!! gerade über den katholischen MitläuferIn auf +net. B scheint aber für den Präfekten darauf hinauszulaufen, was „Kathole“ scharf kritisiert und näher unter die Lupe nimmt.

  18. 18 suennerklaas 17. Dezember 2012 um 12:41 Uhr

    @Nike

    Spätestens beim nächsten Konklave wird die Zerrissen- und Zerstrittenheit sichtbar werden. Wie lange werden die Kardinäle brauchen, um einen Nachfolger zu wählen – vier Tage, fünf Tage, eine Woche oder gar noch mehr?

    Und es ist schon bemerkenswert, dass Müller, der eigentlich eher zu den Lieblingen der Traditionalisten gehört, schon nach seiner ersten Äußerung als Präfekt der Glaubenskongregation derart hart angegangen ist. Werbung für die eigene Sache macht man sich damit nicht.

  19. 19 Nike 17. Dezember 2012 um 13:49 Uhr

    @sünderklaas Soweit ich das beurteilen kann, hat sich Müller- bei aller gegebenen Abständigkeit meinerseits – aber immer scharf gegenüber antisemitische Positionen in diesem Spektrum abgegrenzt und dies gerade bez. der Piuspriesterschaft klar vertreten.Abzuwarten bleibt aus meiner Sicht wie er in seiner jetzigen Position eine Kirche der Solidarität an der Seite Armen wie er das mit Gustavo Gutiérrez durchgearbeitet und veröffentlicht hat glaubwürdig einbringen und umsetzen wird.

    Und die Ausrichtung einmal beim nächsten Konklave wird auch etwas mit den getätigten Ernennenungen der Männer für dieses Amt zu tun haben.. da erfolgen hier und heute Weichenstellungen, um eine gewisse Kirchenausrichtung abzusichern.

  20. 20 Nike 17. Dezember 2012 um 13:52 Uhr

    P.S. sorry @suennerklaas natürlich! Ich brauch keine Kirchenfeinde, ich kämpf lieber mit meinem Laptop… :-)

  21. 21 suennerklaas 17. Dezember 2012 um 14:57 Uhr

    @Nike

    …dass Müller in absehbarer Zeit ins Kardinalskollegium aufgenommen werden wird, dürfte klar sein. Von existenzieller Bedeutung dürfte es allerdings sein, wie sehr es sich die Traditionalisten mit Leuten seines Schlages bis zum nächsten Konklave verscherzen und wie viel Porzellan bis dahin noch zerschlagen wird.

    Das Pontifikat Ratzingers war ja ursprünglich als Übergangspontifikat gedacht – also ein Pontifikat, in dem sich die Kräfte innerhalb des Kardinalskollegiums neu sammeln und sich eine einheitliche Linie heraus bildet. Dieses Vorhaben kann man jetzt schon getrost als gescheitert ansehen, weil Ratzinger nicht nach vier, fünf Jahren abgelebt ist, sondern sich im achten Jahr immer noch bester Gesundheit erfreut. Und je länger sein Pontifikat dauert, desto tiefer werden die Gräben.

    Das nächste Konklave wird – so meine ich – das alles richtig greif- und sichtbar machen. Denn je tiefer die Gräben sind, umso schwieriger wird es, einen Kompromisskandidaten zu finden – und am Ende sitzt da dann jemand, den niemand auf dem Zettel hatte.

  22. 22 Memphis Misraim 17. Dezember 2012 um 15:08 Uhr

    Der nächste Papst wird aus unseren Reihen kommen. Er wird in jedem Fall ein JOHANNES werden. Ob ein offener oder verdeckter Johannes wird sich noch zeigen.

  23. 23 Nike 17. Dezember 2012 um 17:49 Uhr

    Unterschätzen darf man aber auch nicht die sehr einflussreichen geistlichen Gemeinschaften, heute und schon längst meiner Meinung nach führend das Opus Dei: strikte Autoritätsstruktur der Organisation,papsttreu und dem Gehorsam selbstverpflichtet; untergeordfnete Positionierung der Frauen.Diese Leute sind in der Regel beruflich hochqualifiziert, erfolgreich und hochkarätige Networker und Multiplikatoren. Als ein Vertreter dafür fällt mir der Wiener Psychiater Bonnelli jetzt ein, der seine Kompetenzen einbringt um Gehorsam als unabdingbare christliche Tugend zu referieren und zu stablisieren. In diesem Sinne finden immer wieder entsprechende Zusammenkünfte statt mit führenden Leuten aus den Leitungsgremien, wie jetzt auch Kardinal Koch in Heiligenstadt. Kernziel dürfte schon die Stabilisierung einer Art Gehorsamskirche sein. Das ist jetzt etwas zugespitzt formuliert, ich weiß. Deswegen bin ich auch zu dieser Prgonose @Memphis Misraim sehr! skeptisch.

  24. 24 suennerklaas 18. Dezember 2012 um 7:55 Uhr

    @Nike
    Warum nur komme ich nur beim Austrofaschismus raus? Bei Dollfuß und Schuschnigg?
    Verbrecher werden von ihrer Schuld nicht dadurch reingewaschen, bloß weil sie von anderen Verbrechern umgebracht werden.

    Und was die Gehorsamskirche angeht, so muss man konstatieren, dass es sich hierbei eher um eine von außen gesteuerte Kirche handeln soll. Dabei geht es ganz einfach ums Geld und um Macht – und zwar weniger von Geistlichen, sondern eben von Laien, die ihren sozialen und politischen Status religiös absichern wollen. Oder um es ein wenig polemisch auszudrücken: es geht darum, die Kirche dazu zu missbrauchen, um eigennützige (macht-)politische und wirtschaftliche Ziele abzusichern. Dies hat dann aber nichts mit den eigentlichen Inhalten der christlichen Lehre zu tun – eine in dieser Form missbrauchte „Religion“, in der von den Kanzeln das gepredigt wird, was von außen her vorgegeben wird, ist nur noch Opium für’s Volk: man lässt sich die Lehren nach Kassenlage so hinbiegen, wie man es gerade braucht. Und wenn’s opportun ist, dann wird man solchen Kreisen keine Skrupel haben, das heute noch „Allerheiligste“ beim nächsten Altwarenhändler für eine Handvoll billiger Dollars zu verscherbeln, nur um sich das Goldene Kalb zu kaufen, um das man viel lieber tanzt.

  25. 25 Memphis Misraim 18. Dezember 2012 um 10:10 Uhr

    Natürlich geht es Opus Dei um den Machterhalt innerhalb des Vatikans. Natürlich geht es dabei vor allem auch ums Geld. Allerdings haben sich die Machtverhältnisse im Vatikan in den letzten 20 Jahren gewandelt. Die freimaurerischen Gruppen sind auch nicht zu unterschätzen. Auch da gibt’s die Guten und die Bösen. Für letztere ist P2 und heute P3 ein typisches Beispiel. Dass sich mafiöse Strukturen in den Vatikan eingeschlichen haben, wird allgemein verschwiegen.

  26. 26 Nike 18. Dezember 2012 um 17:18 Uhr

    Wie ich es schon gesagt habe, habe ich etwas zugespitzt formuliert. Das impliziert keine pauschalen Abwertungen bez. geistlicher Gemeinschaften oder vieler Geistlichen, die bis zu 60 Wochenstunden arbeiten und wirklich die jesuanische Spritualität in ihrem Leben tragend machen. So möchte ich nicht verstanden werden und das habe ich jetzt klar gestellt.

  27. 27 Dr. Arnd 19. Dezember 2012 um 15:04 Uhr

    zur Diskussion ums Opus Dei:
    wenn darauf abgestellt wird, dass eine Gruppe eine „Gehorsamskirche“ oder die „innerkirchliche Macht“ usw. anstrebt, so sollte man die Überzeugungen, die dahinter stehen, nicht übersehen. Hier sind keine Machtmenschen im Sinne eines demokratischen oder antidemokratischen Politikers unterwegs, sondern sie halten ihren Glaubensstil und ihre Lebensweise subjektiv für evangeliumsgemäß. Sie sind also in diesem Sinne evangeliumsgemäß. Wenn man also hinginge und nur versuchte (über Medien oder strukturell innerkirchlich) ihre Macht zu beschneiden, so behandelte man nur die Oberfläche. Eine wahre Änderung des Opus Dei oder der Legionäre Chriti und Servi Jesu et Mariae und wie sie alle heißen erreicht man nur auf dem Wege des Glaubensdisputs. Der ist natürlich am schwersten zu führen.

  28. 28 Dr. Arnd 19. Dezember 2012 um 15:24 Uhr

    ich meinte gerad nicht „Sie sind also in diesem Sinne evangeliumsgemäß.“, sondern „Sie sind also in diesem Sinne Überzeugungstäter.“

  29. 29 Nike 19. Dezember 2012 um 21:32 Uhr

    Kurz @suennerklaas: back again – Netzwerkstörung! Opportunismus--- und Verzweckung der jesuanischen Spiritualität, darüber bin ich am Knobeln..

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