Eitelkeit und Selbstmitleid

Manche Dinge ändern sich nie: Die Sonne geht auf und wieder unter, der FC Bayern München wird deutscher Meister und kath.net verzweifelt an der eigenen Unzulänglichkeit.
Angenommen, Roland Noés Unverständnis über den Unwillen des Schweizer Abts Martin Werlen, ein Interview mit kath.net zu führen, ist kein rhetorischer Kniff, sondern ernst gemeint, wollen wir ihm einmal kurz auf die Sprünge helfen:

Werlens Zurückhaltung könnte daran liegen, dass kath.net simpelste journalistische Standards vernachlässigt und sich exakt jener Unsitte hingibt, die man im Falle der vermeintlich linksgrünen Mainstreammedien so gerne kritisiert: Berichten über missliebige Personen fehlt Augenmaß und Sachlichkeit, jeder noch so absurde Vorwurf wird mit persönlichen Angriffen vermengt. Den ohnehin mit einer niedrigen Empörungsschwelle ausgestatteten kath.net-LeserInnen wird abschließend noch eine Email-Adresse verlinkt, die sie fröhlich zuspammen sollen.

Vielleicht, und das ist kaum mehr als eine Vermutung, hatte Werlen einfach keine Lust auf die typische kath.net-Melange aus Eitelkeit und Selbstmitleid, die auch in diesem Fall wieder zu beobachten ist. Weil Werlen nicht antworten möchte, wird er von Noé zum „Dialogverweigerer“ mit Angst vor „Gegenwind“ stilisiert; aufgrund seiner nicht ausreichend reaktionären Haltung zum Frauenpriestertum beschimpft ihn der kath.net-Chef gar als „Brandstifter“ in der Tradition der gleichnamigen Figuren aus Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter“. Der Vergleich wird angesichts der verbreiteten Interpretationen, die Brandstifter symbolisierten wahlweise Nationalsozialismus oder Kommunismus, nicht besser.

„Kath.Net wird weiter berichten!“, droht frohlockt Noé abschließend. Alles andere hätte auch überrascht.


8 Antworten auf „Eitelkeit und Selbstmitleid“


  1. 1 bazi 25. November 2012 um 23:03 Uhr

    Xxx Xxx Xxx

  2. 2 suennerklaas 26. November 2012 um 12:31 Uhr

    Du hast es ja bereits an anderer Stelle sehr richtig beschrieben: man wähnt sich in einem verzweifelten Endkampf, man glaubt von Feinden umzingelt zu sein. Dieser Endkampf bekommt durch die verwendete Symbolik groteske Züge: nicht umsonst hat sich Noé den Nick „Gandalf“ aus dem Kinderbuch „Der Herr der Ringe“ gegeben… Dort ist „Gandalf“ ein Zauberer (wurden die nicht von der Inquisition genauso, wie die Hexen verbrannt?) – und dieser Zauberer „rettet“ die heile Welt von „Mittelerde“ – und vor allem das beschauliche Auenland, wo die „Hobbits“ leben…

    Ich interpretiere Kath.net so, dass sich ein gewisser Herr Noé auf der Grundlage eines Kindermärchenbuchs eine Spielzeugwelt geschaffen hat. Und wo kann man nun diese Spielzeugwelt, diese Märchenwelt am besten finden? Richtig in einer Glaubensgemeinschaft. Auch dort gibt es einen Weißen Mann an der Spitze, dem zu folgen ist, der in eine goldene Zukunft führt. Dieser Weiße Mann ist allerdings der Papst selbst – und nicht Noé, der sich selbst „Gandalf“ nennt.

    Nimmt man nun die Struktur und die Lehre der Römisch-Katholischen Kirche als Grundlage und zieht dann noch das Kindermärchenbuch des Herrn Tolkien hinzu, dann erweist sich der Nickname des ansonsten immer sehr untertänig rom- und papsttreu tuenden Herrn Noé als eine unglaubliche Anmaßung: mit dem von ihm erwählten Nick stellt er sich ÜBER den Papst selbst. Diese Symbolik sollte man durchaus bei der Bewertung berücksichtigen. Und – um in der „Herr-Der-Ringe-Symbolik“ zu bleiben: ehrlich gesagt erinnert mich der „Gandalf“ von Kath.net an den Zauberer Saruman. Der allerdings wurde, weil er sich als ein Opportunist erwies, zusammen mit seinem Diener Schlangenzunge davon gejagt.

  3. 3 diskordianerpapst 26. November 2012 um 14:09 Uhr

    Dieser kaum verholene Erpressungsversuch lässt auch tief blicken in welcher Machtposition sich kath.net mittlerweile wähnt.
    Leider ist dieses Wähnen nicht mal ganz unrealistisch.
    Sieht so aus als ob die Sicht aus kath.nets und Anhängerschaft „liberalen“ Leute im Mittelbau der Kirche Druck von unten (kath.net) bekommen, greift die Skandalisierung, bekommen sie unangenehme Nachfragen von oben.
    Sieht tatsächlich nach einer Radikalisierungs bzw. „Gesundschrumpfungsstrategie“ aus, die auch in hohen, möglicherweise höschsten Kreisen der Kirchenhierarchie unterstützung findet.

  4. 4 suennerklaas 26. November 2012 um 17:20 Uhr

    Hochmut kommt meist vor dem Fall.
    Und natürlich kann man das als Erpressungsversuch werten – rühmt sich kath.net doch offen seiner guten Kontakte bis hin zum Papst. Zwar weiß jeder in der Kirche, dass das, was der Papst gegenüber kath.net-Vertretern geäußerst hat, lediglich diplomatische Höflichkeitsfloskeln und als solche ohne Belang sind, Eindruck schindet das jedoch trotzdem, da sich kath.net den Anschein gibt, Sprachrohr der römisch-katholischen Kirche zu sein – was natürlich falsch ist.
    Ansonsten dürftest Du mit Deiner Einschätzung recht haben, dass es sich um einen „Gesundschrumpfungsprozess“ handelt.Natürlich kennt auch Joseph Benedikt XVI. Ratzinger Max Webers Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ – und er weiß auch, dass Macht und Einfluss der seiner Kirche in den Ländern nördlich der Alpen schon seit Jahrhunderten rückläufig sind. Und Ratzinger weiß auch, warum das so ist und er weiß auch, dass sich seine Kirche in vielen Ländern des Nordens nie hat etablieren können: schon fünf Jahrhundert nach der Missionierung wurde man wieder vertrieben. Und genau aus diesem Grund schaut man lieber nach Lateinamerika und nach Afrika.

  5. 5 Administrator 27. November 2012 um 0:10 Uhr

    Noés Obsession für Gandalf ist ja auch angesichts der sexuellen Orientierung des Schauspielers sehr mysteriös. Andererseits wird auf kath.net bekanntlich die Ansicht vertreten, dass der Herr der Ringe ein katholisches Buch sei wegen gut und böse usw.

    Ich glaube im Übrigen, dass du den Rest ein wenig überinterpretierst. Faszination für das Übersinnliche und die Macht ja, aber über den Papst stellt sich Noé eher nicht.
    Übrigens: In einem Paralleluniversum trägt Noé im Internet vielleicht den Namen Severus Snape (Voldemort wäre kein guter Vergleich und Draco Malfoy ist eher der kreuz.net-Typ) ;)

  6. 6 Heinz Schmidt 27. November 2012 um 9:14 Uhr

    Weshalb der Herr der Ringe ein katholisches Buch sein soll, erschließt sich mir auch nicht. Dauerd wird von der Gefahr aus dem Osten gesprochen, dabei kommt nach katholischer Lehre das Licht, der Herr aus dem Osten, weshalb alle Kirchen „geostet“ sind. Tolkin hat hier eher eine europäische Angst vor China verarbeitet…

  7. 7 suennerklaas 27. November 2012 um 13:20 Uhr

    Bemerkenswert ist der Umstand, dass Tolkien sich aus kirchlicher Sicht „heidnischer“ Symbolik und „heidnischer“ Mystik bedient. Wie das „katholisch“ sein kann, erschließt sich mir nicht wirklich. Und auch bei der Behandlung der „Feinde“ zeigen sich die Protagonisten in dem Roman wenig christlich. Von den christlichen Prinzipien der Nächstenliebe und der Vergebung findet sich in dem Buch Tolkiens wenig – oder genauer gesagt: gar nichts. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: den Totalen Sieg oder die Totale Niederlage. Einen Zwischenweg, den Weg des ehrlichen Kompromisses, des Schaffens von Win-Win-Situationen, an denen alle Seiten profitieren und ihre Gesicht wahren, also den Weg der Vergebung, den eigentlich die christliche Lehre aufzeigt, gibt es nicht.

  8. 8 diskordianerpapst 27. November 2012 um 14:20 Uhr

    Gab es den Zwischenweg jemals?
    Mir fällt da gerade kein Beispiel ein wenn es um grössere Auseinandersetzungen ging. Weder wenn es um Christen gegen Christen oder Christen gegen „Heiden“ ging, auf Verhandlungen hat man sich erst eingelassen wenn man selbst kurz vor der Vernichtung stand. Andersrum hat man in solchen Fällen dann schon mal lieber komplett vernichtet („der Herr wird die seinen erkennen“).

    Insofern ist Herr der Ringe nicht weit von historischen Tatsachen entfernt, von diversen Massakern aus dem alten Testament erst recht nicht.

    Anspruch und Wirklichkeit. Wir sind die guten, per Definition.
    1. Untaten aus unserem Lager: Sind ja keine „echten“ Christen.
    2. Untaten aus anderem Lager: Haben grundsätzlich mit deren „falscher“ Religion zu tun. Deshalb müssen sie ja bekämpft werden. Mit dieser Begründung kann dann bei Bedarf Punkt 1. ersetzt werden.

    Das gilt natürlich auch für andere Religionen mit Absolutheitsanspruch. Es gibt da aber durchaus einen Spitzenreiter.

    Wenn man sich die ganzen Hetzportale der Fundis so anschaut, dann gilt das für diese Leute alles auch im Kleinen, im Alltäglichen: Willst Du nicht barmherzig sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein, wenn auch (noch) nur verbal.

    Wen wunderts da noch dass sich auf gloria.tv „Army of God“ Fans runtreiben dürfen.
    http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=1796903

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