Laun in der ungeheuerlichsten Form

Dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun muss man wohl zugute halten, dass er wirklich glaubt, was er in seinen Beiträgen auf kath.net so verzapft. Wenn er etwa ein Märchen über österreichische Brunnen verfasst, die durch minderwertiges importiertes Wasser abgelöst werden, dann kann man das nur als ernstgemeinte, in rassistische Worte gekleidete Furcht vor „Überfremdung“ interpretieren.

Andreas Laun beschäftigt sich heute auf kath.net mit dem Todesfall einer schwangeren Frau, der in Irland eine Abtreibung verweigert wurde. Eine Untersuchung ergab, dass sie eine Fehlgeburt erleiden würde, dennoch sahen die ÄrztInnen keinen Handlungsbedarf: „Dies ist ein katholisches Land.“ Vermutlich aufgrund dieser Untätigkeit starb nicht nur das Baby, sondern auch die Frau – an einer Blutvergiftung.

Laun wendet nun gegen Kritik von „Journalisten und Politiker[n]“ ein, dass sie (offenbar im Gegensatz zum Salzburger Weihbischof) „keine Gynäkologen“ seien und daher „weder ein eigenes medizinisches noch ein moralisches Urteil“ abgeben könnten. Er lobt sowohl den irischen „Rechtsstaat, der diesen Ehrentitel verdient“, als auch die zunehmend totalitärere kath.net-Lieblingsdiktatur in Ungarn und preist Mütter, die „zugunsten des Lebens ihre[r] Kinde[r] auf die für sie notwendige[n] Therapie[n] verzichtet und den Tod auf sich genommen“ hätten.

Vor allem aber ergeht Laun sich in wilden Nazi-Vergleichen. Er behauptet, dass „die größten internationalen Abtreibungsorganisationen historisch aus der Rassenlehre der Nationalsozialisten hervorgegangen“ seien und „dasselbe propagieren und auch dasselbe tun, was diese gedacht und getan haben“. Dieser völlig aus der Luft gegriffenen problematischen Darstellung widmet er einen eigenen Absatz:

Ist Abtreibungsverbot ein Nazi-Gesetz? Aber: Es galt nur für Deutsche. Was die Slawen betrifft, hatte Martin Bormann dieselben Pläne und Argumente entwickelt, wie sie heute von Planned Parenthood und ihren „Filialen“ weltweit, auch in Deutschland und Österreich, vertreten werden. Neonazis? Ja, es gibt sie, aber nur als kleine Gruppen, die man mit Hilfe der Polizei in Schach halten kann. Der Ort, wo Hitler wirklich weiter lebt, gefördert, finanziert und mit Preisen ausgezeichnet wird. ist jene Industrie des Todes, die mit Abtreibung Geld macht und unerwünschte Menschen vernichtet.

Diese Sätze spiegeln Launs Erregung wider, sind aber nicht nur interpunktionell bedenklich: Er konstruiert einen Zusammenhang zwischen Hitlers Privatsekretär Bormann und den heutigen Abtreibungskliniken und setzt Frauen, die Abtreibungen vornehmen lassen sowie die jeweiligen ÄrztInnen mit Nazis gleich. Eine Differenzierung findet nicht statt, und so versteigt er sich in der völlig wirren These, dass Abtreibungskliniken „der Ort“ seien, „wo Hitler wirklich weiter lebt“.

Launs Erguss kann man verkürzt mit ‚Abtreibung ist der neue Nationalsozialismus‘ beschreiben: Während Neonazis „mit Hilfe der Polizei in Schach“ gehalten werden könnten, dürfe Hitler in Abtreibungskliniken wirken. Das ist Geschichtsrevisionismus in seiner schlimmsten Form, und so verwundert es nicht, dass Andreas Laun zumindest bis Ende 2011 zu der Handvoll der auch auf kreuz.net geschätzten Geistlichen gehörte – wahlweise lobte ihn das rechtsradikale Portal als „Salzburger Bekenner-Bischof“, „mutigen Lebensschützer“ oder eben als einen „der wenigen katholischen Bischöfe Westeuropas, der sich konsequent gegen die Abtreibungsgewalt einsetzt“.


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