Goldene Worte

Die Entwicklungen zu kreuz.net überschlagen sich derzeit: Der im Spiegel-Artikel genannte Pfarrer Hendrick Jolie, der auch für kath.net schrieb, gab gestern gegenüber der hessischen Regionalzeitung echo-online.de zu, Kontakt zu kreuz.net gepflegt zu haben. Nachdem er am Tag zuvor noch jede Verbindung leugnete, gestand er sein Mitwirken. Er „bedauere es natürlich zutiefst“, dass durch seinen „leichtfertigen Umgang mit dem anonymen Portal Kreuz.net der Eindruck entstehen konnte“, er stünde „rassistischem, anti-jüdischem oder homophobem Gedankengut nahe“.

Das klang am 30. Oktober noch ein wenig anders. In einer „Klarstellung zum Spiegel-Artikel vom 29.10.2012″ wurde jeder Kontakt Jolies zu kreuz.net dementiert und behauptet, dass kreuz.net seine Texte ohne die Zustimmung des Autors veröffentlicht hätte. Unterzeichnet wurde die Klarstellung von den drei Sprechern des Priesternetzwerks: Hendrick Jolie, Uwe Winkel und Guido Rodheudt.

Insofern ist die Wahl des gestern auf kath.net in Aktion getretenen Interviewpartners als unglücklich zu bezeichnen: Guido Rodheudt wird dort von Petra Lorleberg zu einer Tagung befragt.

Im oben verlinkten Spiegel-Artikel wird angemerkt, der mutmaßlich mit Hendrick Jolie übereinstimmende kreuz.net-Kommentator „Jolie“ falle unter anderem mit Lobeshymnen auf seinen Priesternetzwerkkollegen Rodheudt auf. So nannte „Jolie“ Rodheudt etwa „eine[n] der profiliertesten Priester unserer Tage“. Auch in 56 kreuz.net-Artikeln zwischen 2004 und September 2012 wurde Rodheudt äußerst wohlwollend gezeichnet: Begeistert wurde etwa seine (ablehnende) Meinung zu Stuhlkreisen zitiert, für eine von ihm geleitete Messe geworben oder von seinen „goldene[n] Worte[n]“ geschwärmt. Mal stellt man ihn als „de[n] bekannte[n] Pfarrer Guido Rodheudt“ vor, mal als „ein[en] verdiente[n] Geistliche[n] der Diözese Aachen“, der gegen den „blanke[n] Haß des Aachener ‘Katholikenrates’“ in Schutz genommen wird. Der Aachener Katholikenrat hatte Rodheudt als „reaktionär“ bezeichnet, was kreuz.net mit dem Verweis auf den „letzten DDR-Diktator Erich Honecker († 1994)“ abbügelte, der die Vokabel ebenfalls schon einmal benutzt habe.

2011 wurde eine auch von Rodheudt unterzeichnete Stellungnahme des Priesternetzwerks auf kreuz.net veröffentlicht, in der man sich über die „öffentliche Verfolgung“ von Priestern im Zuge des „Mißbrauchs-Hoax“ (kreuz.net) beschwerte. Aus dem selben Jahr datieren zwei Werbeartikel für das Priesternetzwerk: Im Januar wurde auf den Weihnachtsbrief des Netzwerks zurückgeblickt, im April wiederum die Opferrolle eingenommen: „Erzbischof Robert Zollitsch ignoriert das ‘Priesternetzwerk’“.
Im Jahr 2010 wurde ein Artikel Rodheudts auf Jolies Internetseite von kreuz.net angepriesen, einige Monate zuvor lobte Jolie Rodheudt wiederum in der Kommentarspalte als „guter mann[,] falls jemand das noch nicht wusste“.

Tatsächlich dürfte es zu diesem Zeitpunkt keinen kreuz.net-Fan mehr gegeben haben, der „das noch nicht wusste“. So wurde beispielsweise 2008 ein „Zwischenruf“ Rodheudts veröffentlicht, der zuvor bereits im Newsletter des Priesternetzwerks erschien. Dort ist auch ein Interview-Video mit Rodheudt vom ebenfalls nicht ganz unproblematischen Portal gloria.tv eingebunden. 2007 berichtete kreuz.net über kreuts.net-Spekulationen, nach denen Rodheudt einer der Betreiber von kreuz.net sein könne. Im Gegensatz zu anderen auf kreuts.net genannten Personen wurden Rodheuts Verbindungen nicht explizit dementiert.

Ob Rodheudt wie Jolie Kontakt zu kreuz.net hatte, ist reine Spekulation, wenngleich es angesichts der vielen wohlwollenden Beiträge zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. Zugute halten muss man Jolie und Rodheudt im Zweifelsfall, dass ihre Beiträge und Wortmeldungen keine homophoben oder antisemitischen Artikel waren. Andererseits muss mindestens Jolie über besondere Fähigkeiten verfügt haben: Wer nicht „rassistisch, anti-jüdisch oder homophob“ sein will und dennoch auf einem Portal veröffentlicht, das fast täglich gegen Juden oder Homosexuelle hetzt, muss außerordentlich gut im Verdrängen übler Gewissensbisse sein.

Indes ist Guido Rodheudt auch für kath.net-LeserInnen nicht erst seit gestern kein Unbekannter: Im Laufe der Zeit erschienen einige Werbeartikel für das Priesternetzwerk – und im Archiv finden sich zwei Beiträge aus diesem Jahr, in denen Rodheudt sich mit den Fragestellungen beschäftigt, ob „die deutsche Nationalkirche noch katholisch sei“, und was der „Untergang des Kultischen in der Kultur des Abendlandes“ bedeute.

Danke an Jörg für die Hinweise.


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