Expertenmeinungen zu Holocaustvergleichen

Im kath.net-Kommentarbereich wird wieder einmal der Holocaust relativiert: „Stephan Karl“ stimmt dort zwar dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zu, dass Massentierhaltung nicht mit Konzentrationslagern verglichen werden sollte, schränkt aber ein:

Also in dem SPEZIELLEN Falle, bin ich auch für das Verbot. Überhaupt das Auf-Eine-Stufe-Stellen von Menschen und Tieren ist allgem. schon abartig (und definitiv unchristlich!). Außerdem noch den Massenmord an den Juden für die Newage- und Vegetarismusideologie zu Propagandazwecken zu instrumentalisieren, grenzt an Perversion. Da gebe ich Herrn Graumann völlig recht. Soetwas gehört unterbunden!
Allerdings um künftig nicht auf eine falsche Linie zu gelangen: BEI THEMEN WIE Z.B. ABTREIBUNG UND ANDEREN MASSENMORDEN MÜSSEN SOLCHE VERGLEICHE ERLAUBT SEIN, DA SIE VOLL ZUTREFFEN!!! DAS WORT „BABYCAUST“ IST GERECHTFERTIGT!

Auch „willibald reichert“ hat so seine Zweifel, ob Holocaust-Vergleiche per se gefährlicher Unfug sind:

Wie kann man eigentlich guten Gewis-
sens sagen, der Holocaust sei einmalig gewesen,
wenn die Menschentötung als angebliches Recht
der Frau nunmehr schon seit Jahrzehnten mit
anderen Begründungen legitimiert ist und inzwi-
schen die jüdischen Opfer längst überschritten hat? Der damaligen Generation hat man vorgewor-
fen, daß sie so etwas zugelassen hat. Warum
schweigen dieselben Verurteiler des Judengenozids, wenn es in unseren Tagen möglich
ist, daß der Mutterleib der gefährlichste Ort für
das menschliche Leben überhaupt ist?

Diese geschichtsvergessene Banalisierung hat auf kath.net eine lange Tradition. „Chrysanthus“ etwa fühlte sich anlässlich des 60. Gründungtags des Zentralrats der Juden in Deutschland verpflichtet festzustellen:

Der Völkermord an den Juden ist keineswegs „das größte Verbrechen der Geschichte“. Dieses war die Kreuzigung Jesu Christi auf Golgotha. Aber auch quantitativ gesehen (so irgendwie beschämend solche Aufrechnungen und Vergleiche auch sind) gab es größere Verbrechen, wie die Ausrottung der Kulaken in Russland oder der Holodomor, ebenfalls von Stalin veranlasst.
Ganz zu schweigen vom Babycaust. Die millionenfache Ermordung von unschuldigen Ungeborenen ist das zahlenmäßig größte Verbrechen der Menschheit, und dieses geht täglich weiter.

Und „noir58″ fiel zur Fundamentalisten-Demo „Marsch für das Leben“ ein:

Ich danke allen die hier mitgehen, für ihren wichtigen Einsatz für unser Land.

Eines Tages wird man sich ihrer erinnern, wenn unsere Nachwelt sich fragen wird, wie diese Kultur des Todes diese ungeheueren Verbrechen begehen konnte. Und man wird dankbar sein, dass man dann Ereignisse vorzeigen kann, die beweisen, dass es auch andere Menschen gab. So wie heute viele Politiker stolz am 20 Juli der wenigen Widerstandskämpfer des 3. Reichs gedenken.

Im Juli dieses Jahres wurde ein russisch-orthodoxer Geistlicher zum Mittelpunkt eines kath.net-Artikels, in dem er unwidersprochen darüber plaudern durfte, dass Abtreibung „der schlimmste Holocaust der Geschichte“ sei.

Die auf kath.net für ihre Verschwörungstheorien gefeierte Gabriele Kuby schrieb in einem Aufsatz namens „Vergiftung durch Bilder“, auf die Frage „Wie konnte das geschehen?“ könne es „so wenig eine Antwort geben wie angesichts der Leichenberge von Auschwitz“. Dabei ging Kuby noch einen Schritt weiter als die zitierten kath.net-Leser: Das „Wie konnte das geschehen?“ bezog sie nicht nur auf Abtreibung, sondern auch auf Verhütungsmittel und Rechte für Homosexuelle.


2 Antworten auf „Expertenmeinungen zu Holocaustvergleichen“


  1. 1 Nike 10. November 2012 um 16:05 Uhr

    Der Kath.net Redaktion ist es offensichtlich keine Zeile wert, dass in ihrem Kommentarbereich der holocaust unüberlesbar immer wieder ausgebeutet und verzweckt wird und diverse Poster damit ihre Message verstärken!

  2. 2 sünnerklaas 14. November 2012 um 21:19 Uhr

    Holocaustleugnung ist in Österreich ein Verbechen, das mit Freiheitsstrafe bis zu 20 Jahren geahndet wird. Das sollte auch ein gewisser Roland Noé berücksichtigen.

    http://www.nachkriegsjustiz.at/service/gesetze/gs_vg_3_1992.php

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