Die Idee ist gut, doch kath.net noch nicht bereit ii

Mit knapp fünfwöchiger Verspätung widmete sich kath.net gestern den aktuellen Entwicklungen zu kreuz.net. Dort war der verstorbene Komiker Dirk Bach wüst beschimpft worden, was eine Welle der Empörung nach sich zog und von fast allen relevanten Medien aufgegriffen wurde.

Der kath.net-Artikel besteht aus einer Meldung der katholischen Nachrichtenagentur KNA, stellt somit weder eine Eigenleistung dar noch eine vernünftige redaktionelle Distanzierung. Für eine solche wäre schließlich mindestens ein ausführlicher Beitrag von Nöten, in dem die Überschneidungen zu kreuz.net reflektiert und glaubwürdig bedauert würden. Das (eigene) Herzblut fließt unterdessen in fragwürdige Kampagnen gegen progressive Gruppen wie den BDKJ, Polemiken gegen Barack Obama oder Bilder, die den US-Präsidenten als Alleinschuldigen von Spätabtreibungen darstellen sollen.

In der vergleichsweise ausführlichen KNA-Meldung wird auf einen Spiegel Online-Artikel verwiesen und berichtet, dass der Bruno Gmünder Verlag eine Liste mit fünf Namen von im Dienst der katholischen Kirche stehenden Personen an die Berliner Staatsanwaltschaft übergeben habe. Das Kopfgeld in Höhe von 15.000 Euro findet ebenso Erwähnung wie der Theologe David Berger und der grüne Politiker Volker Beck; kreuz.net wird als rechtsradikales Portal beschrieben, wo gegen „Protestanten, Homosexuelle, aber auch gegen katholische Bischöfe und Laien aus, die dem liberalen Denken nahestehen“ gehetzt wird. Vier der fünf angeblichen kreuz.net-Autoren werden namentlich erwähnt.

Im Vergleich zum akzeptablen Artikel ist es bezeichnend, dass der kath.net-Kommentarbereich einmal mehr von rechten Wirrköpfen beherrscht wird. Zwar drücken viele LeserInnen ihre Ablehnung gegenüber kreuz.net aus, derlei Bekundungen gehen allerdings oft genug mit relativierenden Vergleichen einher. „st.georg“ etwa findet kreuz.net „genauso widerlich“ wie den „persönlich motivierte[n] rachefeldzug des blenders berger“, während „Llokab“ auf die Meinungsfreiheit pocht, denn: „Alles andere ist Sozialismus“. „I love jesus“ verweist dann auch auf „die genauso gefährlichen Extrem-Linken“, und „inaasahan“ stellt fest, dass kreuz.net vielleicht „nicht ganz astrein“ sei, doch im Falle eines Verbots der Seite müsste „das „titanic-magazin“ dann auch aus dem Verkehr gezogen werden….“.

Volle Transparenz

Das Gesamtkunstwerk aus Agenturmeldung und Leserkommentaren mag eine Pflichtaufgabe gewesen sein, um all jene zu beruhigen, die angesichts der Schweigespirale nicht mehr sicher waren, ob nicht doch Verbindungen zwischen kath.net und kreuz.net bestehen. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die kath.net-Redaktion keine Sympathien für die anonymen Hetzer hegt, kann dieser Beitrag nicht der letzte bleiben. Denn Verbindungen existieren tatsächlich – und es wäre anlässlich der oben erwähnten Liste jetzt der richtige Zeitpunkt, sie offenzulegen: Zwei der vier vom Spiegel erwähnten Personen schrieben auch für kath.net.

Reto Nay ist einer der beiden und wirkte längere Zeit als Autor für kath.net: Sein letzter Beitrag stammt aus dem Juni 2007, sein letztes Interview aus dem Oktober 2007 und die letzte Werbung für eine kath.net-Leserreise, an der Nay mitwirkte, datiert aus dem Juni 2008. Dem Bericht des Standard zufolge haben sich Nay und kath.net-Chef Noé zerstritten, seitdem arbeitet Nay für das vorsichtshalber in Rumänien gehostete Projekt Gloria.tv.

Ebenfalls für kath.net schrieb Hendrick Jolie. Er wurde zwar meist nur in seiner Rolle als Sprecher des konservativen Netzwerks katholischer Priester zitiert, im kath.net-Archiv findet sich aber auch ein Interview mit ihm. Im Juni 2012 erschien ein Gastkommentar von Jolie auf kath.net.
Jolie bestreitet jede Verbindung zu kreuz.net und gibt an, seine Texte seien dort ohne seine Erlaubnis veröffentlicht worden. Spiegel Online wirft ihm aber, auf Gundlage interner Mails, langjährige Mitarbeit vor und behauptet, dass er nicht nur Artikel geschrieben habe, sondern auch Leserkommentare. Als User „Jolie“ soll er für das Priesternetzwerk geworben und Kollegen bejubelt haben.

In diesem Zusammenhang ist ein kath.net-Artikel über Kardinal Meisners Distanzierung von kreuz.net aus dem letzten Jahr interessant. Dort schreibt ein „jolie“ in der Kommentarspalte:

total wichtig, diese distanzierung,
weil natürlich jeder in deutschland denkt, dass die bischöfe hinter kreuz.net stecken :) ))
AUA!
gibts keine geistreichere themen als schmuddelseiten?


1 Antwort auf „Die Idee ist gut, doch kath.net noch nicht bereit ii“


  1. 1 Administrator 14. November 2012 um 20:58 Uhr

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