Archiv für Oktober 2012

Die gruseligsten kath.net-Überschriften zu Halloween

kath.net, das Fachjournal für irrationalen Geisterglauben und immer mit mindestens einem halben Ohr am Puls der Zeit, bemüht sich jährlich, die Jugend vor Dämonen, Werwölfen, Zauberern oder Hexen zu schützen. Allein die Überschriften zum Thema sind schon große Kunst, deshalb ein kleines Best of (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

5.: Christliche Traditionen gegen den Zeitgeist verteidigen! (2010)

4.: Halloween ist out (2007)

3.: Halloween ist ein Rückfall in irrationalen Geisterglauben (2008)

2.: Hinter Halloweenspektakel steht eine Kultur des Todes (2012)

1.: Leuchtende Heilige statt hohle Kürbisse (2005)

Der Siegerbeitrag ist auch deshalb bemerkenswert, weil dort – wie auch in den Jahren zuvor – für eine Veranstaltung der Gruppierung „Amici di dio“ geworben wurde, die u. a. von Reto Nay gegründet wurde. Der Priester Nay, von dem sich kath.net-Chef Roland Noé mittlerweile distanziert, sorgte 2012 wegen seiner Verbindung zu kreuz.net für Aufsehen. Darauf angesprochen, dass die rechtsradikale Seite seine Beiträge publiziere, entgegnete Nay, kreuz.net finde er „im Vergleich zum St. Galler Tagblatt […] super“. Er wisse zwar nicht, wie seine Texte dorthin gelangt seien, er wolle sich aber „bei der Webseite bedanken, dass mein Text veröffentlicht wurde.“ Die fraglichen Beiträge wurden Nay zufolge zuvor bereits auf kath.net publiziert.

Buchkritikkritik

Vielleicht hat Gabriele Kubys neuestes Buch einfach nicht genug LeserInnen gefunden – außer den „zweitausend Politiker[n] in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Europäischen Union“ sowie „alle[n] Bischöfe[n] und Vertreter[n] der Juden und Muslime in den deutschsprachigen Ländern“, an die Kuby ihre Gutenachtgeschichte fürs Abendland verschickte. Möglicherweise möchte auch nur kath.net noch einmal ein wenig Weihnachtsgeld verdienen; jedenfalls wird „Die globale sexuelle Revolution“ momentan erneut auf kath.net beworben.

Mechthild Löhr, Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, hat für kath.net einen Aufsatz über ihr schönstes Ferienerlebnis eine Rezension ihres aktuellen Lieblingsbuches verfasst. Sie bemüht sich, dem Werk in ihrer mit „Über den ‚Umbau‘ der Natur des Menschen“ überschriebenen Buchkritik neue Seiten abzugewinnen, tatsächlich hätte kath.net aber auch einfach noch einmal den Pressetext veröffentlichen können: Wo die Verlagswerbung davon schrieb, Kuby habe „den Mut, die Bedrohung unserer Freiheit durch eine antihumanistische Ideologie beim Namen zu nennen“, lobt Löhr Kubys sprichwörtlichen „beeindruckende[n] Mut“; während die Pressemitteilung frohlockte, es handle sich um ein „faktenreiches Buch“, schließt sich Löhr an: „beeindruckende Fülle der Fakten“.
Und während der Verlag warnte, „Die globale sexuelle Revolution“ „schockiert und zeigt auf, was auf uns zukommt, wenn wir uns nicht wehren“, heißt es bei Mechthild Löhr, dass Kuby Dinge aufdecke, die „viele Leser inhaltlich und innerlich bewegen, ja sogar erschüttern“ dürften.

Neben dem offensichtlichen Mangel an neuen Ideen überzeugt Löhrs Bericht auch durch die betont naive Herangehensweise. In der Tradition von Amazon-Kundenrezensionen mischen sich Platitüden („spannend“, „schonungslos“) mit verzweifelten Stilanalyse-Versuchen („mit sprachlicher Wucht“) und der äußerst unkritischen Übernahme von Kubys Thesen: Bei Gender-Mainstreaming, so schreibt Löhr – oder Kuby, so genau geht das aus dem Artikel nämlich nicht hervor – handle es sich um nichts Geringeres als „ein Zerstörungsprojekt der menschlichen und familiären Fundamente der Gesellschaft“. Außerdem seien „wir“ aktuell „Zeugen und Zeitgenossen einer beispiellosen kulturellen Revolution“, in der „bestens vernetzte, staatlich geförderte Lesben-und Schwulenorganisationen“ gemeinsam mit „ihre[n] zahllosen Kooperationspartner[n]“ und „unter Federführung radikaler Feministinnen“ eine „hypersexualisierte, promiskuitive, kinder-und familienfeindliche Gesellschaft“ anstrebten – duch „Umerziehung“, versteht sich.

Der Pressetext versprach in sarrazineskem Tonfall, das Buch enthalte Fakten über all das, „was man heute nicht mehr sagen darf“, und verriet damit, dass es sich bei „Die globale sexuelle Revolution“ um ein plumpes Best of der gängigen Verschwörungstheorien handelt. Die Lektüre hat einzig den Zweck, die vorhandenen Ressentiments der LeserInnen zu festigen; vermutlich ist es für den Erfolg des Buches sogar essenziell, dass die strikt antiintellektuellen Erklärungen ein „Hab ich mirs doch gedacht!“-Gefühl wecken.

Insofern ist es auch nicht erstaunlich, dass die rechtsradikale Seite kreuz.net – wir schreiben mittlerweile übrigens Tag 29 der Berichterstattung der gesamten deutschsprachigen Presse der gesamten deutschsprachigen Presse außer kath.net – Kubys Buch eine lobende Erwähnung in den „Kreuzmeldungen“ schenkte. Sie greife „viele heiße Eisen auf“ heißt es dort, sie zeige, „wie die UNO und die EU Drahtzieher der sexuellen Dekadenz sind“, warne „vor der Geschlechter-Gleichschaltung, vor der politischen Vergewaltigung der Sprache und der Seuche der Pornographie“ und entlarve schließlich „die Kotstecher-Bewegung und deren Hang zum Totalitarismus“.

Man kann sich seine Freunde eben nicht aussuchen.

Expertenmeinung zur (jetzt noch sanften) Christenverfolgung

kath.net-Leser „bernhard_k“ läuft sich schon einmal warm:

Das spricht Bände
über die „Toleranz“ der Homo- und Gender-Lobby. Das ist der Beginn einer (jetzt noch sanften) Christenverfolgung. Wir Christen können uns schon mal warmlaufen.

Tatsächlich drehte sich der Artikel, unter den „bernhard_k“ seine klugen Gedanken setzte, um die beiden schottischen Erzbischöfe Keith O’Brien und Philip Tartaglia, die für den Preis „Bigot of the year“ nominiert wurden. kath.net deutet diese Nominierung durch britische LGBT-Organisationen als Würdigung O‘Briens und Tartaglias Verdienste um den „Schutz“ der Ehe als „Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau“.

Tatsächlich mischte sich O‘Brien in diesem Jahr in die Diskussion um die Homo-Ehe ein, indem er verkündete, sie „degeneriere“ die Gesellschaft. Tartaglia hielt sich bei diesem Thema vergleichsweise zurück, kam 2012 aber ebenfalls in die Medien: Er führte den Tod eines Politikers, der an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung litt, auf dessen Homosexualität zurück.

Dass derartige Ausführungen für kath.net-Verhältnisse nicht besonders bigott anmuten mögen, überrascht nicht wirklich: Wer einen Leserkommentar durch die Zensur kommen lässt, in dem die Wiedereinführung von Konzentrationslagern für Homosexuelle gefordert wird, für den hängt die Latte eben auch beim „Bigot of the year“-Award ein wenig höher.

Expertenmeinung zu Gender-Mainstreaming

kath.net-Forist „herzrosenduft“, der auch schon mal Goebbels zitiert, um Jugendliche an die Kirche heranzuführen, hat eine dunkle Ahnung:

Ich glaube, dass diese ganze Gender-Geschichte in einen größeren Zusammenhang einzuordnen ist. Es wird eine neue Weltordnung geschaffen. Die Mächtigen haben sich was ausgedacht. Ob das immer zum Wohl der Menschen geschieht bleibt dahingestellt. Wir wissen ja, dass die Mächtigen dazu neigen die Menschen zu unterdrücken. Nicht, dass wir alle nachher versklavt werden. Wenn bei Gender „Gerechtigkeit für die Geschlechter“ draufsteht, was mag dann wohl darin verpackt sein? Wer bestimmt denn, was Gerechtigkeit ist?

Expertenfrage zu Muslimen

kath.net-Leser „Bastet“ macht sich so seine orthographisch wie inhaltlich bedenklichen Gedanken und fördert nebenbei auch noch den interreligiösen Dialog:

Vernüntfige Musslime? Gibt es das?