Dauerwerbesendung ii

Allgemein bekannt sein dürfte, dass kath.net seit Jahren für die Zeitschrift Junge Freiheit wirbt, sowohl in Artikeln (etwa während der Oblinger-Affäre) als auch per Banner. Neben weiteren Werbeflächen für outgesourcte Gebete, gemäß Hildegard von Bingen hergestellte Naturprodukte und kreationistische Internetportale lässt sich auf kath.net auch Werbung für den Miriam-Verlag finden.

Im Kathpedia-Artikel über den Miriam-Verlag wird erläutert, dass er 1972 gegründet worden sei und großen Wert darauf lege, „dass alle von ihm vertriebenen Schriften marianisch, katholisch und papsttreu sind“. Der Miriam-Verlag rühmt sich auf dem Werbebanner, „katholische Presse, Bücher, Filme, Accessoires, Schmuck u.v.m.“ anzubieten, tatsächlich ist der auf der Verlagsseite befindliche Shop vergleichsweise umfangreich: Neben den erwähnten Erzeugnissen werden (christliche) Gesellschaftsspiele, (christliche) Puzzles, (christliche) Statuen und sogar (christliche) Kassetten angeboten.

Wer mit einer Nussschalen-Krippe für 1,80€ aber nichts anfangen kann, wird unter Umständen im Buchsortiment fündig. Dort gibt es nicht nur allerlei verlagsfremde Titel, sondern auch im Miriam-Verlag publizierte Bücher. Besonders bemerkenswert ist die Sparte „Freimaurerei“, wo auch drei Titel von Manfred Adler angezeigt werden.

Der Name Manfred Adler könnte aufmerksamen Leser_innen dieses Blogs bereits bekannt sein: Er ist einer der Kronzeugen im Kathpedia-Artikel über die Weltverschwörung der Freimaurer. Adler war Priester und Lehrer, musste letztere Tätigkeit allerdings 1978 beenden, nachdem seine publizistische Vergangenheit bekannt geworden war. In seinem Kathpedia-Artikel wird verschwörerisch von „einer Pressekampagne eines Boulevardmagazins“ gesprochen, auch kreuz.net schrieb 2006 anlässlich seines Todes von einer „Pressekampagne“.

Interessant ist Manfred Adler in diesem Kontext vor allem, weil sein Werk beispielhaft ist für das rechtskatholische Verhältnis zur Freimaurerei – und zum Judentum.

Adlers erstes nennenswertes Buch, „Die geplante Weltregierung“, erschien 1975 und war Teil einer Trilogie namens „Die Söhne der Finsternis“, die im Miriam-Verlag erschien. Aus gutem Grund bietet der Miriam-Verlag online heute nur noch den ersten Teil an: Mag schon der nur 70-seitige Auftakt mit allerlei Enthüllungen über den „Traum von der One-World“, „die Verschwörung der Insider-Imperialisten“ oder „die Bilderberg-Gruppe“ kruder Unfug sein, wird es spätestens mit dem Nachfolger auch strafrechtlich relevant: Teil 2 der Trilogie hört auf den Namen „Weltmacht Zionismus“ und bietet genau das, was der Titel verspricht.

1978 berichtete der Spiegel über „Weltmacht Zionismus“ und zitierte einige Passagen. So schrieb Adler über die „sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit und politische Skrupellosigkeit“ der Juden, die von der „freimaurerischen Propaganda“ unterstützt würden und dichtete ihnen und „Vertretern der internationalen Hochfinanz“ das Ziel an, eine „Weltregierung“ zu planen, die nicht nur „die totale Diktatur“ oder „moralische[n] Bankrott“ zum Ziel habe, sondern den „Untergang dieser Gesellschaft“.
Außerdem überlegte Adler, wer die größere Schuld am Holocaust gehabt habe: „Nazis oder Zionisten“?

Auf einer Holocaust-Gedenkseite wird Adlers Trilogie ebenfalls besprochen. So schrieb Adler etwa: „Die Medien der Kommunikation [werden] in unserer Welt vorwiegend von Freimaurern und Zionisten beherrscht“, er griff auf die antisemitische Hetzschrift ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ zurück und zitierte Neonazi-Publikationen. Adlers Ausführungen legten nahe, dass die Nazis weniger als 6 Millionen Juden getötet haben sollen, und er war sich auch nicht zu schade, das deutsche Handeln mit dem Erfinden einer „jüdischen Kriegserklärung“ zu relativieren.

Im erwähnten kreuz.net-Artikel wird über Adlers „große menschliche Milde“ gestaunt, seine „Baskenmütze“ wird bewundert und von seinem „augenzwinkernden Lächeln“ geschwärmt; bei Kathpedia wird berichtet, er habe „täglich das Heilige Messopfer im Seniorenheim St. Bonifatius in Limburgerhof“ gefeiert. Über seine antisemitischen Ausfälle wird auf beiden Seiten geschwiegen.

Im Miriam-Shop werden neben dem Auftakt von „Die Söhne der Finsternis“ nur zwei weitere Bücher Adlers angeboten: „Kirche und Loge“ sowie „Die antichristliche Revolution der Freimaurerei“. Dass sich der Verlag offenbar bis heute noch nicht von einem Autor antisemitischer Schriften distanziert hat, der seine Werke bei Miriam veröffentlichen konnte, und dass dort im Gegenteil weiterhin seine verschwörungstheoretischen Bücher verkauft werden, spricht für sich.
Dass es kath.net augenscheinlich egal ist, ebenfalls.


2 Antworten auf „Dauerwerbesendung ii“


  1. 1 Michael 30. September 2012 um 10:05 Uhr

    Ergänzend sei noch hinzugefügt, dass im Miriam-Verlag auch die Bücher von Vassula Ryden erscheinen, vor deren Schriften die Glaubenskongregation mehrfach gewarnt hat (zuletzt 2007. „Romtreue“ kann also durchausselektiv sein

  2. 2 Administrator 01. Oktober 2012 um 15:10 Uhr

    Danke für den Hinweis, ich glaube, da gibt es in der Tat noch mehr zu berichten.

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