Archiv für September 2012

Expertenmeinung zu „Marsch für das Leben“-Gegendemonstranten

kath.net-Leser „Kaninchenfreund“ ahnt:

Der dämonische Einfluss
Bei Parolen wie „Hätt‘ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“, „Abtreibung für jeden!“ oder „Jesus raus!“ (in Zusammenhang mit einer anderen Demo in den Medien gesehen) werde ich unweigerlich an das erinnert, was Dämonen bei Exorzismen so von sich geben. Natürlich handelt es sich bei krakelenden Gegendemonstranten wie in obigem Video kaum um echte Besessene. Das sind wohl vielmehr Irregeleitete, die Sprüche wiederholen, die von anderen Verführten stammen. Doch diejenigen, die solch höchst Gotteslästerliches als erste ersonnen haben, sind meines Erachtens eindeutig dämonisch beeinflusst, vielleicht z. T. sogar umsessen. Auf jeden Fall könnten Satan und seine Dämonen solche Aussagen bedingungslos unterschreiben.

Dauerwerbesendung ii

Allgemein bekannt sein dürfte, dass kath.net seit Jahren für die Zeitschrift Junge Freiheit wirbt, sowohl in Artikeln (etwa während der Oblinger-Affäre) als auch per Banner. Neben weiteren Werbeflächen für outgesourcte Gebete, gemäß Hildegard von Bingen hergestellte Naturprodukte und kreationistische Internetportale lässt sich auf kath.net auch Werbung für den Miriam-Verlag finden.

Im Kathpedia-Artikel über den Miriam-Verlag wird erläutert, dass er 1972 gegründet worden sei und großen Wert darauf lege, „dass alle von ihm vertriebenen Schriften marianisch, katholisch und papsttreu sind“. Der Miriam-Verlag rühmt sich auf dem Werbebanner, „katholische Presse, Bücher, Filme, Accessoires, Schmuck u.v.m.“ anzubieten, tatsächlich ist der auf der Verlagsseite befindliche Shop vergleichsweise umfangreich: Neben den erwähnten Erzeugnissen werden (christliche) Gesellschaftsspiele, (christliche) Puzzles, (christliche) Statuen und sogar (christliche) Kassetten angeboten.

Wer mit einer Nussschalen-Krippe für 1,80€ aber nichts anfangen kann, wird unter Umständen im Buchsortiment fündig. Dort gibt es nicht nur allerlei verlagsfremde Titel, sondern auch im Miriam-Verlag publizierte Bücher. Besonders bemerkenswert ist die Sparte „Freimaurerei“, wo auch drei Titel von Manfred Adler angezeigt werden.

Der Name Manfred Adler könnte aufmerksamen Leser_innen dieses Blogs bereits bekannt sein: Er ist einer der Kronzeugen im Kathpedia-Artikel über die Weltverschwörung der Freimaurer. Adler war Priester und Lehrer, musste letztere Tätigkeit allerdings 1978 beenden, nachdem seine publizistische Vergangenheit bekannt geworden war. In seinem Kathpedia-Artikel wird verschwörerisch von „einer Pressekampagne eines Boulevardmagazins“ gesprochen, auch kreuz.net schrieb 2006 anlässlich seines Todes von einer „Pressekampagne“.

Interessant ist Manfred Adler in diesem Kontext vor allem, weil sein Werk beispielhaft ist für das rechtskatholische Verhältnis zur Freimaurerei – und zum Judentum.

Adlers erstes nennenswertes Buch, „Die geplante Weltregierung“, erschien 1975 und war Teil einer Trilogie namens „Die Söhne der Finsternis“, die im Miriam-Verlag erschien. Aus gutem Grund bietet der Miriam-Verlag online heute nur noch den ersten Teil an: Mag schon der nur 70-seitige Auftakt mit allerlei Enthüllungen über den „Traum von der One-World“, „die Verschwörung der Insider-Imperialisten“ oder „die Bilderberg-Gruppe“ kruder Unfug sein, wird es spätestens mit dem Nachfolger auch strafrechtlich relevant: Teil 2 der Trilogie hört auf den Namen „Weltmacht Zionismus“ und bietet genau das, was der Titel verspricht.

1978 berichtete der Spiegel über „Weltmacht Zionismus“ und zitierte einige Passagen. So schrieb Adler über die „sprichwörtliche Geschäftstüchtigkeit und politische Skrupellosigkeit“ der Juden, die von der „freimaurerischen Propaganda“ unterstützt würden und dichtete ihnen und „Vertretern der internationalen Hochfinanz“ das Ziel an, eine „Weltregierung“ zu planen, die nicht nur „die totale Diktatur“ oder „moralische[n] Bankrott“ zum Ziel habe, sondern den „Untergang dieser Gesellschaft“.
Außerdem überlegte Adler, wer die größere Schuld am Holocaust gehabt habe: „Nazis oder Zionisten“?

Auf einer Holocaust-Gedenkseite wird Adlers Trilogie ebenfalls besprochen. So schrieb Adler etwa: „Die Medien der Kommunikation [werden] in unserer Welt vorwiegend von Freimaurern und Zionisten beherrscht“, er griff auf die antisemitische Hetzschrift ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ zurück und zitierte Neonazi-Publikationen. Adlers Ausführungen legten nahe, dass die Nazis weniger als 6 Millionen Juden getötet haben sollen, und er war sich auch nicht zu schade, das deutsche Handeln mit dem Erfinden einer „jüdischen Kriegserklärung“ zu relativieren.

Im erwähnten kreuz.net-Artikel wird über Adlers „große menschliche Milde“ gestaunt, seine „Baskenmütze“ wird bewundert und von seinem „augenzwinkernden Lächeln“ geschwärmt; bei Kathpedia wird berichtet, er habe „täglich das Heilige Messopfer im Seniorenheim St. Bonifatius in Limburgerhof“ gefeiert. Über seine antisemitischen Ausfälle wird auf beiden Seiten geschwiegen.

Im Miriam-Shop werden neben dem Auftakt von „Die Söhne der Finsternis“ nur zwei weitere Bücher Adlers angeboten: „Kirche und Loge“ sowie „Die antichristliche Revolution der Freimaurerei“. Dass sich der Verlag offenbar bis heute noch nicht von einem Autor antisemitischer Schriften distanziert hat, der seine Werke bei Miriam veröffentlichen konnte, und dass dort im Gegenteil weiterhin seine verschwörungstheoretischen Bücher verkauft werden, spricht für sich.
Dass es kath.net augenscheinlich egal ist, ebenfalls.

Expertenmeinung zu Abtreibung

kath.net-Leser „Kaninchenfreund“ und ein nicht besonders guter Vergleich:

Nazis, Kommunisten und der moderne Westen
Die Nazis hatten die KZs, die Sowjetkommunisten den Gulag, der moderne Westen die Abtreibungskliniken. Und überall wollte bzw. will man nichts wissen. Die ersten beiden Systeme sind schon untergegangen. Und auch die Kinder mordende Moderne wird modern!

Der Ton macht die Musik iii

Christian Spaemann ist der Sohn des Philosophen Robert Spaemann und trat bereits mehrfach auf kath.net in Erscheinung. Dort nahm er 2010 Papst-Interviewer Peter Seewald in Schutz, notierte 2009 einige „Anmerkungen zu den aktuellen Turbulenzen in der Diözese Linz“ und erklärte 2008, Homosexualität sei „nicht genetisch bedingt“ und außerdem, das sei „inzwischen wissenschaftlich mehrfach belegt worden“, heilbar.

Auch zum Thema Weltbild hatte er sich früh (im November bzw. Dezember 2011) positioniert und wissen lassen, dass er kein Fan von „pornografischer Literatur“ oder „Mondkalendern und Lichtreisen“ ist.

In seinem heutigen Beitrag widmet er sich erneut dem Weltbild-Verlag, macht den Fall zu „eine[r] Richtungsentscheidung der katholischen Kirche in Deutschland“ und stellt zusammenfassend fest: „Die Causa „Weltbild“ war nur das Aufplatzen der Eiterbeule.“

Damit steht Spaemann in der guten Tradition Gabriele Kubys, die den Begriff bereits im vergangenen Jahr auf Weltbild bezog. Dass die Metapher der Eiterbeule durch die einschlägige Verwendung in der Zeit des NS-Regimes nicht ganz unproblematisch ist, dürfte den beiden entgangen sein, ist aber hier noch einmal nachzulesen.

Expertenmeinungen zu „Marsch für das Leben“-Teilnehmern

kath.net-User „noir58″ verhebt sich ein klein wenig bei der Heroisierung größtenteils fundamentalistischer Christen, die in Berlin gegen Abtreibung demonstrierten:

Danke!
Ich danke allen die hier mitgehen, für ihren wichtigen Einsatz für unser Land.

Eines Tages wird man sich ihrer erinnern, wenn unsere Nachwelt sich fragen wird, wie diese Kultur des Todes diese ungeheueren Verbrechen begehen konnte. Und man wird dankbar sein, dass man dann Ereignisse vorzeigen kann, die beweisen, dass es auch andere Menschen gab. So wie heute viele Politiker stolz am 20 Juli der wenigen Widerstandskämpfer des 3. Reichs gedenken.

„steuerfix“ konkretisiert und pflegt dabei ebenfalls den revisionistischen Mythos vom „Babycaust“:

Im 3. Reich war der Gegner das auserwählte Volk Gottes und mehrere Christen.
Gegenwärtig sind die Weichen bereits gegen die gesammte Menschheit gerichtet. Die Folge ist die Macht des Antichristen und die Wiederkunft des Herrn. Das kann man begreifen und akzeptieren.

Mission und der Versuch so viele Menschen wie möglich mit in die neue Welt zu nehmen hat in dieser dunklen Epoche höchste Priorität.