Märchenonkel Laun

Es gibt ältere kath.net-Artikel, die über die Jahre nichts von ihrer Abscheulichkeit verlieren und an die man deshalb immer mal wieder erinnern sollte. Ein ganz besonderer Text dieser Art – ein KLARTEXT – stammt vom Salzburger Weihbischof Andreas Laun und wurde am 2. August 2010 veröffentlicht. Er verknüpfte damals sein Standardthema Abtreibung mit dem Schüren fremdenfeindlicher Ressentiments und nannte diese Mischung „Märchen“. Zuvor entrüstete sich Laun, dass die österreichische Regierung „in den nächsten Jahren“ angeblich „etwa 100.000 Menschen ins Land“ zu holen plane. Gäbe es keine Abtreibung, fehlten auch die Österreicher nicht und es müsste niemand „aus anderen Kulturen“ kommen.

Im noch fiktionaleren Bereich ging es dann weiter: In einem fernen Land, so hebt das Märchen an, habe fast jedes Haus über einen eigenen Brunnen verfügt, diesen aber jeweils aus dem gut nachvollziehbaren Grund abgerissen, um wenige Quadratmeter Baufläche zu gewinnen. Infolgedessen sei es zu einem Wassermangel gekommen und die Bewohner hätten „mehr und mehr“ Wasser importieren müssen. Das habe nicht nur „viel Geld“ gekostet, sondern sei auch noch mit Meerwasser verunreinigt gewesen.

Mit diesem Märchen degradiert Laun Frauen also zu Gebärmaschinen, die ähnlich den Brunnen einzig und allein für eine Sache gut sind, im übertragenen Sinn also für das Gebären von österreichischem Nachwuchs. Aus der ganz privaten Entscheidung für oder gegen Kinder wird eine persönliche Verantwortung für das nationale Kollektiv konstruiert. Auch das Bild der Migranten, die auf den Kostenfaktor reduziert werden, ist mindestens unglücklich gewählt und bietet die bekannten Anknüpfungspunkte für den rechten Rand. Dass Andreas Laun sie dann auch noch mit salzigem, also kaum brauchbarem, unfertigem und minderwertigem Wasser vergleicht, ist schlicht rassistisch.

Daran knüpft auch der völkisch angehauchte Schluss an: Märchenonkel Laun sorgte sich, „ob es dieses Land in 10 oder 20 Jahren noch geben wird“, und gab zu bedenken: Falls ja, dann werde es dort „sicher nicht so, wie es heute noch ist!“ aussehen. Er verzichtete also auf sein sonst mantraartig vorgetragenes Hauptargument („Abtreibung ist Mord“) und stellte stattdessen das Prinzip eines blütenweißen Österreichs in den Vordergrund. Das ist nicht ganz unproblematisch.

In dem Märchen spielte Laun – ob bewusst oder unbewusst – auf extrem rechte Parolen an und schürte Ängste vor „Überfremdung“. Spätestens mit diesem KLARTEXT machte Andreas Laun deutlich, dass sein Gastkommentar in der Zeitschrift Zur Zeit kein Ausrutscher gewesen sein muss.

Mit Dank an „Diskordianerpapst“.


7 Antworten auf „Märchenonkel Laun“


  1. 1 diskordianerpapst 28. August 2012 um 12:22 Uhr

    Wo bleibt Launs „Klartext“ zum Hurrican Isaac?
    Die Katastrophe bei der Loveparade war ja nach Laun eine Strafe Gottes, warum nicht auch die Bedrohung des republikanischen Romney-Nominierungsparteitages? Da liesse sich doch eine schöne Story daraus machen, z.B. könnte er sich aus dem Hintern ziehen dass Gott zürnt über Romneys frühere Haltung zur Abtreibung: http://www.dailykos.com/story/2012/08/23/1123430/-How-the-newly-pro-life-Romney-betrayed-a-dear-close-family-relative

    Aber Laun scheint Gott gut zu kennen, weiss er doch ganz genau wann Gott zürnt und wann er lacht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Isaak

  2. 2 Administrator 28. August 2012 um 12:27 Uhr

    Ich glaube, sogar das könnten Laun und Konsorten noch umbiegen. Z. B. „Obama will den Sozialismus einführen und alle Kinder töten!1 Der Hurricane ist Gottes Weg, uns zur Umkehr zu mahnen und Romney zu wählen!!!“…

  3. 3 diskordianerpapst 12. September 2012 um 11:11 Uhr

    Laun über die Einweihung eines Denkmals „zum Thema Gewissens-, Religions- und Glaubensfreiheit“, persönlich inspiriert durch den Anblick der ersten Wiener Moschee (beim Schwimmen im „Entlastungsgerinne“ ;-)
    http://www.kath.net/detail.php?id=38065

    Klingt harmlos, ich sehe darin einen weiteren Versuch der RKK sich die Errungenschaften der Aufklärung unter den Nagel zu reissen und als eigene Erfindung darzustellen, während im Hintergrund so einige katholische Kräfte fleissig dagegen arbeiten.

    Auch seltsam, wo steht da was von Gewissens-, Religions- und Glaubensfreiheit auf dem Denkmal:
    http://www.kathtube.com/photo.php?id=28552
    Hat die Sonnenuhr vielleicht eine Symbolische Bedeutung? Die gehen fast immer falsch.
    Und wer ist der bärtige Fundamentalist in der Mitte? Fragen über Fragen ;-)

  4. 4 diskordianerpapst 12. September 2012 um 12:01 Uhr

    Nachtrag zur Sonnenuhr:
    Kann mir mal jemand helfen: Ich bin kein Sonnenuhrexperte, aber irgendwie will mir so gar nicht in den Kopf wie diese Uhr überhaupt funktionieren soll (mal agbesehen von der grundsätzlichen Ungenauigkeit).
    Zuerst hab ich gedacht das Foto ist spiegelverkehrt. Ist aber nicht sonst wären es auch die Zahlen.
    Man kann auch die Neigung des Zeigers nicht erkennen, aber würde diese die Bewegungsrichtung des Schattens grundsätzlich umkehren können?
    Hier ein paar Bilder von Sonnenuhren bei denen der Schatten eines Zeigers in einen Hohlzylinder projiziert wird:
    http://www.garten-kompass.de/typo3temp/pics/sonnenuhr_00374466_2cc15e3047.jpg
    http://www.helios-sonnenuhren.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/sonnenuhr-bruessel-1.jpg

    Vielleicht gehen in Launs Welt die Uhren einfach anders, oder die Sonne dreht sich doch um die Erde. Und das auch noch andersrum.

  5. 5 Administrator 12. September 2012 um 19:47 Uhr

    Ich bin auf dem Gebiet leider auch Laie, reiche die Frage aber gerne an Experten weiter: Werter Mitleser aus der kath.net-Redaktion, fragen Sie doch bitte Herrn Laun bei nächster Gelegenheit, was es mit der Sonnenuhr auf sich hat. :)

  6. 6 diskordianerpapst 12. September 2012 um 22:01 Uhr

    Danke, Admin.
    Eine mögliche Lösung des Rätsels kann ich mir allerdings noch vorstellen: Ab morgen lässt Gott die Sonne im Westen aufgehen, und Laun wusste davon, hat Gott ihm beim Schwimmen offenbart ;-)

    Btw: Da war es wieder, das Schuhgleichnis von Dismas:
    „Anglikanischer Erzbischof: Schwulsein gefährlicher als Rauchen“
    http://www.kath.net/detail.php?id=38055
    Arme schwule Raucher.

  7. 7 diskordianerpapst 13. September 2012 um 0:01 Uhr

    Des Rätsels Lösung:
    Der Zeiger wirft keinen Schatten auf den Hohlzylinder, sondern ein Spiegel an der Spitze des Zeigers reflektiert einen Lichtfleck auf das Bild. Bei einer ungeraden Zahl Spiegel im Strahlengang kehrt sich natürlich die Bewegungsrichtung um.
    Asche auf mein Haupt, da hätte ich wohl etwas gründlicher (und mit den richtigen Suchworten) recherchieren müssen.
    Hier gibt es mehrere kleine Artikel zur Uhr:
    http://stift-heiligenkreuz.org/Chronik-2012-2011-2006.chronik.0.html

    Der Etscheidende ist der vom 19.06.2012, Auszug:
    „Das neue Denkmal am Badener-Tor ist eine riesige Sonnenuhr, die sogar weltweit einzigartig ist: Die Zeit wird nämlich nicht durch den Schatten des „Gnomon“ (= Schattenzeiger in der Mitte) angezeigt. Nein! Der Gnomon hat oben einen Spiegelstreien, der einen Lichtreflex auf das Bethlehem Mosaik wirft.“

    Herr Laun hat jetzt wohl ein paar Witze auf meine Kosten frei.

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