Lieber Doppelmoral als gar keine ii

Der Journalist Alexander Kissler veröffentlicht nicht nur auf kath.net, sondern ferner u. a. bei The European und Focus Online. Seine dort publizierten Texte werden von kath.net regelmäßig in der Rubrik „Anderswo“ verlinkt. So auch aktuell: Auf Focus.de schreibt er über die CDU-Politikerin Katharina Reiche, die sich nach homophoben Äußerungen in der Defensive wiederfindet. Dabei macht Kissler die unfassbare Erkenntnis, dass Menschen im Internet wild um sich pöbeln; er zählt diverse von der sog. „Homo-Lobby“ vorgebrachte unhöfliche Sätze gegen Reiche auf und schließt mit einem Abgesang auf die gute deutsche Streitkultur:

Deutschland hat es verlernt, gesittet und zivil über seine Zukunftsfragen und über sein Selbstverständnis zu streiten. An die Stelle von Diskurs und Nachdenklichkeit sind Schmähung und Dialogabbruch getreten.

Das ist eine wahrlich bahnbrechende Neuigkeit, über die Alexander Kissler vielleicht auch gestolpert wäre, würde er in der kath.net-Kommentarspalte mitlesen. Von offenem Rassismus gegen Sinti und Roma oder Muslime über Aufrufe zum Mord bis zur Vision vom Wiederaufbau von Konzentrationslagern für Homosexuelle bieten die kath.net-Leser wirklich für jeden Geschmack etwas.


3 Antworten auf „Lieber Doppelmoral als gar keine ii“


  1. 1 Fg68at 25. August 2012 um 3:38 Uhr

    Das einerseits. Und andererseits, lasst uns zum fünftausendeinten Mal gesittet darüber streiten inwiefern die volle Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften die demografische Entwicklung verändert und dadurch zu einer der größten Bedrohungen des Wohlstandes beiträgt. Wohlgemerkt: kleine Gruppe – größte Bedrohung.

    Sie hat zwar nicht wie Putin Homosexualität als demografisches Problem bezeichnet, aber in der Aufeinanderfolge der beiden Sätze ist sie auch nicht weit davon entfernt.

  2. 2 diskordianerpapst 25. August 2012 um 21:39 Uhr

    Was ich nicht nachvollziehen kann: Wie kommt man zu dieser Idee dass sich irgendetwas an der Demographie ändern sollte?
    Gibt es irgendwelche Beispiele oder auch nur Hinweise dafür dass man Homosexualität erzeugen könnte? Würden sich heterosexuelle einfach mal so für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft oder Ehe entscheiden und deswegen auch noch auf Kinder verzichten? Bekommen umgekehrt jede Menge Homosexuelle jede Menge Kinder und würde diese (offensichtlich nicht vorhandene) Kinderschar plötzlich wegfallen bei Gleichstellung?

    Diese ganzen Konstrukte wiedersprechen doch massiv der Lebenserfahrung.

    Ich glaube es gibt da mindestens zwei Gruppen:
    1. Die die der zweiten Gruppe alles nachplappert weil sie glauben es sei katholisch oder homosexualität sei allgemein moralisch oder sonstwie verwerflich. Vermutlich hegen auch einige die Hoffnung dass wirklich mehr Kinder gezeugt werden (um die bösen Moslems outzuperformen), wenn man Homsexualität wie in den 50′ern ächtet. Da könnte sogar ein wenig dran sein, in der Zeit haben wohl wirklich einige nach aussen die heile Familie mit Kindern gemimt. Der Effekt wäre aber wahrscheinlich sehr klein, abgesehen davon dass man es kaum schaffen wird diese Zustände wieder herzustellen, man müsste schon sehr viele Entwicklungen zurückdrehen.

    2. Die latent Homosexuellen. Wer uneingestanden schwul ist, erlebt vermutlich wirklich jedes Zugeständnis an Homosexuelle als Angebot homosexuell zu werden. Die „Versuchung“ in Form von sexuellen Phantasien und wünschen wird ja wohl permanent vorhanden sein. Die eigene Wahrnehmung als „normal heterosexuell“ überträgt dann diese Idee der permanenten Versuchung auf alle anderen. Wer davon ausgeht das alle anderen auch permanent „homosexuell versucht“ sind, wird natürlich irgendwelche Ideen entwickeln um einen vermeindlich drohenden Dammbruch zu verhindern.
    Ob da nun die Vorstellung hintersteht dass die Deutschen oder die Christen aussterben oder Sodom und Gomorrha herrschen oder was auch immer es da in zweiter Linie zu verhindern gilt, am Anfang steht der fatale Fehler von sich auf andere zu schliessen.
    Vielleicht spielt auch noch ein wenig Neid oder Askese-Autorität mit hinein: Was ich mir nicht erlaube soll auch kein anderer haben.
    Vermutlich sind das auch die selben Leute die glauben homsexualität sei heilbar. Sie selbst „heilen“ sich selbst ja jeden Tag.
    Es wird ihnen auch nicht schwerfallen an die Hölle (auf Erden) zu glauben.

  3. 3 Administrator 25. August 2012 um 22:37 Uhr

    Ich lese im Moment viel von Adorno und finde in dem Zusammenhang die von u. a. ihm erarbeitete F-Skala interessant: http://de.wikipedia.org/wiki/F-Skala_%28Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit%29

    Auf Kissler trifft diese Skala wohl nicht zu, der trollt – wie ja aktuell auch Fleischhauer – nur rum. Aber auf den Großteil der rechten kath.net-Leser passen wohl mehrere der in der F-Skala festgehaltenen Eigenschaften.

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