Hexenjagd der politisch Inkorrekten

Man muss es sich immer wieder in Erinnerung rufen: kath.net ist ja eigentlich ein Portal für katholische Nachrichten. Das legen nicht nur Name und Untertitel der Seite nahe, sondern auch vereinzelte Beiträge zur Kirche („Der Prediger mit dem Maschinengewehr“) und die Erwähnung von Papst Benedikt XVI. im täglichen Sommerspende-Artikel.
Weil sich aber allein mit qualitativ hochwertigen Artikeln zur katholischen Kirche („Bischof Ackermann meldet sich arbeitslos“) und zu katholischer Kultur („Rambo 4 wird katholisch“) kein kath.net-Leser zufrieden geben würde, müssen ab und zu auch eher themenfremde Texte publiziert werden. Beispielsweise über Nadja Drygalla.

Zwar interessieren sich selbst weltliche Medien nicht mehr für die deutsche Ruderin mit Neonazi-Freund, doch weil sich kath.net bekanntlich vehement für Meinungsfreiheit engagiert interessiert und die am rechten Rand des politischen Spektrums stehenden Leser mit Weltnetz-Zugang nicht verprellen möchte, folgt heute der zweite (idea)-Artikel über Drygalla (zum ersten vgl. hier). Als Aufhänger des Beitrags wird ein Leserbrief aus der FAZ gewählt. Dort wird der übliche Unsinn aufgezählt, der so auch auf PI, kreuz.net oder eben in der kath.net-Kommentarspalte stehen könnte: Drygalla sei ein „Opfer“ der „moralischen Kollektivaufsicht und tyrannischen Medienkontrolle“, so wie zuvor schon Steffen Heitmann, Martin Hohmann oder Eva Hermann.

Gut, Heitmann hatte, so die Lesart der Öffentlichkeit, den Holocaust bagatellisiert, eine Rede Hohmanns war als antisemitisch aufgefasst worden und Eva Hermann lobte teilweise die Familienpolitik der Nazis, aber das wird man doch wohl noch sagen dürfen!!1, schließlich handle es sich bei der Kritik um „Gesinnungsschnüffelei“: Heitmann beispielsweise sei außerdem durch „linksorientierte Medien“ gestürzt worden, und vor Gericht hätten sich Hohmann und Hermann gegen die Vorwürfe wehren können.

Auf „Diffarmierung und Skandalisierung“, so heiße es im Leserbrief weiter, folge, das ließe sich am Falle Drygallas beobachten, „Gesinnungsschnüffelei und Sippenhaft“. Schließlich wird aus der Ruderin mit Nazi-Kontakten auch noch eine Verfolgte im Sinne der (natürlich gleichberechtigt nebeneinander geschriebenen) „NS- und SED-Diktatur“ gebastelt.

Der Urheber des Briefs ist übrigens der ehemalige CSU-Politiker Carl-Dieter Spranger, der nun ganz im Sinne seiner neuen politischen Heimat der Jungen Freiheit von einer „Hexenjagd der politisch Korrekten“ poltern darf. kath.net gibt ihm gerne ein Forum und widerspricht ihm in keiner seiner eher wirren Thesen.
Das ist bequem: Nach Wochen der eher zahmen Berichterstattung wird den rechten Lesern nun wieder Wohlwollen signalisiert – und im Umkehrschluss kann Kritik damit gekontert werden, dass der Brief doch in der seriösen FAZ abgedruckt worden sei.

Schwer zu sagen, ob kath.net es einfach nicht bemerken kann, dass derartige Artikel der Neonaziszene helfen, sich als verfolgte Märtyrer darzustellen; oder ob kath.net es nicht bemerken will.


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