„Endlich mal jemand, der es ausspricht!“

„Endlich mal jemand, der es ausspricht“ – dieser Satz ist, zumal in einem kath.net-Leserkommentar (in diesem Fall von „Michał1993″) geäußert, in der Regel ein untrüglicher Hinweis dafür, dass in der bejubelten Behauptung nur wenig Sinnvolles steckt. Und so auch diesmal:

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich nun mit einigen Wochen Verspätung in die durch die Titanic aufgewirbelte Blasphemie-Debatte eingemischt und das Übliche gesagt, wie kath.net begeistert notiert: Es sei „bezeichnend“, dass vorwiegend Christen „das Ziel“ von „Satire und Blasphemie“ seien. Mit Muslimen ginge man aus Angst vor Ärger „viel vorsichtiger“ um, und es sei insgesamt ziemlich „unfair, sich immer nur dort zu profilieren, wo es nichts kostet“. Das Titanic-Titelbild des Monats Juli hatte Meisner zwar nach eigenen Angaben nie gesehen, um sich „damit nicht die Augen [zu] beschmieren“. Dennoch komme ihm das so vor, „als wollte einer seine schmutzigen Stiefel an der weißen Soutane des Papstes abwischen“. Einige Dinge dürfe man eben „gar nicht so nah an sich heranlassen“.

Nun herrscht hierzulande zum Glück bekanntlich, auch wenn man bei der Lektüre von kath.net regelmäßig einen anderen Eindruck bekommen könnte, Meinungsfreiheit, und natürlich bleibt es dem Kardinal unbenommen, das Titanic-Titelbild zu rügen, ohne es jemals selbst angesehen zu haben. Ebenso steht es ihm frei, ein fatales Toleranzverständnis zu zelebrieren: Während Satire gegen das Christentum und insbesondere gegen den Papst verhindert werden soll, sehnt Meisner Satire auf den Islam geradezu herbei. Das ist nicht nur äußerst bigott und unappetitlich, sondern zeigt auch ein völliges Unverständnis des Konzepts der Religionsfreiheit. Hetze (und als solche dürfte Meisner Satire, die auf das Christentum abzielt, ansehen) ist ok – aber nur gegen die Anderen.

Meisner ignoriert – wie sollte er es ohne Anschauungsobjekt auch besser wissen –, dass sich gerade die Titanic mit diversen Satiren auf den Islam hervorgetan hat, etwa durch eigene Mohammedkarikaturen oder einen Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb. Und nicht zuletzt verkennt Meisner dabei auch den kleinen Unterschied zwischen christlichem und muslimischem Einfluss auf die hiesige Gesellschaft. Der Titanic-Redakteur Tim Wolff entkräftet den von Meisner geäußerten Kritikpunkt im aktuellen Heft treffend:

Die TITANIC-Redaktion ist überwältigt von der Kritik und beschließt: Sobald Mohammed auf die Erde zurückkehrt, einen Kirchenstaat gründet und dort die Kontrolle über die Geheimhaltung von Dokumenten verliert, wird auch er mit einem Fleck auf dem Kaftan abgebildet, versprochen!

kath.net-Leser „C+M+B“ hat derweil noch tolle Ideen zu bieten, bei denen nicht ganz klar wird, ob es sich um Aufforderungen zu Straftaten oder um katholische Satire handelt:

… nur ein bisschen Gewalt
Christen ist Satire und Polemik nicht verwehrt (der Konvertit Theodor Haecker ist das grandioseste Beispiel). Christus lehrte zwar, auch die andere, ungeschlagene Backe hinzuhalten, als er jedoch selber geschlagen wurde, hat er scharf reagiert. (Vielleicht wäre doch beides möglich).
Außerdem hindert uns ja kaum einer, auf Straßen zu demonstrieren, einige Stapel der Zeitschrift öffentlich zu verbrennen, mit einem dezenten Engagement der katholischen Mafia zu drohen oder – last but not least – die Redaktionsräume der „Titanic“ unter Wasser zu setzen. (Für den Schaden könnte dann eventuell „Weltbild“ aufkommen). … Wäre das so unchristlich?


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