Archiv für August 2012

Leseempfehlung v

Mitt Romneys running mate Paul Ryan hat gestern auf dem Parteitag der Republikaner eine Rede gehalten, die ihn unter den unentschlossenen Wählern bekannter und unter den Republikanern noch beliebter machen sollte. Das hat, wie selbst der rechte TV-Sender Fox News schreibt, nur so mittel geklappt. Dort wird zwar festgehalten, dass die Rede immerhin sehr emotional gewirkt habe, andererseits sei der Inhalt aber ein riesiger Haufen Kuhmist gewesen und habe vor Lügen nur so gestrotzt:

On the other hand, to anyone paying the slightest bit of attention to facts, Ryan’s speech was an apparent attempt to set the world record for the greatest number of blatant lies and misrepresentations slipped into a single political speech. On this measure, while it was Romney who ran the Olympics, Ryan earned the gold.

The good news is that the Romney-Ryan campaign has likely created dozens of new jobs among the legions of additional fact checkers that media outlets are rushing to hire to sift through the mountain of cow dung that flowed from Ryan’s mouth. Said fact checkers have already condemned certain arguments that Ryan still irresponsibly repeated.
[Diverse Richtigstellungen]
Elections should be about competing based on your record in the past and your vision for the future, not competing to see who can get away with the most lies and distortions without voters noticing or bother to care.

kath.net bezieht sich zwar sonst gerne auf Fox News, die Vorwürfe gegen den neuen Redaktionsliebling Paul Ryan dürften aber voraussichtlich unerwähnt bleiben.

Expertenverschwörungstheorie zu einem betrunkenen Bischof

Salvatore Cordileone, zurzeit Bischof von Oakland und demnächst (voraussichtlich) von San Francisco, wurde kürzlich von der Polizei während einer Autofahrt angehalten und um Teilnahme an einem Alkoholtest gebeten. Das Ergebnis war positiv, er lag über den erlaubten 0,8 Promille, wurde festgenommen und in ein Gefängnis gebracht, das er nach Zahlung einer Kaution in Höhe von 2.500$ wieder verlassen durfte.
kath.net-Leser(in) „Idemar“ ist mit dieser offiziellen Version der Geschichte allerdings nicht ganz einverstanden und versucht sich an einer alternativen Deutung der Geschehnisse. Dabei werden die Drahtzieher des wahrlich diabolischen Komplotts schonungslos beim Namen genannt:

Demokratische oder innerkirchliche Alkoholfalle?
@ alexius
Die Sache kommt mir suspekt vor. Haben wir nicht Präsi-Wahlkampf? Positioniert sich die katholische Kirche der USA nicht gegen Obama? Hat dessen Team nicht allen Grund, Mitglieder dieser Kirche und damit diese selbst ins schiefe Licht zu rücken? Es ist doch interessierten Kreisen ein Leichtes, einen ortsbekannten Bischof nach einer Abendveranstaltung abzupassen, blasen zu lassen in der Hoffnung. ihn zu seiner öffentlich wirksamen Schande einzuknasten, um ihn und seine Kirche so zu beschädigen, dass zumindest er als künftiger EB nicht mehr tragbar erscheint? Das ist nicht ausgeschlossen!

Danke für den Hinweis an „el_vizz“.

Keine sachliche Diskussion

Es gibt Sätze, die – zumal von einem CSU-Politiker geäußert, zumal in der Jungen Freiheit veröffentlicht und zumal von kath.net verbreitet – so dämlich sind, dass man nicht weiter auf sie eingehen sollte. Dem Bundestagsabgeordneten Norbert Geis, der u. a. mit Andreas Laun ein Buch gegen die Homo-Ehe schrieb, sind einige schöne Beispiele gelungen, die bei geringfügiger Änderung auch Sinn ergeben:

Original: Die Angriffe auf Gegner der Homoehe zeigten einmal mehr, „daß gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können“, schreibt Geis in einem Kommentar für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Eine sachliche Diskussion sei daher nicht möglich.

Fälschung: Die Angriffe auf Befürworter der Homoehe zeigten einmal mehr, „daß gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können“ […]. Eine sachliche Diskussion sei daher nicht möglich.

Original: Dennoch lasse die „kleine, aber lautstarke Homo-Lobby keine Gelegenheit aus, die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu erzwingen“, kritisierte der Rechtsexperte.

Fälschung: Dennoch lasse die „kleine, aber lautstarke Homohasser-Lobby keine Gelegenheit aus, die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu verweigern“ […].

Eine besonders interessante Rechtsauffassung zeigt der Jurist und selbstverständlich aufrechte Demokrat Geis dann auch noch: „Diese Tendenz der Gleichmacherei“ würde „leider“ vom Bundesverfassungsgericht unterstützt. Ja, wo um Gottes willen kämen wir bloß hin, wenn nicht mehr die CSU Maß der Dinge ist, sondern Schmiereien der Homo-Lobby – wie zum Beispiel dieses unsägliche linksversiffte Grundgesetz.

Abschließend ein gutgemeinter Rat: Mit dem unkritischen Verbreiten von JF-Artikeln und frisch eingetroffenen neuen JF-Bannern wird kath.net auf absehbare Zeit nicht aus der rechten Schmuddelecke herauskommen.

Expertenmeinung zu Barack Obama

kath.net-Leser(in) „Waeltwait“ entpuppt sich als bedingt begeisterter Fan von US-Präsident Barack Obama:

Obama meint:
Sein Anliegen sei es stets, Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst, erklärte er .

Was für ein widerlicher Heuchler ! Wie verträgt sich sein Glaube mit seiner Einstellung zur Abtreibug ?
Undvor dem Glauben von J.W- Bush hat er großen Respekt. Dieser Massenmörder war und ist auch nur eine Marionette Satans.
Pfui

Was „Waeltwait“ vergessen hat: Barack Obama ist selbstverständlich auch noch Kommunist, Sozialist, Atheist und Moslem. Pfui!

Abgründe

Der heute auf kath.net zitierte FAS-Autor Moritz Gathmann fühlt sich bei Pussy Riot an die 1. Generation der RAF erinnert, die sich durch die Bundesrepublik bombte und mehrere Menschen tötete.

Dass so ein hanebüchener Unfug in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erscheint und von kath.net begierig und unkritisch übernommen wird, erinnert an schlechten Journalismus – was freilich weder bei kath.net noch bei der FAZ, wo die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen erst kürzlich als notwendiger Weckruf für „das Ende der Utopie namens Multikulturalismus“ gedeutet wurden, besonders überrascht. Nicht zufällig wurde das Thema auch schon vor Tagen von kreuz.net aufgegriffen.

Zu dem unsagbar dummen RAF-Vergleich wurde z. B. hier alles gesagt. Dort findet sich auch der Hinweis, dass nur eines der drei Mitglieder von Pussy Riot bei den kritisierten Aktionen des Kollektivs Vojna teilnahm.

Ob, wie kath.net pikiert schreibt, „pornographisch anmutende Aktionen“ wie eine „Gruppensexperformance“ im Museum zu begrüßen oder abzulehnen sind, liegt vermutlich im Auge des Kunstkritikers und es ist durchaus nachvollziehbar, wenn sich der Daumen des Betrachters dabei senkt.
Aber: Diese Vorkommnisse mögen in einer totalitären katholischen Traumwelt Einfluss auf das Urteil zu einem wenige Minuten langen Auftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale haben. Wer allerdings eine sehr problematische Rechtsprechung in einem halb-autoritären Staat wie Russland mit dem Aufzählen vermeintlich oder tatsächlich unmoralischer Handlungen zu rechtfertigen sucht, die in keinem Zusammenhang mit dem „Punkgebet“ stehen, für das die drei Pussy Riot-Mitglieder verklagt wurden, hat so einiges am Prinzip einer unabhängigen Judikative nicht ganz verstanden.

Und wieso Moritz Gathmann, der noch 2009 an gleicher Stelle beinahe enthusiastisch von der „Kunst-Guerilla“ Vojna schrieb, die damals zu Helden der Opposition stilisierten Künstler(innen) auf einmal mit Terroristen vergleicht, erschließt sich nicht wirklich auf den ersten Blick. Vielleicht hat auch die FAZ mittlerweile entdeckt, dass blanke Polemik mehr Klicks bringt als sachlicher Journalismus, der ohne Superlativen auskommen muss.