Das ist nicht die ganze Wahrheit

Volker Beck, wegen seiner Homosexualität und der Parteizugehörigkeit (Die Grünen) eine Lieblingsfeindfigur der deutschen (christlichen) Rechten, setzt sich für das religiöse Recht auf Beschneidung ein. Dafür wird er, wie er in einem Zeit.de-Interview erklärte, von Atheisten kritisiert: „Auch die Weltanschauung des Atheismus“ könne, so Beck, „fundamentalistische Züge annehmen“.

So ein schönes Zitat, das alle Vorurteile zu belegen scheint, findet auch ein evangelikaler Nachrichtendienst wie idea nicht alle Tage, weshalb man dort um den Satz herum einen Artikel zimmerte, der heute auch auf kath.net veröffentlicht wurde. Dort wird der Eindruck erweckt, als wären die Beschneidungsgegner eine homogene Gruppe von Atheisten; als stünden einzig und allein religionsferne Menschen hinter den „massiv ablehnende[n] bis hasserfüllte[n] Reaktionen“, die Beck im Internet begegneten. Ebenfalls wird suggeriert, dass es Atheisten wären, die ihn per Mail als „Judenknecht“, der dem Zentralrat der Juden „in den Arsch“ krieche, verunglimpft hätten.

Dabei verschweigt der Artikel den Interview-Zusammenhang: Zwar geht Beck kurz auf die atheistischen Reaktionen ein, dass das Wort „Judenknecht“ bzw. der Großteil der hasserfüllten Kommentare aber von Atheisten stammen soll, geht aus dem Interview nicht hervor. Ganz im Gegenteil:

ZEIT ONLINE: Aber der Shitstorm bezieht sich doch nicht nur auf die Religion schlechthin. Er bezieht sich hier ganz konkret auf Juden und Muslime.

Beck: Selbstverständlich. In einer E-Mail bin ich als „Judenknecht“ tituliert worden, der dem „Zentralrat der Juden in den Arsch kriecht“. Die Juden würden sowieso alles in dieser Gesellschaft dominieren. Ich habe Strafanzeige erstattet. Wenn ich bei manchen Tweets nachschaue, was die Person sonst noch so alles schreibt, dann stellt man fest, das sind oft auch Leute dabei, die sich auch gegen die Solidarität in Europa wenden, gegen den Rettungsschirm, für die Wiedereinführung der D-Mark, gegen das Existenzminimum von Flüchtlingen.

Es überrascht nicht wirklich, dass diese offensichtlich rechtspopulistischen Pöbler im Artikel keine Erwähnung finden: Schließlich machen sie, das zeigen die vielen Kommentare unter einschlägigen Artikeln, einen nicht unwesentlichen Teil der kath.net-Leserschaft aus.


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