Kein Wunder

Die Buchtipps auf kath.net erinnern stark an die von Bildzeitung und Lidl organisierten Aktionen zu Großveranstaltungen: Sie sind (mittlerweile recht) selten zu bewundern (ha!), preisen marktschreierisch fragwürdige Produkte an und werden nicht als das deklariert, was sie eigentlich sind: Werbung.

Ein aktuelles Beispiel ist das Buch „Wunder … passieren jeden Tag“, das in den letzten Wochen schon auf einem Banner beworben wurde. Der heutige Artikel wurde 1 zu 1 aus einer Pressemitteilung des Sankt Ulrich-Verlags entnommen, wo das Werk auch erschien. Unter diesem Text steht der für kath.net-Buchtipps übliche Hinweis, wie man das Buch am besten erwerben kann: natürlich über kath.net selbst.

Auf arglose Leser muss auch dieser Buchtipp wie eine (begeisterte) Rezension wirken: Die Autorin habe hier, so der Pressetext, „vor allem die scheinbar unscheinbaren Geschichten von Gebetserhörungen und spontan erlebten Wundern zusammengetragen“, und zeige, „dass [Gott] mit seiner „Geheimtinte“ Botschaften in unserem Leben hinterlässt, die es für uns zu entziffern gilt“.

Die Qualität des Buchs lässt sich schon an einem der „Wunder“ ablesen, die angerissen werden: Eine Frau, die an Multipler Sklerose gelitten habe, sei auf einer Pilgerfahrt „überraschend“ geheilt worden. Dabei wird die Krankheit als „todbringend“ beschrieben – und das ist nachweislich falsch.
Abgesehen vom kaum überprüfbaren Wahrheitsgehalt dieser Story findet sich dann doch noch ein schönes Detail: Nachdem die Frau ihrer Heilung gewahr geworden sei,

telegrafiert [sie] ihren Kindern ganz lapidar die vier Worte: „Bin geheilt. Eure Mutti“.

Und immerhin das wäre in Zeiten von Skype, SMS und Email tatsächlich ein Wunder.


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