Die undichte Stelle

Update: Das Landgericht Hamburg hat eine einstweilige Verfügung ausgesprochen und verbietet es der Titanic, die aktuelle Ausgabe weiterhin zu verkaufen. Die an den Handel ausgelieferten Exemplare sind allerdings noch verfügbar. Der Titanic-Shop hat aus lauter Schusseligkeit auch die noch nicht bezahlten Vorkasse-Bestellungen ausgeliefert. Das kann in der Eile ja mal passieren.
kath.net hat zur Feier des Tages einen Banner gebastelt, der ein untergehendes Schiff, einen Daumen und einen Richterhammer vereinigt.
Über verschlungene Wege ist nun übrigens auch ein Bild vom feiernden Benedikt aufgetaucht.

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Die Liste der Menschen, die die Titanic verklagt haben oder es zumindest in Erwägung zogen, ist lang: Björn Engholm, Johannes Rau, Friedrich Merz, Benjamin von Stuckrad-Barre, Kurt Beck, usw. usf. Selbst der DFB zeigte sich nur mittel erfreut, als das Frankfurter Satiremagazin die Fußball-WM 2006 durch Bestechungsgeschenkkörbe voll Wurst und Kuckucksuhren nach Deutschland holte: Für kurze Zeit stand die Schadensersatzforderung von immerhin 600 Millionen D-Mark im Raum. Der damalige Chefredakteur Martin Sonneborn konnte die Zahlung abwenden, indem er sich verpflichtete, nie wieder Einfluss auf die Vergabe einer Fußball-Weltmeisterschaft auszuüben.

Nun versucht mit dem Papst ein ausgewiesener Satire-Fan, die Zeitschrift in ihre Schranken zu weisen: Benedikt XVI. persönlich hat offenbar eine Bonner Kanzlei damit beauftragt, eine Unterlassungserklärung gegen die Titanic zu erwirken. Augenscheinlich fühlte er sich vom aktuellen Titelbild (es lässt sich noch u. a. auf kress.de begutachten) nicht besonders gut unterhalten: Dort ist ein erfreuter Papst zu sehen, dessen Kleidung von einem gelben Fleck geziert wird. In Anspielung auf den Vatileaks-Vorfall steht darüber „Halleluja im Vatikan. Die undichte Stelle ist gefunden!“
Die Titanic schreibt heute: „Es ist das erste Mal, daß ein Papst zivilrechtlich gegen TITANIC vorgeht.“ Chefredakteur Leo Fischer stellte klar, es handle sich vermutlich um Fanta, die der Papst aus Freude über die Festnahme des Maulwurfs vergossen habe.

Wie vor ziemlich genau zwei Jahren ist kath.net auch heute not amused: Damals versuchte man sich an einer wochenlangen Kampagne gegen das April-Titelbild der Titanic – und scheiterte. Auch die Aufregung um das aktuelle Cover dürfte keine rechtlichen Folgen haben, denn einer guten Tradition folgend werden alle Heftinhalte vor Veröffentlichung rechtlich geprüft. Und zur Not kann man sich glücklicherweise immer noch auf die Kunstfreiheit berufen.

Was Kunst ist, sehen die kath.net-Leser naturgemäß anders und ermöglichen damit unbewusst den sog. Streisand-Effekt: Das Titelbild, das einer breiteren Öffentlichkeit unter Umständen unbekannt geblieben wäre, wird nun bekannt gemacht. Unter dem (ersten von hoffentlich vielen lustigen folgenden) Artikel sammeln sich all jene, die genau wissen, was Satire darf: Gar nichts. So findet etwa „Dottrina“:

Widerlich,
wie in diesem Titelbild der Papst beleidigt wurde. Eine Arbeitskollegin hatte mir das Bild ausgedruckt; sie fand es auch noch lustig. Ich war stinksauer. Hoffentlich hat der Heilige Stuhl rechtlich Erfolg! Solche Gemeinheiten muß niemand hinnehmen!

Während „kreuz“ „ein „Schuß vor den Bug“ (der sogenannten Pressefreiheit, mit der sie sich wieder verteidigen werden)“ für nötig hält, senkt auch „placeat tibi“ den Daumen:

Proletenniveau
Erbärmlich, diiese zu echter Satire unfähige Schmuddelgazette.
Wenn manipulierte Photos andere Personen derart entwürdigend darstellen, ist die Grenze „künstlerischer“ Freiheit überschritten. Hoffe die „Titanic“ kriegt ein großes Leck durch den Prozeß – so wie sie jetzt ist, möge sie bitte bald absaufen!

„Evalyne“ stellt klar, dass es sich hier um eine Beleidigung handle und keinesfalls um Humor. Und „verus“ kann offenbar nicht glauben, dass es sich um einen Fantafleck handelt:

Titantic lügt
Letzte Woche rief ich diesen Chefredakteur Herr Fischer an. Er gab zu, dass es sich um eine Fotomontage handelt, die den Papst als inkontinent darstellt.

Bemerkenswert übrigens, dass sich kath.net nicht über die Rückseite der aktuellen Titanic echauffiert: Dort ist zu sehen, dass sich der Papst vor lauter Freude offenbar aus Versehen zu allem Überfluss auch noch auf einen Schokoladenkuchen gesetzt hat.


1 Antwort auf „Die undichte Stelle“


  1. 1 uboot 10. Juli 2012 um 16:27 Uhr

    hatte schon Erfolg.
    bitte auch die updates „verfolgen“.
    einstweilige Erschießung des Fäkal-Humors :-)

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