Archiv für Juli 2012

kath.net-Autoren anderswo ii

Nachtrag zum gestrigen Beitrag über Andreas Unterberger, der die österreichische Zeitschrift Zur Zeit verteidigte, die das Wort ‚Neger‘ in einem Artikel über Asylbewerber verwendete:

Auch der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, dessen KLARTEXT-Kolumne auf kath.net gleichsam berühmt wie berüchtigt ist, kam der der FPÖ nahestehenden Zur Zeit bedrohlich nahe: Er veröffentlichte dort einen Gastkommentar.

Die nicht ganz korrekte Datumsangabe weist darauf hin, dass der Artikel wohl aus der Frühzeit von kath.net stammen muss – dafür sprechen auch einige Andeutungen im Text selbst.
Nur um noch einmal deutlich zu machen, mit was für Menschen sich Andreas Laun da in ein Boot gesetzt hat, und was in Zur Zeit in diesen Jahren so geschrieben wurde:

- Im Dezember 1997 wurde von dem Autor und Engelwerk-Mitglied Robert Prantner ein Artikel publiziert, der angebliche Verbrechen, sogenannte Ritualmorde von Juden an Christen anprangert. Für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) war dieser Artikel geeignet, „antijüdische Ressentiments in der Öffentlichkeit zu mobilisieren.“
- Im Jahr 1999 schrieb die Zeitung von Adolf Hitler als „großem Sozialrevolutionär“, der am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs keine Schuld hätte, Winston Churchill sei der Schuldige. Der Autor des Artikels wurde verurteilt, Mölzer jedoch konnte glaubhaft nachweisen, dass er als Chefredakteur vor Drucklegung nichts vom Inhalt des Artikels gewusst hatte. Das Medienecho war enorm.
- Im Jahr 2000 wurde unter dem Pseudonym Norbert Niemann ein Ende der Vergangenheitsbewältigung gefordert und etwa dem österreichische Nachrichtenmagazin Profil der Eindruck vermittelt, dass die Juden für den Antisemitismus verantwortlich seien.
- Im September 2004 erstattete der DÖW Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz. Der Anzeige zufolge enthielt ein mit „E.B.“ gezeichneter Artikel antisemitische Formulierungen und endete mit der NS-Parole: „Deutschland erwache!“. Die Staatsanwaltschaft Wien konnte jedoch keine Verhetzung erkennen, allerdings verurteilte der Österreichische Presserat den Artikel.

kath.net-Autoren anderswo

Andreas Unterberger ist ein vielbeschäftigter kath.net-Gastkommentator und wird in der Rubrik „Anderswo“ oft und gerne verlinkt. Er setzt sich für all jene ein, die in dieser kalten Gesellschaft über keine Lobby verfügen: Für Kellner, die keine homosexuellen Gäste bedienen möchten; für arme Männer, die der mehrfachen Vergewaltigung bezichtigt werden („In jeder normalen Umgebung würde diese Frau […] ausgelacht werden“); oder für all jene, die das Christentum „in einem Kulturkampf“ wähnen, „der an den Kampf der Nationalsozialisten gegen die katholische Kirche“ erinnere.

Nun hat Andreas Unterberger eine neue unterdrückte Gruppierung ausfindig gemacht: Die von zwei der FPÖ nahestehenden Journalisten geführte Zeitschrift Zur Zeit. Die wurde kürzlich vom österreichischen Presserat gerügt, weil in einem Artikel über Asylbewerber mehrfach das Wort „Neger“ fiel.

Unterberger versteht nun, wie er in seinem Blog offenbart, die Welt nicht mehr: Es sei „unfassbar, wie rasch die Diktatur der Politischen Korrektheit“ voranschreite; und überhaupt komme so etwas eben heraus, „wenn Gewerkschafter und Herausgeber sich zu Hütern der Pressefreiheit aufschwingen.“ Hysterisch schlägt er verbal um sich und meckert über „Peter Pilz und Konsorten“, „lügnerisch manipulierte Auflagen-Meldungen“ und den „von Desinformation und Korruption durchfressenen Medienfilz“. Am beanstandeten Wort kann Unterberger hingegen nichts Problematisches erkennen, in seinem Duden würde es schließlich nicht als umgangssprachlich bezeichnet.

Die Verteidigungsschrift Andreas Unterbergers, dessen Blog noch vor wenigen Tagen erneut durch kath.net verlinkt wurde, ist nicht nur wegen der offenkundigen Sympathie zu ‚Neger‘-Sagern problematisch: Die Zeitschrift Zur Zeit, die er in Schutz nimmt, fiel nämlich schon in der Vergangenheit durch gewisse Probleme mit dem Presserat auf. 1999 beispielsweise wurde Adolf Hitler dort als „großer Sozialrevolutionär“ angepriesen, der im Gegensatz zu Winston Churchill unschuldig gewesen sei am Ausbruch des 2. Weltkrieges. Und 2004 endete ein Artikel mit dem NS-Wahlspruch „Deutschland erwache!“

Zwei linke Hände

Verbringt man Tag für Tag im Internet, kommt man kaum an der Versuchung vorbei, ein eigenes Meme zu kreieren und es etablieren zu wollen. Memes, das sind beispielsweise diese drolligen ‚I can has Cheeseburger‘-Katzen, ‚Star Wars Kid‘-Videos, Links zum unvermeidlichen ‚Never gonna let you down‘ oder zünftige (auch hier in den Kommentaren immer mal wieder anzutreffende) ‚Mia san mia!‘-Ausbrüche.

Ein trauriges Beispiel für eine Idee, die sich vermutlich niemals durchsetzen wird, ist ein Vergleich, den sich kath.net-Leser „Dismas“ ausgedacht hat, und der mit „Das legendäre Schuh-Gleichnis“ hinreichend gut beschrieben ist. Den Ausgangspunkt für „Dismas“‘ diffizile Überlegungen bildet die Formulierung „Paar“ in kath.net-Texten, sofern sie im Zusammenhang mit zwei einander liebenden Homosexuellen verwendet wird. Ist das der Fall, versteht „Dismas“ keinen Spaß mehr und muss einschreiten – Homosexuelle könnten schließlich keine Paare sein, das sei wie bei zwei linken Schuhen.

Im August 2010 musste „Dismas“ erleuchtet worden sein: In der Geburtsstunde dieses Memes wurde der homophobe Irrsinn eines durchschnittlichen kath.net-Kommentars erstmals auf die Meta-Ebene gehievt. Es sei, so „Dismas“, „ein furchtbarer Fehler“, Homosexuellen „Kinder zu überlassen“. Um die Aussage dieses klugen Satzes zu unterstreichen, wies „Dismas“ betont sachlich auf eine ungeheuerliche Ungenauigkeit hin: „es sind keine „Paare“, seit wann sind z.B. zwei linke Schuhe ein Paar??“
Die Katze war hiermit zwar offiziell aus dem Sack geholt, doch die anderen Leser steckten sie rasch zurück: Der Ruf verklang ungehört, der Beifall blieb aus.

Im Oktober, zwei Monate später, erklärte „Dismas“ im zweiten Anlauf, dass es „je kein ‚Homo-Gen‘“ gebe, überhaupt seien homosexuelle Eltern „seelische[r] Kindesmissbrauch“. Aus dem anschließenden Schuh-Gleichnis war unterdessen das flüchtige, unsichere „z.B.“ des ersten Versuchs gewichen: Hier hatte jemand schon früh seine Bestimmung gefunden, und das sollte jeder mitbekommen. In seiner „Bitte an die Redaktion“ betonte „Dismas“ siegesgewiss, „diese Begrifflichkeit“ eines homosexuellen Paares sei Unfug, weil: „zwei linke Schuhe sind kein Paar!“
Es folgten noch einige weitere Anläufe: im Dezember 2010, im Januar 2011, im Mai 2011 und im Juli 2011.
Die Idee war gut, die Welt noch nicht bereit – niemand übernahm den gleichsam flotten wie griffigen wie solide menschenverachtenden Slogan. Der Traum schien ausgeträumt, die vielen entbehrungsreichen Stunden mit Alkohol und Gänsefeder am Kamin, die einen Schuh-Vergleich wie diesen erst möglich machten, hatten sich offensichtlich nicht ausgezahlt.

Nach einer viel zu langen Wartezeit wurden dann vor wenigen Tagen die Befürchtungen zerstreut, nicht nur alle anderen Menschen hätten mit dem Schuh-Gleichnis ein herausragendes Beispiel für die Kunstfähigkeit der Menschheit im frühen 21. Jahrhundert vergessen, sondern auch „Dismas“ selbst. Ziemlich genau ein Jahr hat es gedauert, bis ein zweiter Versuch unternommen wurde, Homosexuelle mit Schuhen zu vergleichen:

Am 10. Juli 2012 warnte „Dismas“ die kath.net-Redaktion nun erneut davor, „die ideologische Terminologie des Mainstreams“ zu übernehmen: Ein homosexuelles Paar, „darunter wäre eigentlich ein Mann und eine Frau zu verstehen, die jeweils homosexuell sind, denn zwei linke Schuhe sind doch auch kein Paar.“ Weil dieser Beitrag allerdings nicht so begeistert zurück begrüßt wurde wie erwartet – es setzte auf der Bewertungsampel glatt Rot – hob „Dismas“ vier Tage später zum vorläufig letzten verzweifelten Versuch an, das mühevoll erdachte Meme unter das Volk zu bringen: „‚Homo-Ehe‘, so etwas gibt es schlicht nicht. Zwei linke Schuhe sind auch kein Paar Schuhe….“
Keine Reaktion der anderen Leser. Es ist wie verhext.

Und auch wenn „Dismas“ beim Dichten von Memes also bloß über zwei linke Hände verfügen mag: In der Kreativabteilung von kreuz.net ist sicher noch Platz für ein solch missverstandenes und unangepasstes Genie, das den Zorn des linkslinksgrünversifften Zeitgeistes ebenso wenig fürchtet wie den letzten kleinen Rest an schlechtem Gewissen, das nach all den Jahren der Hetze noch übrig geblieben sein mag. Vielleicht geht „Dismas“ aber auch in die Werbung und arbeitet an einer Imagekampagne mit. Zum Beispiel für die Avocadosorte Hass.

Noch eine Expertenmeinung zur Titanic

Nachdem die investigativen kath.net-Leser etwas geforscht hatten und herausfanden, dass in der Titanic keine Anzeigen großer Konzerne zu finden sind, analysiert „Martyria“ gewohnt sachlich die Lage:

aber wenn das alles ist, was dieses Schmierblatt an (mir bis dato gänzl. unbekannten) Inserenten zu bieten hat, dann erschließt sich mir nur Folgendes:
a) Entweder ist die Finanzsituation des Blattes ohnehin im Keller; dann säuft die Titanic ab.
b) Die selbstreferntiellen Inserate (v.a. die linken Postillen) weisen auf eine Verflechtung der Szene hin, die im eigenen Saft schmort.
c) Oder: Hinter den Blättchen stecken mächtige Geldgeber, welche die linke Propaganda künstlich am Leben erhalten. Der größte Verleger in D ist übrigens zumind. mittelbar die SPD. Dann wird sich nichts ändern.

Einmal Weltverschwörung und zurück – ein ganz normaler Abend für kath.net-Leser wie „Martyria“.
„Idemar“ hat ebenfalls eine tolle Idee: Nazigold DDR-Vermögen hält die Titanic am Leben:

An der Wand hinter dem Schreibtisch des „Chefredakteurs“ hängt ein altes Fotportrait von Walter Ulbricht. Nebenfrage: Sind schon alle Gelder geortet, die die SED 1989 schnell hat verschwinden lassen? Könnte ja sein, dass die linken Werbungen nur Deckmäntelchen darstellen. Das müsste doch interessieren, woher die Gelder des Magzins kommen, die es möglich machen würden, dass es gegen den Vatikan durch alle Instanzen ziehen könnte.

Expertenmeinung zur Titanic

Erwartungsgemäß stößt sich kath.net auch am neuen Titanic-Cover: Nachdem das Heft im letzten Monat mit „Die undichte Stelle ist gefunden“ für Aufsehen sorgte, ist der Papst auf der heute erschienenen Zeitschrift mit Kussmündern und bunten Kinderhandabdrücken übersät. In der Kommentarspalte wird überlegt, wie man dem Frankfurter Satiremagazin wohl am Besten schade könnte. Dabei wird endgültig deutlich, dass der erzkatholische Mob keine Ahnung von der Titanic hat – Pöbel-Institution „M.Schn-Fl“ hat da nämlich eine Idee:

Eine gute Form sich zu wehren,
wäre, die Firmen, die in diesem Machwerk inserieren, wissen zu lassen, daß man ihre Produkte nicht mehr kaufen will.
Denn von den Inserenten lebt jedes Magazin und jede Zeitung.
Wenn das genügend Menschen tun, dann zeigt das erfahrungsgemäß Wirkung.

Die Titanic ist bekannt dafür, der Unabhängigkeit halber auf Werbung von großen Konzernen zu verzichten; stattdessen werden deren Kampagnen oft parodiert. Anzeigen werden in der Regel nur von kleinen bis mittelgroßen Verlagen und linken Zeitschriften geschaltet. Es ist wohl auszuschließen, dass sich unter den kath.net-Lesern viele begeisterte taz-, Jungle World- oder konkret-Abonnenten befinden.