„Nicht nur unkatholisch, sondern auch ekelhaft“

Ein Kommentar des Journalisten Gabriel Krohn zur anlaufenden Kampagne gegen Markus Kremser (vgl. hier):

Dieser Tage erschien im Donaukurier ein Artikel, in dem das private österreichische Internetportal „kath.net“ nicht besonders gut weg kam. Von anonymer Hetze im Netz war da die Rede, von rechtsextremen Kommentatoren, von Verbindungen zu kreuz.net, einem Portal, das sich ebenfalls katholisch nennt, aber so radikal ist, dass es inzwischen vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Manches in dem Artikel war richtig, manches war falsch. Zum Beispiel stimmt es nicht, dass kath.net und kreuz.net die gleichen Server in Amerika benutzen.
Da hat eine Redakteurin versucht, auf die Gefahren eines Internetportals aufmerksam zu machen, was aber nur seriös gelingen kann, wenn man dieses Internetportal auch über einen längeren Zeitraum beobachtet. Wenn man ein paar Hintergründe kennt.

Das größte Problem von kath.net ist gar nicht so sehr die Redaktion selber. Das sind ein paar engagierte Katholiken, sehr traditionalistisch eingestellt, die sich dazu berufen fühlen, ihre Form von Katholizismus zu propagieren und als die allein gültige zu präsentieren. Was natürlich Unsinn ist, denn „katholisch“ bedeutet „allumfassend“ und die Kirche hat nur deshalb 2000 Jahre überlebt, weil sie sich mit dem Blick auf die Tradition immer wieder erneuert und Einflüsse aus unterschiedlichen Richtungen zugelassen hat. In der Welt der kath.net-Redaktion wird das nicht so gesehen, weswegen man sich auf fünf innerkatholische Gruppen eingeschossen hat und keine Gelegenheit aus lässt, diese zu kritisieren. Das sind zum einen die Jesuiten, dann der Bund der deutschen Katholischen Jugend und – jetzt wird‘s ein bisschen umfassender – die Deutsche Bischofskonferenz samt dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, dem größten Laiengremium. Hinzu kommt der Katholische Frauenbund mit 220.000 Mitgliedern.

Gefördert werden dagegen von kath.net vorzugsweise jene, die mit strenger Hand versuchen, das Kirchenvolk zu regieren. Etwa der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa, den der Papst in Rekordtempo von seinen Ämter entbunden hat. Eine Aktion, die kath.net seinerzeit versuchte, auf eine Intrige zurückzuführen. Als ließe sich der Heilige Vater von Geschwätz beeinflussen. Dann Bischof Huonder aus der Schweiz, dem sogar die meisten seiner Kollegen eine Form von Seelsorge bescheinigen, die eher die Sorgen vergrößert. Aber Huonder ist der alten, lateinischen Messe nicht abgeneigt, was ihn für kath.net fast zu einem Helden macht. Selbst im Vatikan dagegen wird diese Form der Messfeier als „außerordentlicher römischer Ritus“ bezeichnet und kein Papst in den letzten Jahrzehnten hat sie bei einem öffentlichen Gottesdienst gefeiert. Aber man kann ja zwischendurch auch mal päpstlicher als die Päpste sein.

Tatsächlich versucht man bei kath.net, sich als besonders romtreu zu präsentieren – so lange das in die eigene katholische Welt passt. Wenn sich der Papst mit Vertretern anderer Religionen zum Friedensgebet in Assisi trifft, dann löst das allerdings schon mal Irritationen aus und dann darf auch mal in den Kommentaren über den früheren Papst Johannes Paul II. hergezogen werden, der diese Treffen initiiert hat. Wobei wir hier bei der größten und kritikwürdigsten Schwachstelle von kath.net sind: den Kommentaren, die unter den Artikeln erscheinen. Dabei ist es nicht so, dass jeder Kommentar automatisch erscheint und dass es zu ausgewogenen Diskussionen kommt, wie etwa in anderen Foren. Weil kath.net bei den Beiträgen unter den Artikeln aktiv selektiert und Menschen, die nicht auf kath.net-Linie sind, schnell mal sperrt, ist dieser Bereich presserechtlich Teil der Redaktion.

Und genau diesen Bereich meinte der Pressesprecher des Bistum Augsburg, Markus Kremser, als er davon sprach, dass dort regelmäßig Leute schreiben, die dem rechtsradikalen Spektrum nahe stehen. Der kath.net-Watchblog Episodenfisch hat dazu über mehrere Jahre unzählige Beispiele gesammelt und dokumentiert, weswegen dem Pressesprecher bestimmt nicht bange vor einer Anzeige ist. Ganz im Gegenteil, die Öffentlichkeit hat auch Vorteile, denn einige seiner Kollegen und sogar Bischöfe, auch römische Prälaten, wissen womöglich gar nicht, dass auf kath.net zuletzt mehrere Kommentare veröffentlicht wurden, die zum Beispiel „Pro NRW“ unterstützen, eine vom Verfassungsschutz als rechtsradikal eingestufte Wählergruppe. Eine deren Hauptakteurinnen hat bereits mehrfach namentlich auf kreuz.net publiziert, dem antisemitischen Portal. Mitarbeiter im Erzbistum München, die kreuz.net unterstützen, müssen übrigens mit beruflichen Sanktionen rechnen. kath.net hat damit weniger Probleme. Der Autor Alfons Adam beispielsweise durfte auf beiden Portalen schreiben.

Immerhin: Die namentlichen Beiträge von Marcus B., einem Autor, der auch für die NPD-Jugendorganisation tätig war, hat kath.net wieder gelöscht. Ohne sich allerdings von den Inhalten seiner Texte zu distanzieren.
Von Bischof Williamson, dem Holocaustleugner aus der Piusbruderschaft, distanziert man sich zwar bei kath.net offiziell, ließ sich aber in der Vergangenheit die Seite mit Werbung des Sarto-Verlags bezahlen, der zu 100 Prozent den Piusbrüdern gehört, einer Gruppe, die von Rom bis heute nicht anerkannt ist – und die Williamson ungeniert in ihren Reihen beherbergt. Im Sarto-Programm findet man jede Menge Literatur, die sich gegen den Papst, Rom und überhaupt die Kirche nach dem Konzil richtet.
Nun gut, so eine Geschäftsbeziehung kann ja mal passieren, wenn man sich im Kirchenkampf befindet. Auch, dass in einem Kommentar die Exkommunikation aller Mitarbeiter des Weltbild-Verlags gefordert wird. Also von ganzen Familien und von Menschen, die mit dem Programm des Hauses überhaupt nichts zu tun haben. Damit hat kath.net keine großen Probleme. Wenn jemand aber von außen das Portal kritisiert, dann drohen die Verantwortlichen sofort mit Anwälten und Kosten.

Jetzt beginnt die Internetzeitung eine seiner berühmten Kampagnen gegen den Augsburger Bistumssprecher, weil sich dieser weigert, seine Aussagen in Bezug auf die Kommentare auf kath.net zurückzunehmen. Man wirft ihm sogar vor, seinen Bischof mit gefilterten Informationen versorgt zu haben. Ohne Belege. Kommentiert wird das auf der Seite mit „unloyalem Schmarotzer“ und „Schmierfinken“ und „wär doch gelacht, wenn man diesen Mann nicht von seinem Posten wegbekäme“. Das ist nicht nur unkatholisch, sondern auch ekelhaft.


6 Antworten auf „„Nicht nur unkatholisch, sondern auch ekelhaft““


  1. 1 Administrator 20. Juni 2012 um 18:46 Uhr

    Vielen Dank noch einmal für den Gastkommentar!

    Dazu passend Noé auf der kath.net-Facebookseite:

    In jedem anderen Betrieb wäre Hr. Kremser wegen Illoyalität schon längst rausgeworfen worden.

    Und etwas später nennt er den Satz mit den rechtsradikalen Kommentatoren

    Hetzaussagen.

    Ich nehme an, wir dürfen uns auf eine lange, für kath.net immer peinlicher werdende Kampagne freuen.

  2. 2 Michael Schmitt 21. Juni 2012 um 10:28 Uhr

    Mit der Bewertung von kath.net durch ‚Episodenfisch‘ bin ich nicht einverstanden. Zu den meisten Einzelanalysen, mit denen das seinerseits tendenziöse Urteil „…unkatholisch…ekelhaft“ belegt werden soll, ließe sich sehr wohl Differenzierenderes sagen. Der Artikel versucht sich den Anschein von Objektivität zu geben, ohne wirklich zu überzeugen.

  3. 3 Klaus 21. Juni 2012 um 10:46 Uhr

    @Michael Schmitt

    Schön, dass sie hier ihre Meinung anbringen können.
    Aber glauben sie, auf kath.net Differenzierenderes sagen zu können?

  4. 4 Franziska 21. Juni 2012 um 11:02 Uhr

    @ Michael Schmitt

    Ich weiß ja nicht, in was für einen Welt Sie leben, aber eine Seite, die sich „katholisch“ nennt und Wörtern wie „Schmarotzer“ und „Schmierfink“ verwendet, ist in dem Artikel ziemlich exakt beschrieben.

  5. 5 Peter Otten 21. Juni 2012 um 11:49 Uhr

    Ich habe eine Kleinigkeit anzumerken: Es handelt sich bei einem der erwähnten fünf kritisierten Gruppen um den „Bund der katholischen Jugend“ (nicht den Bund der katholischen Kirche – mag sein, dass wir den zu unseren Lebzeiten noch erleben und dass dieser dann eine neue sechste zu bekämpfende Gruppe darstellen würde:-))

  6. 6 Nike 21. Juni 2012 um 13:25 Uhr

    Ein paar Auslassungen von Kommentatoren über Herrn Kremser, damit wird er in eine Reihe gestellt:

    „hochdotierte Schmierfinken, zwielichtige Gestalten wie (..) werden von den reichlich gefüllten Kirchensteuertöpfen angelockt wie Motten von einer Straßenlaterne,mit dieser Einstellung nur die Fünfte Kolonne der Feinde seines Dienstherrn, diese Intriganten hinter den Kulissen, notorischen Unruhestiftern,diesen Schmierfinken,solche schlimmen „Geisterfahrer“ und unloyalen Schmarotzer am Kirchenvermögen“ua.
    „Wär doch gelacht, wenn amn diesen MAnn nicht von seinem Posten wegbekäme …)“ sagt einer. Ein anderer Post: „daß er möglichst rasch hochkantig von seinem Posten fliegt“(nur das sei „Konstrukutiv“ im Fall Kremser, was dazu beitrage, so der Schreiber).

    Zuzüglich“ spannender Recherche“ so GANDALF, der dafür dankt, zu der vita das Herrn Kremser, in der ihm nachfolgend der Belobigte noch eine Schlagseite dahin zuspricht, die sich „durch horizontalistisch Zeitgeist-konforme Kirchenträumereien (..)“ und“antirömischen Affekt“ auszeichne.

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