Guten Morgen, Karsten Huhn!

Weltliche Medien gefallen der kath.net-Redaktion, wie man regelmäßig durchblicken lässt, eher so mittel. Der Hauptvorwurf: Sie würden nicht ausgewogen und neutral über katholische Belange berichten, den Papst stattdessen zu kritisch beäugen und im Umkehrschluss andere Gruppen bevorteilen. PI-Blogger nennen das in beneidenswert debiler Offenheit „linksversifft“, kath.net benutzt in der Regel den schönen Begriff „mediale Hetzjagd“.

Dabei geht es kath.net natürlich nicht ums Prinzip, nicht um ausgewogenen Journalismus für alle. Schließlich bedient man sich selbst nur allzu gerne manipulativer Berichterstattung, solange nicht die eigenen Leute und Institutionen betroffen sind. Anschaulich beobachten lässt sich das aktuell an einem Artikel vom idea-Journalisten Karsten Huhn.

Huhn berichtet von der Internationalen atheistischen Tagung 2012 in Köln, sein offenbar bestes Argument gegen die verachtenswerten Ungläubigen wird gleich zu Beginn des Artikels dreifach verschossen: „Guten Morgen, liebe Heiden!“ ist der Bericht überschrieben, „Guten Morgen, liebe Heiden“ ist der Beginn des zweiten Absatzes, „Good Morning“ ziert das begleitende Bild eines gähnenden Vogels (ein, haha, Huhn?). Die Fixierung auf die Begrüßung soll das Treffen wohl schon im Voraus lächerlich machen, was fraglos besser gelungen wäre, hätte Huhn auch die Zeit von mutmaßlich ca. 13:00 Uhr dazu genannt. Was den Artikel andererseits indes auch nicht gerettet hätte: Aus jeder Zeile perlt durch Ironie nur schlecht verdeckte Abscheu und der Wille, jede einzelne Minute der Veranstaltung in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.
Da wird zunächst aufgezählt, ein Drittel der Deutschen sei mittlerweile konfessionslos und der Veranstalter habe verlautbaren lassen, dass der Atheismus soviel Zuspruch wie selten zuvor erfahre. Das kann Huhn natürlich nicht so stehen lassen, stattdessen versteigt er sich in einen hanebüchenen Vergleich:

So attraktiv scheint die Ablehnung Gottes dann aber doch nicht zu sein. Während zu Kirchen- und Katholikentagen Zehntausende pilgern, sind zum „Atheistentag“ nach Köln nur 200 bekennende Gottlose gekommen.

Nun sind Atheisten in der Regel nicht organisiert und haben im Vergleich zu christlichen Veranstaltungen knapp zwei Jahrtausende aufzuholen; zudem dürfte die Teilnehmerzahl bei einer durchschnittlichen katholischen Tagung nicht signifikant höher sein. Doch darum kümmert sich Huhn nicht, er berichtet lieber von den T-Shirts der Teilnehmer und davon, dass eine eher unbekannte SPD-Politikerin die prominenteste Rednerin sei (was ebenfalls zweilfhaft scheint).

Der Aufruf, mit Gläubigen ins Gespräch zu kommen, wird auf diese Weise schon mal zum „atheistischen Missionsbefehl“ verklärt, die Kritik am Christentum zur manischen Beschäftigung umgedichtet. Dass ein ehemaliger evangelikaler Prediger, der mittlerweile als Atheist lebt, seinen früheren Glauben noch immer öffentlich thematisiert, wertet Huhn als Zeichen, dass dieser nicht „los vom Christentum“ komme, schließlich habe er schon „98 öffentliche Diskussionen“ geführt. Überhaupt handle es sich bei all der Kritik am christlichen Glauben letztlich nur um den Wunsch, „Gott eine reinzuhauen“: Atheisten, die sich ihrer Sache sicher seien, könnten doch „bei einer Schorle am Rhein sitzen“ statt „mit Inbrunst“ auf einen Gott „einzuschlagen“, den es ihrer Meinung nach nicht gebe. Diese Menschen, die ihre Zeit für Diskussionen nutzen, sind für Huhn „strenggläubige Atheisten“. Und überhaupt handle es sich bei all den Reden auch nicht um Kritik, sondern um Versuche, „alle Schwächen, Versagen und Kuriositäten sämtlicher Religionen durch die Jauche“ zu ziehen.

Und weil Huhn gerade in der Laune ist, sich sachlich mit seinen Gegnern auseinander zu setzen, überschreibt er den nächsten Absatz mit „Die atheistischen Massenmörder“, verkürzt die Vorträge bis zur Lächerlichkeit und behauptet implizit, Hitler, Stalin und Mao hätten aufgrund ihrer (vermeintlich) atheistischen Weltsichten viele Millionen Menschen getötet/töten lassen.
Michael Schmidt-Salomon stellt er als Person vor, dessen Reden „von der Lust an Pointen, Polemik und Beleidigung“ geprägt seien, weshalb der Atheismus auch keine Zukunft habe:

Anstatt ständig die Nachteile des Glaubens zu benennen, müsse man künftig die Vorzüge des selbstbestimmten Lebens aufzeigen. Schmidt-Salomon hält diesen Vortrag schon seit Jahren. Warum benennt er nicht einfach selbst die Vorzüge des Atheismus? Ob das von ihm angekündigte Projekt „Evokids“ – das Evolutionstheorie an Grundschulen vermitteln soll – ausreicht, um Menschen für den Atheismus zu begeistern, darf jedenfalls bezweifelt werden.

Dass die im Rahmen der Tagung vorgenommene Preisverleihung des IBKA-Preises dann auch noch tatsächlich für die Nachwelt festgehalten wird, kommt Huhn ungeheuerlich vor:

Vier Kameras filmen das Ereignis, als handle es sich um den Eurovision Song Contest.

Er schließt:

Dass es sich um einen renommierten Preis handeln muss, ist daran zu erkennen, dass ihn zuletzt der Sexfilmer Oswalt Kolle erhalten hat.

Und dass es sich bei Karsten Huhn um einen renommierten Journalisten handeln muss, ist daran zu erkennen, dass er 2002 einen „Debattenbeitrag“ für die rechte Zeitschrift Junge Freiheit verfasste.


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